Der Firmensitz von Hekatron im idyllisch gelegenen Sulzburg
Foto: © Hekatron

Individuelle Lösungen im Brandschutz

Von Thomas Lay

Aus Sulzburg, einer kleinen Stadt im Hochschwarzwald, kommt der Schutz für die eigenen vier Wände. Hier stellt die Hekatron Vertriebs GmbH Rauchwarnmelder und mehr her.

Die Wurzeln der Firma Hekatron liegen in Westfalen. Im Jahr 1963 gründete Hildegard Döring in Bielefeld eine Elektrofirma mit dem Namen Pyrotector Europe. Es war damals außergewöhnlich, dass eine Frau eine solche Firma führte. Außergewöhnlich waren aber auch die Produkte, die das Unternehmen fertigte. Pyrotector Europe war ein Tochterunternehmen des gleichnamigen amerikanischen Herstellers. Für kurze Zeit in Bielefeld und ein Jahr später bereits in Sulzburg produzierte man Brandmelder, die mit der Technologie des Streulichtmelders arbeiteten. In Amerika wurde das Gerät in der Rüstungsindustrie eingesetzt und unter anderem in Flugzeuge verbaut. Es lag somit nahe, dass sich auch Hildegard Döring und ihre Führungsmannschaft um Aufträge von der Bundeswehr bemühte. Diese Vorstöße scheiterten aber, weil die Hardthöhe damals in der Regel nur renommierten Konzernen mit einer ausgereiften, hinlänglich erprobten Technologie den Zuschlag erteilte.

Eine Göttin im Angriff

15 Jahre nach der Gründung lief der Lizenzvertrag mit der US-Mutter aus. Die Firma stellte sich unter einem anderen Namen neu auf. Ganz bewusst lehnte man sich dabei an die griechische Mythologie an und taufte sie „Hekatron“, was eine Zusammensetzung von Hekate und Elektronik ist. Elektronik liegt auf der Hand, aber Hekate ist der ausschlaggebende Punkt; denn in der Mythologie ist Hekate die Göttin, die den Höllenhund Cerberus in Zaum hält. „Cerberus“ war damals der Marktführer, der einen Melder nach dem Prinzip der Ionisationskammer herstellte. Und diesen Platzhirsch wollte Hekatron angreifen.

Ohne Zweifel war dieser Angriff erfolgreich. Heute produziert Hekatron jährlich rund 3,5 Millionen Brandmelder, sowohl für den Gewerbe- und Objektbau als auch den Vollautomatisierte Produktion am Standort in Sulzburg
Foto: © veko-online
Wohnungsbau. Um diese hohe Stückzahl erreichen zu können, ist moderne Fertigungstechnik erforderlich. Das Unternehmen, das rund 790 Mitarbeiter beschäftigt, setzt auf Zulieferer aus der Umgebung. Das ist ein Weg, der gerade in dieser Gegend Tradition hat; denn der Schwarzwald war und ist bekannt für seine Feinmechaniker und Maschinenbauer. Dieses „Local Sourcing“ bietet den Vorteil der räumlichen Nähe bereits in einer frühen Entwicklungsphase. Zudem spricht man im reinsten Wortsinne die gleiche Sprache. Am Ende stehen die in jeder Hinsicht passgenauen Produkte, die Hekatron in seiner Fertigung benötigt. Die Zusammenarbeit lässt strategische und persönliche Partnerschaften wachsen. Das Unternehmen boomt seit Jahren. Der wirtschaftliche Erfolg, der sich in einer ständigen Erhöhung der Fertigungszahlen niederschlägt, ist auch der Erfolg der Zulieferer und gibt ihnen die notwendige Investitionssicherheit. All dies schafft und erhält Arbeitsplätze in der Region.

