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Security Management im Kontext von Veränderung und Digitaler Transformation

Spannende Rolle und besondere berufliche Aufgabe mit Zukunft: Unternehmen benötigen gut ausgebildete Security Manager als Navigatoren in der Krise. Ein gemeinsames Zertifikatsprogramm der EBS Universität und des Bundeskriminalamts qualifiziert Führungskräfte für die Unternehmenssicherheit.

Dr. Jürgen Harrer, EBS Forschungsdirektor Security & Management
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Nicht erst seit Corona erleben wir alle, wie „vuka“ die Geschäftswelt geworden ist: Schwer antizipierbare Unsicherheiten gefährden solide Geschäftsmodelle, die digitale Transformation stellt Security-Verantwortliche in Unternehmen vor immer neue Herausforderungen und die Kompetenz, im sich stetig wandelnden Umfeld valide Entscheidungen zu treffen, entwickelt sich zur Schlüsselqualifikation.

Die Aufgabe erfordert ein souveränes Übernehmen vielfältiger Projekte und das Einnehmen und Ausfüllen einer Rolle als Business Partner und proaktivem Berater. Im Zertifikatsprogramm „Security Management“ beleuchten Experten in interaktiven Lehrveranstaltungen Fragen wie

 

  • Was sind die potenziellen Risiken in meinem Unternehmen?
  • Welche Sicherheitsstrategie leite ich aus der Unternehmensstrategie ab?
  • Wie beeinflusst die digitale Transformation die Sicherheit meines Unternehmens?
  • Wie schütze ich meine Prozesse und Infrastrukturen wirkungsvoll?
  • Wie gelingt es mir, die Rolle eines Business Partners im Unternehmen einzunehmen?

Praxiserfahrung trifft auf Forschungsresultate

Im Zertifikatsprogramm „Security Management“ beschäftigen sich Experten aus der Branche im zehntägigen Lehrgang auf dem EBS Universitätscampus in Oestrich-Winkel im Rheingau mit theoretischen Grundlagen der Security als strategischem Unternehmensprozess. Gleichsam wird der Frage nachgegangen, wie Security gemessen und in der Praxis umgesetzt werden kann. Den Abschluss bildet die Zertifikatsprüfung zum Security Manager (EBS).

Security Management Programmstruktur
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Modularer Aufbau des Programms „Security Management“ der EBS Universität in Partnerschaft mit dem BKA

EBS Forschungsdirektor Security & Management, Dr. Jürgen Harrer, fasst Inhalte und Ziele des aktuellen Zertifikatsprogramms zusammen:
„Der BDI und andere Wirtschaftsverbände wiesen schon vor Jahren darauf hin, dass ohne Sicherheit die digitale Transformation nicht nachhaltig gelingen kann. Wir teilen diese Einschätzung und adressieren die „Konvergenz physischer und logischer Sicherheit“ daher im Rahmen verschiedener Lernmodule. Unser Zertifikatsprogramm fokussiert bewusst die Management-Perspektive. Die Teilnehmer wollen zu kompetenten Partnern qualifiziert werden, die das „Business“ bei sicherheitsbezogenen Entscheidungen beraten können. Damit ergänzen wir die eher fachlich orientierten Programme anderer Anbieter, die vorrangig Wissen und Praxiserfahrungen zu den typischen Handlungsfeldern der Unternehmenssicherheit vermitteln. Wir stellen mit Freude fest, dass in den letzten Jahren auch vermehrt Experten aus der IT-Security an unserem Programm teilnehmen, um einen ganzheitlichen Blick auf die Unternehmenssicherheit zu erhalten.“

Von der Qualifizierungsmaßnahme profitieren sowohl Beschäftigte von externen Sicherheitsdienstleistern als auch in besonderem Maße Mitarbeiter aus betrieblichen Sicherheitsorganisationen. Heutzutage reicht das komplexe Aufgabenfeld vieler Sicherheitsabteilungen vom professionellen Risikomanagement über den Informationsschutz bis hin zu klassischen Managementfunktionen wie der Mitarbeiterführung und dem Controlling.

