H.E.A.T – Vorbereitung auf heiße Einsätze im TCRH Mosbach

Von Thomas Lay

Mario Pröhl bereitet in seiner H.E.A.T – Akademie Menschen auf gefährliche Situationen im In- und Ausland vor.

Mario Pröhl
© Pröhl
Die Globalisierung hat Vieles verändert. Kommerzielle und nicht-kommerzielle deutsche Unternehmen und Institutionen sind weltweit tätig und der Tourismus – auch in fernste Länder – nimmt stetig zu. Mit diesen Entwicklungen gehen auch Gefährdungen einher. Hin und wieder erfährt die Öffentlichkeit von an Deutschen im Ausland begangenen Verbrechen oder es wird bekannt, dass ein Mitarbeiter einer deutschen Firma im Ausland entführt wurde. In manchen Fällen stehen deutsche Mitarbeiter bei ihren Auslandseinsätzen unter dem Schutz des Gastlandes, häufig müssen die Firmen aber selbst für den Schutz ihrer Mitarbeiter sorgen.

Das Tätigkeitsfeld des Schutzes von Firmenmitarbeitern und Privatpersonen erlebt seit Jahren einen stetigen Aufschwung. Mittlerweile sind in Deutschland mehrere große Unternehmen am Markt tätig, die Personenschutz anbieten, verschiedene Maßnahmen zur Verbrechensprävention vorhalten oder ihre Klienten in Theorie und Praxis auf die Bewältigung unangenehmer Situationen vorbereiten.

Mario Pröhls Weg in die Sicherheitsbranche darf man als klassisch bezeichnen. Nach einer 23-jährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr, von der er die meiste Zeit beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw im Nordschwarzwald verbrachte, kündigte der Berufssoldat bei der Bundeswehr und gründete im Jahr 2013 das Unternehmen MP-Protection. Dabei steht MP für seine Initialen. Pröhl kann das Wissen, das er als Operator und Ausbilder im KSK sammelte, nutzbringend in seine jetzige zivile Tätigkeit einbringen. Daher bietet er zusammen mit einem Expertenteam sowohl Sicherheitsberatungen als auch operatives Training für den Ernstfall an und führt für Unternehmen und staatliche Institutionen, deren Sicherheitsrisiko erhöht ist, Sicherheitsaufträge durch.

Gefahrenpunkt Rettungsdienste

Aufmerksam beobachtete Pröhl die Lageentwicklung und reagierte darauf rasch. So schuf er im Jahr 2016 das Seminar „Taktische Eigensicherung für Rettungsdienst“ und baute es thematisch weiter, zum Beispiel bietet er auch Veranstaltungen für das Personal in Krankenhäusern an. Weitere Kunden sind Mitarbeiter aus Arbeits- oder Sozialämtern. Auch dort besteht mittlerweile ein großer Bedarf an „Taktischer Eigensicherung“. Pröhls Besonderheit ist, dass er sich von vielen Anbietern unterscheidet, die ihren Kunden Kurse in Selbstverteidigung anbieten. Pröhl lehrt nicht Entwaffnungstechniken, sondern er geht in seinen Kursen vor den Punkt, an dem die Gewalt eskaliert. Er versucht, die Teilnehmer für gefährliche Situationen zu sensibilisieren, ein Gefühl für Gefahren zu entwickeln, was mitunter auch als Gefahrenradar bezeichnet wird.

In der Inhaltsbeschreibung eines Buches, das Pröhl zusammen mit Christoph Lippay verfasste, werden Ziel und Inhalt dieser Kurse skizziert: „Viele Simulation eines Verkehrsunfalls
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Rettungsdienstmitarbeiter haben Einsätze erlebt, bei denen sie bedroht oder angegriffen wurden. Um auf solche Lagen vorbereitet zu sein und nicht nur intuitiv, sondern bewusst richtig zu reagieren, beschreiben die Autoren wie mit einfach zu erlernenden Mitteln und bewussten Handlungen ein hohes Maß an Eigensicherung erreicht werden kann. Nicht jeder Einsatz und Patient birgt Gefahren. Damit diese aber ausgeschlossen werden können, muss der Blick geschult sein. Dazu sind Hintergrundwissen zu Gefahrensituationen und Täterverhalten unabdingbar. Durch das Buch lernen Sie die Lage am Notfallort einzuschätzen, Sicherungsmaßnahmen für Ihr Team durchzuführen und sich so zu verhalten, dass Situationen nicht eskalieren. Speziell wird auf den Umgang mit aggressiven Patienten eingegangen und wie Sie sich verhalten müssen, wenn Waffen am Einsatzort sind. Dabei ist immer zu beachten: Eigenschutz geht vor Fremdrettung. Für den Ernstfall zeigen die Autoren, wie Sie sich verteidigen können. Neben dem Leitfaden für rettungsdienstliche ‚Alltagseinsätze‘ werden auch Verhaltensweisen für taktische Lagen erläutert und Konzepte der Zusammenarbeit zwischen den Behörden vorgestellt.“

