Frankfurter Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg, 2010
Foto: © Von Eva K. - Eigenes Werk, GFDL 1.2, http://www.polizei-beratung.de/medienangebot/medienangebot-details/detail/23.html

LKA-HE: Taschendiebe unterwegs auf Weihnachtsmärkten

Tipps der Polizei für einen unbeschwerten Bummel

Viele Menschen freuen sich auf einen Besuch auf einem Weihnachtsmarkt. Mit der Familie von Stand zu Stand bummeln, eine Tasse Punsch mit den Kolleginnen und Kollegen trinken - für viele gehört dieser vorweihnachtliche Marktbesuch zur Adventszeit einfach dazu.
Leider ziehen diese Menschenansammlungen auch Taschendiebe besonders an. Das unübersichtliche Gedränge zwischen den Marktständen bietet ihnen gute Gelegenheit, unbemerkt zuzuschlagen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2017 in Deutschland insgesamt 127.376 Taschendiebstähle angezeigt, es entstand ein Schaden von 41,3 Millionen Euro. Um den Langfingern die Diebestour zu vermasseln, helfen die Tipps der Polizeilichen Kriminalprävention. Sie sind auf der Klappkarte "Schlauer gegen Klauer" kurz zusammengefasst.

"Die Taschendiebe suchen ganz gezielt die Enge auf den Märkten. Einer lenkt dann das Opfer ab, der Zweite stiehlt die Beute und ein Dritter nimmt das Diebesgut an sich und entschwindet damit im Gedränge", sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention. Innerhalb weniger Sekunden sind auf diese Art Brieftasche, Handy oder Kreditkarten verschwunden. Die Diebe sind meist nur schwer ausfindig zu machen, wenn sie nicht gerade auf frischer Tat ertappt werden - zumal die Opfer den Verlust häufig erst später bemerken und darum auch keinen Täter beschreiben können. Beliebt ist auch der Drängel-Trick: Ein Dieb rückt unangenehm dicht an das Opfer heran, bis es sich ärgerlich abwendet und dadurch eine umgehängte Tasche oder die in der Manteltasche befindliche Geldbörse quasi "griffbereit" anbietet. Eine weitere immer wieder erfolgreiche Masche der Diebe ist, die Kleidung des potenziellen Opfers angeblich "versehentlich" mit Ketchup, Senf oder einer Flüssigkeit zu beschmutzen, um durch den anschließenden Reinigungsversuch vom Diebstahl der Wertsachen abzulenken.

Manchmal lassen sich Taschendiebe schon am typisch suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute (z.B. Hand- oder Umhängetasche).

Damit Sie den Bummel über den Weihnachtsmarkt unbeschwert genießen können, gibt Ihnen die Polizei folgende Tipps:

  • Nehmen Sie nur so viel Bargeld und Zahlungskarten mit, wie Sie tatsächlich benötigen.
  • Tragen Sie Geld, Zahlungskarten, Papiere und andere Wertgegenstände immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper.
  • Tragen sie Hand- und Umhängetaschen immer mit der Verschlussseite zum Körper. - Achten Sie gerade in einem Gedränge verstärkt auf Ihre Wertsachen.
  • Werden Sie misstrauisch, wenn Sie plötzlich angerempelt oder "in die Zange" genommen werden.
  • Wenn es doch zum Diebstahl gekommen ist und Ihnen Ihre Zahlungskarte entwendet wurde, lassen Sie diese sofort mit dem Sperrnotruf 116 116 sperren. Wenn sich Ihre Bank diesem Notruf nicht angeschlossen hat, wenden Sie sich direkt an Ihr Kreditinstitut.
  • Damit Ihre Debitkarte (z.B. girocard, früher EC-Karte) auch für das elektronische Lastschriftverfahren gesperrt werden kann, für das Sie lediglich eine Unterschrift brauchen, müssen Sie den Verlust bei der Polizei melden. Erst dann wird die Karte beim Bezahlen in Geschäften auch im Lastschriftverfahren abgelehnt.

