Aufnahmen der Überwachungskameras - ein Teil des Systems „Info-Stadt“
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Kriminalitätsbekämpfung in Moskau

Das staatliche Programm zeigt Erfolge

Von Dr. Tatjana Zhukova, Moskau

Heutzutage sind Kriminalitätsbekämpfung und Gewährleistung der Öffentlichen Sicherheit ohne Hoch-Technologien kaum möglich. In der Hauptstadt Russlands helfen bei der polizeilichen Arbeit Systeme der Videoüberwachung im Rahmen des staatlichen Programmes „Sichere Stadt“.1
Das Hauptziel des Programmes liegt darin, die Qualität des Lebens und das Sicherheitsniveau in Moskau zu erhöhen. Die Hauptaufgaben dieses Programms sind unter anderem:

  • Die Erhöhung des antiterroristischen Sicherheitsniveaus;
  • Die Verringerung der Straßenkriminalität;
  • Die Erhöhung der Sicherheit des Straßenverkehrs;
  • Die Reduzierung der Anzahl der Autounfälle und deren Opfer;
  • Die Erhöhung der Anzahl der mit der Hilfe der Videoüberwachung aufgeklärten Delikte.

Im Jahr 2017 wurden die meisten von diesen Aufgaben gelöst.
Dank der gemeinsamen Arbeit von Regierung und Polizei in Moskau sinkt das Kriminalitätsniveau in der Hauptstadt Russlands ständig. Laut der offiziellen Statistik2 ist im Jahr 2017 im Vergleich mit dem Jahr 2012 die Anzahl der Morde und der Mordversuche um 29.5%, des bewaffneten Raubs um 69.2%, der Hauseinbrüche um 70%, der Straßenkriminalität um 47.9%, der Autodiebstähle um 70.1% gesunken.

Im Jahr 2018 ist in Moskau im Vergleich zu 2017 unter anderem die Anzahl folgender Delikte gesunken:

  • Raub um 10.2%;
  • Bewaffneten Raub um 12.6%;
  • Wohnungseinbruch um 24.8%;
  • Autodiebstahl um 23.8%.

Zwei Drittel der Einwohner Moskaus sind der Meinung, dass Moskau eine sichere Stadt sei.3

Ein Teil des Programmes „Sichere Stadt“ heißt „Informative Stadt“ oder kurz „Info-Stadt“. „Info-Stadt“ stellt ein System der Videoüberwachung dar. Die Vernetzung der Videoüberwachungskameras wurde in Moskau im Jahr 2005 begonnen; seit dem Jahr 2011 funktioniert das Programm „Die Informative Stadt”. Dieses System der Videoüberwachung wurde von der Regierung Moskaus, dem BMI Russlands und der Software-Firma „Netris“ gemeinsam entwickelt. Der Videoserver „Netris iStream“ und die Software dieses Systems von der Firma Netris sind besonders zuverlässig, Strom sparend und haben eine hohe Arbeitsproduktivität.

Übertragungsmasten in der Stadt –
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Die Aufgaben der Videoüberwachungskameras umfassen die Hilfe bei der Aufklärung von Delikten und das Monitoring des Zustands der Höfe in Moskau. In Moskau (mit ca. 12.6 Mio.4 Einwohnern) wurden im Rahmen des aus dem Budget der Stadt finanzierenden Programmes „Info-stadt“ mehr als 160.000 Videoüberwachungskameras in den Straßen, mehr als 100.000 Kameras auf Hausstiegen, ca. 20.200 Kameras in Höfen, mehr als 3.500 Kameras in oft besuchten Räumen, mehr als 10.700 Kameras in Ausbildungsinstitutionen und mehr als 750 Kameras in den U-Bahn- Ausgängen installiert.

Im Jahr 2017 wurden mehr als 3.000 Delikte, darunter auch besonders schwere, mit der Hilfe von Informationen, die von Videokameras stammen, aufgeklärt.

Ständig wird das Programm „Info-Stadt“ weiterentwickelt und verbessert. Jetzt kann jeder auf der Web-Seite www.data.mos.ru die Information über die Videoüberwachungskameras in jeder Straße, jeder Stiege oder in jedem Hof finden.

