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Bedrohung durch CBRN und Sprengstoff

Ein Lagebild von Dr. Peter Kolla 

Betrachtet man die rasante technische Entwicklung des vergangenen 20. und bereits sich im 2. Jahrzehnt befindlichen 21. Jahrhunderts, muss sich diese auch in der Qualität der kriminellen und terroristischen Anschläge sowie der einhergehenden Bedrohungslagen niederschlagen. Dem modernen, aufgeschlossenen Bürger steht eine enorme Bandbreite moderner Technik zur Verfügung. Unmittelbar stehen jedem hierbei die unzähligen Möglichkeiten der Informations- und Medientechnik vor Augen. Grundlage für die hohe Verfügbarkeit und vielfältige Nutzung elektronischer Informationen ist die Entwicklung der mikroprozessorgesteuerten digitalen Signalverarbeitung bei gleichzeitiger Miniaturisierung von digitalen Speichern sowie der Ein- und Ausgabemöglichkeiten.

Bedrohung

Diese digitale Revolution ist in allen Anwendungsbereichen von Technik nutzbar. So sind parallel alle Anwendungen, bei denen Steuerungen auf Basis von Informationen jeglicher Art stattfinden, mit angewachsen. Bei allen modernen technischen Anwendungen werden im Grundprinzip Daten von Sensoren, die im einfachsten Fall mechanisch oder häufiger elektromagnetisch unter Nutzung des gesamten elektromagnetischen Spektrums oder über chemische bzw. biologische Wechselwirkungen arbeiten, mit entsprechender Datenverarbeitung und Steuerung von Wirkungselementen verbunden. Beispiele hierfür findet man in Transportmitteln (Fahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen), in der Energietechnik (Kraftwerke und Netzmanagement), aber natürlich auch in der Sicherheitstechnik (Alarmanlagen, Aufklärungssysteme, militärische Wirksysteme).

Von wenigen neuen Erkenntnissen in der Grundlagenforschung abgesehen, haben sich jedoch die physikalischen und chemischen Naturgesetze nicht verändert. So muss zur mechanischen Einwirkung auf Objekte oder Lebewesen eine entsprechende mechanische Energie zur Verfügung stehen. In gleicher Weise muss für eine elektromagnetische Beeinflussung eine passende Form und Höhe einer elektromagnetischen Energie bereit gestellt werden. Hierbei muss bei der Einwirkung auf Objekte oder Lebewesen zusätzlich eine ausreichende Wechselwirkung zur Einbringung der Energie gegeben sein. Bei Lebewesen können aufgrund der komplexen biochemischen Prozesse, die in Lebewesen zur Aufrechterhaltung der Funktionen ablaufen, diese auch ohne direkte Energieeinwirkung in den biochemischen Prozessen geschädigt werden.

Reduziert man diese abstrakten wissenschaftlichen Betrachtungen auf potenzielle Wirkmittel, die ein krimineller oder terroristischer Attentäter gegen Objekte oder letztendlich gegen Personen einsetzen kann, so muss er mechanische (kinetische) Energie, Wärme, chemische Energie oder Strahlung nutzbar machen.

 

Potenzielle Wirkmittel im kriminellen und terroristischen Umfeld

In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle krimineller oder terroristischer Anschläge sind diese mittelbar oder unmittelbar gegen Personen gerichtet.

In der mittelbaren Anschlagsform wird die Umgebung der zu treffenden Personen so stark beeinträchtigt / geschädigt, dass hierüber auf die Personen eingewirkt wird z.B. durch Zerstörung eine Gebäudes oder Transportmittels. Hierzu kann man auch Schädigungen der Nahrungsversorgung, der Energieversorgung, Verkehrsinfrastruktur oder Kommunikationswege zählen.

Häufiger findet man die unmittelbare Anschlagsform, bei der direkt auf Personen eingewirkt wird und diese dabei gesundheitlich stark geschädigt oder getötet werden.

