Anlässlich der 51. Jahresversammlung des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) am 17. Mai im Kurhaus von Wiesbaden (Foto) hielt unser Autor eine beachtenswerte Rede, die wir hier auszugsweise wiedergeben.
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Sicherheit für den Wirtschaftsstandort Hessen

Von Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU)

Sicherheit ist in jeder Gesellschaft für Wohlstand, politische und soziale Stabilität von grundlegender Bedeutung. Wir Deutschen sind wahrscheinlich noch ein wenig risikosensibler – Stichwort „German Angst“ – und demzufolge auch sicherheitsbewusster als andere Völker. Deshalb ist es uns zum Beispiel bei der Technischen Sicherheit mit den TÜVen gelungen, daraus sogar einen Exportartikel zu machen. Dazu später mehr.

Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände
Foto © BDSW
Globalisierung und technischer Fortschritt eröffnen dem Industrieland Deutschland und der besonders exportorientierten hessischen Wirtschaft hervorragende Chancen. Sie bergen aber auch neue, komplexe Sicherheitsherausforderungen. International vernetzte Wertschöpfungsketten und Infrastrukturen werden zunehmend verwundbar für Angriffe und Störungen Dritter.

Die Bewältigung aktueller und künftiger Sicherheitsherausforderungen bedarf deshalb eines gesamtgesellschaftlichen, alle relevanten Sicherheitsfacetten erfassenden Sicherheitsverständnisses. Gemeinsame Sicherheitsinteressen und die Mittel zu ihrer Verfolgung müssen durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft definiert und ausgestaltet werden.

Dabei muss die sicherheitspolitische Rolle und der bedeutende Beitrag der deutschen Wirtschaft und ganz besonders der Industrie zu unser aller Sicherheit stärker berücksichtigt werden. Die deutsche Industrie übernimmt bereits heute im Bereich des Wirtschaftsschutzes, der Cybersicherheit und der Sicherheit in Handels- und Logistikketten die primäre Verantwortung für ihren Eigenschutz, den Schutz ihrer Mitarbeiter und für die Sicherheit der durch sie betriebenen 90 Prozent aller Infrastrukturen. Als Hersteller leistungsfähiger Sicherheitstechnologie ist sie zudem für die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit und Souveränität unseres Staates unerlässlich.

Das private Sicherheitsgewerbe ist als Problemlöser und notwendiges Komplement zur öffentlichen Sicherheit gleichermaßen Partner, Unterstützer, Dienstleister der Wirtschaft in Sicherheitsfragen und selbst ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Sicherheitsherausforderungen in Hessen

Hessen hat aufgrund seiner besonderen Wirtschaftsstruktur auch besondere Sicherheitsanforderungen.

Da ist zum einen Deutschlands großer Weltflughafen in Frankfurt mit jährlich 60 Millionen Passagieren. Er ist zugleich Deutschlands größte Arbeitsstätte mit 80.000 direkt am Flughafen beschäftigten Menschen. Das macht den Flughafen auch zur zentralen Logistikdrehscheibe von Luftfracht nach Deutschland und aus Deutschland heraus. Er ist deshalb ein herausragender Ort für Risiken: von Terrorismus über „normale Wirtschaftskriminalität“ bis hin zu technischer Sicherheit. Er ist einer der größten Konzentrationspunkte von Sicherheitsdienstleistung in Deutschland.

Zum anderen ist das Frankfurter Bankenzentrum der zentrale Finanzplatz Deutschland. Er benötigt neben der besonderen Sicherheit von Finanzströmen auch immer tatkräftigen Schutz gegen Attacken aggressiver Protestorganisationen wie Blockupy.

Diese besonderen Schwerpunkte verstärken das Sicherheitsbedürfnis in Hessen über das ansonsten in Deutschland übliche Maß hinaus zusätzlich.

Deshalb ist Hessen auch das einzige Bundesland, in dem es mehr private beschäftigte Sicherheitskräfte als Landespolizisten gibt:

  • 28.000 privat beschäftigten Sicherheitskräfte stehen 18.000 Beschäftigte der Landespolizei gegenüber
  • Seit 2014 verzeichnet das private Sicherheitsgewerbe einen Zuwachs von 5.000 Sicherheitskräften, was vor allem mit dem großen Flüchtlingsstrom 2015 zusammenhängt.

