Luftseilbahn
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TÜV-Verband zur Sicherheit von Seilbahnen

Nach dem schweren Seilbahnunglück am Lago Maggiore in Italien beantwortet der TÜV-Verband Fragen zur Sicherheit von Seilbahnen in Deutschland und Europa. „Seilbahnen gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln, da sie im laufenden Betrieb intensiv überwacht und jährlich von externen Sachverständigen aufwendig überprüft werden“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.

Neben einer jährlichen externen Prüfung durch eine unabhängige Prüfstelle muss der Betreiber eine größere Zwischenprüfung durchführen. Hinzu kommen wöchentliche und monatliche Kontrollen einzelner Seilbahnsysteme und ihrer Bauteile. Bühler: „Längere Stillstände außerhalb der Saison oder aktuell durch die Corona-Pandemie sind für Seilbahnen nicht ungewöhnlich. Die externen Sicherheitskontrollen durch unabhängige Prüforganisationen finden davon unabhängig statt.“ Der TÜV-Verband beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Sicherheit von Seilbahnen: 

Welchen Arten von Seilbahnen gibt es?

Unter dem Sammelbegriff „Seilbahn“ werden verschiedene Typen unterschieden. Bei der Standseilbahn befindet sich die Kabine am Boden, sie läuft in der Regel auf Schienen und wird durch ein Seil gezogen. Bei der der Seilschwebebahn („Luftseilbahn“) wird die Kabine von einem oder mehreren Seilen getragen und bewegt. Hier fährt die Pendelbahn immer zwischen Tal- und Bergstation hin- und her, die Fahrgäste steigen in eine stehende Kabine ein- und aus. Bei der Einseilumlaufbahn hängt die Kabine am selben Seil, das sie auch fortbewegt. Für den Aus- und Einstieg wird hierbei die Kabine kurz vom Seil ab- und wieder angekoppelt, bewegt sich dabei aber weiter. Ebenfalls zu den Bergbahnen zählen historisch auch die Zahnradbahnen (4 in Deutschland), die aber unter das Eisenbahnrecht fallen.

Welche Risiken gibt es?

Seilbahnen sind sehr sichere Verkehrsmittel. Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden, ist äußerst gering. Allerdings können durch den Dauerbetrieb und durch menschliche Einflussnahme technische Mängel oder Schäden entstehen, die zu Stillständen oder in seltenen Fällen zu Unfällen führen können. Durch die starke Beanspruchung kann es durch Materialermüdung zu Rissen oder Brüchen an Seilen oder einzelnen Komponenten kommen. Bei zu starken Pendelungen oder Seilablenkungen, etwa durch starken Wind, können Seile „entgleisen“ und aus den Führungen springen. Aber auch äußere Faktoren wie Blitzeinschläge, Eis oder morsche Bäume entlang der Trasse können Auswirkungen auf die Sicherheit einer Seilbahn haben. Brandschutz ist generell ein wichtiges Thema bei Seilbahnen, das hohe Anforderungen an die technische Ausführung und deren sicherheitsrelevante Bewertung stellt.

Welche Sicherheitsbestimmungen gibt es vor der Inbetriebnahme?

Bereits im Planungsverfahren und beim Bau einer neuen Seilbahnanlage muss die Sicherheit berücksichtigt werden. Seit April 2018 gilt hier die neue EU-Seilbahnverordnung (EU) 2016/424. Sie harmonisiert einheitlich in ganz Europa die Rechtsvorschriften für den Marktzugang von Seilbahnen und ihrer Teilsysteme. In Deutschland erfolgt die Umsetzung durch die Seilbahngesetze und Seilbahnverordnungen der einzelnen Bundesländer. Geregelt ist unter anderem, welche Prüfungen im Vorfeld zu durchlaufen sind und welche Anforderungen die dafür Benannten Stellen, zum Beispiel der TÜV, zu erfüllen haben. Bei der Inbetriebnahme müssen neben den technischen Anforderungen auch die Rettungsmöglichkeiten genau dargelegt werden. Erst nach erfolgreicher Prüfung gibt die zuständige Seilbahnbehörde den Betrieb frei.

Wie wird der laufende Betrieb überwacht?