Häufig macht bei der Kaufentscheidung eine Kleinigkeit den großen Unterschied. Von Beginn an produzierte Hekatron nicht Billigmelder, wie sie beispielsweise im Baumarkt angeboten werden, sondern das Unternehmen aus dem Schwarzwald setzte auf Premiumprodukte. Aufgrund dieser Vorgabe stand nicht primär der Häuslebauer im Mittelpunkt, sondern man dachte im Großen und hatte die Wohnungswirtschaft im Blick. Ein Blick auf die Internetseite der Firma und ihre dort aufgeführten Referenzen zeigt, dass dieses Konzept erfolgreich war. Jedoch erfordert dies sehr viel Flexibilität, wie das Beispiel der Stadt Freiburg zeigt. Dort wurden im vergangenen Jahr mit klaren Vorgaben 10.000 Wohnungen mit Rauchwarnmeldern ausgestattet: So wollte die Stadt nachweisen können, wenn ein Mieter den Melder herausdreht. Als der richtige Weg wurde eine Kooperation mit den Dienstleistern gesehen, die auch für die Heizungsablesung und Nebenkostenabrechnung zuständig sind. In diesem Bereich sind langfristige Bindungen üblich. Von dieser Seite wurden aber auch Bedingungen gestellt, so etwa die Forderung, dass der Melder zehn Jahre hält, die Batterie nicht entnehmbar sein darf und das Gerät verplombbar sein muss. Der Konkurrenzkampf ist hart; denn auf dem Markt der Rauchwarnmelder gibt es eine Handvoll guter Produkte. Was letztlich den Ausschlag für Andreas Seltmann, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
Foto: © Hekatron
Hekatron brachte, beschreibt Andreas Seltmann, der die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit leitet: „Für welches Produkt sich der Kunde entscheidet, das hängt mitunter von einer technologischen Kleinigkeit ab, einer Neuerung, die dem Kunden einen besonderen Nutzen generiert. Ein Problem bei batteriebetriebenen Meldern ist, dass das Gerät anzeigen muss, wenn die Batterie fast leer ist. Das geht im Normalfall über einen markanten Warnton, womöglich um 3 Uhr in der Nacht. Hekatron hat darauf reagiert. Ein zu niedriger Batterieladezustand wird nicht mitten in der Nacht gemeldet, sondern erst nach 7.00 Uhr morgens. Dafür war es notwendig, in den Melder eine Uhr einzubauen. Diese Kleinigkeit erspart unseren Kunden, also denen, die die Wohnungen verwalten, eine Menge Ärger; denn wenn ein Mieter mitten in der Nacht durch einen Alarmton geweckt wird, dann wendet er sich in seinem Zorn an die Firma, die die Wohnungen betreut. So sorgt diese kleine Funktion im Melder für einen ruhigen Schlaf und ist ein sehr gutes Argument für den Vermieter oder die Wohnungsbaugesellschaft.“

In dieser Hinsicht geht die Entwicklung ständig weiter. Bereits heute ist es möglich, mit Hilfe einer App den Batterie- und Störungsstatus des Rauchwarnmelders mit dem Smartphone auszulesen und sich anzeigen zu lassen.

Aus all dem ergibt sich, dass ein solcher Melder nicht für fünf Euro angeboten werden kann, sondern um die 30 Euro kostet. Für den Käufer rechnet sich das jedoch, denn GeniusPlus + GeniusPlusX Stiftungwarentest Vergleichstest
Foto: © Hekatron
die lange Laufzeit der Batterie senkt Kosten. Für das Unternehmen ist dieser Weg auch ein erfolgreicher Weg, wie Andreas Seltmann betont: „Wir liefern Hightech zum guten Preis, in einer Top-Qualität. Während der Brandschutzmarkt typischerweise zwischen sechs bis acht Prozent jährlich steigt, kommt unser Unternehmen auf rund zehn Prozent.“ Und das ist nicht nur die feste Überzeugung des Marketingfachmanns. Die Stiftung Warentest gab im Jahr 2016 in einem Vergleichstest dem Funkrauchwarnmelder „Genius Plus X“ die Bestnote.