Die von den Kameras kommende Videoinformation wird auf einem zentralen Computer in einer Datenbank fünf Tage lang und in den Ausbildungsinstitutionen 30 Tage lang gespeichert. Auf die Daten aus dieser Datenbank haben ausschließlich gesetzlich beauftragte Beamte Zugriff. Wenn aber eine andere Person auch Zugriff auf diese Daten bekommen möchte, muss sie sich an dieses Zentrum wenden und telefonisch darum anfragen. Die jeweils relevanten Informationen werden dann nicht gelöscht und die/der AnzeigerIn bekommt eine Nummer, welche er/sie in die zuständige Polizei-Inspektion bringen muss. Und danach bekommen die Polizisten die Kopie der angefragten Videodaten. Diese Videoinformationen können bei der Aufklärung von Delikten helfen und als Beweismittel im Gericht verwendet werden.

Im Rahmen des staatlichen Programmes „Informative Stadt“ wurden in Moskau bis Ende des Jahres 2018 das gesamte Verkehrsnetz, die U-Bahn, die Verkehrsknoten, Theater und andere Kulturobjekte, Sportobjekte und alle Regierungsinstitutionen mit Videoüberwachungskameras ausgerüstet.

Als ein spektakuläres Beispiel der Verwendung des Videoüberwachungssystems bei der Aufklärung von Diebstahl kann man den Fall Tschuprikow nennen.
Am 27. Jaenner 2019 um 18.20 Uhr ist die weltberühmte Staatliche Tretjakow-Galerie im Zentrum Moskaus ein Tatort geworden: Der Täter hat ein Bild von russischen Maler A. Kuindschi „Ai-Petri. Krim.“ gestohlen. Alle Besucher der Galerie konnten im Saal der Sonderausstellung einen Man sehen, der ruhig zum Bild ging, es vom Nagel auf der Wand abnahm und mit dem Bild Richtung Ausgang ging. Um die Ecke des Saals hat der Täter ruhig das Bild aus den Rahmen herausgenommen. Danach ist er mit dem Bild in einem weißen Auto weg- gefahren.

Nicht länger als vier Stunden brauchten die Polizisten Moskaus, um den Täter zu identifizieren; eine weitere Stunde hat es gedauert, um seinen Wohnort festzustellen. Und schon in der Früh des 28. Januar wurde der Täter – der 31jährige Denis Tschuprikow – in seiner Wohnung in der Umgebung Moskaus festgenommen.

Zuerst hat Tschuprikow den Diebstahl des Bildes abgestritten. Aber dann, nachdem ihm die Videos der Überwachungskameras gezeigt wurden, hat er seine Schuld bekannt und den Ort gezeigt, wo er das gestohlene Bild versteckt hat. Die psychologische Begutachtung hat den Beschuldigten Tschuprikow als voll zurechnungsfähig erklärt. Das Samoskworezkij Bezirksgericht Moskaus hat ihn am 25. September 2019 des Diebstahls von einem besonders wertvollen Kunstobjekt schuldig gesprochen und zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Videoüberwachungssystem hilft auch, noch schwerere Delikte aufzuklären.
Am 02. April 2019 ist in der Früh in den Ablieferungsort der Internet-Auftragserteilung im Osten Moskaus ein Täter eingebrochen. Er hat ein Messer an die Kehle der Verkäuferin gesetzt, hat sie gefesselt und in den Keller geschleppt. Danach ist der Täter auf den Geldtresor zugegangen. Aber er hatte Pech – es gab dort nichts zu holen. Der Täter nahm stattdessen nur das Geld im Wert von ca. 235 Euro aus der Kassa und und verließ danach gleich den Tatort.

Die Verkäuferin konnte die Polizei rufen, und schon 10 Minuten nach dem bewaffneten Raub sahen sich die zum Tatort geeilten Polizisten die Aufnahmen der Videoüberwachung an.

Die Polizisten der Polizeidirektion Moskaus konnten gemeinsam mit den Kollegen aus der Polizeiinspektion des Ostbezirkes Moskaus am gleichen Tag den Täter in der Stadt Puschkino (Umgebung Moskaus) festnehmen. Der 33jährige Täter wurde in die Untersuchungshaft gebracht, er ist der Begehung eines bewaffneten Raubes (§162 StGB Russlands) beschuldigt; ihn erwarten bis zu acht Jahren Haft.5

Ein Blick über einen überwachten Raum in Moskau
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Die Datenanalyse ermöglicht es, potenziell gefährliche Orte mit einem höheren Niveau von Kriminalaktivität online zu bestimmen und polizeiliche Präventionsarbeit effektiver zu organisieren. 6

