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Soziale Medien – Fluch oder Segen?

Von Niels Stokholm

Soziale Medien haben in den letzten zwei Jahrzehnten eine beispiellose Transformation in der Art und Weise bewirkt, wie Menschen weltweit kommunizieren, Informationen austauschen und interagieren. Sie bieten immense Möglichkeiten, werfen jedoch auch ernsthafte Fragen zu Privatsphäre, psychischer Gesundheit und gesellschaftlichem Einfluss auf. Sind soziale Medien ein Fluch oder ein Segen? Nachfolgend beleuchten wir die verschiedenen Facetten und Auswirkungen dieser modernen Kommunikationsmittel.

Die Einführung von Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram und TikTok hat die Kommunikationslandschaft revolutioniert. Mit mehr als 3,8 Milliarden aktiven Nutzern weltweit sind soziale Medien aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch während sie auf der einen Seite die Vernetzung und den Informationsaustausch fördern, gibt es auch zahlreiche negative Begleiterscheinungen, die immer wieder kontrovers diskutiert werden. Die Geschichte der sozialen Medien begann in den frühen 2000er Jahren. Plattformen wie MySpace und Friendster legten den Grundstein für das heutige Social-Media-Universum. 2004 revolutionierte Facebook die Branche und setzte neue Standards in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit und Netzwerkbildung.

Mit dem Aufkommen von Twitter (2006) und Instagram (2010) wurden die sozialen Medien diversifizierter und interaktiver. Die jüngste Welle wird von Plattformen wie TikTok angeführt, die kurze Videoformate und algorithmische Inhalte in den Vordergrund stellen.

Vernetzung und Kommunikation

Einer der größten Vorteile der sozialen Medien ist die Möglichkeit, weltweit in Kontakt zu bleiben. Familien und Freunde, die geografisch weit voneinander entfernt leben, können durch Plattformen wie WhatsApp, Facebook und Instagram miteinander kommunizieren und ihr Leben teilen. Diese globale Vernetzung fördert zudem den kulturellen Austausch und das Verständnis zwischen verschiedenen Gesellschaften. Soziale Medien haben also den Zugang zu Informationen demokratisiert. Nachrichten, wissenschaftliche Erkenntnisse und Bildungsinhalte sind jetzt nur einen Klick entfernt. Plattformen wie YouTube und LinkedIn Learning bieten umfangreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum Erwerb neuer Fähigkeiten.

Social Media hat sich somit als mächtiges Werkzeug für sozialen und politischen Aktivismus erwiesen. Bewegungen wie der Arabische Frühling, Black Lives Matter und Fridays for Future haben unter anderem soziale Medien genutzt, um Menschen zu mobilisieren, Bewusstsein zu schaffen und politische Veränderungen anzustoßen.

Unser neues Leben: Die sozialen Medien haben große Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Die Art der Kommunikation hat sich im letzten Jahrzehnt grundlegend verändert. Anerkennung holt man sich dabei heutzutage oft nur noch virtuell.
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Gefahr für die Demokratie?

