Electronik-Hand E-Frog Karabiner
Foto: © Elektronic Hand

Electronic Hand

Von Roland Brugger

Electronic Hand entwickelt und produziert fernbedienbare Karabiner und Auslöseeinrichtungen für Industrie und Klettersport.
Begonnen hat es mit einer Idee im November 2015 eines ehemaligen Angehörigen eines Spezialeinsatzkommandos und kurz darauf mit der technischen Umsetzung eines genialen Tüftlers.

Nach vielen technischen Rückschlägen konnte letztendlich das Herzstück Ro4.0 serienreif entwickelt werden. Entstanden ist somit der weltweit erste, fernbedienbare, PSA zugelassene Sicherungskarabiner.
Nachdem mit dem Karabiner Hersteller KONG Italy ein Kooperationspartner gefunden wurde, konnte das erste fertige Produkt auf der Fachmesse Outdoor 2016 verkaufsreif vorgestellt werden. Bereits im Juli 2016 wurde das Produkt im Klettermagazin ALPIN als Produkt des Monats veröffentlicht.
Nach einer weiteren Produktpräsentation beim Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT) war relativ schnell klar, dass das große Business im Bereich der Industrie und Rettung liegt. Bei der Herstellung wurde sehr viel Wert auf Robustheit der elektronischen Auslöseeinheit gelegt um dem Kunden jederzeit ein ausreichendes Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.
Zwischenzeitlich wird nicht nur der Klettersport erfolgreich mit fernbedienbaren Karabinern beliefert, sondern verschiedene Bereiche der Industrie, Militär, Feuerwehren und andere Rettungsdienste weltweit.

Bei der anspruchsvollen Fortbewegung in der Höhe war das Lösen von schwer zugänglichen Anschlagpunkten schon immer ein hochriskantes Unterfangen. Hier ist der Ansatzpunkt der Mensch als Höhenarbeiter und Höhenretter und der Anspruch diesem die Arbeit leichter, effizienter, schneller und sicherer zu gestalten. Vor allem bei der Rettung zählt bekannter Weise jede Sekunde. Weiterhin dürfen arbeitsökonomische und ergonomische Gesichtspunkte bei der Risikoanalyse und Gefährdungsbeurteilung, vor allem auch in der täglichen Arbeit und gerade bei immer wiederkehrenden Arbeitsverfahren nicht unterschätzt werden.

Der klassische fernbedienbare Karabiner basiert auf dem seit Jahren patentierten KONG Frog und wurde durch Electronic Hand mit einem Komfortöffnungssystem versehen, welches sogar den TÜV ins Staunen versetzte und welcher in punkto Sicherheit fast nicht mehr zu übertreffen ist. Von der Fernbedienung mit Pin-Code- Eingabe vor jedem Handeln bis zur 13trilliardenfachen Sicherheit des bidirektionalen Sicherheitsprotokolls der Software bis zur grundlegenden mechanischen Bedingung den Karabiner nur im entlasten Zustand (bis 8kg) öffnen zu können, sind dies nur ein paar der Sicherheitsfeatures unter vielen. Nach Forderung der BG-Bau wurde sogar die anfängliche 3 x 6 Volt Variante durch die überall erhältliche und kostengünstige 9Volt Blockbatterie ersetzt, um so auch Standby-Zeiten zwischen drei Monaten und über einem Jahr zu erreichen. Je nach Ausführung und Bedarf des Kunden sowie der Unterscheidung zwischen Aktiv- und Passivgeräten kann hier auf Kundenwünsche reagiert werden.
Nach gezielter Marktanalyse konnten sich bislang 5 Standardprodukte durchsetzen.

E-Frog

E-Karabiner RO 4.0/V9
Foto: © Elektronic Hand
Mit dem E-Frog kann jeder entlastete Anschlagpunkt fernbedient gelöst werden. Der Einsatzzweck erstreckt sich von der Windkraftanlage, Kräne, Industriehallen über Kirchtürme bis hin zum Klettergarten, Verwendung in Schulen und in der pädagogischen Ausbildung. Das Abseilen für Industriekletterer mit zwei Seilen wird dadurch höchst interessant, da die Anschlagpunkte abgeworfen werden können. Es reicht an jedem unabhängigen Anschlagpunkt ein E-Frog um diesen nach Entlastung fernbedient, vollständig aufzulösen und rückstandsfrei zu entfernen. Schwierige Rückzugs- und Rückbaumanöver entfallen, Material und Gewicht können eingespart werden. Der E-Frog bleibt trotzdem immer manuell zu bedienen und ist als Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSA) zertifiziert. Ein störungsbedingtes ungewolltes Öffnen des Karabiners ist ausgeschlossen und alle TÜV Bedingungen wurden somit erfüllt. Der Karabiner bleibt bei Funktionsstörungen jeglicher Art immer sicher, das bedeutet der Karabiner bleibt geschlossen und müsste in solch einem seltenen Fall, wie früher auch, manuell geborgen werden.

E-De Jump

Wird es notwendig belastete Lasten zu Lösen kann man auf die Auslöseeinheit E-De Jump zurückgreifen. Diese Auslöseeinheit wird vor allem als Arbeitsvorbereitungsmaßnahme eingesetzt um an schwer zugänglichen Positionen, vorher installierte Seilsäcke, fernbedient auszulösen. Mittels manuellem Seilaufstieg oder selbstfahrender Arbeitswinde kann dann diese exponierte Position erreicht werden. Exemplarisch ist die Ausrüstung aller Kuppeln der Moschee in Köln zu nennen um für die turnusmäßigen Inspektionsarbeiten eine kostengünstige und fast unsichtbar vorgehaltene Aufstiegsmöglichkeit zu haben.