Innovative Feststellanlagen

Mit vielen Innovationen eroberte Hekatron bald neue Märkte, so zum Beispiel 1968 mit der ersten vollautomatischen Feststellanlage für Feuerschutzabschlüsse. Dazu modifizierten die findigen Hekatron-Entwickler den Streulichtrauchmelder so um, dass der mit einem eingebauten Relais Schaltvorgänge ausführen konnte – der Rauchschalter war geboren. Damit eröffnete sich die Möglichkeit, einer leider auch heute noch verbreiteten Unsitte, Herr zu werden – Feuerschutzabschlüsse, also Brandschutztüren, verbotenerweise offen halten. Denn eigentlich müssen diese Türen immer geschlossen sein. Gebäudenutzer empfinden das allerdings häufig als störend. Also werden Türen, mit allem was dazu geeignet ist, verbotenerweise offen gehalten. Bei einem Brand kann das verheerende Folgen haben – Rauch zieht ungehindert durchs Gebäude.

Mit dem Rauchschalter, in Verbindung mit Feststellvorrichtungen und weiteren Komponenten, zur Rauchschaltanlage kombiniert, schaffte man dieses Problem aus der Welt.
Detektiert der Rauchschalter Rauch, wird die Feststellvorrichtung stromlos geschaltet – die Brandschutztür schließt automatisch. Damit wird die Rauchausbreitung im Gebäude verhindert.
Sehr bald stellte sich heraus, dass sich das Prinzip, mittels eines in einen Rauchmelder integrierten Relais bei Auftreten von Rauch Geräte ein- oder auszuschalten, für eine Vielzahl weiterer Anwendungen nutzen ließ.

Bis heute haben sich die intelligenten Hekatron-Rauchschalter millionenfach beim Einsatz in Feststellanlagen, Entrauchungslösungen und Lüftungsanlagen bewährt. Sie können detektieren, alarmieren, melden, schalten und steuern. In Blockheizkraftwerken, Schienenfahrzeugen oder in eigensicherer Ausführung auf Bohrinseln, sind sie ebenso zu finden, wie in den Kanzeln von Windkraftanlagen. Zu einer wichtigen Anwendung des Rauchschalters entwickelten sich auch die Überwachung von Lüftungsleitungen auf Brandrauch und die direkte Ansteuerung von Brand- und Rauchschutzklappen.
Durch diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hat der Rauchschalter den anlagentechnischen Brandschutz revolutioniert.

Melderfunktion

Betrachtet man das Funktionsprinzip moderner Melder, so ist weder die Bezeichnung „Feuer- oder Brandmelder“ noch „Rauchmelder“ zutreffend. Vielmehr ist „Partikelmelder“ die zutreffende Bezeichnung; denn das Herzstück in einem modernen Gerät bildet eine optische Messkammer, die über eine Kombination aus Lichtbeugung, Lichtbrechung und Lichreflektion funktioniert. Dringen Partikel ein, wird ein Teil des von einer LED abgestrahlten Lichtes zu einem Lichtempfänger hin gestreut, anstatt wie sonst von Wänden der Messkammer einfach „verschluckt“ zu werden. Je mehr Licht gestreut und gemessen wird, umso größer sind die Partikel oder deren Anzahl.