Die Anzahl der so genannten intelligenten Videokameras, die das Erkennen von Gesichtern ermöglichen, beträgt in Moskau ca. 3.000. Und es ist geplant, alle Videoüberwachungskameras in Moskau auf diesen Stand aufzurüsten. 7 Solche Kameras werden ins System der Identifizierung „Sichere Stadt“ integriert werden. Fotos der Täter aus der polizeilichen Datenbank werden ins System hochgeladen. Und das System erlaubt es gleich zu sehen, wo und mit welcher Kamera eine bestimmte Person gefilmt wurde. Dementsprechend können die Polizisten dem Weg der Person folgen, sie überwachen oder festnehmen. Das sogenannte intellektuelle Verkehrssystem Moskaus umfasst mehr als 2.000 Videokameras, 3.000 Detektoren zum Zwecke des Monitorings des Straßenverkehrs und mehr als 3.000 Ampeln. Darunter gibt es auch „intelligente Ampeln“, die nach der Intensität des Verkehrs funktionieren, um Verkehrstaus zu minimieren. 8

Das Sicherheitsniveau bei dem Straßenverkehr in Moskau ist im Jahr 2017 im Vergleich mit dem Jahr 2012 gestiegen. Es gab 27.1% weniger Autounfälle, 41.8% weniger tödliche Autounfälle und 28.8% weniger Verletzte bei Autounfällen. Die Anzahl der Kinder-Opfer bei Autounfällen ist um 55.6% im Jahr 2017 im Vergleich mit dem Jahr 2012 gesunken.

Eine technische Möglichkeit zum Zugriff zur Videoinformationsdatenbank haben derzeit alle Polizeiinspektionen der Stadt Moskau sowie die Polizeiinspektionen in der U-Bahn. In der Polizeidirektion Moskau wurde eine analytische Abteilung organisiert, deren Aufgabe es ist, die die Aufklärung von Delikten mit der Hilfe dieser Datenbank zu organisieren.

Das System der digitalen Verwaltung der Streifenautos wurde im Jahr 2017 in Moskau weiterentwickelt. Dies erlaubte es, die Zeit der Reaktion der Polizisten noch zu verkürzen und die Effektivität der Verwaltung der Streifen zu erhöhen.

Der aktuelle Zustand der Kriminalität in Moskau erlaubt die Behauptung, dass Moskau, die Hauptstadt Russlands, eine ruhigere und sicherere Stadt geworden ist. Und die Polizei mit ihrer neuen Technik hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Das Programm “Sichere Stadt” wird weiterentwickelt. Es werden aus dem Budget Moskaus insgesamt ca. 50 Mrd. Rubel (700 Mio. Euro) in das Sicherheitsprogramm im Jahr 2020 investiert.9

 

Quellen:

1 https://www.mos.ru/drbez/documents/programma-bezopasnyi-gorod/view/214979220/

2 https://www.mos.ru/drbez/documents/programma-bezopasnyi-gorod/view/215648220/

3 «Российская газета», 29. Oktober. 2019 №243, S.3

4 http://www.rosstat.gov.ru/

5 https://rg.ru/2019/10/22/reg-cfo/svyshe-160-tysiach-videokamer-v-moskve-osnastiat-sistemoj-raspoznavaniia-lic.html

6 https://rg.ru/2019/10/22/reg-cfo/svyshe-160-tysiach-videokamer-v-moskve-osnastiat-sistemoj-raspoznavaniia-lic.html

7 https://rg.ru/2019/10/22/reg-cfo/svyshe-160-tysiach-videokamer-v-moskve-osnastiat-sistemoj-raspoznavaniia-lic.html

8 www.2030.mos.ru

9 «Российская газета», 29. Oktober. 2019 №243, S.3

 

Über den Autor
Dr. Tatjana Shukowa
Autor: Dr. Tatjana Shukowa
Frau Oberst (a.D.) Dr. M.M. Tatjana Shukowa hat mehr als 20 Jahre in der Russischen Polizei gearbeitet, davon die letzten 13 Jahre als Dozentin am Lehrstuhl für Strafprozessrecht an der Universität des Innenministeriums der Russischen Föderation in Moskau. Sie beschäftigt sich mit Problemen der Kriminalitätsbekämpfung und Drogenbekämpfung in Russland und in anderen Staaten. Seit 2005 steht sie in ständigem Kontakt mit der österreichischen Polizei. Tatjana Shukowa ist die Autorin zahlreicher Artikel über Kriminalitätsbekämpfung. Ihre Fremdsprachenkenntnisse helfen bei der Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Kriminalitätsbekämpfung in anderen Staaten. Bücher: „Drogenbekämpfung in Österreich“ (2009), „Polizei in Russland: Geschichte und Gegenwart“ (2014).
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