Durch die langjährige Partnerschaft der EBS Universität mit dem BKA in der Ausbildung der „Security Manager (EBS)“ ist gewährleistet, dass die Teilnehmer sowohl Einblicke in aktuelle Erkenntnisse aus der betriebswirtschaftlichen Sicherheitsforschung erhalten als auch bewährte Lösungen international erfolgreicher Unternehmen kennenlernen. Security-Mitarbeiter erlernen in diesem praxisorientierten Lehrgang, erworbenes Wissen unmittelbar im eigenen Umfeld umzusetzen. Dies stellen als Referenten die Experten des Bundeskriminalamts und der EBS Universität sowie erfahrene Praktiker aus dem Security Management renommierter Unternehmen sicher.

Für das Jahr 2020 sind noch Plätze im am 25. November 2020 beginnenden Jahrgang buchbar.

Weitere Informationen unter www.ebs.edu/sec

-PM EBS-

 

EIKO Eigensicherung durch Kommunikation

Lernen Sie, Psychologie als wirkungsvolles Arbeitstool für Ihre Eigensicherung anzuwenden, denn Überleben ist kein Zufall.

Über die Thomas Herzing GmbH

Wir verbinden in der Praxis bewährtes Wissen der beiden «Welten», Kommunikation & integrale Sicherheit, mit hohem Kundennutzen. Als Schweizer Unternehmen bieten wir unsere Dienstleistungen international an. Unsere Mitarbeiter verfügen über einen umfangreichen Leistungsrucksack, welchen sie bei der Polizei oder Militär erwarben.

Orientierung

Grenzüberschreitungen gehören zu unserem Alltag. Dabei sind die Erscheinungsformen vielschichtig und unterschiedlich intensiv. Gefährlich wird es, wenn sich respektloses Verhalten als Beleidigung, Einschüchterung oder sogar körperlichen Angriff ausdrückt. Um Ihnen einen bewussten Umgang mit schwierigen Momenten zu erleichtern, können Sie das bei der Polizei bewährte ist EIKO- System nutzen.

Ziele

Situationen, wie z.B. bei einer Fahrkartenkontrolle, aufmerksam und frühzeitig einschätzen zu können. Wenn ein Fahrgast ohne gültiges Ticket angetroffen wird, löst dies Emotionen bei dem Zugbegleiter aus. Nun ist es wichtig, professionell interagieren zu können.

Die Hintergründe ihres bisherigen Verhaltens erkennen und dem Erlernen neuer Verhaltensmuster, um diese neuen Handlungsstrategien in schwierigen Situationen umzusetzen.
Sich der eigenen Haltung in Gesprächen mit Einzelpersonen und Gruppen bewusst werden.

Inhalt

Insgesamt besteht das EIKO-Modell aus 3 Stufen:
Stufe 1:
Vorphase gilt das Briefing oder «mentales Judo». Vor dem Einsatz werden bewusst mögliche äussere Umstände thematisiert, welche zu kritischen Erfolgsfaktoren führen
könnten.
Stufe 2:
Wir nennen diese «Während» Phase, geht es darum, unbedingt in einem konstruktiven Dialog mit dem Gegenüber zu bleiben. Besondere Bedeutung dabei ist ein bewusst deeskalierendes Auftreten, und die Möglichkeit sich schützen zu können.
Stufe 3:
Hier geht es um die Reflexion des Erlebten und die Nachbesprechung im Team.

Durchführung

Gemäss den Grundsätzen moderner Andragogik
Schwerpunkt sind praktische Übungen

Instruktoren

Erfahrene(r) Kommunikationstrainer(in) mit umfangreichen psychologischen Kenntnissen mit langjähriger Polizeierfahrung

Zielgruppe

Dienstleister
Öffentliche Verwaltung
Öffentlicher (Nah)Verkehr
Führungskräfte und Geschäftsführer, die bei ihrer täglichen Arbeit Teams leiten und ihr eigenes Kommunikationsverhalten verbessern wollen.

Kursort

Seminarhotel oder in-house

Kursadministration & Kursleitung

www.thomasherzing.ch

 

Motorsirene Typ E57
© Von Thomas Schulze - Thomas Schulze, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=118478

Fehler dürfen nicht aufgezeigt werden – ein fatales Signal

Von Herbert Saurugg, MSc

Am 10. September 2020 fand in Deutschland der erste bundesweite Warntag nach der Wiedervereinigung statt und hat genau das bestätigt, was allen Katastrophenschützern klar ist: alles was nicht regelmäßig geübt wird, funktioniert nicht. Doch die Politik zog andere Schlüsse und löste den Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger, mit Ende September ab. Eine Übungsauswertung wurde erst gar nicht abgewartet. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ein fatales Signal.