Dies weist bereits darauf hin, dass es Probleme gibt, die ausgeschaltet werden müssen. Eine aufwendige Technik ist notwendig, um die einzelnen Parameter also etwa Konzentration, Geschwindigkeit, Häufigkeit zu messen, die die Veränderungen in der Elektronik bewirken. Genau in diesem Delta, in der Geschwindigkeit, steckt das Know-how der Firma. Ebenso in der flexiblen Antwort auf unterschiedliche Einsatzszenarien. Bei einem Melder, der ein Sägewerk überwacht, wird ständig Staub gemessen; eine Herausforderung stellen auch stark verschmutzte Räume dar, in denen hochexplosive Stoffe gelagert werden. Um die für den jeweiligen Zweck jeweils optimale Lösung zu finden, werden im Highend Bereich – nicht bei den Rauchwarnmeldern – sogenannte Mehrfachsensormelder verwendet. Das bedeutet, in einem Hekatron-Melder wird Partikel, Wärme und Kohlenmonoxid gemessen. Das sind somit mehrere Meldertypen in einem Gerät, das nach seinem Einsatzzweck parametriert werden kann. Dadurch ist zum Beispiel die Überwachung einer großen Lagerhalle möglich, in der es im Sommer sehr heiß wird. Unter dem Dach, wo regelmäßig der Melder hängt, entstehen sogenannte Wärmepolster. Steigt Rauch nach oben, dann dringt dieser erst ab einer sehr hohen Konzentration – also verlangsamt – durch diese Polster. In einem Mehrfachsensormelder können die einzelnen Parameter genau auf diese Konstellation abgestimmt werden. Der Melder warnt, wenn es erforderlich ist, lässt sich aber nicht durch die Besonderheiten des Raumes beirren. In einer anderen Konstellation kann das Kohlenmonoxid das entscheidende Kriterium sein.

Laborbedingungen

ELBA das modernste Brandversuchslabor Europas am Firmensitz von Hekatron
Foto: © Hekatron
Der Unternehmenserfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Planung. Ein wichtiges Element bildet dabei seit dem Jahr 2015 ELBA, das Erprobungslabor für Brandmelder-Applikationen. Es gilt zurzeit zweifelsohne als das modernste Brandversuchslabor Europas, vielleicht sogar weltweit. Zu seinen Aufgaben gehört die Durchführung von Normbränden, die vor Jahren in der Wissenschaft entwickelt wurden. Dabei handelt es sich um acht reproduzierbare Brände, die das Spektrum aller in der Praxis vorkommenden Brände nachbilden. Die Normbrände erfassen die unterschiedlichen brennbaren Materialien. So wird mehr oder weniger trockenes Buchenholz verbrannt, Schaumstoffmatten, wie sie im Wohn- und Schlafzimmer verwendet werden, aber auch Flüssigkeiten, die man vielleicht in Reinform oder in Mischform im industriellen Bereich findet. Wenn ein Produkt alle diese Tests übersteht, ist es in den Augen der Wissenschaft – und auch in der Praxis belegt – tauglich, seinen Zweck als Brandmelder an der Decke zu erfüllen.

In der Produktentwicklungsphase und in der späteren Serienproduktion wird immer wieder geprüft, ob er diesen Zweck auch wirklich erfüllt. Dadurch ist es möglich, die Produkte speziell in der Entwicklungsphase zu optimieren und für Weiterentwicklungen Erfahrungen zu sammeln. Hekatron fand dafür den Slogan: „Keine Weiterentwicklung ohne ELBA“. In der Praxis führt dies dazu, dass die Erzeugnisse bereits optimiert sind, bevor sie in den offiziellen Prüflabors untersucht werden. Trotz seiner hohen Kosten, spart das eigene Labor letztlich Geld; denn die Ingenieure können in allen Entwicklungsschritten ihre Ergebnisse überprüfen und, so fern nötig, verbessern. Dies führt dazu, dass die Firma schneller mit ihren Produkten am Markt sein kann. Ohne das eigene Labor würde vor jeder externen Prüfung, die zum Teil Wochen im Voraus beantragt werden muss, ein Leerlauf in der Entwicklungsabteilung entstehen.

Getrennt marschieren, vereint melden

Beste Verbindung im Haus, vernetzte Rauchmelder (Grafik) von Hekatron
Foto: © Hekatron
Das Geheimnis des Erfolgs liegt aber nicht nur bei hoch qualifizierten Mitarbeitern, Zulieferern aus der Region und dem eigenen Prüflabor, sondern ebenso in einer vor Jahren eingegangenen strategischen Partnerschaft.