Aus rein technischer Sicht kann man folgende potenzielle Wirkmittel auflisten, derer sich mögliche Attentäter bedienen:

  • Cyber-Waffen
  • Elektromagnetische Strahlung
  • Güter- und Personentransportmittel als Energieträger
  • Militärische Waffen
  • Schusswaffen
  • Hochleistungslaser
  • Biologische Agenzien
  • Radioaktive Stoffe
  • Kampfstoffe / Gifte
  • Improvisierter Nuklearsprengsatz
  • Chemische Gefahrstoffe
  • Sprengstoffe / -vorrichtungen
  • Brandlegungsmittel / Raumexplosionen

Moderne technische Entwicklungen haben ihren deutlichsten Einfluss bei Cyber-Waffen und elektromagnetischen Wirkmitteln genommen. Klassische Formen energetischer Materialien sind von neuen Technologien wenig beeinflusst.

Aus den genannten Wirkmitteln lassen sich alle Waffen, die CBRN Materialien, Sprengstoffe und Brandlegungsmittel für die unmittelbare Erzeugung von Wirkungen einsetzen. Selbstverständlich ist bei intensiver Analyse keine eindeutige Grenze zwischen unmittelbaren und mittelbaren Formen zu ziehen. Unter dem Aspekt der Täterabsicht sind die genannten Wirkmittel zum unmittelbaren Einsatz gegen Personen geeignet.

Reduziert man alle komplexen technischen Variationen potenzieller Anschlagsmittel unter den Aspekten Verfügbarkeit, Wirksamkeit und Einsetzbarkeit, so stehen neben „klassischen“ Schusswaffen insbesondere CBRN-Materialien und Sprengstoffe im Vordergrund. Diese werden im Folgenden näher betrachtet.

 


CBRN Materialien

Das Bewusstsein gegenüber Gefahren durch chemisch, biologische, radiologische oder nukleare Materialien wird von Experten immer wieder angemahnt. Sicherheitsbehörden, insbesondere in Deutschland, betrachten diese Gefahren jedoch eher theoretisch oder es werden oberflächliche Fähigkeiten der Gefahrenabwehr entwickelt. Der Grund hierfür liegt in der international sehr geringen Fallzahl von Anschlägen unter Nutzung von CBRN- Materialien.

An herausragenden Einzelfällen sind hier beispielhaft die Anschläge in der Tokioter U-Bahn mit Sarin 1995, die Serie von Anthrax-Briefen in den USA 2001 oder Sprengvorrichtungen in Verbindung mit Chlorgasflaschen im Irak 2005 oder ein versuchter Anschlag in Amman im Jahre 2004 zu nennen.

Wertet man die einschlägige Untergrundliteratur aus, so ist demgegenüber ein sehr intensives Interesse bzw. zumindest theoretische Beschäftigung mit derartigen Anschlagsformen zu erkennen. Der Schwerpunkt in der Untergrundliteratur liegt bei biologischen Toxinen und chemischen Giften. Die Ausbringung wird dabei sowohl in Nahrungsmittel als auch durch Dispersion beschrieben.

Als Argumente für die geringe Aufkommenszahl an Fällen mit CBRN Stoffen werden häufig das notwendige Expertenwissen und die geringe Verfügbarkeit angeführt. Die Intensität eines Expertenwissens wird dabei häufig überschätzt. Die beschrieben Anleitungen in der Untergrundliteratur sind überwiegend funktionsfähig und können auch von angelernten Attentätern übernommen werden.

Die geringe Verfügbarkeit betrifft in Deutschland nur radiologische und nukleare Gefahrstoffe in den notwendigen Mengen. Global betrachtet gibt es eine hohe Zahl verschwundener radioaktiver Quellen, mit denen Anschläge durchgeführt werden könnten. Anschläge mit radioaktiven Materialien (ausgenommen Nuklearsprengsätze) hätten in den wahrscheinlichen Szenarien (z.B. Dispersion über eine IED) zwar keine direkte tödliche Wirkung auf Personen, der psychologische Effekt einer radioaktiven Kontamination bzw. die potenziellen Folgewirkungen wären jedoch enorm hoch.