Einige Betreiber sozialer Medien, allen voran X-Besitzer Elon Musk, pochen darauf, die Meinungsfreiheit auf ihren Kanälen und somit demokratische Prinzipien zu garantieren. Viele der über 230 Millionen aktiven X-Nutzer sehen die Entwicklung mit Sorge. Sie fürchten, dass sich Hatespeech und Fake News unter dem Deckmantel der freien Rede weiter ausbreiten. Internationale Konzerne haben ihre Werbemaßnahmen auf der Plattform eingefroren, weil sie um ihr Image fürchten. Doch Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit diskutieren die Rolle digitaler Medien schon länger. Wohin steuern Online-Dienste wie X, Telegram oder Facebook? Fördern sie die Demokratie oder schaden sie ihr? Eignen sie sich für konstruktive Debatten und einen fairen Meinungsaustausch? Oder verkommen sie zum Sammelbecken für Hass und Hetze, Fehlinformationen und Verschwörungserzählungen? Sind sie sogar mitverantwortlich für die gegenwärtige Krise liberaler Gesellschaften? Eine Studie unter Beteiligung des deutschen Max-Planck-Instituts zeigt: Digitale Medien können tatsächlich demokratiefeindliche Entwicklungen befeuern. Eine Ursache dafür liegt im «News-finds-me»-Effekt. Hiernach tendieren Social-Media-Nutzer dazu, sich nicht mehr aktiv und ausgewogen zu informieren. Der Grund: Sie gehen davon aus, dass wichtige Informationen sie automatisch erreichen, beispielsweise über die Newsfeeds ihrer Social-Media-Kanäle. Nach Ansicht von Experten kann es auf diese Weise zu den viel diskutierten Filterblasen und Echokammern kommen. Demzufolge entstehen sie dadurch, dass Internetdienste Daten über unser Nutzungsverhalten sammeln. Mit speziellen Algorithmen zeigen sie uns dann vorrangig diejenigen Nachrichten, die zu unseren vermeintlichen Bedürfnissen und Überzeugungen passen. Abweichende Meinungen erreichen uns so kaum noch. Die personalisierten Informationen führen dazu, dass die eigene Weltsicht wie in einer Echokammer ständig wiederholt und damit verstärkt wird. Nach Worten des Forschungsteams können sich digitale Medien aber auch durchaus positiv auf die Demokratie auswirken: Das sei vor allem in aufstrebenden Demokratien in Südamerika, Afrika und Asien der Fall. Dort steigern digitale Medien idealerweise die Nachrichtenvielfalt und damit die politische Beteiligung. In autoritären Staaten profitiere die Opposition durch Vernetzungsmöglichkeiten. Nach Einschätzung der Forschenden sind digitale Medien also ein zweischneidiges Schwert. Je nach politischer Realität können sie der Gesellschaft nutzen oder schaden.

Datenschutz und Privatsphäre

Mit der zunehmenden Nutzung sozialer Medien sind aber die Bedenken hinsichtlich Datenschutzes und Privatsphäre gewachsen. Plattformen sammeln nämlich immense Mengen an Daten über ihre Nutzer, die oft zu kommerziellen Zwecken verwendet werden. Skandale wie der Cambridge-Analytica-Skandal, bei dem vor wenigen Jahren die inzwischen insolvente Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unrechtmäßig Daten von Millionen Facebook-Nutzern erwarb, verarbeitete und

für politische Zwecke missbrauchte, haben das Vertrauen der Nutzer in den Schutz ihrer Daten erheblich erschüttert. Der ständige Vergleich mit idealisierten Darstellungen in den sozialen Medien kann zu negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit führen. Studien zeigen, dass exzessive Nutzung von Plattformen wie Instagram und Facebook mit erhöhten Raten von Depression, Angst und niedrigem Selbstwertgefühl verbunden ist. Ein Beispiel ist der «Selbstvergleich». Man vergleicht sich mit den Leuten im Internet. Egal ob makelloser Körper oder aufregende Hobbys. Das führt zu Selbstzweifeln an sich selbst. Da das Gehirn nur begrenzt Informationen aufnehmen kann, kann es zu einer sogenannten Reizüberflutung kommen. Eine Studie von der Universität Wien zeigt, dass vor allem audiovisuelle Eindrücke zu einer Reizüberflutung führen können. Die sozialen Medien sind ein Filter, man flüchtet sich in eine nicht reale Welt, man spricht von Realitätsverlust. Cybermobbing ist ein weiteres ernstes Problem, das besonders Jugendliche betrifft.

Die Problematik geht aber noch wesentlich weiter: Soziale Medien sind ein fruchtbarer Boden für die Verbreitung von Fehlinformationen und Verschwörungstheorien. Algorithmen, die darauf abzielen, Nutzer länger auf der Plattform zu halten, begünstigen oft die Verbreitung sensationalistischer und irreführender Inhalte. Ein bekanntes Problem sind dabei Cyber-Kriminelle oder Schwindler. Cyber-Kriminelle, die Accounts hacken oder übernehmen, fälschen unter anderem Inhalte oder Daten. Sie sind eine Gefahr, denn so können auch Fake News entstehen. Auch Schwindler sind eine Gefahr, gerade für Minderjährige oder bei Jugendlichen. Sie geben sich im Internet als jemand anderes aus und können so die betroffene Person um viel Geld bringen. Dies alles kann ernsthafte gesellschaftliche Konsequenzen haben, wie etwa die Polarisierung der Öffentlichkeit und das Misstrauen gegenüber etablierten Medien und Institutionen.

