Arglos out of Afrika

Reiserisiken im VIP-Bereich

Von Lars D. Preusser

Blue Marble: Land Surface, Shallow Water, and Shaded Topography
Foto: © gemeinfrei
Länder- und Reiserisiken können als ein Produkt aus der sozio-ökonomischen Historie eines Landes, des Reifegrades seiner Rechtstaatlichkeit, der Durchsetzungsfähigkeit und Legitimität staatlicher Organe, Facetten der lokalen Werte- und Moralvorstellungen und der Wirkungsrichtung regionaler Kriminalitätsphänomen umschrieben werden. Dabei ist es für die Gefährdung von Geschäftsreisenden zunächst unerheblich ob diese von zivilgesellschaftlichen oder staatlichen Akteuren oder von deren Zusammenspiel ausgehen.

Im Bereich Personenschutz und Minding ist jedoch immer wieder zu beobachten, dass Geschäftsreisende aus westlichen Staaten mit hinreichend legitimierten Regierungen und vertrauenswürdigen staatlichen Organen, den politischen und wirtschaftlichen Eliten aus Schwellenländern ein unreflektiertes Übermaß an Vertrauen entgegenbringen und Gefahren für ihre persönliche und unternehmerische Sicherheit vielmehr ausschließlich auf „der Straße“ und nicht im Konferenzraum verorten. Vorschub wird dieser Einstellung auch durch die Prioritätensetzung durch diverse Sicherheitsberatungsunternehmen online angebotenen Reiserisikodatenbanken geleistet.

Internationale Studiengänge, globalisierte Wirtschaftstätigkeit und die Etablierung der englischen Sprache als Lingua Franka, haben bei den weltweiten politischen und ökonomischen Eliten zu einer relativen Vereinheitlichung sozialer Codes, interkultureller Umgangsformen, modischer Stile und Freizeitaktivitäten geführt. So ist es heute möglich, dass man als mitteleuropäischer CEO einen schnelleren Rapport und Zugang zu einem südamerikanischen Manager findet als beispielsweise zu dem Landwirt im nächst gelegenen Dorf.

Trügerische Vertrautheit

Wie trügerisch und gefährlich diese jedoch nur oberflächliche Nivellierung lokaler kultureller Identitäten sein kann und das da wo nicht zwingend ein harter Personenschutz erforderlich ist, dennoch die Begleitung durch einen Minder und das Befolgen seines Rates bei hochrangigen oder diffizilen Geschäftsreisen sinnvoll sein kann, illustrierten die folgenden Reisenotizen.

Tuareg in Algerien
Foto: © Von Bertrand Devouard ou Florence Devouard commons.wikimedia.org/wiki/-CC BY-SA 3.0
Die kleine Wirtschaftsdelegation umfasste einen nicht unbekannten deutschen Unternehmer, dessen CFO, den Autor sowie einen senioren Vertreter einer deutschen Wirtschaftsvereinigung bzw. deren Außenhandelsrepräsentant. Von Berlin aus, führte die Flugroute mit einem Privatjet zunächst für einen kurzen Tankstopp und jovial an den Flieger bestellte Pizza nach Neapel. Von dort aus ging es ohne weitere Zwischenlandung in die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Aufgrund der niedrigen Flughöhe konnte man dem langsamen Übergang der friedlich daliegenden Landschaften vom Gelb der Sahara hin zu den grünen Waldflächen Kameruns und des Kongos folgen. Am Boden verborgenen blieben die Korruption der politischen Systeme, die Folter in den Gefängnissen, die Dschihadisten-Camps in den Bergen, ihren Schleusern ausgelieferte Flüchtlinge, die brutale Repression ethnischer Minderheiten und vieles Mehr.