1965 trat das Unternehmen der Securitas-Gruppe Schweiz bei, welche der deutschen Firma über Jahrzehnte hinweg ideale Rahmenbedingungen für nachhaltige Planung und Wachstum bot. Die langjährige Partnerschaft mündete 1993 schließlich in der vollständigen Integration von Hekatron in das Schweizer Familienunternehmen. Zum Unternehmensbereich Alarm- und Sicherheitssystem der Securitas-Gruppe gehören neben Hekatron weitere 12 Unternehmen, die weitere anlagentechnische Sicherheitssysteme anbieten.

Neben Hekatron gehören die österreichische Schrack Secont und die ebenfalls in der Schweiz ansässige Securiton AG zu den Brandschutzspezialisten. Um Reibungsverluste zwischen den im Unternehmen zu vermeiden und Synergien zu nutzen, wurde die Securitas-Gruppe nach Kompetenzzentren organisiert. Bei Schrack Seconet in Wien ist das Kompetenzzentrum für Brandmelderzentralen beheimatet, Hekatron das für Brandmelder und Sensorik und die Securiton AG ist Kompetenzzentrum für Sonderbrandmeldesysteme.

Das Konzept der Kompetenzzentren zielt auch auf eine klare räumliche Trennung der Geschäftstätigkeiten. Daher verkauft Schrack nicht in Deutschland, sondern bietet seine Produkte in Österreich und seinen Exportmärkten an. Die Firma Securiton bedient den Schweizer Markt sowie seine Exportmärkte. Hekatron ist ausschließlich für den deutschen Markt zuständig. Andreas Seltmann fasst zusammen: „Das sind die drei Firmen, die in der Securitas-Gruppe den technischen Brandschutz und darüber hinaus die Sicherheitstechnik vertreten. So teilen wir uns quasi über die Firmen und die Marken auch die Länder auf.“

 

Über den Autor
Thomas Lay
Autor: Thomas Lay
Thomas Lay ist Mitglied der Redaktion von Veko-online. Aufgrund seiner langjährigen polizeilichen Erfahrung im In- und Ausland widmet er sich vornehmlich Sicherheitsthemen.
Weitere Artikel

Neues Wendeschlüsselsystem Vela

Wendeschlüsselsystem Vela
Foto: @ ABUS
Auf der Security 2016 präsentierte ABUS sein neues Wendeschlüsselsystem Vela, das insbesondere für Eigenheimbesitzer und den Wohnungsbau entwickelt wurde. Das integrierte Inspect System fragt im Zylinderinneren und am Schlüssel zusätzlich die Schließberechtigung ab - so können sich die Anwender jederzeit zu Hause sicher fühlen.

Vela wurde speziell für kleine, kompakte Schließanlagen konzipiert. Die modulare Variante Vela MX bietet seinen Nutzern serienmäßig stahlharte Sicherheit. Denn das integrierte Bohrschutz-Inlay und der Steg aus hochfestem Edelstahl sowie die gehärteten Stahlstifte im Zylinderinneren sorgen serienmäßig für einen erhöhten Bohr- und Ziehschutz. Die Modularoption MX ist als Doppel-, Halb- und Knaufzylinder verfügbar.

Modularsystems MX
Foto: @ ABUS
Fachhändler begeistert der schnelle und komfortable Umbau des Modularsystems MX. Ohne zusätzliches Werkzeug und mit nur wenigen Bauteilen kann ein Zylinder im Handumdrehen verlängert werden. Damit reagieren sie schnell, flexibel und sicher auf Kundenwünsche und spezielle Gegebenheiten - ob im Geschäft, im Objekt oder unterwegs. Das spart Zeit, doppelte Wege und eine umfangreiche Lagerhaltung.