Neue Welt: Die heutige Jugend ist von Beginn weg mit sozialen Medien in Kontakt und verbringt damit täglich oft mehrere Stunden. Was für ihre Eltern oft schwer verständlich ist, ist für sie ganz natürlich und gehört zum Zusammenleben dazu.
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Marketing und Werbung

Für Unternehmen bieten soziale Medien beispiellose Möglichkeiten für gezieltes Marketing und Werbung. Durch detaillierte Nutzerprofile können Unternehmen ihre Zielgruppen präzise ansprechen und ihre Markenbekanntheit steigern. Sogenanntes Influencer-Marketing hat sich zu einer milliardenschweren Industrie entwickelt, die neue Karrierewege eröffnet hat.

Plattformen wie LinkedIn haben die Jobsuche und die Karriereentwicklung revolutioniert. Sie ermöglichen es Arbeitssuchenden sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, sich zu vernetzen, und bieten wertvolle Tools für die berufliche Weiterentwicklung. Gleichzeitig hat jedoch die ständige Erreichbarkeit über soziale Medien zu einer Vermischung von Berufs- und Privatleben geführt, was zu Stress und Burnout beitragen kann.

Veränderungen in der Kommunikation

Die Art und Weise, wie wir kommunizieren, hat sich folglich durch soziale Medien grundlegend verändert. Kürzere, oft visuelle Kommunikationsformen wie Emojis und Memes haben Einzug in unsere tägliche Kommunikation gehalten. Diese Veränderungen haben nicht nur die zwischenmenschliche Interaktion beeinflusst, sondern auch die Sprache und Kultur. Soziale Medien spielen eine immer größere

Rolle in der politischen Kommunikation und Meinungsbildung. Politikerinnen und Politiker nutzen Plattformen, um direkt mit ihrer Wählerschaft zu kommunizieren und ihre Botschaften, ohne die Filterung durch traditionelle Medien, zu verbreiten. Dies hat zu einer größeren Unmittelbarkeit in der politischen Kommunikation geführt, birgt aber auch Risiken wie die Verbreitung von Propaganda und die Manipulation der öffentlichen Meinung.

Beliebt, und doch suspekt

Insgesamt sind die sozialen Medien aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. So nutzen laut einer aktuellen Umfrage beispielsweise drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer soziale Netzwerke mindestens einmal täglich. Nur fünf Prozent geben an, diese Plattformen nie zu nutzen. Gemäß der Umfrage sind Frauen häufiger in sozialen Netzwerken unterwegs als Männer. 71 Prozent der Frauen geben an, «mehrmals täglich» auf Social Media zu sein, bei den Männern sind es 62 Prozent. Wenig überraschend nutzen junge Menschen die sozialen Plattformen viel häufiger als ältere. 81 Prozent der 16- bis 39-Jährigen tun das «mehrmals täglich», verglichen mit 47 Prozent bei den über 65-Jährigen. Das Smartphone ist heute in der Schweiz das mit Abstand am häufigsten genutzte Gerät, um ins Internet zu gelangen. Neun von zehn Befragten nutzen es dafür mehrmals täglich. Bei den jüngeren Befragten (16–39 Jahre) liegt dieser Anteil bei 96 Prozent. Die Hälfte der Befragten in dieser Altersgruppe gibt an, «fast ständig» mit dem Handy online zu sein, Frauen noch mehr als Männer. Doch trotz dieser intensiven Nutzung stehen die Schweizerinnen und Schweizer den sozialen Plattformen kritisch gegenüber. Nur eine Minderheit ist der Meinung, dass sie ihr Leben bereichert hätten. Vier Prozent stimmen dieser Aussage voll zu, 30 Prozent eher.

Nicht einmal bei den Jüngeren findet sich eine Mehrheit, die voll oder eher mit dieser Aussage einverstanden ist. Darüber hinaus finden 17 Prozent der Befragten voll oder eher, sie seien abhängig von sozialen Medien. Bei den Jüngeren (16–39 Jahre) steigt der Anteil auf fast ein Drittel. 69 Prozent stimmen eher oder voll zu, dass Kinder so lange wie möglich von sozialen Medien ferngehalten werden sollten. 71 Prozent stimmen eher oder voll zu, dass die sozialen Medien unsere Gesellschaft spalten würden. Forscher interpretieren das so, dass die Gefahren der sozialen Netzwerke und des Internets tendenziell «eher für andere als für sich selbst wahrgenommen werden». Man spricht von einem «Third-Person-Effekt». Diese kognitive Verzerrung führt also dazu, dass wir den Einfluss von Medienbotschaften auf andere überbewerten und gleichzeitig den Einfluss auf uns selbst unterschätzen.