Vor der Landung wurden die Delegationsteilnehmer vom Autor über die tragische politische Historie des Kongo, die fragile Machtkonstellation in der Hauptstadt, die Gräueltaten in der Provinz Kivu, das Ranking des Landes in den Kategorien Korruption, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit, den Ausverkauf der Rohstoffe, dos and dont‘s sowie die spezifische Sicherheitssituation in Kinshasa gebrieft. Informiert wurde die Delegation auch über ihren Hauptgesprächspartner, Joseph Kabila, den bis dato sich an die Macht klammernden Präsidenten des größten afrikanischen Flächenlandes. Kabila Junior hatte zum Zeitpunkt der Reise erst wenige Monate zuvor seinen Vater, Laurent Désiré Kabila im Amt beerbt, nachdem dieser im Präsidentenpalast Opfer eines Attentates geworden war.

Wie sich jedoch bedauerlicher Weise herausstellen sollte, waren diese Fakten und Ratschläge als Handlungskontext der Delegation entweder wieder schnell vergessen oder es wurde deren Bedeutung für das eigene Wohlergehen nicht erfasst.

Es beginnt am Flughafen

Nach der Landung wurde die Delegation in der VIP-Immigration Lounge durch einen hochrangigen kongolesischen Regierungsberater empfangen und mit schwarzen Limousinen zum Hotel gefahren. Bereits auf dem Weg von der Airport-Lounge zu den PKW wurde offensichtlich, dass sich die Delegationsmitglieder durch den VIP-Service willkommen und vor allem sicher fühlten. Was ihnen entging, war, dass mehrere vor dem Flughafen herumlungernde Personen Ihnen auf dem Weg zu den PKW zu nahe kamen und zurückgewiesen werden mussten, der Chauffeur mit dem Verladen des Gepäcks überlastet war und nicht immer alle Gepäckstücke sicher im Blick hatte sowie zunächst den Kofferraum für die Fahrt durch die Innenstadt nicht abschließen wollte.

Die Unterbringung der Delegation erfolgte im geschichtsträchtigen, von der US-Regierung mitfinanzierten sowie durch den immer wieder von der Central Intelligence Agency instrumentalisierten US-amerikanischen Baukonzern Bechtel errichteten Hotel Intercontinental (jetzt „Grand Hotel de Kinshasa“- Accor). Der Lobby sah man nicht an, dass sich noch vor wenigen Jahren hier die Todesschwadronen Mobutus mit Ihren Familienangehörigen vor der Ankunft Laurent-Désiré Kabilas Rebellentruppen einquartiert hatten, um Ihre Flucht in das benachbarte Kongo-Brazzaville anzutreten.

Sie folgten damit dem untypisch friedfertigen Reflex Ihres infamen ruandischen Rebellengruppen relativ kampflos die Millionenmetropole am Kongo. Mit den neuen N'djili International Airport
Foto: © Von Kadimina - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65573303
Machthabern, den Kabilas, war ein neues Kapitel der Ausbeutung des Landes aufgeschlagen worden und so gaben sich im Hotel Intercontinental nun ukrainische Söldner, nord-koreanische Emissäre, skrupellose Rohstoffspekulanten und profithungrige Handelsvertreter allerlei Herren Länder die Klinke in die Hand. Alles unter den aufmerksamen Blicken des damaligen Hotelpersonals, über das ein ehemaliger Hotelmanager mal sagte: „We don’t hire them as such, but what can we do if the staff work as spies? “

Dem Trieb folgend

Nachdem der Autor am Ankunftstag einzelnen Delegationsmitgliedern unter Hinweis auf die hohe HIV-Rate im Land, erfolgreich von ihrem Ansinnen abbringen konnte, sich erweiterten femininen Dienstleistungen hinzugeben, akklimatisierte sich die kleine Delegation am Hotelpool. Neben ernsthaften ethischen und gesundheitlichen Fragestellungen war auch so die Gefahr von möglichen Kompromaten gegen die Delegationsmitglieder gebannt. Zum späten Abend hin gesellte sich dann noch der deutsche Botschafter auf einen Cocktail zur Delegation und verblüffte mit seiner Unkenntnis über das Land. Selbst von der weltweit mit am höchsten HIV-Rate seines Gastlandes hatte er noch nicht gehört.