Der elektronische Rohrtresor „pylocx“ im Vergleich mit einem mechanischen Rohtresor
Foto: © Lock your world

Platzverweis für Kriminelle: Mechanik vs. Elektronik

Der elektronische Rohrtresor „pylocx“ schließt die Sicherheitslücke mechanischer Lösungen und unterstützt die Digitalisierung 4.0

Und plötzlich waren vier Wohnungen ausgeräubert. Keines der Türschlösser war aufgebrochen worden, die Fenster allesamt intakt. Die Einbrecher mussten über Schlüssel verfügt haben, als sie an jenem Silvesterabend eindrangen und Laptops, Schmuck, Bargeld und Autoschlüssel mitgehen ließen. Zwei Fahrzeuge nahmen sie wohl später aus der Tiefgarage mit. Die Polizei stand vor einem Rätsel. Dass ein geklauter Schlüssel zum Einbruch genutzt wird, kommt nicht selten vor. Aber gleich vier verschiedene aus dem gleichen Mehrfamilienhaus?

Das große Aha-Erlebnis war schließlich einem besonders aufmerksamen Polizisten zu verdanken. Er hatte entdeckt, dass die Schlossabdeckung des neben der Briefkastenanlage installierten mechanischen Rohrtresors leicht verschoben war. Als er den mechanischen Rohrtresor durch den Verwalter öffnen ließ, sah er sofort, dass der Inhalt fehlte – nämlich die Schlüssel zu den Wohnungen und der Hauseingangstür. Die waren hier hinterlegt für den Fall, dass jemand – zum Beispiel bei einem Wasserschaden – die Wohnung betreten muss, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind. Der Schlüssel für den Rohrtresor wurde bei der Hausverwaltung aufbewahrt. Da freilich, das ergab die Nachfrage, war er nicht mehr auffindbar.

Wie auch immer er also abhandengekommen sein mag – feststeht, dass die Einbrecher mit seiner Hilfe erst den Rohrtresor geöffnet, dann die Wohnungsschlüssel entnommen hatten und schließlich ohne großen Stress ihrem diebischen Treiben nachgehen konnten.

Neue Masche bereitet Polizei Kopfzerbrechen

Die Masche ist relativ neu und bereitet ebenso der Polizei zunehmend Kopfzerbrechen wie Hausverwaltungen. Gerade in den Regionen an den Landesgrenzen häufen sich die Vorfälle – und das besonders in der dunklen Jahreszeit. Auch die österreichische Polizei meldet an ihren östlichen Grenzen immer öfter Einbrüche, bei denen die Täter zunächst die Schlüssel aus den Rohrtresoren stibitzen, dann in die Wohnungen eindringen und sich mit der Beute über die Grenze absetzen.

Solche Tresore sind inzwischen bei Mehrfamilienhäusern vielseitig im Einsatz – für den Schlüsselzugriff von Hausverwaltung, Handwerkern und Pflegepersonal. Wartungsdienste für Aufzüge haben ebenfalls Zugangsschlüssel hinterlegt, um im Notfall Personen aus Aufzügen zu befreien. Und auch in Feuerwehrschlüsseldepots finden sich Zugangsmedien wie Schlüssel oder auch Ausweiskarten, damit die Rettungskräfte im Notfall ins Gebäude gelangen, ohne Türen aufbrechen zu müssen. Schließlich beherbergen Rohrtresore auch die Schlüssel für den Zugang zu Funkantennen, den das technische Personal von Mobilfunkbetreibern regelmäßig benötigt.

„Der Komfort dieser meist rein mechanischen Sicherheitsvorrichtungen ist zugleich ihre Schwäche: nämlich, dass sie in der Regel gleichschließend sind, also ein Schlüssel in alle Schlösser passt – egal, ob ihn ein Befugter oder ein Unbefugter benutzt“, erklärt Manuela Engel-Dahan. Sie ist Geschäftsführerin der Lock Your World GmbH & Co. KG, die mit pylocx einen elektronischen Rohrtresor entwickelt hat, der genau diese Sicherheitslücke schließt.