Sonnen- und Schattenseiten: Soziale Medien können einerseits Generationen trennen oder verbinden, können neue Welten eröffnen, können aber auch als Mobbing-Instrument oder für kriminelle Zwecke verwendet werden. Sie sind also sowohl Fluch und Segen.
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Regulierung und Ethik

Die Regulierung sozialer Medien bleibt somit eine der größten Herausforderungen. Regierungen weltweit arbeiten daran, Gesetze und Richtlinien zu entwickeln, um die negativen Auswirkungen zu minimieren, ohne aber die positiven Aspekte zu beeinträchtigen. Dabei stehen Fragen der Meinungsfreiheit, des Datenschutzes und der Verantwortlichkeit der Plattformen im Vordergrund. Die technologische Weiterentwicklung wird die sozialen Medien weiter transformieren. Künstliche Intelligenz, Augmented Reality und Virtual Reality bieten neue Möglichkeiten für

Interaktion und Kommunikation. Diese Technologien könnten die Art und Weise, wie wir soziale Medien nutzen, revolutionieren, stellen aber auch neue ethische und gesellschaftliche Fragen.

Soziale Medien sind demzufolge weder rein ein Fluch noch ein Segen. Sie bieten immense Möglichkeiten für Vernetzung, Bildung und sozialen Wandel, bringen aber auch erhebliche Herausforderungen mit sich. Der Schlüssel liegt darin, einen bewussten und reflektierten Umgang mit diesen Plattformen zu finden, der die positiven Aspekte maximiert und die negativen Auswirkungen minimiert. Es liegt an uns als Gesellschaft, die Balance zu finden und die Zukunft der sozialen Medien verantwortungsvoll zu gestalten.

 

Antisemitismus auf dem Vormarsch

Neue ideologische Dynamiken

Gustav Gustenau; Florian Hartleb (Hrsgg.),
Nomos Verlag, Baden Baden 2024,
270 Seiten.
ISBN 3-7560-1858-1.
Ladenverkaufspreis 64 €.
Am 7. Oktober 2023 überfiel die Hamas Israel. Mehr als 1400 Kinder, Frauen, Männer wurden ermordet und 240 Menschen in den Gaza-Streifen entführt. Fotos und Videos von grauenvollen Taten kursierten bald im Internet. Verstörend war vom ersten Moment an, dass es Menschen gab, die diese Taten bejubelten. Beifallsbekundungen für diese scheußlichen Verbrechen gab es auch in Deutschland. Das Freudengeschrei kam aber nicht nur aus den Reihen der Palästinenser oder Muslime, ein hohes Maß an Verständnis für die Täter fand sich bald auch in als gebildet zu bezeichnenden Teilen der deutschen Bevölkerung. An mehreren Hochschulen fanden lautstarke Demonstrationen statt, in denen viel Nachsicht für die Täter und wenig Mitgefühl für die Opfer gezeigt wurde. Mit den ersten militärischen Gegenschlägen Israels erreichten die Kundgebungen gegen Israel eine neue Qualität und Quantität. Dabei war Antisemitismus nicht nur zu spüren, er trat offen, unmaskiert zu Tage. Irritierend wirkten auch manche Äußerungen deutscher Politiker. In deren Stellungnahmen war der Leitgedanke, dass die Existenz Israels zur deutschen Staatsräson gehört, nicht mehr zu spüren.

Gustav Gustenau und Florian Hartleb, die Herausgeber des hier zu besprechenden Buches, gehen das Thema Antisemitismus zusammen mit den Autoren dieses Sammelbandes aus unterschiedlichen Perspektiven an. Die Eckpfeiler einer wissenschaftlichen Betrachtung des Antisemitismus setzt Michael Wolffsohn, der über 30 Jahre an der Universität der Bundeswehr in München Neuere Geschichte lehrte. Er zertrümmert eindrucksvoll die Vorstellung, Antisemitismus sei ein Phänomen, das man durchweg in ungebildeten Kreisen der Bevölkerung anträfe. Ganz im Gegenteil gäbe es den Judenhass auch in den gebildeten Kreisen.

Im Anschluss beschreiben der Politikwissenschaftler Florian Hartleb und der pensionierte österreichische General Gustav Gustenau die Realität des gegenwärtigen Antisemitismus. Dazu gehen sie zurück bis zu den Wurzeln des Antisemitismus und skizzieren dessen geschichtliche Entwicklung bis hin zum 7. Oktober 2023.