Natürlich war es blamabel, dass der groß angekündigte Warntag in vielen Bereichen in die Hose gegangen ist. Aber genau dazu werden Übungen durchgeführt, um Schwachstellen aufzuzeigen und Fehler rechtzeitig zu erkennen. Sirenen versagten, Warnmeldungen kamen viel zu spät oder gar nicht an. Ein System, das seit Ende des Kalten Krieges vernachlässigt wurde, sollte auf Anhieb funktionieren. Zusätzlich trugen offensichtlich – gewollte oder ungewollte – zwischenmenschliche Kommunikationsprobleme zum Chaos bei. Obwohl die Alarmauslösung durch den Bund geübt werden sollte, lösten parallel zahlreiche andere Organisationen ebenfalls einen Alarm aus und es kam zu Überlastungen und Fehlfunktionen. So etwas sollte die Technik nicht überfordern, da ja gerade bei außergewöhnlichen Ereignissen nicht mit einem reibungslosen Ablauf zu rechnen ist. Daher scheint es hier auch weitreichende Designprobleme zu geben, die sich schon bei vergangenen Ereignissen angekündigt haben. Also wird es noch viel aufzuarbeiten geben, damit der Warntag 2021 besser verläuft, sofern dieser überhaupt stattfinden wird.

Christoph Unger (derzeit abgeordnet)
© Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Denn mit der Absetzung von Christoph Unger hat die Politik ein klares Signal gesetzt: Scheitern ist untersagt! Aber nachdem das nie ausgeschlossen werden kann und zum Übungszweck gehört, werden sich Entscheider in Zukunft gut überlegen, ob sie dieses persönliche Risiko eingehen wollen. Damit wird genau das erreicht, was wir als Gesellschaft überhaupt nicht gebrauchen können: Scheinsicherheit! Auf Papier funktioniert alles und ist bestens vorbereitet. So lange kein Ereignis eintritt, wird das auch niemanden weiter interessieren. Aber wehe dem.

Leider häufen sich in den letzten Jahren derartige Erfahrungen. Der Flughafen Berlin stellt dabei nur die Spitze des Eisberges dar. Hinzu kommt, dass in vielen Bereichen nur mehr gilt: Den Routinebetrieb möglichst gut aufrechterhalten. Für alles andere gibt es kaum mehr Ressourcen und Spielraum. Vieles wurde in Unternehmen und Behörden zu Gunsten einer Optimierung und Effizienzsteigerung eingespart oder ausgelagert. Störungen sind nicht mehr vorgesehen. Daher haben sich hier enorme Verwundbarkeiten angesammelt, die uns selten bewusst sind. Zum Teil sind diese in der Corona-Krise sichtbar geworden: Schutzausrüstung wird durch Behörden und Unternehmen in Hamsterkaufmanier beschafft. Die Vorsorge wurde ignoriert und nun gilt: Koste es, was es wolle.

Dabei ist die COVID-19-Pandemie bisher sehr glimpflich verlaufen. Der Verlauf ist weit vom im Bericht „Unterrichtung durch die Bundesregierung zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“1 dargestellten Verlauf entfernt, auch wenn sich viele andere Passagen wie eine Blaupause lesen. Und davor gab es bereits die Länderübergreifende Krisenmanagementübung 2007 - Weltweite Influenza-Pandemie (LÜKEX 07). Zahlreiche Erkenntnisse wurden wie auch bei anderen LÜKEX gewonnen. Nur die gezogenen Schlüsse fanden wie so oft kaum einen Weg in die konkreten und notwendigen Vorsorgemaßnahmen. Zu teuer, überflüssig, passiert eh nicht usw.