Weitere Informationen gibt es auf der Klappkarte "Schlauer gegen Klauer" mit Piktogrammen und allen wichtigen Telefon- und Sperrnummern von Debit- und Kreditkarten. Die Klappkarte ist kostenlos bei jeder (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstelle erhältlich oder kann unter http://www.polizei-beratung.de/medienangebot/medienangebot-details/detail/23.html heruntergeladen werden.

 

Beschädigte Eingangstür nach einem Einbruch in einen Bahnhofskiosk in Guntersblum: Oft zeigen sich nach Einbrüchen auch Sachbeschädigungen
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Einbruchschutz

Smart Home-Lösungen sind kein Ersatz für mechanische Sicherungen

Zum diesjährigen "Tag des Einbruchschutzes" hat die Polizei in zahlreichen Aktionen die Bevölkerung für Präventions- und Sicherungsmaßnahmen sensibilisiert. Smart Home-Lösungen werden in diesem Zusammenhang zunehmend thematisiert. Zu Recht?
Versicherte Einbrüche sind in Deutschland im vergangenen Jahr um 20 Prozent zurückgegangen - was dem steigenden Präventionsbewusstsein von Haus- und Wohnungsbesitzern zugeschrieben wird. Dies berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im "Einbruch-Report 2018". Dennoch wurden den Hausratversicherern 120.000 Einbrüche gemeldet. Rund 360 Millionen Euro Entschädigungsleistungen flossen dafür in 2017 an die Versicherten - immerhin durchschnittlich 3.000 Euro je Schadenfall.

Hauptangriffspunkte von Häusern und Wohnungen unzureichend gesichert

Frank Manekeller, Leiter Haftpflicht-, Unfall-, Sach-Schaden bei der HDI Versicherung AG weiß aus seiner täglichen Praxis: "Fenster und Türen sind und bleiben die Angriffspunkte von Einbrechern." Um eine individuelle Sicherung ihrer Zugangspunkte kümmern sich nur rund 20 Prozent der Bewohner, wie eine GDV/Forsa-Umfrage "Wohnsicherheit und Einbruchdiebstahl" aus 2017 zeigt. "Dabei können nachträglich eingebaute, einfache und solide Sicherungen an Fenstern und Türen Einbruchsversuche wirksam erschweren bis verhindern", erklärt der HDI Experte.

Einbrecher scheuen Widerstände

Bei Fenstern empfehlen sich etwa - neben abschließbaren Griffen - Beschläge mit sogenannten Pilzkopfzapfen. Diese sind sicherer als standardmäßig verbaute Rollzapfen, denn sie "verkrallen" sich aufgrund ihrer T-Form mit dem Gegenstück. Das Aufhebeln wird erschwert - das schreckt ab. Fast 45 Prozent aller Einbruchsversuche werden tatsächlich abgebrochen. "Profis benötigen weniger als fünf Minuten, um ein Haus oder eine Wohnung zu ‚knacken', wenn sie nicht auf Widerstände stoßen. Da die Täter unter großem Zeitdruck stehen, geben sie schnell auf, sobald es kompliziert wird", erläutert Manekeller.

Einbruchschutz durch Smart Home-Technik?

Nach aktuellen Angaben des Bundesverbands Informationswirtschaft (Bitkom) nutzt bereits fast jeder vierte Bundesbürger Smart Home-Anwendungen. Mehr als jeder Dritte plant in den nächsten 12 Monaten eine Anschaffung. In punkto Sicherheit leisten sie einiges: Rollläden, Überwachungskameras, Alarmanlagen, Beleuchtung oder Technik in Haus und Wohnung können bei entsprechender Vernetzung über mobile Endgeräte aus der Ferne gesteuert und überwacht werden.

HDI Experte Manekeller begrüßt diese Entwicklung: "Smart Home-Systeme eröffnen zusätzliche Möglichkeiten beim Einbruchschutz. Bei Abwesenheit kann man über Licht- und Rolllädensteuerung gezielt den Eindruck erwecken, als sei jemand anwesend. Smarte Alarmanlagen benachrichtigen sofort über unerwünschte Eingriffe." Die abschreckende Wirkung von Smart Home-Systemen mit Haushüter- und Warnlogik sei eine sinnvolle Ergänzung beim Einbruchschutz und ein echter Mehrwert für Verbraucher, betont Manekeller. Aber auch eben nur eine Ergänzung. Sein Fazit: "Ein Ersatz für hochwertige konventionelle Sicherungen sind die Systeme allerdings nicht - im Doppelpack punkten sie dafür umso mehr!"