An diesen Überlegungen setzen die neun Aufsätze dieses Buches an, die zwei Leitgedanken zugeordnet werden können. Zum einen nehmen sie die ideologischen Grundlagen des Antisemitismus in den Blick, wobei sie die große Bedeutung der virtuellen Dimension herausstellen. Zum anderen legen sie einen Schwerpunkt auf die Gefahren, die vom politischen Islamismus ausgehen. Verkürzend könnte man somit den Band trennen in Beiträge, die eher die theoretische Seite und andere, die mehr die praktische Seite des Antisemitismus beleuchten.

In die erste Kategorie ist Lars Rensmanns Beitrag zu verorten, der den Antisemitismus im globalen und digitalisierten Zeitalter betrachtet. Er beklagt, dieses Thema sei „äußerst wichtig, aber noch wenig erforscht“. Als eine Ursache dafür sieht er die starke Politisierung des Themas. Er spitzt zu, wer über Antisemitismus forsche, setze sich dem Vorwurf aus, er betreibe „zionistische Propaganda“. Er konstatiert „eine fortschreitende Erosion der Grenzen des Sagbaren in digitalen Medienökologien“.

Diese These leitet über zu Gabriel Weimann, der sich mit dem „online-Antisemitismus“ befasst. Dieser Bereich erhält für ihn eine unselige Dynamik durch neue, noch schnellere Verbreitungsmöglichkeiten der Hassideologien, die sich bisher einer staatlichen Kontrolle weitgehend entziehen können. Hier sieht er KI (künstliche Intelligenz) gleichermaßen als Fluch – weil sie grenzenlos antisemitische Propaganda produzieren kann – als auch als Segen, weil sie den Strafverfolgungsbehörden neue Möglichkeiten der Bekämpfung eröffnet.

Mehr die praktische Seite betrachten Wyn Brodersen und Maik Fielitz, in ihrem Beitrag über die „unheilvolle Anziehung des Online-Antisemitismus“. Sie stellen dabei fest, dass zunehmend Einzeltäter auftreten, die nicht von „konventionellen Gruppen und Bewegungen rekrutiert werden“.

Eher grundsätzliche Fragen stellt und beantwortet Armin Langer wenn er „antisemitische Mythen im Internet inmitten globaler Krisen“ analysiert. Exemplarisch geht er dabei auf die Covid-19-Pandemie, den Krieg Russlands gegen die Ukraine und den „Israel-Hamas-Konflikt“ ein. Auch er fordert staatliche Maßnahmen gegen den online-Antisemitismus. Dieser erfordere „ein neues Engagement, um den Kreislauf von Vorurteilen zu unterbrechen.“

Die praktische Seite des aktuellen Antisemitismus in Deutschland untersucht Stefan Goertz. Er stellt die Frage, ob man von einer neuen Querfront sprechen kann, die sich aus Rechtsextremisten, Islamisten, sogenannten Grauen Wölfen und Linksextremisten rekrutiert. Hiermit greift er eine Aussage des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, vom November 2023 auf. Goertz sieht keine durchgehende Querfront sehr wohl aber personelle und auch organisatorische Überschneidungen „zwischen Rechtsextremisten, ‚Reichsbürgern‘ und ‚Selbstverwaltern‘ sowie Delegitimierern.“ Hiervon trennt er eine weitere Querfront, die sich aus „Islamisten, Salafisten, Mitgliedern des auslandsbezogenen Extremismus sowie teilweise auch Linksextremisten“ bildet.

Auf ein oben bereits angesprochenes Phänomen, der Radikalisierung Einzelner im Internet, gehen Florian Hartleb und Christoph Schiebel näher ein, wenn sie „Antisemitismus als Tatmotiv von rechtsextremen Lone Actors“ beschreiben. Auch terroristische Attentäter wie Stephan Balliet, der am 9. Oktober 2019 in Halle einen Anschlag auf die Synagoge verübte und anschließend zwei Menschen ermordete, erfuhren ihre Radikalisierung im Internet. Die Autoren sehen mit Sorge, dass aus dem Gaza-Krieg neue Radikalisierungen erwachsen könnten, in denen sich neue Täterkonstellationen ergeben könnten. Sie kommen zu dem Ergebnis: „Die politische Polarisierung macht zukünftige Taten von Lone Actors wahrscheinlich.“