Am nächsten Tag absolvierte die Delegation in unterschiedlichen Ministerien ein eng getaktetes Meeting-Programm. Gewöhnungsbedürftig für die deutschen Geschäftsleute war hierbei, dass an den Meetings immer eine variierende Anzahl von Personen in den Ministerbüros zugegen war, deren Vorstellung stets routiniert von den Gastgebern übergangen wurde und die Minister grundsätzlich eingehende Anrufe der Unterhaltung mit ihren Gästen bevorzugten. Da aufgrund der damals mangelnden Integration der verschiedenen Mobilfunknetze, alle Minister mindesten drei Mobiltelefone vor sich ausgebreitet hatten, nahmen die Gespräche einen komödiantisch fragmentierten Charakter an.

Verhinderter Barcrawl

Um sich abends von den anstrengenden Verhandlungen des Tages zu erholen, entwickelten die Delegationsmitglieder den Wunsch vom Hotel aus in die Innenstadt zu schlendern, um dort gepflegt in einer Bar einzukehren. Dass beispielhaft jede ihrer Armbanduhren mehr wert war, als das Lebenseinkommen einer kongolesischen Familie, die Sicherheitssituation sich insbesondere in afrikanischen Städten mit dem Einbruch der Dämmerung dramatisch verschlechtert und vier Mitteleuropäer unter fünf Millionen afrikanischen Stadtbewohnern möglicher Weise als potentielle Raubopfer herausstechen würden, war den Delegationsmitgliedern zunächst nicht eingängig. Es bedurfte aller Überredungskunst des Autors, die Geschäftsleute von ihrem Barcrawl abzubringen. Um sich in ihrer Enttäuschung doppelt abzusichern, wandten sie sich für eine zweite Einschätzung der Sicherheitslage an den Hotel Concierge. Dieser tat selbstbewusst und stolz kund, dass seine Hauptstadt für Gäste selbstverständlich sicher sei. Glücklicher Weise drang zeitgleich das Knattern von Maschinengewehrsalven aus der Innenstadt in die Hotellobby, sodass sich das Thema damit nun auch für die Delegationsmitglieder erledigte. Die ganz offensichtlich fehlerhafte Bewertung der Sicherheitslage durch den Concierge war exemplarisch für die Zweischneidigkeit von Lagebewertungen durch Ortsansässige. Einerseits ist deren lokales Knowhow und Wissen für die Einschätzung lokaler Sicherheitslagen unverzichtbar, andererseits können Lokalpatriotismus, die Gewöhnung an alltägliche Gefahren und das Nichtberücksichtigen von völlig unterschiedlichen Gefährdungsprofilen von Menschen anderer Herkunft, Religion, Hautfarbe oder sozialen Status in eine folgenschwere Fehleinschätzung münden.

Fotografische Leidenschaft

Da am letzten Reisetag der Termin mit Josep Kabila im Präsidentenpalast anstand, briefte der Autor die Delegation morgens erneut über die dos and dont’s, zu erwartende Sicherheitsvorkehrungen und die damals im Vor-Smart Phone Zeitalter noch ausgeprägte afrikanische Sensibilität gegenüber dem Fotografieren von Boulevard du 30 juin in Kinshasa, der mit Abstand größten Stadt des Landes
Foto: © Von en:User:Vberger - Eigenes Werk, Gemeinfrei,
staatlichen Einrichtungen und öffentlicher Infrastruktur. Schon eine halbe Stunde später musste der Vertreter einer deutschen Wirtschaftsvereinigung vor dem Hoteleingang diskret zur Seite genommen werden. Dort hatte er schlafwandlerisch Erinnerungsfotos geschossen und dabei nicht bemerkt, dass im Bildhintergrund ein russischer General zusammen mit seinen Feldjägern aus einem Militärjeep ausgestiegen war und herzlich von einem vermögend aussehenden Kongolesen begrüßt wurde. In einem durch den größten militärischen Konflikt seit dem zweiten Weltkrieg zerrissenen Land, möglicher Weise kein Treffen, welches man öffentlich erkennbar fotografisch dokumentieren mochte. Die Fotoleidenschaft des 65jährigen Handelsvertreters sollte sich noch im Verlauf des Tages als interessanter Unterhaltungsfaktor erweisen.