Außer zur Demontage von Arbeitsschutznetzen wird der E-De Jump zum Auslösen von Szenarien bei Rettungsübungen, gezieltem Abwerfen von Dummys und in Freizeitparks erfolgreich eingesetzt. Verwendung findet der E-De Jump auch verstärkt bei Messeaufbauten in Hallen. Der Abbau von Traversen liegt bei entsprechendem Aufbau unter 2 Minuten. Grundsätzlich besteht für den E-De Jump keine PSA und es ist beim Halten und Auslösen von Personen immer eine redundante Sicherung notwendig.

Höhenrettungskonzept (Sepa-Tech-HRK)

Rettungskonzept Sepa-Tech / Electronic Hand
Foto: © Sepa-Tech GmbH & Co. KG
Für den Freileitungsbau wurde ein fernbedienbares Rettungssystem, das Sepa-Tech-HRK entwickelt, welches es ermöglicht im Notfall durch Abwurf eines Rettungssackes mittels Seilaufstieg einen direkten Zugang zum Fahrwagen bzw. Gondel zu schaffen. Hier sind Höhen bis zu 250 m oder mehr zu erreichen. Dieses Sepa-Tech-HRK kann universell an jedem Kran, Gebäude und Windkraftanlage eingesetzt werden, ist minutenschnell installiert und ist mit einem 11,5 mm Statikseil in der Standardlänge von 120m vorgerüstet. Andere Längen oder die Aufrüstung mit einem zweiten Seil werden auf Sonderwunsch durchgeführt. Die Standby-Zeit des Sepa-Tech-HRK beträgt mindestens ein Jahr.

Pilot S

Als Vorrüstung für Rettungsmaßnahmen oder als kleine Variante zur Arbeitsvorbereitung wurde gemeinsam mit EDELRID und der BG Bau der Pilot S verwirklicht. Mit dem Pilot S ist es möglich eine zweifarbige Pilotschnur welche durch einen PSA-Karabiner an einem PSA-tauglichen Anschlagpunkt gefädelt ist, an exponierten Stellen anzubringen. Die Montagezeit hierfür liegt deutlich unter einer Minute. Nach dem fernbedienten Auslösen einer EDELRID Seilspule kann dann mit dieser Führungsleine ein Rettungsseil durch den Karabiner am Anschlagpunkt gezogen werden. Somit ist sofort ein tauglicher und leicht zugänglicher Anschlagpunkt für die Rettung an höchstmöglicher Stelle angebracht und ein Sicherungsseil ist einsatzbereit. Die Standby-Zeit beträgt bei diesem Produkt mindestens ein Jahr, welche sich nach dem Prüfzyklus der verwendeten PSA-Komponenten richtet. Der unschlagbare Vorteil des Pilot S liegt darin, dass alle Rettungseinheiten mit einer speziellen Masterfernbedienung auf einem eigenen Rettungskanal ausgerüstet werden können. So können sie im Einsatzfall alle zivil installierten Pilot S am Einsatzort auslösen und diese Anschlagpunkte für ihre Rettungsmaßnahme verwenden. Der Pilot S ist bei einer Funkreichweite von ca. 250m in der Standardlänge 2x120m Führungsleine rot-grün konfiguriert.

Hebekarabiner 1,5 Tonnen

In Kooperation mit der Fa. Carl Stahl GmbH wurde ein 1,5 t Hebekarabiner entwickelt, welcher es ermöglicht funkfernbedient Einzel- aber auch Mehrfachgehänge am Kran abzuschlagen. Ein von der BG Bau explizit aus dem Präventionstopf geförderter Einsatzbereich ist das Abschlagen von Filigranbetonplatten um Personenabstürze in absturzgefährdeten Bereichen zu verhindern. Vorschriftsmäßig und notwendigerweise müsste dort PSA-Ausrüstung getragen werden, was vielfach leider nicht der Fall ist und es oft zu schwerwiegenden oder sogar tödlichen Verletzungen kommt.

Ein weiterer Einsatzbereich ist das Be- und Entladen von LKW. Der Arbeiter schlägt beim Be- oder Entladen mittels Teleskopstange den Hebekarabiner an die Last an um diese, nach dem Versetzen mit dem Ladekran, wieder fernbedient allein abzuschlagen. Die Ladefläche muss somit nicht mehr betreten werden und es ist keine PSA Absicherung mehr notwendig.
Um das Potentials der fernbedienten Lösungen von Electronic Hand zu beschreiben, ein Zitat von Prof. Dr. Marco Einhaus BG Bau. „Wer nicht ein zweites Mal vom Boden aufsteigen oder sich erneut in einen absturzgefährdeten Bereich begeben muss, erhöht seine persönliche Sicherheit um 50 Prozent.“

Aufgrund der spannenden und interessanten Fortentwicklung der Branchen, werden Spezialentwicklungen immer ein angestrebter Geschäftszweig von Electronic Hand bleiben.
Getreu dem Motto: „For every Day a better Way“
www.electronic-hand.de