Unter den biologischen Agenzien ist die Verfügbarkeit von Toxinen (biologischen Giften) am ehesten gegeben. Herausragendes Beispiel ist das biologische Gift Rizin aus der Rizinuspflanze. Die Rizinuspflanze ist eine weit verbreitete Kulturpflanze und wird u.a. zur Ölgewinnung angebaut. Rizin lässt sich mit ein wenig Recherchen relativ leicht aus Rizinusbohnen extrahieren und als sehr wirksames Gift gegen Personen einsetzen. In 2012 gab es in Deutschland sogar einen Selbstmord mit Rizin. Vorbereitungen von Anschlägen mit Rizin wurden in den USA z.B. bei einer rechtsextremistischen Gruppe oder bei Untergruppen der Al-Qaida festgestellt. Ein anderes Beispiel ist das Botulinum-Toxin, das in sehr geringer Menge bei Faltenbehandlungen eingesetzt wird. Das Toxin wird von Bakterien ausgeschieden, die eine weite Verbreitung haben und z.B. für bestimmte Arten der Lebensmittelvergiftung verantwortlich sind. Das Botulinum-Toxin gehört zu den giftigsten überhaupt bekannten Stoffen. Anleitungen zur Herstellung können relativ leicht gefunden werden.

Krankheitserreger, die zu den biologischen Agenzien gehören, sind nicht einfach verfügbar. Hier sind jedoch durchaus Szenarien einer Ansteckung durch bewusst infizierte Attentäter denkbar. Insbesondere Krankheiten wie Ebola -, Lassa - oder Marburg - Fieber, die über Viren ausgelöst werden, sind sehr schwer zu behandeln. Der als B-Waffe bekannte Anthrax-Erreger, eine Bakterienform, ist wie oben angeführt bereits als Anschlagsmittel eingesetzt worden. Die Verfügbarkeit außerhalb von Spezialistenkreisen ist jedoch als sehr gering einzuschätzen.

Ein hohes Gefahrenpotenzial ist in den chemischen Gefahrstoffen (C - Stoffen) zu finden. Diese sind in einer sehr großen Stoffvielfalt und auch teilweise enorm großen Mengen aus industrieller Herstellung verfügbar. C- Stoffe können toxisch, ätzend, brennbar, explosionsfähig, krebserregend, erbgutschädigend und/ oder fortpflanzungsgefährdend sein. Entsprechend vielfältig sind denkbare Szenarien. Diese reichen von der Ausbringung derartiger Chemikalien über einfache Sprühsysteme, Einbringung in Nahrungsmittel bis zur Kombination mit Sprengvorrichtungen.

Weltweit sind derzeit ca. 31 Millionen Chemikalien bekannt, 70 000 davon werden regelmäßig industriell produziert, mehrere Tausend sind toxisch.

Das Gefahrenpotenzial von C-Gefahrstoffen muss insbesondere auch im Zusammenhang mit Explosivstoffen betrachtet werden. So ist die Verfügbarkeit gewerblicher und insbesondere militärischer Explosivstoffe in Deutschland sehr gering. Mit mehr oder weniger allgemein verfügbaren Chemikalien lassen sich Explosivstoffe hingegen relativ leicht selbst herstellen. Dieser Weg wird in Deutschland immer wieder beschritten. Hier entsteht dabei eine doppelte Gefahr. Einerseits durch den ggf. fertig hergestellten Explosivstoff, aber auch durch die Ausgangschemikalien selbst. Dies sind in vielen Fällen toxisch, ätzend und/ oder brennbar. Die selbst hergestellten Explosivstoffe sind in den meisten Fällen handhabungsunsicher. Sie können leicht durch Schlag oder Reibung zur Umsetzung gebracht werden.