Sehr bald ging Pröhl mit seinem Kurs „Taktische Eigensicherung“ ins TCRH (Training Center Retten und Helfen) nach Mosbach in Baden-Württemberg, wo viele unterschiedliche Szenarien trainiert werden können.

Training im TCRH Mosbach

Aus diesen Wurzeln ging im Jahr 2017 die H.E.A.T. Academy hervor. Das Kürzel steht für Hostile Environment Awareness Training, was man mit Wahrnehmungstraining in feindlicher Umgebung übersetzen kann. Dabei werden zwei Modelle angeboten. Zum einen das stationäre Training in Mosbach. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass ein mobiles Trainings Team zum Kunden kommt. Zum Team gehören männliche und weibliche (Ex) Soldaten und Polizisten, aber auch Psychologen.

Umgang mit Löschmitteln
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Die Angebote der in der Regel vier- bis fünftägigen Kurse sind auf nicht-militärisches Personal zugeschnitten, auf Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, in eine Krisenregion reisen wollen. Dabei sind die Kurse so konzipiert, dass auf die speziellen Wünsche und Bedürfnisse der Kunden eingegangen werden kann. Dementsprechend kann ein solcher Kurs interkulturelle Kompetenz vermitteln, besonders auf das Problem der sexuellen Belästigung eingehen, das Verhalten in einem Hinterhalt oder die Stress-Trauma-Bewältigung behandeln. Weitere Themen sind Erste Hilfe oder ganz allgemein Reisevorbereitungen. Wenn die Kunden aus dem Behördenbereich stammen, dann stehen vielleicht Themen wie die rechtlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt oder die Einweisung in bestehende Evakuierungspläne. Für die Mitarbeiter im Ausland tätiger Firmen werden Themen wie die Hotelsicherheit angeboten oder auch das Verhalten in einer Geisellage. Auch für diese Zielgruppe sind Evakuierungspläne wichtig, die aber anders ablaufen als bei staatlichen Institutionen. Unternehmen kooperieren für solche Fälle häufig mit lokalen Sicherheitsanbietern.

Orientieren mit Karte und Kompass
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Auch die Bundeswehr bietet an der Infanterieschule in Hammelburg Vorbereitungskurse für Krisengebiete an. Pröhl`s Akademie hat sich darauf spezialisiert die Inhalte der Kurse nach den Bedürfnissen der Kunden zu gestalten, da zum Beispiel NGO´s ganz andere Schwerpunkte haben können als Wirtschaftsunternehmen oder Behörden.

Nach ersten positiven Erfahrungen zählen Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu den Kunden der Akademie. Zum Programm gehören zwar auch Geiselszenarien und Hinterhalte, aber darauf liegt nicht der Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr alltägliche Situationen, die in Krisengebieten der Welt gang und gäbe sind. Immer bedeutender wurden in den letzten Jahren die Module in Erster Hilfe.

Verletztenversorgung
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Das Trainingsgelände in Mosbach ist einzigartig, um solche Kurse optimal durchzuführen. Neben einem abwechslungsreichen Gelände, welches auf 27 ha verteilt für alle verschiedenen Szenarien genutzt werden kann, sind dies modern ausgestattete Seminarräume, ein eigenes Catering und Unterkünfte in Ein- bzw. Zweibettzimmern. Durchaus mit Stolz zitiert Mario Pröhl die Bewertung eines Kursteilnehmers: „Ich freue mich darauf, dass ich das, was wir hier trainiert haben, bei meiner Arbeit sofort einsetzen kann.“

Weitere Informationen finden Sie unter www.heat-akademie.com

 

Über den Autor
Thomas Lay
Autor: Thomas Lay
Thomas Lay ist Mitglied der Redaktion von Veko-online. Aufgrund seiner langjährigen polizeilichen Erfahrung im In- und Ausland widmet er sich vornehmlich Sicherheitsthemen.
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