In der Landesgruppe Hessen des BDSW sind 90 von 356 Unternehmen mit einem Umsatz von insgesamt ca. 600 Mio. Euro organisiert.

TÜV-zertifizierte Sicherheit als Eigenleistung der Wirtschaft

Als die 1. Industrielle Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts in den damals noch nicht vereinigten Ländern Deutschlands Fahrt aufnahm, war die sie treibende Dampftechnik technisch noch nicht völlig ausgereift. Viele Dampfkessel explodierten bei laufender Produktion, verursachten Sachschäden, nicht selten aber auch Verletzungen von Menschen in den Betrieben, gelegentlich auch in der Nachbarschaft – und manchmal endete das eben auch tödlich.

Die neue Technologie bekam ein echtes Akzeptanzproblem, das die Industrie lösen musste. Dazu gründete sie in den industriestarken Regionen sogenannte „Dampfkesselrevisionsvereine“, die Vorläufer der heutigen TÜVe. Die darin angestellten Ingenieure hatten eine einzige Aufgabe, die Dampfkessel und die –technik insgesamt sicherer zu machen, sie regelmäßig zu kontrollieren, Sicherheitsnormen zu entwickeln und deren Einhaltung zu prüfen. Innerhalb zweier Jahrzehnte waren die Sicherheitsprobleme gelöst und die Akzeptanz der Dampftechnik gesichert.

Später kamen an vielen Stellen neue Sicherheitsprüfungen hinzu, 1926 z. B. die Autoprüfungen, die ebenfalls auf diesem Weg Sicherheit schufen. Der TÜV Süd, zu dem der TÜV Hessen gehört, ist heute ein Sicherheitskonzern mit über 20.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 2 Mrd. Euro – und einem hohen Anteil an Auslandsgeschäft. So werden zum Beispiel die meisten Hauptuntersuchungen an Autos nicht in Süddeutschland durchgeführt, sondern in der Türkei.

Dieselbe Erfolgsgeschichte hat in Sachen Sicherheit beim Strom ein urhessisches Unternehmen aufzuweisen:

Das unabhängige und neutrale VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut ist eine national und international akkreditierte Institution auf dem Gebiet der Prüfung und Zertifizierung elektrotechnischer Geräte, Komponenten und Systeme. Geprüft werden diese Elektroprodukte auf ihre Sicherheit, elektromagnetische Verträglichkeit und weitere Produkteigenschaften. 1920 gegründet, verfügt das vom VDE getragene Prüf- und Zertifizierungsinstitut mit Sitz in Offenbach über weltweites Know-how. Die Ergebnisse der Prüfungen werden wissenschaftlich ausgewertet und fließen in die Weiterentwicklung elektrotechnischer Normen ein. Das Unternehmen hat 530 Mitarbeiter und erzielt pro Jahr einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro.

Die Erfolgsgeschichte der Technischen Sicherheit zeigt, wie Sicherheit entsteht – als Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik bei der Normierung und Eigenleistung der Wirtschaft in der Durchführung.

Für die Innere Sicherheit ist dieses Modell nicht zu übertragen, aber sicher lassen sich einige Bausteine übernehmen.

Datensicherheit als neue Herausforderung

Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt! Dazu tragen auch die privaten Sicherheitsunternehmen mit ihren deutschlandweit rund 260.000 Mitarbeitern bei. Denn der deutsche Staat leistet zwar durch Polizei, Nachrichtendienste und Bundeswehr einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Leben und Wohlstand. In einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft kann die Sicherheit jedes Einzelnen so aber nicht immer und überall geschützt werden. Das gilt gerade auch für die Unternehmen in einem wirtschaftlich so starken Bundesland wie Hessen. Bedroht werden sie auf ganz unterschiedliche Arten, ob durch Kriminalität, Spionage und Sabotage oder – nicht erst neuerdings – durch Cyberangriffe.