HDI honoriert den Einsatz von Sicherungsmaßnahmen durch Smart Home-Technik mit einem Beitragsnachlass und bietet in der Hausratversicherung ein Konzept zur Absicherung der Smart Home Komponenten.

 

Ein indischer Sadhu beim Rauchen von Charas (Haschisch) als Opfergabe an Shiva
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Rauschgift

Fakten und Trends aus der Sicht des Bundeskriminalamtes

Von Dr. Reinhard Scholzen

Anfang November 2018 gelang Polizisten des niedersächsischen Landeskriminalamtes und Zollfahndern ein spektakulärer Erfolg gegen die Drogenkriminalität. Sie stellten 58 Kilogramm synthetische Drogen sicher und zwölf Kilogramm Marihuana.
Die Drogen hätten im Straßenverkauf einen Wert von rund 830.000 Euro. Als Tatverdächtige wurden drei Männer im Alter zwischen 25 und 27 Jahren festgenommen. Unter den Drogen befand sich auch eine große Menge des als besonders gefährlich geltenden „Crystal Meth“. Der Sprecher des Zollfahndungsamtes Hannover, Jörg Meier, kommentierte dies gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk: „Das ist für den Raum Hannover, was die Menge angeht, eine neue Dimension." Blickt man auf die Entwicklung der Rauschgiftkriminalität zurück, waren neue Dimensionen keine Ausnahme, eher die Regel.

Viele Drogentote

Als im Jahr 1972 Juliane Werding sang: „Der Tag, als Conny Kramer starb“, machte sie auf ein Problem aufmerksam, das in nahezu jeder großen deutschen Stadt erlebbar war: Es hatten sich vielerorts offene Drogenszenen entwickelt und die Zahl der Rauschgifttoten war erschreckend hoch. Die Maßnahmen, die daraufhin von der Politik, Polizei, Krankenkassen und privaten Initiativen ergriffen wurden, brachten zunächst Erfolge. Gegen Ende der 1980er Jahre stieg die Zahl der Drogentoten jedoch wieder sprunghaft an und erreichte nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1991 mit mehr als 2100 Toten den bisherigen Höhepunkt. In den folgenden Jahren sanken die Zahlen bis auf knapp über 1500, um Ende des Jahrtausends aber wieder deutlich anzusteigen. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts gingen die Zahlen tendenziell zurück. 2017 starben 1272 Menschen an ihrem Drogenkonsum.

Nach wie vor weisen die Statistiken aus, dass in den Stadtstaaten weit überdurchschnittlich viele Rauschgifttote beklagt werden müssen. Bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner ergaben sich im Jahr 2017 für Berlin 4,7 Rauschgifttote, in Hamburg lag diese Belastungszahl bei 3,3 und in Bremen bei 2,8. Die geringsten Werte weisen Mecklenburg-Vorpommern (0,3) und Sachsen (0,4) auf.

Unverändert bergen die Opiate in sich das größte Risiko. Aber auch andere Drogen sind lebensgefährlich: Im Jahr 2017 stieg die Zahl der Menschen, die durch eine Vergiftung mit Kokain starben (81 Tote) im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent an. Immer öfter führen synthetische Opioide zum Tod.

Seit Jahren stellt das Bundeskriminalamt fest, dass das Durchschnittsalter der Rauschgifttoten in kleinen Schritten ansteigt. Während deren Durchschnittalter im Jahr 2003 bei 34 Jahren lag, stieg es im Jahr 2014 auf 37 Jahre an. Im Jahr 2017 lag das durchschnittliche Alter der Drogentoten bei 39 Jahren. Nach wie vor gilt, dass sehr viel mehr männliche als weibliche Rauschgifttote zu beklagen sind. Der Anteil der Männer liegt seit vielen Jahren bei über 80 Prozent.

Rauschgiftkriminalität steigt

Die Zahl der Rauschgiftdelikte nimmt seit Jahren stetig zu. Im Jahr 2013 wurden 189.783 Fälle erfasst, 2014 waren es 209.514 bis 2017 stieg die Zahl der Fälle auf 255.344 an.

