Gratulanten mit Jubilar: v.l.n.r. Andreas Paulick, Michael Mewes, Hans-Jörg Hisam, Dr. Harald Olschok, Friedrich P. Kötter, Heath White, Wolf-Rüdiger Wirth, Armin Urgibl
Foto: © BDSW

Ein viertel Jahrhundert Verbandsgeschichte

Am 1. Dezember beging Dr. Harald Olschok sein 25jähriges Jubiläum als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) und der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e. V. (BDGW). Ich kann mich noch gut an diese letzten 25 Jahre erinnern, denn sie hielten für den Jubilar nicht nicht nur eitel Sonnenschein bereit. Ja, es gab sogar Zeiten, in denen Harald Olschok ernsthaft darüber nachdachte, die Flinte ins Korn zu werfen. Ich hätte das damals begrüßt, wie der ein oder andere Insider weiß. Es gab in den Anfangsjahren viel Kabale, aber wenig Liebe. Es spricht für den Jubilar, dass er sich durchzusetzen wußte, obwohl es ihm anfangs nicht jeder zutraute. Tempi passati.
BDSW und BDGW fungieren als Arbeitgeberverbände und haben wahrhaftig keine Mitgliederstärken, die unbedarfte Politiker groß beeindrucken. Geschickte und sachlich fundierte Verhandlungstaktiken führten aber nicht selten zum Erfolg. Das gilt noch mehr für den natürlichen Widerpart der beiden Verbände, die Gewerkschaft ver.di, die es trotz ihrer Größe und der damit verbundenen Macht bei den Tarifverhandlungen nicht leicht hat.
Das Arbeitsjubiläum von Dr. Harald Olschok gibt Anlass, einmal die vergangenen 25 Jahre der Branche ins Gedächtnis zu rufen.

Helmut Brückmann

Qualitätsoffensive bringt Erfolg

Als Dr. Harald Olschok am 1. Dezember 1992 beim BDWS (Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen) und der BDGW (Bundesvereinigung Wie ein Kapitän am Ruder seines Schiffes: Dr. Olschok bei seiner Dankesrede
Foto: © BDSW
Deutscher Geld- und Werttransportunternehmen) anfing, hatte die Branche 66.000 Beschäftigte in 1.000 Unternehmen, und der Umsatz der gesamten Branche betrug 1,7 Milliarden Euro. Bundeskanzler war Helmut Kohl, sein Stellvertreter und Wirtschaftsminister war Jürgen W. Möllemann von der FDP und das Innenministerium wurde von Rudolf Seiters geleitet. Bundeshauptstadt war Bonn. Das gesetzliche Zahlungsmittel war die gute alte DM. Die Aufgabe der Wertdienstleister beschränkte sich darauf, Geld für die Kreditwirtschaft von A nach B zu transportieren. Kurz darauf begannen die Diskussionen über die „bewaffnete Privatarmee“ in Deutschland, über „Sicherheit nur für Reiche“ und die „schwarzen Sheriffs“. Diese gab es in München in der U-Bahn, am Flughafen und am „Stachus“. Als Folge dieser medialen und politischen Diskussion forderte die SPD-Bundestagsfraktion erfolglos ein Aufgaben- und Befugnisgesetz. Eingeführt wurde 1996 das Unterrichtungsverfahren.
Auf diese Diskussion haben die beiden Verbände BDWS und BDGW mit einer beispiellosen Qualitätsoffensive reagiert. Diese führte 2002 zur Einführung der Sachkundeprüfung für konfliktgeneigte Tätigkeiten, der Fachkraft für Schutz und Sicherheit und der DIN 77200 „Anforderungen an Sicherungsleistungen“. Dieser Quantensprung hat zu einer teilweisen Neubewertung in der Politik geführt. Die Innenministerkonferenz sieht in den privaten Sicherheitsdiensten einen anerkannten Bestandteil der Sicherheitsarchitektur in Deutschland. Über 255.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in fast 10.000 Sicherheitsunternehmen tätig. Sie kontrollieren an den Flughäfen, sichern die Bargeldversorgung, schützen Fußballspiele und Open-Air-Konzerte, militärische Liegenschaften und Flüchtlingsunterkünfte, den öffentlichen Personenverkehr, haben die Anerkennung als Werkfeuerwehrleute und sind nach wie vor im „Brot und Butter-Geschäft“, den Revierkontrolldiensten sowie im Objekt- und Werkschutz tätig. In der Broschüre „111 Tätigkeiten in der Sicherheitswirtschaft“ haben die beiden Verbände die Vielfalt der Tätigkeiten dokumentiert.