Für weitergehende Vorverhandlungen wurde die Delegation zum Präsidentenpalast chauffiert. Aufgrund der erst Monate zurückliegenden Ermordung seines Vaters in just diesem Gebäude durch einen kongolesischen Personenschützer hatte sein Sohn die Sicherheitsvorkehrung nachvollziehbar auf ein militärisches Niveau angehoben. Die Kolonne musste daher zunächst mehrere mit schweren MGs geschützte Sicherheitsschleusen passieren, bevor sie in den Bürotrakt des präsidentiellen Wirtschaftsberaters eskortiert wurde.

Die Sache mit den weißen Reihern

Wie sich jedoch zur Überraschung der Delegationsmitglieder herausstellte, hielt sich der amtierende Präsident gar nicht in dem Palast auf, sondern hatte sich auf dem grünen Hügel über Kinshasa in Mobutus ehemaliger Stadtresidenz einquartiert. Der große Bürokomplex des Präsidentenplastes aus den siebziger Jahren diente somit lediglich als überdimensioniertes Wartezimmer und zusätzliche Sicherheitsschleuse. Durch die großen Terrassenfenster der Büroräume waren für den interessierten Betrachter in der tropisch grünen Parkanlage zwei Details zu entdecken. Bedauerlicher Weise richtete sich die Aufmerksamkeit des senioren Wirtschaftsverbandsvertreters nur auf die großen weißen Reiher, die auf der zentralen Rasenfläche Fröschen nachstellten und entschied sich, entgegen erneuten Warnungen des Autors wieder Erinnerungsfotos zu schießen. Was seinem Auge entgangen war, waren die in ihrem Fleckentarn mit der Vegetation verschmelzenden simbabwischen Spezialkräfte, die der junge Kabila zu seinem Schutz aus dem Nachbarland engagiert hatte. Da der Autor sich nicht weiter an der Beratungsresistenz des Verbandsvertreters abarbeiten wollte, fing er an, die Reaktionszeit der Soldaten abzuzählen. Es dauerte exakt sechs Sekunden, bis die beiden gegenüberliegenden Türen des Büros aufgerissen wurden und auf die Köpfe alle Anwesenden Sturmgewehre mit gepflegten Holzstutzen gerichtet waren.

Die nachvollziehbar angespannte Situation konnte nur durch den hereineilenden und entsetzten Wirtschaftsberater des Präsidenten entschärft werden und sprach sich später noch bis zum obersten kongolesischen Heeresgeneral hoch. Die Delegationsmitglieder waren sichtlich geschockt und begriffen wohl erst jetzt, dass sie nicht in Westeuropa unterwegs waren.

Auf dem Weg in die Präsidentenresidenz passierte die Kolonne der Delegation weitere Sicherheitsschleusen, die nun mit Panzerwagen gesichert waren. Vor der ehemaligen Residenz Mobutus hatte sich Joseph Kabila einen Mini-Hubschrauber für den schnellen Exit positionieren lassen, der eher an eine Requisite aus einem James Bond Film als an ein flugtaugliches Luftfahrzeug erinnerte.

Nachdem alle Delegationsmitglieder durch die Leibgarde des Präsidenten auf Waffen durchsucht worden waren, fanden die abschließenden Verhandlungen in einem Thronsaal ähnlichen, lang gezogenen Saal statt, an dessen hinterer Rückwand Joseph Kabila einsam aus einem großen Sessel heraus seine Gäste empfing.