Verschiedene psychoaktive Substanzen
Foto: © Von Thoric - Image:Pyschoactive Drugs.jpg from English Wikipedia, originally uploaded by Thoric., CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=429837
Aus den sichergestellten Rauschgiftmengen lassen sich die Konsumgewohnheiten ablesen. Im Jahr 2017 wurden in 2515 Fällen 298 Kilogramm Heroin sichergestellt. Dies bestätigt den seit Jahren feststellbaren Trend, dass die Zahl der Fälle sinkt, aber die sichergestellte Menge zunimmt.

Die Türkei nimmt als Herkunfts- bzw. Transitland für Heroin seit mehr als einem Jahrzehnt einen vorderen Platz ein. In den letzten Jahren nahm die Bedeutung Bulgariens als Transitland deutlich zu. Dies deckt sich mit der Erkenntnis der IKPO-Interpol, die bereits vor Jahren feststellte, dass pro Jahr zwischen 60 bis zu 80 Prozent des auf unserem Kontinent sichergestellten Heroins über die Balkanroute geschmuggelt werden. Bei der Rückverfolgung des Rauschgiftes stellten die Ermittler seit Ende der 1990er Jahre fest, dass die Staaten Zentralasiens (Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisien und Kasachstan) beim Transport der Opiate nach Europa eine Rolle spielen. Das meiste aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran stammende Heroin kommt aber über die klassische Balkanroute nach Deutschland. Es wird geschätzt, dass die Opiumanbaufläche in Afghanistan im Vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 328.000 Hektar anstieg, auf dieser Fläche werden rund 9000 Tonnen Rohopium geerntet.

Im Jahr 2017 wurden 3559 Handelsdelikte (+ 18,3 % im Vergleich zum Vorjahr) mit Kokain registriert, wobei 3552 Tatverdächtige festgestellt wurden. Sehr bedenklich ist die im Vergleich zu 2016 um 336,5% gestiegene Sicherstellungsmenge. Es wurden in Deutschland 8166 Kilogramm Kokain sichergestellt, wovon 3,8 Tonnen innerhalb von nur drei Monaten im Hamburger Hafen gefunden wurden. Blickt man über die deutschen Grenzen hinaus, wird deutlich, dass auch in anderen Ländern Kokain im Handel mit Drogen immer bedeutsamer wird. So wurden im vergangenen Jahr im Hafen von Antwerpen 42 Tonnen Kokain gefunden und EUROPOL schätzt, dass etwa 130 Tonnen der Droge jährlich nach Europa transportiert werden. In rund 75 Prozent aller Fälle kommt das Kokain aus Kolumbien, wo auf einer Fläche von rund 146.000 Hektar die Kokapflanze angebaut wird. Beim Transport stellen die Ermittler immer öfter sogenannte „Drop-off/Drop-on“-Fälle fest. Dabei werden wasserdichte Behälter mit Rauschgift gefüllt, mit einem Peilsender oder einer Boje bestückt und dann auf hoher See durch Mannschaftsangehörige größerer Schiffe über Bord geworfen. Die Behälter werden dann von Schnellbooten aufgenommen und an Land gebracht.

Die Menge der in Deutschland sichergestellten Amphetamine stieg 2017 um 18,7 Prozent an und ereichte mit 1669 Kilogramm eine Rekordmenge. Das BKA erfasste 6238 Handelsdelikte (2016: 5255), und ermittelte 5225 Tatverdächtige. Damit setzte sich bei dieser Droge ein seit Jahren feststellbarer Trend fort. Wie in den Jahren zuvor, erfolgte der Schmuggel von Amphetamin meist aus den Niederlanden. Dort fand die Polizei im Jahr 2017 82 Produktionsstätten der Droge.