Die erste LÜKEX 2004 – Winterliche Extremwetterlage mit großflächigem Stromausfall – war wohl etwas zu ambitioniert und zeigte bereits damals die Verwundbarkeit unserer modernen Gesellschaft auf. Auch hier wurde bereits 2011 ein sehr umfassender wissenschaftlicher Bericht „Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften - am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“2 mit vernichtenden Erkenntnissen veröffentlicht: „Aufgrund der nahezu vollständigen Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt mit elektrisch betriebenen Geräten würden sich die Folgen eines langandauernden und großflächigen Stromausfalls zu einer Schadenslage von besonderer Qualität summieren. Betroffen wären alle Kritischen Infrastrukturen, und ein Kollaps der gesamten Gesellschaft wäre kaum zu verhindern. Trotz dieses Gefahren- und Katastrophenpotenzials ist ein diesbezügliches gesellschaftliches Risikobewusstsein nur in Ansätzen vorhanden. Die Folgenanalysen haben gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens-)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Spätestens am Ende der ersten Woche wäre eine Katastrophe zu erwarten, das heißt die gesundheitliche Schädigung bzw. der Tod sehr vieler Menschen sowie eine mit lokal bzw. regional verfügbaren Mitteln und personellen Kapazitäten nicht mehr zu bewältigender Problemlage.“

Die gesellschaftliche Verwundbarkeit hat durch die Digitalisierung und durch die umfassenden Effizienzsteigerungsmaßnahmen in den vergangen zwei Jahrzehnten noch deutlich zugenommen. Redundanzen und Reserven wurden wo immer möglich als „totes Kapital“ eingespart und reduziert. Das was beim Warntag sichtbar wurde, schlummert in vielen anderen Bereichen noch und könnte schlagartig zum Vorschein kommen. Spätesten beim ersten europaweiten Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall („Blackout“), wie ihn das Österreichische Bundesheer mit einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit binnen der nächsten fünf Jahre erwartet.

Hat bisher jemand darauf reagiert? Kaum. Es gibt zwar zumindest in Österreich mehr und mehr Aktivitäten was die Blackout-Vorsorge betrifft, aber von einer breiten gesellschaftlichen Vorbereitung sind wir noch weit entfernt. In Deutschland ist es sogar so, dass man zeitweise dazu angehalten wird, das B-Wort nicht in den Mund zu nehmen. Eine Vogel-Strauss-Politik kommt jedoch bei einem „low probability – high impact“-Ereignis fast schon einem gesellschaftlichen Selbstmord gleich.

Gerade die COVID-19-Pandemie sollte klar machen, dass auch extrem seltene Ereignisse eintreten. Aber in vielen Bereichen wird derzeit dazu geneigt, sich hinter dieser zu verstecken: Man hat jetzt keine Ressourcen, um sich nun mit einem weiteren Szenario zu beschäftigen. Dabei ist gerade die Blackout-Gefahr in den vergangenen Monaten erneut und rascher als bisher erwartet gestiegen. Durch den Lockdown ist nicht nur der Strombedarf, sondern auch indirekt die Systemstabilität gesunken, da weniger rotierende Massen (Momentanreserve) zur Verfügung standen.

Aktuelle Ereignisse wiederum gehen genau in die Gegenrichtung: Die Bedarfsdeckung wird schwieriger. Am 14. September 2020 stieg zwischen 19 und 20 Uhr der Strompreis um mehr als das 10-fache auf bis zu 550 Euro/MWh. So etwas gab es seit zumindest 2012 nicht mehr. Es gab extreme Hitze und Kraftwerksausfälle in Frankreich, dazu eine Wetterlage mit sehr wenig Wind. Mit Ende der Photovoltaik-Einspeisung nach Sonnenuntergang wurde der Strom dann knapp und die Preise schossen in die Höhe. Noch ist unklar, um die generellen Kraftwerksprobleme in Frankreich bis zum Winter behoben werden können.

Für sich betrachtet, sind diese „Einzelereignisse“ beherrschbar. Sie nehmen nur in der Quantität und Qualität seit Jahren zu. Es ist daher absehbar, dass einmal ein Ereignis zu viel auftreten und eine verheerende Kaskadenreaktion auslösen wird. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Schon gar nicht in einem System, dass immer häufiger unter Stresssituationen betrieben werden muss.