Im Zeitalter der Digitalisierung trifft die deutsche Sehnsucht nach Sicherheit auf ganz neue Herausforderungen. Denn Daten sind das neue Gold. Der Umgang mit diesen Daten entscheidet über den Erfolg der Unternehmen, der Arbeitnehmer und somit auch des Standorts. Wenn Daten aber das neue Gold sind, entsteht auch die Gier nach diesen Daten. Wie sensibel das Thema Datensicherheit ist, hat nicht zuletzt der Fall Cambridge Analytica in Verbindung mit Facebook gezeigt.

Der Erfolg der hessischen Unternehmen basiert auf Ideen und Innovationen, die die Marke „Made in Germany“ zu einem weltweiten Exportschlager gemacht haben. Diese Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen ist immer öfter in der Cloud und somit auf Servern in der ganzen Welt gespeichert. Und dabei reden wir auch, aber nicht nur über den alltäglichen Mailverkehr oder Betriebsgeheimnisse, die in digitaler Form ausgetauscht werden. Im Internet der Dinge ist alles miteinander vernetzt. Es kommunizieren nicht mehr nur einzelne Personen miteinander, sondern ganze Anlagen und Fabriken.

Ein Angriff von außen – ob gezielt oder die breite Masse betreffend – kann so enormen Schaden anrichten. Vor einem Jahr hat das die Schadsoftware WannaCry eindrücklich bewiesen. Ist von einem solchen Angriff geistiges Eigentum – also Patente, Betriebsgeheimnisse oder spezifisches Unternehmens-Knowhow – betroffen, bedroht das die Grundlage unseres Wirtschaftsstandorts. Wenn der Staat aber die Sicherheit jedes Einzelnen nicht immer und überall schützen kann, dann gilt das vor allem im grenzenlosen und globalen virtuellen Raum. Als Betreiber von digitaler Infrastruktur müssen Unternehmen ihre Informationen und Systeme daher effizient schützen können. Die IT-Sicherheit wird so zu einem der zentralen Themen der digitalen Transformation und ergänzt den klassischen Schutz von Objekten.

Die private Sicherheitswirtschaft: Problemlöser, Partner und Teil der hessischen Wirtschaft

Mit ihren hochspezialisierten Dienstleistungen und -produkten ist die private Sicherheitswirtschaft bei all diesen Herausforderungen ein unverzichtbarer Problemlöser und Partner für die hessische Wirtschaft. Dabei hat sie sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Allrounder entwickelt: mit maßgeschneiderten Sicherheitslösungen nicht nur, aber gerade auch für die deutsche und hessische Wirtschaft.

Sicherheit ist eine Vertrauensfrage. Nur wem ich vertraue, vertraue ich auch meine Sicherheit an. Das macht eine hohe Qualität bei der Ausbildung ihrer Beschäftigten absolut erfolgsentscheidend für die Sicherheitsbranche. Der BDSW setzt sich daher seit Jahren dafür ein, die Qualität und das Leistungsspektrum der Sicherheitsdienstleistung in Deutschland ständig und nachhaltig zu verbessern.

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Dazu zählt die vollständige Neuordnung der Qualifizierung seit 2002 und das Entwickeln der Ausbildungsberufe Servicekraft und Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Der BDSW war an der Neuordnung der Aufstiegsfortbildung ebenso beteiligt wie an der Entstehung mehrerer Studiengänge „Privates Sicherheitsmanagement“ an deutschen Polizeihochschulen. Ebenfalls ein Erfolg ist das Zertifizierungssystem für Sicherheitsfachschulen, mit bereits über zwanzig zertifizierten Bildungsträgern. In zehn Bundesländern gibt es Kooperationsvereinbarungen mit den Landespolizeibehörden, unter anderem in Hessen.

Das sind Erfolge, die sich wirklich sehen lassen können! Die Sicherheitswirtschaft braucht aber auch Unterstützung durch die Politik: mit entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen, die ihre Arbeit auf unbürokratische Art auf eine neue und zeitgemäße gesetzliche Grundlage stellt. Das im Koalitionsvertrag der Großen Koalition angekündigte, eigenständige „Sicherheitsgesetz“ ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ich bin mir sicher, dass sich der BDSW mit seinem fundierten Wissen weiterhin mit dem Ziel aktiv in den politischen Prozess einbringen wird, qualifizierte Sicherheitsdienstleistungen auf höchstem Niveau zu ermöglichen!