Ecstasy war gegen Ende des 20. Jahrhunderts die „Modedroge“ schlechthin, die vorwiegend psychotrope Wirkstoffe aus der Gruppe der ß-Phenetylamin-Derivate Ecstasy wird vor allem wegen seiner entaktogenen und stimulierenden Wirkung genutzt
Foto: © Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=108615
enthält. Danach sanken die Handelsdelikte mit dieser Droge nahezu stetig. Im Jahr 2012 begann eine Gegenbewegung, die bis zur Gegenwart anhält. Lag die Zahl der registrierten Delikte im Jahr 2012 bei 1138, wuchs sie bis 2017 auf 2979 an. Es ist auffällig, dass im vergangenen Jahr die Zahl der sichergestellten Ecstasy-Tabletten um 70 Prozent auf nur noch 693.668 Tabletten zurückging. Die Mehrzahl der Konsumeinheiten stammte wie in den Jahren zuvor aus den Niederlanden.

Seit Beginn des dritten Jahrtausends stellt „Crystal“, ein kristallines Methamphetamin, ein Problem dar. Im Jahr 2012 wurden in 3.512 Fällen mehr als 75 Kilogramm „Crystal“ beschlagnahmt. Dies war der Höchstwert aller bisher erfassten Jahre. Seither sanken die Zahlen der Handelsdelikte auf 2127 im Jahr 2017. Dass der weiß oder beige-farbene Stoff jedoch nicht aus der Mode gekommen ist, belegt die um 84 Prozent gestiegene Sicherstellungsmenge: 2017 wurde mit 114 Kilogramm eine Rekordmenge gefunden. Die Droge stammte zum größten Teil aus der Tschechischen Republik. Dort wird diese Rauschgiftart häufig auf sogenannten „Asia-Märkten“ in der Nähe zur deutschen Grenze illegal gehandelt. Daraus erklärt es sich, dass rund zwei Drittel des beschlagnahmten Crystal in Sachsen, Bayern und Thüringen gefunden wurden. Wie der eingangs beschriebene Fall aus Niedersachsen zeigt, häufen sich aber auch in anderen Bundesländern die Funde.

Seit rund drei Jahrzehnten stellen die Ermittler immer wieder neue synthetische Drogen fest. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts rückte GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) in den Mittelpunkt des Interesses, als neun Labore entdeckt wurden, in denen der seit dem 1. März 2002 dem Betäubungsmittelgesetz unterstellte Wirkstoff produziert wurde. Die Beliebtheit von GHB nahm jedoch rasch ab, so dass im Jahr 2005 diese Droge nicht mehr im Lagebericht des BKA auftauchte. Das grundsätzliche Problem der synthetischen Drogen blieb aber bestehen. Im Jahr 2012 wurden von den Polizeien 37 neue psychoaktive Substanzen festgestellt, die allesamt nicht in den Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes aufgelistet waren. Daher wurden sie fälschlicherweise als „Legal High“-Produkte zum Teil über das Internet angeboten und verkauft. Als sogenannte „Kräutermischungen“ werden diese Drogen auch aus dem benachbarten Ausland nach Deutschland eingeführt. Die „Neuen Psychoaktiven Stoffe“ (NPS) sind ein stetig wachsendes Problem, wobei synthetische Opioide – zu denen zahlreiche Fentanylderivate zählen – stetig auf dem Vormarsch sind. Darauf reagierte der Deutsche Bundestag mit einer Änderung des Betäubungsmittelgesetzes. Im November 2016 trat das „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“ (NpSG) in Kraft. Damit sollte eine gängige Praxis der Drogenproduzenten durchbrochen werden, die mit lediglich marginalen Veränderungen der Zusammensetzung der Drogen stets ein neues, langwieriges Verbotsverfahren in Gang setzten. Ob mit dem NpSG die beabsichtigte Wirkung erzielt wird, soll in einem Projekt des Bundesgesundheitsministeriums evaluiert werden.

LSD-Blotter
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Die Zahl der Handelsdelikte mit Cannabis steigt seit vielen Jahren ständig an. 2017 wurde mit 32.546 Fällen ein neuer Hochpunkt erreicht. Damit ist diese Droge das mit weitem Abstand meist gehandelte Betäubungsmittel in Deutschland. Im Jahr 2017 wurden hier 1295 Kilogramm Haschisch sichergestellt, wovon das Gros aus Marokko stammte und über die Niederlande nach Deutschland eingeschmuggelt wurde.