Die Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen bei Seilbahnen wird in Deutschland von den Bundesländern beaufsichtigt und überwacht. Grundsätzlich gilt, dass jedes Jahr unabhängige Sachverständige einer anerkannten Stelle wie dem TÜV die gesamte Anlage prüfen. Sie nehmen alle Systeme der Seilbahn genau unter die Lupe: unter anderem Elektrik, Bremsanlagen, Sicherheits- und Überwachungseinrichtungen, Kabinen und Seile. Die so genannte „Aufsichtsprüfung“ nimmt mehrere Tage in Anspruch. Dabei werden modernste Verfahren eingesetzt, wie etwa die magnetinduktive Seilprüfung: durch sie lassen sich Drahtbrüche und Unregelmäßigkeiten im Seil bereits frühzeitig aufspüren. Auch Notfall- und Evakuierungsmaßnahmen werden geprüft. Zur Sicherheit der Fahrgäste sind aber noch weitere Checks vorgeschrieben. Zwischen den jährlichen Hauptprüfungen muss der Betreiber einer Seilbahn eine „Zwischenprüfung“ durchführen und das Ergebnis der zuständigen Aufsichtsbehörde melden. Zudem finden monatliche (z.B. Funktion der Überwachungssysteme) und wöchentliche (z.B. Sichtprüfung der Zugseile) Prüfungen durch das Betriebspersonal statt.

Was tun, wenn die Gondel stehen bleibt?

Im laufenden Betrieb kann es immer wieder vorkommen, dass eine Gondel stehen bleibt. Darüber muss sich kein Fahrgast Sorgen machen. Im Gegenteil: Eine stehende Bahn ist zunächst einmal eine sichere Bahn. In der Regel wird die Fahrt auch innerhalb weniger Augenblicke fortgesetzt. Sollte es sich um den seltenen Fall handeln, dass eine Evakuierung notwendig ist, gilt es Ruhe zu bewahren und den Anweisungen des Personals unbedingt Folge zu leisten. Die vom Gesetzgeber maximal zulässige Evakuierungs- bzw. Bergezeit orientiert sich auch daran, ob es sich um offene Fahrzeuge, also Sessellifte, oder geschlossene Kabinen handelt. Auf keinen Fall dürfen Passagiere eigenständige Rettungs- oder Ausstiegsversuche unternehmen. Sowohl die Anlagenbetreiber als auch die Bergwacht und Höhenrettungseinheiten sind für diese Situationen geschult und trainieren die Evakuierung regelmäßig in Notfallübungen.

Kann man in einer Seilbahn vom Blitz getroffen werden?

Durch Ihre exponierte Lage sind Seilschwebebahnen tatsächlich häufig Ziel von Blitzeinschlägen. Problematisch kann das werden, wenn dadurch einzelnen Komponenten der Bahn beschädigt werden. Allerdings sind Seilbahnen durch Blitzableiter gesichert und werden bei heraufziehenden Gewittern außer Betrieb gesetzt.

-PM Verband TÜV e.V.-

 

AKW Zwentendorf
© Werner Sabitzer

RESILIENZ

Risiken bei Stromnetzen

Von Werner Sabitzer

John Eberhardt vom Entschärfungsdienst des Innenministeriums beschäftigte sich in einer FH-Masterarbeit mit der Bewältigung von Anschlägen auf Strommasten und Freileitungen, mit Krisenszenarien und den Krisen- und Notfallplänen in Österreich.
Stromübertragungsnetze sind Teil der kritischen Infrastruktur. Sie dienen nicht nur der Grundversorgung Österreichs, sondern auch als Drehscheibe des Energietransports im europäischen Netzverbund. Das Übertragungsnetz ist mit den Nachbarstaaten verbunden und Teil des internationalen Energieaustausches. Zuständig für die Übertragungsnetze in Österreich und für die Anbindung in Europa ist die Austrian Power Grid AG (APG).