Ausbildung als Schlüssel zum Erfolg

In den letzten 15 Jahren haben 10.000 junge Menschen ihre Ausbildung in den beiden Ausbildungsberufen erfolgreich erlernt. Die Geprüfte Schutz und Sicherheitskraft Prof. Dr. Rolf Stober brachte die Wissenschaft in den Verband.
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als Qualifizierung für Quereinsteiger und die Meisterausbildung wurden überarbeitet. An mehreren Polizeihochschulen (!) werden Bachelor- und Masterstudiengänge für das Sicherheitsmanagement angeboten.
Professor Rolf Stober hat Ende der 90er Jahre in Hamburg FORSI gegründet. Es ist als Forschungsinstitut für Compliance, Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft inzwischen an der Viadrina-Universität in Potsdam angesiedelt. In zahlreichen Veröffentlichungen und Handbüchern wurde die Sicherheitswirtschaft wissenschaftlich analysiert und wichtige Erkenntnisse geliefert. In der von der Bundesregierung vor einem Jahrzehnt initiierten Projekten in der Sicherheitsforschung engagieren sich die beiden Verbände zunehmend. Neue Ideen, technische Lösungen und Konzepte wurden erarbeitet und das Netzwerk erweitert.
Ein Highlight für die private Sicherheitswirtschaft war die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2006 in Deutschland. Über 20.000 private Sicherheitskräfte haben ihren Beitrag zum „Sommermärchen“ geleistet. 2006 war aber auch der „GAU“ für die Wertdienste. Die kriminellen Machenschaften des Unternehmers W. aus Hannover mit seinem Unternehmen Heros haben das Image der Geld- und Wertbranche nachhaltig beschädigt. Acht Jahre später traf es die privaten Sicherheitsdienste. Die skandalösen Vorgänge in einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Burbach im September 2014 haben zu einer wahren Flut negativer Medienberichte geführt.

Die Wertdienstleister bestehen Herausforderung

Die Geldtransporte in Deutschland gehören zu den sichersten auf der Welt.
Foto: © Ziemann
Der Bargeldbereich stimmt nachdenklich. Nach der Einführung der D-Mark in der damaligen DDR haben die Wertdienstleister entscheidend an der „Inverkehrgabe“ des Euro im Jahr 2002 mitgearbeitet. Die Bedeutung des Bargelds als Zahlungsmittel nimmt aber langsam ab, obwohl der Bargeldumlauf nach wie vor deutlich zunimmt. Vor allem nach Heros hat der BDGW seine Hausaufgaben gemacht und die Sicherheitsvorschriften gründlich überarbeitet. Die Geldtransporte in Deutschland gehören zu den sichersten auf der Welt – seit Jahren. Veko-online hat verschiedentlich darüber berichtet.
Eine der größten Herausforderungen in der Sicherheitswirtschaft ist auf Grund der demografischen Entwicklung und der guten wirtschaftlichen Entwicklung die Gewinnung von geeignetem Personal. Die Schutzbedürfnisse bei den Kunden nehmen weiter zu.
Die gesetzlichen Vorgaben wurden in den letzten 25 Jahren sukzessive erweitert und verändert: 1996 die Einführung des Unterrichtungsverfahrens und 2002 die Sachkundeprüfung. 2013 wurde ein neuer Paragraf 31 in die Gewerbeordnung eingeführt. Er regelt den Einsatz bewaffneter privater Sicherheitsdienste zum Schutz deutschflaggiger Schiffe. Der BDSW fordert, die Rahmenbedingungen auf eine völlig neue gesetzliche Grundlage zu stellen; es ist zu hoffen, dass die Branche in der 19. Legislaturperiode einen deutlichen Schritt nach vorne macht.
Die Pressearbeit der beiden Verbände wurde in den letzten Jahren deutlich intensiviert und ein Hauptstadtbüro gegründet. Das Verbandsorgan DSD - Der Sicherheitsdienst wird regelmäßig verbessert und hat heute eine Auflage von 11.000. Das Blatt erscheinen im nächsten Jahr im 70. Jahrgang und ist damit die mit Abstand älteste Sicherheitsfachzeitschrift in Deutschland.
Eine gewaltige Veränderung gab es auch im Kommunikationsverhalten. Nach den zarten Anfängen des E-Mail-Verkehrs Ende der 90er Jahre dominiert er mittlerweile die praktische Arbeit der gesamten Geschäftsstelle. Der Internetauftritt wurde permanent aktualisiert und modernisiert. Auf den verschiedenen Homepages der Verbände sind täglich (!) rund 3.000 Zugriffe zu verzeichnen.