 

Sprengstoffe

Die immer noch herausragende Form bei Anschlägen weltweit ist der Einsatz von Sprengvorrichtungen (IED). IED werden sowohl gegen Gebäude, gegen Transportmittel als auch gegen Personen direkt eingesetzt.

Die unvermindert hohe Anzahl von IED-Anschlägen ist auf folgende für Anschläge vorteilhafte Charakteristika zurückzuführen:

  • Spontane Freisetzung hoher Energiemengen
  • Große Varianz in Menge, Form und Art
  • Szenarien angepasste Konstruktion der IED
  • Ausbildung von Stoßdruckwellen mit großer zerstörerischer Wirkung
  • Durchdringung von Schutzmaterialien
  • Gerichtete oder ungerichtete Splitterbildung
  • Schnelle Ausbringung
  • Verdeckte Einbringung
  • Schlechte Erkennbarkeit
  • Selbstherstellung
  • Beliebige Kombination mit Auslösemechanismen (Sensorik, Zeit)
  • Gefahrlos für Attentäter / Auslösung aus großer Distanz
  • Großer Wirkungsradius bei Selbstmordattentätern


Das herausragende Merkmal von IED ist die Flexibilität der Verwendbarkeit. IED lassen sich auf das geplante Szenario bzw. das Anschlagsziel exakt anpassen. Die richtige Wahl der Einzelmodule Sprengstoff, Zünder, Auslösevorrichtung und Sensorik erlauben eine große Vielfalt individueller IED. Dies setzt natürlich auch eine entsprechende Verfügbarkeit und Fachkenntnis voraus. Es lassen sich jedoch auch schon mit sehr primitiven Mitteln IED vollständig im Eigenbau konstruieren. Als Beispiel könnte man die einfachste Form einer IED nennen, bei der ein Attentäter lediglich einen schlagempfindlichen Sprengstoff aus handelsüblichen Grundstoffen in einer Menge von ca. 500 g herstellt. Diesen braucht er lediglich ohne weitere Zündvorrichtung zum Zielort zu transportieren und dort durch Wurf zur Umsetzung zu bringen.

Die grundlegende Eigenschaft von IED ist das Potenzial von Sprengstoffen, eine sehr hohe Energie in kleinen Mengen gespeichert zu haben, die spontan freigesetzt werden kann. So enthält der oft als Vergleich herangezogene Sprengstoff Trinitrotoluol (TNT) eine Energie von 4,7 MJ in 1 kg. Dieses 1 kg entspricht mit 600 ml etwa der Größe einer halben Milchpackung. Bringt man dieses TNT zur Detonation, so wird in einem Bruchteil einer Millisekunde die Energie von 4,7 MJ freigesetzt. Deutlich für die Höhe dieser Energie wird ein Vergleich mit bekannten anderen kinetischen Energien wie z.B. beschleunigten Fahrzeugen. Ein modernes Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse mit einem Fahrzeuggewicht von ca. 1700 kg enthält die kinetische Energie von 4,1 MJ bei einer Geschwindigkeit von 250 km/ h.

Der hohe Energieinhalt von Sprengstoffen bei relativ kleinen Mengen ermöglicht auch den Bau von IED in Objekten des täglichen Lebens. Dies erschwert die Erkennung ohne technische Hilfsmittel enorm, das Gefahrenpotenzial für Anschläge steigt entsprechend. Variationen im Bau von IED reichen von der metallfreien Sprengvorrichtung, die am Körper getragen wird, bis zur fahrzeuggetragenen IED (VBIED) mit mehreren hundert Kilogramm Wirkladung.

Die Kombination mit moderner Technik in den Auslösemechanismen haben eine neue Dimension der Konstruktion von IED eröffnet. Es ist global bereits die Nutzung unterschiedlichster moderner Sensorik in IED zu beobachten. Funkausgelöste IED sind mittlerweile Standard. Insbesondere die zeitgerechte Aktivierung der Sensorik einer IED über Funk gehört zu üblichen technischen Formen von IED in Krisengebieten. Eine Verlagerung der technischen Modifikation aus den Krisengebieten nach Deutschland ist zu erwarten.