Unterstützung politischer Kernforderungen des BDSW

Der BDSW weist seit Jahren darauf hin, dass das Gewerberecht nicht in der Lage ist, der faktischen Bedeutung der privaten Sicherheitsdienste für die Innere Sicherheit in Deutschland gerecht zu werden.
Deshalb unterstützt die VhU den BDSW und die in ihm organisierten Unternehmen bei ihrer Initiative, Qualität und Leistungsspektrum der privaten Sicherheitsdienstleistung ständig und nachhaltig zu verbessern.

Wir unterstützen als hessische Wirtschaft diese Forderung des BDSW und fordern deshalb auch die Landesregierung in Hessen auf, die privaten Sicherheitsdienste auf eine neue rechtliche Grundlage zu stellen.
Dazu gehören auch Veränderungen im Vergaberecht und im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz.
Um Hessen und Deutschland sicherer zu machen, muss die Eigenvorsorge gefördert und die Sicherheitswirtschaft gestärkt werden.

Erlauben Sie mir nun noch einen kurzen Ausblick auf die Erwartungen der hessischen Wirtschaft zur anstehenden Landtagswahl!

Den Generationenvertrag sichern:
Erwartungen an die Politik in Land und Bund

Im Grunde geht es bei unseren Erwartungen an die Politik in Land und Bund ach einer Bundestagswahl und vor einer Landtagswahl ebenfalls um Sicherheit: um die die Zukunftssicherung du die Sicherung des Generationenvertrags. Unsere Erwartungen zur Landtagswahl haben wir gemeinsam mit unseren 80 Mitgliedsverbänden erarbeitet. Und unser Präsident Wolf Matthias Mang hat sie am 6. März in der Landespressekonferenz vorgestellt.

Hessen hat eine starke und wachsende Wirtschaft mit hoher Beschäftigung und besten Durchschnittslöhnen im Bundesländervergleich. Erfolgreiche Unternehmen und fleißige Arbeitnehmer sorgen für hohe Steuereinnahmen, ermöglichen dem Staat durch soziale Umverteilung auch die Schwächeren mitzunehmen und inzwischen ohne Neuverschuldung auszukommen.

Der hessischen Wirtschaft geht es gegenwärtig noch sehr gut. Das sind ideale Voraussetzungen, der kommenden Generation bessere Chancen zu geben, statt ihr immer mehr Lasten aufzubürden. Nur so kann der Generationenvertrag auf Dauer halten. Dazu müssen wir die Zukunft aktiv gestalten – sonst werden wir von ihr überrollt. Eine aktive Zukunftsgestaltung bedeutet ein Mehr an Sicherheit: Für unseren Wirtschaftsstandort und für die Generationen nach uns.

Die neue Bundesregierung hat im März ihre Arbeit begonnen; 2018 finden in Hessen die Landtagswahlen statt. Die hessische Wirtschaft – für die wir als Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände sprechen – fordert von der Politik in Bund und in Hessen: „Mehr Zukunft wagen. Der nächsten Generation bessere Chancen geben!“

Das Gefühl von Sicherheit basiert auf Vertrauen – und Kinder sind der realste Ausdruck von Vertrauen in die Zukunft einer Gesellschaft. Zwar ist die Geburtenrate in Deutschland im Jahr 2016 auf den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren gestiegen, was sehr erfreulich ist. Wir sind aber immer noch und noch lange eine schrumpfende Gesellschaft.

Wenn wir wollen, dass der Generationenvertrag hält, müssen wir die demografische Talfahrt umkehren. Andernfalls wird die Bevölkerung weiter schrumpfen und der sich beschleunigende Fachkräftemangel das Wirtschaftswachstum immer stärker ausbremsen. Was wir brauchen ist eine Willkommenskultur für Kinder und Familien, denn die Zukunft gehört den kommenden Generationen!