Gefährliche Souvenirs

Vor dem Rückflug entschieden sich die Delegationsmitglieder, sehr zum Unbehagen des Autors, unabgesprochen vor dem Rückflug für einen Zwischenstopp auf dem zentralen Kunsthandwerkermarkt Kinshasas. Die spontane Entscheidung der Delegation war erneut ein weiteres Beispiel für die Arglosigkeit der Reisegruppe und ließ keine Zeit für eine vorherige Lageeinschätzung oder das Anfordern lokaler Personenschützer. Die Reaktion der Händler und Anwohner auf die Ankunft der drei schwarzen Staats-Limousinen mit ihren europäischen Insassen, war vergleichbar mit der Landung eines extraterrestrischen Flugobjektes. Die Delegation wurde schnell von einer kleinen Menschentraube umringt und die Händler konkurrierten lautstark gestikulierend um die Aufmerksamkeit der offensichtlich zahlungskräftigen Marktbesucher. Glücklicher Weise hielten jedoch die mutmaßlich wohl vorwiegend durch Neugierde motivierten Schaulustigen einen gebührenden Abstand zu den Delegationsmitgliedern und verhielten sich nicht aggressiv.

Die Situation hätte sich theoretisch jedoch gänzlich anders darstellen und entwickeln können. Beispielhaft hätte sich der politische Unmut gegen den Präsidenten in Gewalt gegen dessen mutmaßlich ausbeuterischen europäischen Geschäftspartner Bahn brechen können oder Einzeltäter hätten die Unübersichtlichkeit der Marktsituation für sich nutzen können. Nachdem Erwerb mehrerer afrikanischer Holzmasken entschied sich der Delegationsleiter noch kurz vor der Abfahrt zu einer zweifelhaften karikativen Geste und begann plötzlich aus dem schnell heruntergelassenen Autofenster einer Gruppe von Kindern Geldscheine zuzustecken. Nur mit knapper Not konnte der Autor verhindern, dass dem Geschäftsmann seine Uhr abgerissen oder er selbst am Arm aus dem Auto gezerrt wurde. So kamen auch in dieser Situation wieder alle Beteiligten nur mit einem Schrecken davon.

Die dargestellten Ereignisse in der kongolesischen Hauptstadt verdeutlichen nicht nur die eingangs aufgeführten Thesen über die Arglosigkeit gegenüber Sicherheitsrisiken im Executive Bereich und der Sinnhaftigkeit einer Begleitung von Wirtschaftsdelegationen durch Minder, sondern auch wie schnell in manchen Umgebungen fehlgeleitete Spontanität und das Übergehen von qualifizierter Beratung die persönliche Sicherheit gefährden kann. Für den Personenschützer oder Minder ist die Planung, Beratung sowie insbesondere die Intervention bei hochrangigen Geschäftsreisen gerade in Regionen, welche durch die Medien den Reisenden nicht eindeutig als hoch gefährlich bekannt sind, ein schwieriger Balanceakt zwischen sachgerechtem Schutz und dem Risiko, den Klienten (zu seinem eigenen Wohl) zu verärgern, wenn man ihn zu sehr einschränkt. Gerade bei arglosen Reiseteilnehmern und deren Wünschen, die Geschäftsreise auch mit Angenehmen zu verbinden, wird die Begleitung zu einer diplomatischen Herausforderung und verlagert das Hauptaugenmerk des Beraters weg von der Prävention hin zur Reaktion und dem Incident Management.

 

Über den Autor
Autor: Lars D. Preußer
Unser Autor Lars D. Preußer ist Geschäftsführender Gesellschafter der Laurentium GmbH in Berlin. Laurentium ist eine netzwerkbasierte Boutique-Unternehmensberatung mit internationaler Ausrichtung im Bereich der Ermittlungen und Sicherheitsberatung für Großunternehmen. Laurentium hat sich seit seiner Gründung 2004 als führender strategischer Partner für das Management internationaler Konzerne etabliert und begleitet seine Kunden mit individuellen und diskreten Problemlösungen.
www.laurentium.com

© Leibniz Universität Hannover

Verbundprojekt CALAS erforscht Krisen in Lateinamerika

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert Kolleg von deutschen und lateinamerikanischen Universitäten mit zwölf Millionen Euro. 