Palais Strozzi Sitz des Complexity Science Hub Vienna (CSH) © Von Gugerell - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=89081586Was nach wie vor völlig unterschätzt wird, ist, dass es dann nicht nur um einen Strom-, sondern um einen weitreichenden und länger andauernden Versorgungsausfall in fast allen Lebensbereichen geht. In Österreich hat das Complexity Science Hub Vienna (CSH) während des Lockdowns eine Untersuchung zur Robustheit der Lieferketten österreichischer Unternehmen durchgeführt.3 Die Erkenntnisse sind ernüchternd:

  • Mehr als ein Drittel der Firmen gab an, mindestens einen Zulieferer zu haben, durch dessen Ausfall es zu einem kompletten Betriebsstillstand kommen würde. Dies betrifft kleine und große Unternehmen gleichermaßen. Von diesen Firmen haben 55 Prozent keine Alternative für ihre hoch kritischen Lieferanten.
  • Etwa 40 Prozent aller genannten Zulieferer stammen aus dem Ausland. Auch von den für die Betriebe hoch kritischen Zulieferern befinden sich etwa 35 Prozent im Ausland.
  • Im verarbeitenden Gewerbe gab etwa die Hälfte der Firmen an, 60 bis 100 Prozent ihrer SchlüsselmitarbeiterInnen unbedingt zu benötigen.
  • Der Großteil der größeren Firmen gab an, innerhalb von zwei Wochen den Betrieb (nach dem Lockdown) wieder aufnehmen zu können.4
  • Können Vorprodukte nicht an andere Firmen ausgeliefert werden, können sich Lieferausfälle in Kaskaden durch das ganze Lieferkettennetzwerk fortpflanzen und im schlimmsten Fall zu einem Komplettausfall ganzer Industriezweige führen – einem sogenannten Lieferkettenkollaps.

Diese Erkenntnisse gelten wohl nicht nur für österreichische Unternehmen und Lieferketten. Daher muss hier einmal mehr auf die erwartbaren katastrophalen Auswirkungen in Folge eines Blackouts oder auch in Folge eines verschärften Pandemieverlaufs hingewiesen werden. Wirklich großflächige Lieferkettenunterbrechungen sind bisher zum Glück ausgeblieben, auch wenn einzelne Produktgruppen über Wochen nur schwer erhältlich waren. Dabei hat aber noch alles funktioniert. Es gab nur eine verstärkte Nachfrage. Man stelle sich nur vor, was es bedeuten könnte, wenn quer über Europa die Produktion unplanmäßig und chaotisch ausfallen würde. Allein bis der Bahnverkehr wieder einen geordneten Betrieb sicherstellen wird können, wird wahrscheinlich Wochen dauern. Letztes Jahr mussten in England in Folge eines Lastabwurfes 30 Züge durch einen Techniker, der vor Ort kommen musste, wieder in Betrieb genommen werden. Dabei dauerte der Stromausfall nur zwischen 15 und 45 Minuten. Nicht auszudenken, was es bedeuten könnte, wenn sich gar kein Personal mehr am Zug befindet, weil dieses nicht mehr im Zug geblieben ist.

Immer häufiger wird der Begriff „Resilienz“ strapaziert, der die bisherigen Begriffe „Schutz und Sicherheit“ mehr oder weniger ablösen soll. Meistens wird damit Widerstandsfähigkeit verstanden, was mehr oder weniger den bisherigen Konzepten entspricht. Also alter Wein in neuen Schläuchen. Wenn man aber Resilienz im Sinne von Anpassung und Lernen versteht, bekommt dieses Konzept eine ganz andere Bedeutung: Es geht nicht (nur) mehr um das Verhindern, was häufig nur mehr mit einem immer höheren Aufwand möglich ist, sondern um die Fähigkeit, mit Störungen konstruktiv umgehen zu können. Im besten Fall noch bevor man aus Schaden klug geworden ist, was gerade bei den aktuellen und zukünftigen vernetzten Krisen unabdingbar ist, da das Lehrgeld viel zu hoch wäre. Und genau diese Lernbereitschaft wird mit dem politischen Aktionismus abgewürgt.