Junge Männer und Frauen sollten in ihren freien Lebensentscheidungen häufiger „Ja zum Kind“ sagen können. Dazu gehört, die Ehe und die Familie als Fundamente unserer Gesellschaft zu stärken. Hier müssen alle einen Beitrag leisten, beispielsweise durch flexible Arbeitszeitmodelle, die die Balance von Arbeiten und Familienzeit erheblich verbessern.

Aber auch unser Sozialsystem muss auf Dauer finanzierbar und demografiefest gemacht werden. Wir stehen schon heute an der Grenze der Finanzierbarkeit. Mit der demografischen Entwicklung werden die Herausforderungen noch einmal und entscheidend größer. Überflüssige neue Sozial-leistungen müssen daher verhindert und die Struktur der Sozialsysteme endlich nachhaltig reformiert werden.

Da sich unser Sozialsystem zu großen Teilen über den Arbeitslohn finanziert, ist es umso wichtiger, den Arbeitsmarkt und das Arbeitsrecht beschäftigungsfreundlich zu gestalten. Das bedeutet, flexible Beschäftigungsverhältnisse auszubauen und nicht durch überzogene Schutzrechte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu beschädigen. Und wir brauchen ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz auf Bundesebene.

Damit sich unsere Kinder und Jugendliche sicher in der Welt von Morgen bewegen können, ist eine gute Bildung elementar. Die Politik sollte Bildung bereits früh im Elementarbereich stärken, Bildungsbereiche transparenter machen und die Durchlässigkeit der Bildungswege verbessern. Eine wichtige Aufgabe ist die Stärkung und der Ausbau der dualen Berufsausbildung. Dazu gehört auch, die Lehrkräftelücke in technischen und naturwissenschaftlich geprägten Berufen zu schließen.

Wirklich glücklich sind wir, dass Hessen den direkten Hochschulzugang für Facharbeiter über einen Modellversuch geöffnet hat. Hessen ermöglicht hier bundesweit einmalig die Gleichwertigkeit des beruflichen Bildungsweges mit dem Abitur. Damit junge Menschen nicht mit 16 Jahren final für oder gegen ein Studium entscheiden müssen, sondern nach der Schule erst einmal eine praktische duale Berufsausbildung machen können. Denn auch das gibt Sicherheit – die Sicherheit, sich durch die Berufswahl nicht den Weg zu einer akademischen Ausbildung zu verbauen. Der Modellversuch zeigt: die Nachfrage ist da, die Ergebnisse sind erfreulich. Das ist eine wirklich gelungene konzertierte Aktion zwischen Landespolitik, Unternehmern, Gewerkschaften und Bundesagentur für Arbeit. Sie muss ihren krönenden Abschluss darin finden, dass sie nach Abschluss des Modellversuchs in der Fläche Hessens ausgerollt wird.

Generationengerechtigkeit bedeutet auch Investitionen in die Zukunft. Hessen muss durch eine kluge Infrastrukturpolitik seine Standortattraktivität stetig erhöhen und mit Blick auf den Strukturwandel den Ausbau der Breit-bandnetze schnellstmöglich vorantreiben. Wir brauchen mehr Investitionen in Erhalt, Ausbau, Neubau, Modernisierung und Vernetzung des Verkehrs und müssen die Planungskapazitäten aufzustocken! Das betrifft vor allem die schnelle Umsetzung von Autobahn-, Bundesstraßen- und Schienenprojekten. Und auch der Flughafen Frankfurt als verkehrlicher Knotenpunkt muss weiter wie geplant wachsen. Die Stromkosten wiederum sind wegen staatlicher Verteuerungen zu hoch und müssen für alle Verbraucher günstiger werden.

Die Grundlage für all das, für eine faire Behandlung unserer Kinder und Enkelkinder, sind solide Staatsfinanzen. Sie sind Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum, eine hohe Beschäftigung und Generationengerechtigkeit. Steuersenkungen des Bundes, etwa die Einkommensteuer und die Unternehmensbesteuerung, erhöhen Impulse für private Investitionen und setzen Anreize für Mehrarbeit.