Wie lösen Gesellschaften in Lateinamerika Krisen? Ob politische Unruhen, die extreme Schere zwischen Arm und Reich, die Abholzung der Amazonaswälder oder die Androhung einer Mauer zwischen den USA und Mexiko – die Länder Lateinamerikas sind mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert. Mit diesen Themenbereichen befasst sich das Verbundprojekt CALAS (Center for Advanced Latin American Studies), das nach einer erfolgreichen Evaluation jetzt in seine Hauptphase startet. Das Verbundprojekt wird mit zwölf Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Seit 2017 bauen deutsche und lateinamerikanische Universitäten unter der Koordination der Universität Bielefeld die Strukturen für das internationale Forschungskolleg auf. Die Leibniz Universität Hannover ist mit Prof. Christine Hatzky vom Historischen Seminar und dem Centre for Atlantic and Global Studies beteiligt – von deutscher Seite sind außerdem noch die Universitäten Kassel und Jena Teil des Verbunds.  

Der Hauptsitz des Center for Advanced Studies liegt im mexikanischen Guadalajara. Außer der Universität Guadalajara sind die Regionalstandorte San José (Costa Rica), Quito (Ecuador) und Buenos Aires (Argentinien) am Verbundprojekt beteiligt. Nach der zweijährigen Vorphase (Förderung: eine Million Euro), in der die Strukturen für das internationale Center aufgebaut wurden, startet nun die sechsjährige Hauptphase. Es ist das umfangreichste Forschungsprojekt zu Lateinamerika, das mit Mitteln aus Deutschland gefördert wird.   

Im Wechsel werden bis zu 25 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Arbeits- und Forschungsgruppen in Guadalajara und an den Regionalzentren zusammenkommen, um sich einer spezifischen Fragestellung zu widmen. Die Forschenden kommen aus unterschiedlichen Regionen und verschiedenen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften. Geplant sind zudem Postgraduiertenprogramme sowie internationale Konferenzen und Workshops in Lateinamerika und Deutschland.

Die Leibniz Universität ist maßgeblich am Laboratory of Knowledge („Wissenslabor“) innerhalb des CALAS-Projekts beteiligt, das Übergänge von Gewalt und Frieden in Lateinamerika erforscht. Prof. Christine Hatzky leitet das Teilprojekt gemeinsam mit Prof. Joachim Michael (Universitität Bielefeld), Prof. David Diaz und Prof. Werner Mackenbach (beide Universität Costa Rica). „Unser Ziel ist es, die in Lateinamerika versammelte Expertise über dortige Gewaltphänomene und Konfliktregelung mit Forscherinnen und Forschern aus Deutschland zusammenzubringen und dabei eine ganz neue Dimension wissenschaftlichen Austausches zu schaffen und neue Lösungsansätze zu diskutieren“, sagt Prof. Hatzky.

Ein weiteres Projekt innerhalb der Hauptphase von CALAS befasst sich etwa mit der Frage, wie lateinamerikanische Staaten mit Umweltkrisen umgehen (Leitung: Universität Bielefeld). Andere Themenbereiche sind „Soziale Ungleichheiten und ihre Herausforderungen“ oder „Regionale Identitäten/Identitätsbildungsprozesse“. Außerdem wurde in der Vorphase bereits eine spanischsprachige Essayreihe und ein Verlagsnetzwerk lateinamerikanischer Partner in Kooperation mit Bielefeld University Press etabliert. Beides wird in der Hauptphase fortgesetzt.

CALAS wurde innerhalb der BMBF-Förderlinie zum weltweiten Aufbau von „Maria Sibylla Merian Zentren“ bewilligt. Mit diesen Forschungskollegs will das Ministerium die Internationalisierung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Deutschland durch enge bi- und multilaterale Kooperationsprojekte an Standorten außerhalb Deutschlands voranbringen. CALAS wurde 2017 als zweites Zentrum in Deutschland innerhalb dieser Förderlinie bewilligt.

-PM Leibniz Universität Hannover-