Alle oben genannten Charakteristika werden auch in Zukunft die Wahrscheinlichkeit der Anwendung von IED bei Anschlägen sehr hoch sein lassen.

 

Erkennung

In einer Bedrohungslage sind CBRN-Stoffe insbesondere in nicht zu großen Mengen kaum erkennbar. Solange keine Freisetzung stattgefunden hat, lassen sich C- und B- Stoffe aus der Distanz nicht detektieren. Im Nahbereich stehen verschiedene Detektionsmöglichkeiten zur Verfügung, die jedoch zeitraubend und/ oder technisch aufwändig sind. In den meisten Fällen benötigt man geringe Mengen des Stoffes selbst für einen Nachweis. Je nach Verpackung und Art des Stoffes sind diese geringen Mengen außerhalb des umgebenden Behältnisses nicht für eine Detektion vorhanden. Man ist darauf angewiesen, dass sich durch unsaubere Präparation Stoffspuren auf der Außenseite befinden oder der Stoff einen ausreichend hohen Dampfdruck zur Bildung einer nachweisbaren Menge in der Gasphase besitzt.

Bei einer direkten physikalischen Untersuchung sind auch spektrale Methoden anwendbar. Dies ist ohne Manipulationen an dem verdächtigen Gegenstand oftmals nicht möglich.

Radioaktive Stoffe lassen sich relativ leicht durch entsprechende Detektoren erkennen. Dies setzt natürlich voraus, dass der Stoff nicht zu stark abgeschirmt ist und eine ausreichend hohe Strahlung emittiert.

Sprengstoffe sind bezüglich der Erkennbarkeit vergleichbar mit C-Gefahrenstoffen. Die meisten Sprengstoffdetektoren sind nur im Nächstbereich anwendbar und arbeiten oft unzuverlässig. Bei Sprengstoffen steht die für viele Detektoren notwendige Spurenmenge mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit als bei C-Gefahrenstoffen zur Verfügung. Dies ist im wesentlichen auf den überwiegend sehr geringen Dampfdruck vieler Sprengstoffe zurückzuführen. Insbesondere bei plastifizierbaren Sprengstoffen, die wegen der hohen Brisanz bei gleichzeitiger beliebiger Formbarkeit von besonderem Interesse zur verdeckten Nutzung stehen, ist der Dampfdruck der sprengkräftigen Hauptkomponenten sehr gering. Spurendetektoren sind dann auf die Aufnahme von stofflichen Antragungen an der Außenseite des verdächtigen Objektes bzw. der IED angewiesen.

Für besondere Anwendungen, z.B. in der Luftsicherheitskontrolltechnik, stehen mittlerweile ausgereifte Sprengstoffdetektionssysteme auf Basis von Röntgenverfahren oder anderen spektralen Methoden zur Verfügung. Diese Technologien sind jedoch sehr anspruchsvoll und stehen für den mobilen Einsatz gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

Man kann sich zwar mit Sprengstoffspürhunden (SSH) behelfen, eine absolut sichere Aussage zum Vorhandensein von Sprengstoffen ist mit SSH nicht möglich. Sprengstoffspürhunde werden mit einer Auswahl an Sprengstoffen trainiert, die sie über deren Geruch erkennen sollen. Dies setzt einerseits voraus, dass Sprengstoffe einen substanzspezifischen charakteristischen Geruch haben und andererseits dieser in schnüffelbarer Menge auf der Außenseite von IED verfügbar ist. Beides ist nur mit Einschränkungen erfüllt. Es gibt keinen für alle Explosivstoffe typischen vergleichbaren Geruch, da die chemische Struktur der Explosivstoffe sehr unterschiedlich sein kann. Die chemische Struktur eines Stoffe ist jedoch ausschlaggebend für das Geruchsbild. Zusätzlich haben einige der sprengkräftigen Komponenten selbst einen für den Hund nicht zugänglich geringen Dampfdruck, so dass die Hunde beim Training begleitende Inhaltsstoffe des Sprengstoffes für die spätere Erkennung auswählen müssen. Treten diese Begleitstoffe nicht auf, ist der Sprengstoff für den Hund nicht erkennbar. Da einige Begleitstoffe auch andere Verwendung finden, ist das Auftreten von Fehlalarmen, also falschem Anzeigen des Vorhandenseins von Sprengstoffen, nicht selten.