Passt auch ins „Internet der Dinge“

Die mobile PIN-Code-geschützte Tastatur „pyKey“
Foto: © Lock your world
Der Tresor besteht aus Metallzylinder und elektronischem Einschubmodul, ist Vandalismus geschützt und wetterfest. Öffnen lässt er sich mit der mobilen PIN-Code-geschützten Tastatur „pyKey“, die dafür nach Eingabe des PIN-Codes (auch Einmal-Code) an eine Kontaktstelle gehalten wird. Mittels Reed-Kontakt lässt sich die Entnahme überwachen und dokumentieren. Was sich zunächst wenig spektakulär anhört, punktet in Sachen Sicherheit: Jeder PIN-Code zur Öffnung ist nicht nur jeweils dem pyKey (Nutzer – Handwerker, Aufzugwartungsdienst, Feuerwehr) zugeordnet, sondern auch dem betroffenen Objekt beziehungsweise Rohrtresor. So lässt sich immer nachvollziehen, wer ihn wann geöffnet hat und welcher Auftrag der Öffnung zu Grunde liegt. „Hinzu kommt, dass das System zwar onlinefähig ist, aber seine Stärke erst in der Offline-Version so richtig ausspielt“, erklärt Lock Your World-Vertriebsleiterin Daniela Kaiser. Dabei wird die acht- bis zehnstellige PIN nicht übers Internet übertragen, sondern dank automatisierter Schnittstelle per Mobiltelefon oder App in einem gesicherten Verfahren abgefragt. Dies nutzen bereits seit Jahren bundesweit tätige Sicherheitsbehörden. Auch über die Stromversorgung muss sich niemand mehr den Kopf zerbrechen. Während der pyKey den Code überträgt, liefert er den Strom gleich mit.

Besonders praktisch: Der elektronische Rohrtresor, von Lock Your World im hessischen Bad Orb entwickelt und in Deutschland produziert, lässt sich natürlich auch in die Digitalisierungsstrategie (Stichwort: „Internet der Dinge“ oder „Digitalisierung 4.0“) von Unternehmen – Immobilienbetreiber und -verwalter, Mobilfunkanbieter, Energieversorger – einbinden.

Platzverweis für Drogendealer

Elektronik bietet gegenüber der Mechanik ohnehin viele Sicherheitsvorteile. Wird der mechanische Schlüssel gestohlen, muss man gleich das ganze Schloss austauschen. Passiert das mit dem pyKey, nimmt man halt einen neuen; der Dieb kann damit nichts anfangen. Geht der mechanische Schlüssel verloren und ist zusammen mit dem Zylinder per Sicherungskarte geschützt, dürfen Schlüsseldienste den Schlüssel eigentlich nur nach Vorlage der Sicherungskarte kopieren. Wer sich aber ein paar Euro nebenbei verdienen will, wird’s an dieser Stelle nicht so genau nehmen. „Eine besondere Herausforderung der jüngsten Zeit sind 3D-Drucker“, weiß Daniela Kaiser. „Die sind mittlerweile technisch so ausgereift, dass sie auch Schlüssel nachmachen können.“ Die Elektronik können sie freilich nicht überlisten.

Sind die mechanischen Rohrtresore erst einmal mit dem geklauten, nachgemachten oder „gedruckten“ Schlüssel geöffnet und die Haustür- und Wohnungsschlüssel entnommen, lassen sich aus den Wohnungen nicht nur die Wertgegenstände entwenden, sondern natürlich auch weitere Schlüssel – zum Keller, zur Garage, zu anderen Tresoren und Bankschließfächern. Besonders perfide ist diese Variante: Drogendealer stehlen Schlüssel aus dem mechanischen Rohrtresor, kopieren sie mehrfach und legen die Originale wieder zurück. Anschließend deponieren sie Päckchen mit Kokain, Haschisch oder Crystal Meth in einem Keller- oder Abstellraum des betreffenden Gebäudes, wo sie sich ihre „Kunden“ dann abholen können – mit einem der kopierten Schlüssel. Ein perfekter Drogenumschlagplatz. Und für den erteilt pylocx elektronisch einen Platzverweis …