Wobei es hier nicht um ein Politik-Bashing gehen soll. Denn wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Auch in Unternehmen sieht es mit der Fehler- oder Sicherheitskultur oft nicht wesentlich besser aus. Die Mitarbeiter sollen zwar innovativ sein, aber ein Scheitern ist nicht vorgesehen. Und kosten soll es auch nichts. Ein Widerspruch, der keine Innovation zulässt. Daher befinden wir uns derzeit in vielen Bereichen in einem „Lock-in“-Effekt. Wir können die eingefahrenen Pfade nicht verlassen.

Daher gibt es in der Wirtschaftsökonomie auch den Begriff der „Schöpferischen Zerstörung“: Etwas Neues kann nur entstehen und sich etablieren, wenn gleichzeitig Altes zerstört wird. Die permanente wirtschaftliche Erneuerung erfolgt erfolgreich diesem Prinzip. Doch zeichnen sich schon seit längerem wesentlich größere Umbrüche ab, die auch vor der Gesellschaft nicht halt machen werden. Das bedeutet vor allem, wir werden nicht auf bewährtes Wissen zurückgreifen können, sondern müssen neue Dinge ausprobieren und lernen, um neue Wege zu finden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Fehler- und Sicherheitskultur und die Bereitschaft zur Anpassung und Weiterentwicklung. Nur so werden wir die Chaosphase dieser Transformationszeit möglichst kurzhalten können. Der erste Schritt beginnt daher mit der Akzeptanz und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und eingetreten Pfade zu verlassen. Fehler sind dabei unvermeidbar. Wichtig ist, dass wir diese zum Lernen nutzen!

 

Quellen:

1 Siehe unter https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf
2 Siehe unter http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/berichte/TAB-Arbeitsbericht-ab141.pdf
3 Siehe https://www.csh.ac.at/wp-content/uploads/2020/06/CSH-Policy-Brief-Lieferkette-final.pdf
4Bei einem chaotischen Ausfall und den erwartbaren Schäden an Produktionsanlagen in Folge eines Blackouts muss wohl damit gerechnet werden, dass dies wesentlich länger dauern wird.

 

Über den Autor
Autor: Herbert Saurugg
Herbert Saurugg ist internationaler Blackout- und Energiewende-Experte, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV), Autor zahlreicher Fachpublikationen sowie gefragter Keynote-Speaker und Interviewpartner zu einem europaweiten Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall. Seit rund 10 Jahren beschäftigt er sich mit der steigenden Komplexität und Verwundbarkeit lebenswichtiger Infrastrukturen sowie mit den möglichen Lösungsansätzen, wie die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wieder robuster gestaltet werden kann. Er betreibt dazu einen umfangreichen Fachblog unter www.saurugg.net und unterstützt Gemeinden und Organisationen bei der Blackout-Vorsorge.
Weitere Artikel

Disaster
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Research*EU Magazine wählt EU-Projekt IN-PREP zum Projekt des Monats

Das EU-Projekt IN-PREP (INtegrated next generation PREParedness programme) verfolgt das Ziel, das länderübergreifende Krisenmanagement in der EU zu verbessern. In der Sommerausgabe vom August/September 2020 hat das Research*EU Magazine, ein Magazin der EU-Kommission über die Forschungsergebnisse der EU-Projekte in den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen, IN-PREP als Projekt des Monats ausgezeichnet. Dabei verweist es auch auf die besondere Bedeutung des Projektes für die COVID-19-Pandemie sowie für zukünftige Pandemien.

Die Aufgabe des Fraunhofer-Institutes für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT besteht in der Leitung der Evaluierung der technologischen Plattform während der Übungen und Demonstrationen von IN-PREP sowie in der Entwicklung eines Handbuchs zum länderübergreifenden Krisenmanagement.

Die EU braucht ein gut funktionierendes länderübergreifendes Krisenmanagement, um auf Krisen wie z. B. Naturkatastrophen, aber auch menschengemachte Krisen wie z. B. Terroranschläge zu reagieren, für die Ländergrenzen oft kein Hindernis darstellen. Das EU-Projekt IN-PREP (An INtegrated next generation PREParedness programme for improving effective inter-organisational response capacity in complex environments of disasters and causes of crises) entwickelt dazu ein neues Gesamtsystem für das Krisenmanagement, das insbesondere die Entwicklung eines gemeinschaftlichen Notfallplans, den Informationsaustausch in Echtzeit und die Koordination kritischer Ressourcen in den Blick nimmt.