Ähnliche Ergebnisse liegen für Marihuana vor. Auch bei dieser Droge nahm die sichergestellte Menge nochmals deutlich zu und erreichte 2017 mit 7731 Kilogramm einen Höchstwert. Nach wie vor ist Albanien der Hauptproduzent von Marihuana, daran ändern auch einige Erfolge der albanischen Polizei gegen die Rauschgiftproduzenten nichts.

Über Jahre hinweg nahm die Zahl der Cannabisplantagen zu. Einen Wendepunkt stellt das Jahr 2015 dar, seither sinken die Zahlen und erreichten mit 668 Anlagen im Jahr 2017 nahezu den Wert des Jahres 2012, als in Deutschland 665 Cannabis-Indoor-Plantagen festgestellt wurden. Jedoch sind die Zahlen nicht 1 : 1 miteinander vergleichbar, da seit einigen Jahren erst ab einer Zahl von 20 Pflanzen von einer Cannabis-Plantage gesprochen wird. Werden zwischen 20 und 99 Pflanzen angebaut, so werden diese als Kleinplantagen bezeichnet. In Großplantagen stehen zwischen 100 und 999 Pflanzen und in den sogenannten Profiplantagen werden mehr als 1000 Cannabispflanzen aufgezogen. Nur bei Letzteren wurde im vergangenen Jahr ein Anstieg verzeichnet, der aber sehr deutlich ausfiel: Waren es 2016 noch 24 solche Anlage, so stieg ihre Zahl 2017 auf 32 an. Somit setzt sich der vom Bundeskriminalamt bereits seit Jahren festgestellte Trend zu einer zunehmenden Professionalisierung fort. Mit Sorgen wird beobachtet, dass diese Plantagen durch spezielle Pflanzenzüchtungen und den Einsatz von aufwendiger Technik sehr viel höhere Produktionsmengen ermöglichen. Außerdem liegt hier der THC-Gehalt mit durchschnittlich 12% deutlich höher als bei herkömmlich im Freien gezüchteten Pflanzen. Damit geht eine deutliche Steigerung der Gesundheitsgefährdung und des Abhängigkeitspotenzials für die Konsumenten einher.

Im Jahr 2017 sank die festgestellte Zahl der Cannabis-Outdoorplantagen auf 95. Sowohl bei den Indoor- als auch bei den Outdoor-Plantagen besaß die Mehrzahl der Täter die deutsche Staatsangehörigkeit.

Das Bundeskriminalamt fasst zusammen, dass bereits im siebten Jahr in Folge die Anzahl der Rauschgiftdelikte in der Polizeilichen Kriminalstatistik gestiegen ist. Zudem wird eine weitere Internationalisierung des Drogenhandels festgestellt, wobei dem Internet eine ständig steigende Bedeutung zukommt. Jedoch sind die Bundeskriminalpolizisten sicher: „Die gestiegenen Fallzahlen zum Rauschgifthandel im Internet sowie beim Postversand dürften das tatsächliche Ausmaß jedoch nicht annähernd widerspiegeln. Konsumenten empfinden in der vermeintlichen Anonymität des Internets mehr Sicherheit vor Strafverfolgung, da beim Betäubungsmittel-Erwerb kein persönlicher Kontakt zu Straßenhändlern aufgenommen werden muss.“ Zusammenfassend stellen sie heraus: „Rauschgifthandel ist ein fester Bestandteil und eine der wichtigsten Einnahmequellen international Organisierter Kriminalität (OK). Die Bekämpfung des international organisierten Rauschgifthandels ist daher eine wesentliche Aufgabe der deutschen und europäischen Strafverfolgungsbehörden.“

 

Über den Autor
Dr. Reinhard Scholzen
Autor: Dr. Reinhard Scholzen
Dr. Reinhard Scholzen, M. A. wurde 1959 in Essen geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Trier. Nach dem Magister Artium arbeitete er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter und promovierte 1992. Anschließend absolvierte der Autor eine Ausbildung zum Public Relations (PR) Berater. Als Abschlussarbeit verfasste er eine Konzeption für die Öffentlichkeitsarbeit der GSG 9. Danach veröffentlichte er Aufsätze und Bücher über die innere und äußere Sicherheit sowie über Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs: Unter anderem über die GSG 9, die Spezialeinsatzkommandos der Bundesländer und das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr.
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