Wie in allen Bedrohungslagen ist eine wesentlicher Baustein der Erkennung die Beurteilung der situativen Umstände auf Basis aller Erkenntnisse oder auch ungewöhnlicher Konstellationen. Technische Hilfsmittel zur Erkennung sind nur für ganz eingeschränkte Anwendungen einsetzbar. Hierzu zählen fest eingerichtete Kontrollstellen und geregelte Abläufe.

 

Schutz

Sowohl gegenüber CBRN-Stoffen als auch gegen IED gibt es vielfältige jedoch auch begrenzte Schutzmöglichkeiten.

Das höchste Gefahrenpotential bei CBRN-Stoffen ist über deren toxische Wirkung, insbesondere bei Aufnahme in den menschlichen Körper, zu erwarten. Deshalb sind grundsätzlich bei potenziellen CBRN-Bedrohungen Atemwege und ggf. Haut zu schützen. Zum Atemwegsschutz sind für Personen Masken und für Fahrzeuge z.B. Filtersysteme verfügbar. Übliche Masken und Filtersysteme können über einen Zeitraum von wenigen Stunden fast alle toxischen Substanzen abhalten. Kritisch auch bei Einsatz von Masken und Filtern sind schlecht filterbare Stoffe wie Kohlenmonoxid, welches z.B. bei Bränden entsteht. Hier können nur besondere chemische Filter oder eine autonome Luftversorgung schützen.

Schutz gegen IED- Explosionen ist nur eingeschränkt möglich. Hier ist insbesondere ein wirksamer Splitterschutz, vergleichbar ballistischer Schutztechniken, zu nennen. Der Stoßdruckwirkung kann man nur durch ausreichenden Abstand ausweichen. Sondergeschützte Fahrzeuge, die im zivilen Bereich zur Verfügung stehen, sind nach Schutzklassen eingestuft. Nur die höchsten Schutzklassen können einen teilweisen Schutz gegen die Einwirkung von Sprengvorrichtungen bieten. Bei IED- Explosionen in der Nähe von sondergeschützten Fahrzeugen sind nicht nur Menge des Sprengstoffes und der Abstand ausschlaggebend, sondern im wesentlichen die Konstruktion der IED. Gegen gerichtete Sprengladungen, wie sie bisweilen speziell zum Angriff gegen Fahrzeuge auftreten können, ist auch der besondere Schutzaufbau wirkungslos.

In allen Bedrohungslagen, ob CBRN oder Sprengstoffe, ist als indirekter Schutz immer eine hohe Mobilität zur Ermöglichung eines Abstandes als auch kurzer Aufenthaltszeiten essenziell.

 

Resümee

Aktuell und zukünftig muss im besonderen Bewusstsein der Lagebeurteilung die potenzielle Bedrohung sowohl durch CBRN Materialien als auch durch Sprengvorrichtungen vorhanden sein. Beide Bedrohungslagen werden durch Verfügbarkeit und das steigende Interesse bei kriminellen und terroristischen Gruppierungen immer wahrscheinlicher.

Technische Hilfsmittel zur Erkennung stehen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

Maßnahmen zum möglichen Schutz oder zu Reaktionen bei Anschlägen müssen spezifisch für verschiedene Szenarien vorbereitet sein.

 

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