Dazu werden in IN-PREP neue Technologien konzipiert, die in Praxisübungen getestet und verbessert und anschließend in der Mixed Reality Preparedness Plattform gebündelt werden. Diese Trainingsplattform dient der Vorbereitung auf länderübergreifende Krisen und richtet sich an alle Gruppen, die in den Katastrophenschutz involviert sind wie z. B. Feuerwehr, medizinische Notdienste und Bevölkerungsschutz. Zu den konzipierten Technologien gehören z. B. Instrumente der Szenariogestaltung für die Planung von Krisen und entsprechenden Trainings, ein Kontroll- und Kommandosystem für den Einsatz im Krisenfall sowie modernste Funktionen zur Modellierung von Gefahrenauswirkungen und Evakuierungen. Getestet wurden sie bisher in vier Praxisübungen in Italien, den Niederlanden und Nordirland, zwei weitere Übungen in Italien und Rhodos stehen aufgrund der COVID-19-Pandemie noch aus.

Die zweite Komponente von IN-PREP ist ein Einsatzhandbuch für Endanwender*innen und Ersthelfer*innen, welches nicht nur eine Bedienungsanleitung der IN-PREP Plattform darstellt, sondern darüber hinaus die verschiedenen Strukturen und Prozeduren des europäischen Krisenmanagements erklärt und Empfehlungen zur internationalen Zusammenarbeit gibt. Entwickelt wird es federführend von Wissenschaftler*innen des Fraunhofer INT. Das Fraunhofer INT verantwortet darüber hinaus die mehrdimensionale Evaluation der konzipierten Technologien sowohl in den vorbereitenden Workshops als auch in den praktischen Übungen: Auf der technischen Ebene, wie der Einsatz der Technologie(n) funktioniert; auf der Nutzerebene, ob und wie hilfreich die Plattform ist und abrundend auch die interne Managementebene. „Erste Ergebnisse zeigen, dass IN-PREP als sehr hilfreich für die Durchführung von Trainings wahrgenommen wird und speziell die Möglichkeit zur Kommunikation und zum Datenaustausch zwischen den verschiedenen am Krisenmanagement beteiligten Gruppen sehr geschätzt wird“ so Claudia Berchtold, Projektverantwortliche am Fraunhofer INT.

Zudem zeigt eine kürzlich veröffentlichte IN-PREP-Studie des italienischen Feuerwehr- und Rettungsdienstes (CNVVF), dass mit einem effektiveren Datenaustausch bei Rettungsdiensten basierend auf neuesten technologischen Entwicklungen örtliche, sprachliche und technologische Hindernisse überwunden werden können. Dies hilft z. B. aktuell dabei Personen, die im Rettungsdienst tätig sind, bei Einsätzen gegen COVID-19 zu schützen.

Durch die Wahl zum Projekt des Monats würdigt das Research*EU Magazine die bisher erzielten Ergebnisse von IN-PREP und ihre besondere Bedeutung seit Beginn der Covid-19-Pandemie. In dem regelmäßig erscheinenden Magazin werden die vielversprechendsten Ergebnisse aus EU-geförderten Forschungsprojekten aus verschiedenen Bereichen und mit variierenden Schwerpunktthemen vorgestellt.

In dem Projekt arbeiten 20 Partner aus sieben verschiedenen Ländern der Europäischen Union, koordiniert vom Institute of Communication and Computer Systems (ICCS), gemeinsam an einem besseren länderübergreifenden Krisenmanagement. Neben Technologie-Anbietern und Forschungsinstituten gehören dazu auch verschiedene direkt im Bevölkerungsschutz involvierte Organisationen wie Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei, um so auch die Endanwender*innen direkt in die Planung miteinzubeziehen.

Das Fraunhofer INT bietet wissenschaftlich fundierte Analyse- und Bewertungsfähigkeit über das gesamte Spektrum technologischer Entwicklungen. Vertieft wird dieser Überblick durch eigene Fachanalysen und -prognosen auf ausgewählten Technologiegebieten und durch eigene theoretische und experimentelle Arbeiten auf dem Gebiet elektromagnetischer und nuklearer Effekte.

-PM Fraunhofer-Institut-