Auf „eine beunruhigende Entwicklung“, den islamistischen Antisemitismus, geht Nina Scholz ein. Sie stellt heraus, dass „in einer Gruppe von Muslimen und Musliminnen zwei- bis dreimal so viele Menschen mit antisemitischen Einstellungen zu finden sind als in anderen Gruppen.“ Als Ursachen sieht sie die elterliche Erziehung und das soziale Umfeld, eine Beeinflussung durch arabische und türkische TV-Sender und diverse „Social Media-Kanäle“, die eine Judenfeindschaft darstellen, „die sich keineswegs nur in Verbindung mit dem Staat Israel äußert, sondern Juden in ihrer Gesamtheit trifft.“ Im Detail betrachtet, erfolgt die Radikalisierung unter anderem durch die Charta der Hamas, aber auch durch Stellungnahmen der Muslimbruderschaft oder die Milli-Görüş-Bewegung und „nicht zuletzt die Parolen auf den Pro-Palästinensischen Demonstrationen“.

Mit „Antisemitismus und Israelfeindlichkeit im Linksextremismus“ in Deutschland seit 1967 befasst sich Armin Pfahl-Traughber. Auf den ersten Blick hat „Antisemitismus eigentlich keinen Bezugspunkt in der linksextremistischen Ideologie.“ Er erwächst über einen Umweg, nämlich „im angeblichen Engagement für die Menschenrechte von Palästinensern“, woraus es sich ergibt, „ungehindert gegen den israelischen Staat zu agitieren.“ Hieraus folgt, dass Linksextremisten angeblich für die Opfer und Schwachen eintreten, „während sie Israel als inhumanes und unterdrückerisches System diffamieren können.“ Dies geht bis hin zur gemeinsamen Forderung mit islamistischen Gruppierungen, die die Vernichtung der Existenz Israels fordern mit dem pro-palästinensischen Slogan „From the river to the sea“.

Abschließend gehen Florian Hartleb und Christoph Schiebel auf den „Antisemitismus als Kitt einer vermeintlich heterogenen Bewegung“ ein und nehmen dabei die Reichsbürger und Staatsverweigerer in den Blick. Als Gemeinsamkeiten in einer recht heterogenen Szene stellen die Autoren Verschwörungsmythen und ein grundsätzliches Misstrauen in den Staat heraus. Sie fassen zusammen: „Nicht nur der Staat wird zum Feind erklärt, sondern die Gesellschaft als solche – und wie immer fungiert der ‚Jude‘ als Sündenbock.“

-Von Dr. Reinhard Scholzen-

 

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Spionage und Sabotage gegen Deutschland – Aktuelle Akteure und Trends

Von Prof. Dr. Stefan Goertz, Hochschule des Bundes, Fachbereich Bundespolizei

Nach aktuellen Angaben der drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes – des BfV, des BND und des BAMAD – hat das Niveau der Spionageaktivitäten gegen Deutschland das des Ost-West-Konflikts bis 1990 zumindest erreicht, wegen der neuen technologischen Möglichkeiten womöglich bereits überschritten.

Dieser Beitrag stellt zu Beginn die wesentlichen Ziele und Akteure der aktuellen Spionage gegen Deutschland dar, dabei auch das Thema Wirtschaftsspionage. Abschließend werden dann aktuelle Bedrohungen durch (potenzielle) Sabotage gegen Deutschland thematisiert.

Spionage gegen Deutschland – Aktuelles Bedrohungsniveau

„Das Niveau der Spionageaktivitäten gegen Deutschland steht dem während des Ost-West-Konflikts bis 1990 in nichts nach. Wir haben es mit einem klaren Systemwettbewerb zu tun!“ Thomas Haldenwang im Herbst 2024, damaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz1

Als Spionage definieren die deutschen Verfassungsschutzbehörden „die Erkundung der politischen Faktoren sowie der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und militärischen Potenziale eines anderen Staates durch ausländische Nachrichtendienste oder in deren Auftrag – zumeist mit verdeckten Mitteln und Methoden. Soweit Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtet ist, kommt eine Strafbarkeit gemäß § 93 ff. StGB in Betracht.“2

Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) sowie das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stellen – spätestens seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine – fest, dass die Hauptakteure der gegen Deutschland gerichteten Spionage, für geheimdienstlich gesteuerte Cyberattacken, Proliferation und Einflussnahme – mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten – Russland, China, Iran und die Türkei sind.3