Zu den Risiken für Stromversorgungskrisen gehören Naturkatastrophen, unvorhersehbare Ereignisse, außergewöhnliche Ausfälle, Brennstoffknappheit und Angriffe. Bei Naturkatastrophen in Österreich sind das Schadensrisiko und das Katastrophenpotenzial vor allem bei Hochwasser sehr hoch. Im Naturgefahren-Ranking folgen Lawinen und Stürme. Beschädigungen an Masten und Freileitungen durch starken Schneefall führen immer wieder zu Stromausfällen in den betroffenen Regionen.

Ausfälle können ihre Ursachen auch in einer erhöhten Störanfälligkeit durch einen langjährigen Betrieb haben. So stehen bei einem Ausfall von Maschinentransformatoren nicht immer sofort Ersatzgeräte zur Verfügung.

In Österreich stehen 12.300 Strommasten. Freileitungen und Hochspannungsmasten sind weitgehend ungeschützt und könnten nur mit enormem Aufwand gesichert werden. Die APG testet für neuralgische Strommaststandorte Objektschutzeinrichtungen mit infrarot- oder radargestützen Systemen. Hochspannungsfreileitungen sind überwiegend als Doppelleitung ausgestaltet. Fällt ein Leitungssystem aus, steht ein zweites zur Verfügung. Fallen beide aus, etwa durch eine Mastsprengung, kann es zu netzbetrieblichen Auswirkungen kommen. Die Zerstörung eines Mastes mit vier Leitungssystemen hätte bei hohen Leitungsbelastungen große Auswirkungen.

Terroristische oder kriminelle Anschläge auf das Stromverteilungsnetz können weitreichende Folgen haben. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines böswilligen Angriffs auf ungeschützte Bereiche von Energieversorgungsanlagen in Österreich? Von welchen Krisenszenarien kann ausgegangen werden? Wie wirksam sind die Krisen-, Katastrophen- und Notfallpläne? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Regierungsrat Ing. John Eberhardt, MSc vom Entschärfungsdienst des Bundesministeriums für Inneres (BMI) in seiner Masterarbeit „Resilienz des ungesicherten österreichischen Übertragungsnetzes gegen physische Angriffe“. Betreuer der Masterarbeit im Rahmen des Masterstudiums „Intelligente Energiesysteme“ an der Fachhochschule Burgenland (Austrian Institute of Management) war Prof. DI Dr. Alfons Haber, einer der führenden Energieexperten im deutschsprachigen Raum und seit März 2021 Vorstand von Energie-Control Austria (E-Control), der Institution für die Regulierung der Elektrizitäts- und Erdgaswirtschaft in Österreich.

Die Zahl der kriminellen und extremistischen Angriffe auf Strommasten in Österreich ist gering. Linksextremisten versuchten am 11. April 1995 in Ebergassing in Niederösterreich, einen 380-kV-Hochspannungsmast zu sprengen. Zwei der vier Sprengsätze explodierten vermutlich wegen der hohen Induktionsspannung vorzeitig und töteten zwei Täter. Der Strommast wurde nur leicht beschädigt. Seit 1961 gab es in Österreich sechs kriminell motivierte Sprengstoffanschläge auf Strommasten bzw. Freileitungen – am 7. November 1961 in Thal-Schrottendorf (Tirol), am 16. Oktober 1963 in Wildungsmauer (Niederösterreich), am 25. Oktober 1972 in Graz, am 16. Oktober 1972 in St. Kanzian (Kärnten), am 20. April 1977 in Maria Saal (Kärnten) und am 4. September 1977 in Bleiburg (Kärnten). Bei allen Anschlägen handelte es sich um Einzeltäter-Aktionen. Zudem gab es Einbrüche in APG-Umspannwerke und Vandalismusakte.

Wesentliche Ergebnisse der Masterarbeit:

  • Bei einem Ausfall einer systemrelevanten Ressource kann ein Normalbetrieb aufrechterhalten werden.
  • Bei kriminellen oder extremistisch bzw. terroristisch motivierten Angriffen auf das Freileitungstragwerk – die Schlüsselressource des ungeschützten Teils des Übertragungsnetzes – ist nicht nur mit dem Ausfall eines Leitungssystems zu rechnen, sondern auch mit dem Ausfall aller Systeme dieses Tragwerks. Je nach Lastflussverteilung und neuralgischer Lage der angegriffenen Strommasten bzw. Freileitungen können die Folgen von lokalen Kurzunterbrechungen bis zur nachhaltigen Beeinträchtigung der Versorgungsstruktur reichen. Diese Anschläge lassen sich nicht vorhersagen oder verhindern. Aber die Auswirkungen können durch die Vernetzung von Behörden, Netzbetreibern, (Einsatz-)Organisationen und der Politik über eine laufend aktualisierte Risikoanalyse und Vorsorgepläne reduziert werden.