Einsatz am Flughafen

Mitte der 90er Jahre wurden vom damaligen Innenminister Manfred Kanther (CDU) die Fluggastkontrollen an private Sicherheitsdienste fremdvergeben. Die Sicherheit Auch die Fluggastkontrolle muss geübt werden.
Foto: © KÖTTER
im Luftverkehr wurde nach dem 11. September 2001 immer wichtiger. Die Gewerkschaft hat die Möglichkeiten erkannt, mit heftigen Streiks an den Flughäfen eine enorme mediale Aufmerksamkeit zu erzielen und damit eine Erhöhung der Löhne zu erzwingen. Um das „Brot und Butter-Geschäft“ nicht länger zu belasten, wurde 2017 ein eigenständiger „Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen - BDLS“ gegründet.
Der Aufbau stabiler Beziehungen zu anderen Verbänden war ein weiter Schwerpunkt unserer eigenen Verbandsarbeit. Die Confederation of European Security Services (CoESS) ist ein anerkanntes Sprachrohr der Branche in Europa. Über viele Jahre hat Dr. Olschok an der Entwicklung der CoESS und ihrer Strukturen aktiv mitgearbeitet. Die BDGW ist Mitglied der ESTA - European Security Transport Association, während der BDSW Mitglied im Arbeitgeberspitzenverband BDA und zahlreicher Landesvereinigungen geworden ist. Damit werden die tarifpolitischen Interessen wahrgenommen und für die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge geworben. Mit dem BDWi Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft wird ebenfalls seit vielen Jahren zusammengearbeitet und das Hauptstadtbüro geteilt.

BDGW und BDSW sind Arbeitgeberverbände

Neben den Jahresmitgliederversammlungen werden inzwischen Jahr für Jahr zahlreiche Tagungen und Konferenzen durchgeführt. Das Flaggschiff sind die Luftsicherheitstage in Potsdam, gefolgt von den Techniktagungen, den Ausbildungstagungen und den Bayerischen Sicherheitstagen mit dem BVSW. Die beiden Verbände prämieren Unternehmen, die sich im Bereich der Ausbildung besonders hervortun. Es werden Preise für Mitarbeiter ausgelobt, die besondere Leistungen erbracht haben. Damit soll die Wertschätzung für die Arbeit der Sicherheitskräfte zum Ausdruck gebracht werden. Auf der Weltleitmesse security in Essen sind die beiden Verbände natürlich im Messebeirat und als Aussteller seit den Anfängen vor über 40 Jahren vertreten.
Die Tarifpolitik war und ist selbstredend der Kern der Verbandsarbeit. Die Tariflandschaft ist mit über 70 Tarifverträgen und 500 Lohngruppen immer komplizierter geworden. Dabei muss mit Lohnpolitik auf die demographischen Herausforderungen reagiert und die Löhne angepasst werden. Moderne Sicherheitstechnik wird immer leistungsfähiger. Integrierte Sicherheit und Wirtschaftsschutz sind wichtige Verbandsthemen geworden.
Der Jubilar zu Veko-online: „Die vergangenen 25 Jahre waren spannend – aber auch sehr arbeitsintensiv. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen werden immer anspruchsvoller. Wir müssen weiter an der Qualität der Dienstleistung „Sicherheit“ arbeiten. A never ending story! Der Markt und die Kunden müssen immer wieder neu davon überzeugt werden, dass Sicherheit Geld kostet.“
Am Vorabend seines Jubiläums bitte ich Dr. Harald Olschok, Mitherausgeber von Veko-online, noch um ein abschließendes Statement:
Frank Mauersberger, der erste Vorsitzende der BDGW.
Foto: © BDGW
„Die insgesamt erfolgreiche Arbeit war und ist nur durch eine enge und konstruktive Zusammenarbeit mit zahlreichen Vertretern unserer Mitgliedsunternehmen möglich. An erster Stellen sind die Präsidien und Vorstände zu nennen. Auf Frank Mauersberger als Präsident des BDSW folgten Rolf Wackerhagen, Wolfgang Waschulewski und seit vier Jahren Gregor Lehnert. In der BDGW waren es Frank Mauersberger, Fritz Kötter, Uwe-Dirk Uhlig, Hans-Jürgen Kröger; seit neun Jahren ist Michael Mewes Vorsitzender. Mein besonderer Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle der Verbände in Bad Homburg und Berlin. Wir haben eine schlagkräftige Interessenvertretung aufgebaut und die Verbandsarbeit effizient gestaltet.“

Über den Autor
Helmut Brückmann
Autor: Helmut Brückmann
Helmut Brückmann ist Herausgeber und Chefredakteur von Veko-online.
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