Turbinen im Kraftwerk Ybbs-Persenbeug: Für Anlagen der kritischen Infrastruktur bestehen Krisen- und Notfallpläne
© Werner Sabitzer

Zur Bewältigung solcher Angriffe wurde ein nationales Präventionsprogramm (APCIP 2014) entsprechend europäischer Verordnungen umgesetzt. Damit wurde die Last der Gefahrenerkennung, Risikoabschätzung und Folgenbewältigung zwischen den Betreibern kritischer Infrastruktur und den staatlichen Assistenzdienstleistern den Kompetenzen entsprechend verteilt. Dadurch können Anschläge bewältigt werden.

  • Die APG und das BMI arbeiten intensiv zusammen und haben unter anderem für Angriffsszenarien übergreifende Krisen- und Notfallpläne entwickelt. Entsprechend den jeweiligen Kompetenzen und der Aufgabenverteilung sind vom BMI Übungs-, Schutz- und Sicherungstätigkeiten vorgesehen. Von der APG werden laufend Präventionsmaßnahmen implementiert. Es gibt Notfallpackages (Freileitungsersatzsysteme), einen 24/7-Netzdienst, einen Bereitschaftsdienst und Krisenmanagementsysteme. Ein wesentlicher Resilienzfaktor ist ein engmaschiges, ausgebautes Übertragungsnetz.

Risiken von erneuerbaren Energieanlagen

John Eberhardt beschäftigte sich auch mit den Sicherheitsrisiken durch den zunehmenden Umstieg von der fossilen Stromversorgung auf erneuerbare Energien wie Windparks, Wasserkraftwerke und Solaranlagen. Die Zahl kleinerer Erzeugungsanlagen steigt. Im Gegensatz zu den großen fossilen Kraftwerken wird das Übertragungsnetz durch die Kleinanlagen unterschiedlich belastet. Es kommt zu Überlastungen. Kommt es zu einer Störung wegen einer Naturkatastrophe, eines Unfalls oder eines Anschlags auf das Übertragungsnetz, gibt es eine zusätzliche Herausforderung für den Netzbetreiber, nämlich eine Überlastung der Leitungen vor allem zu Pumpspeichersystemen und in den Netzkuppeltransformatoren speziell in der Nähe der windkraftstarken Produktionsgebiete. Das Übertragungsnetz wird destabilisiert.

Stromleitungen bei Tulln: In Österreich stehen 12.300 Strommasten. Ein wesentlicher Resilienzfaktor ist ein engmaschiges, ausgebautes Übertragungsnetz.
© Werner Sabitzer

Gelöst werden könnte dieses Problem durch den Bau weiterer Stromleitungen. Das stößt aber immer wieder auf den Widerstand von Umweltaktivisten. Der starke Rückgang des Anteils von kalorischen Kraftwerken von 20 auf 2 Prozent führt dazu, dass bei einer Großstörung kurzfristig verfügbare Ausgleichsenergie nur in einem geringen Maß vorhanden ist. Die Auswirkungen eines kriminellen oder extremistisch/terroristischen Angriffs auf das Transport- und Übertragungsnetz können dadurch schwerwiegender sein.

Der Beitrag erschien im Magazin „Öffentlicher Sicherheit“, des österreichischen Bundesministeriums für Inneres, Ausgabe 3-4/2021.

 

Über den Autor
Werner Sabitzer
Autor: Werner Sabitzer
Werner Sabitzer, MSc, 63, war 30 Jahre lang Pressereferent im österreichischen Bundesministerium für Inneres (BMI) und Chefredakteur der Fachzeitschrift „Öffentliche Sicherheit“. Er ist seit 2018 Referent für Polizeigeschichte und Traditionspflege im BMI und leitet das Polizeimuseum Wien.
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