Bei der jährlichen öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, zuletzt am 14.10.2024, erklärte der damalige Präsident des BfV: „Insbesondere nehmen russische Spionage und Sabotage in Deutschland zu, sowohl qualitativ als auch quantitativ“.4 Alle drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes, also das BfV, der Bundesnachrichtendienst (BND) sowie das Bundesamt Militärischer Abschirmdienst (BAMAD), beobachten ein „aggressives Agieren“ der russischen Geheimdienste. Das System Putin sehe „Deutschland als Gegner“.5

In diesem Zusammenhang erwähnte der damalige Präsident des BfV den Brand eines Luftfrachtpakets im DHL-Logistikzentrum im Juli 2024 in Leipzig. Deutschland sei „damals nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt.“ Es sei „nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass das Paket damals noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geraten sei“. Der glückliche Zufall bestand darin, dass der Weiterflug des aus dem Baltikum stammenden Frachtpakets sich in Leipzig verzögerte. Das Paket hatte einen Brandsatz enthalten, der dort zündete und einen Frachtcontainer in Brand setzte. In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass der Vorfall im Zusammenhang mit russischer Sabotage stehe.6


 

Der Präsident des BND, Bruno Kahl, erklärt in Bezug auf die Spionageaktivitäten Russlands, diese hätten aktuell „ein bisher ungekanntes Niveau“ erreicht und „Putin wird rote Linien des Westens austesten“. Die Präsidentin des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD), Martina Rosenberg, wies wiederum darauf hin, dass die Zahl der Ausspähversuche der sogenannten kritischen Infrastruktur „besorgniserregend“ hoch sei und zu erhöhter Wachsamkeit zwinge. „Die Bundeswehr stehe dabei im Fokus. Sei es, um deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine, Ausbildungsvorhaben oder Rüstungsprojekte aufzuklären, oder um durch Sabotagehandlungen das Gefühl der Unsicherheit zu vermitteln“.7

Die Präsidentin und die Präsidenten der deutschen Nachrichtendienste des Bundes, BAMAD, BfV und BND mahnten in der öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages am 14.10.2024 an, dass die deutschen Sicherheitsbehörden „mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet werden müssten, um die Gefahren abwehren zu können“. BAMAD-Präsidentin Rosenberg sagte, sie hoffe auf „eine Realitätsanpassung der Gesetzeslage, um unseren Auftrag bestmöglich erfüllen zu können“. Ähnlich äußerte sich BND-Chef Kahl. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte noch wenige Tage vor der öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages am 14.10.2024 erklärt, dass „Spionage und Sabotage durch Russland nicht unterschätzt werden“ dürfe. Es gebe eine „deutliche Zunahme von solchen Vorfällen“, erläuterte die Bundesinnenministerin: „Wir sehen dort eine große Bedrohung seitens Russlands“, betonte Faeser.8

Gegen die deutsche Politik, deutsche Behörden und deutsche Unternehmen gerichtete Spionageaktivitäten ausländischer Geheimdienste werden seit 2022 vielgestaltiger und ausgefeilter, umfassen menschliche Quellen genauso wie Cyber-Attacken, erklärt das BfV und bewertet die augenblicklichen Spionagetätigkeiten als „ernsthafte Bedrohung für Deutschland und deutsche Interessen“.9 Deutschland als einflussreiches Mitglied der Europäischen Union, als Mitglied der NATO und in anderen internationalen Organisationen ist Ziel vielfältiger politischer Spionage. Die geopolitischen und geoökonomischen Umbrüche infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sowie Chinas offensive Geheimdienstaktivitäten stellen ein neues Bedrohungsniveau dar. Zudem stehen auch deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen weiterhin im Fokus von Wirtschafts- und Wissenschaftsspionage und auch strategisch motivierter ausländischer Direktinvestitionen.10

Sitz BAMAD
© Bundeswehr

Ziele und Hauptakteure

Die gegen Deutschland gerichteten Ziele von Spionage durch ausländische Geheimdienste sind zahlreich: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, Kritische Infrastrukturen (KRITIS), Energieversorgung und die Bundeswehr. Das klandestine Vorgehen ausländischer Geheimdienste gegen Deutschland dient der Informationsbeschaffung, der illegitimen politischen Einflussnahme durch Desinformation, dem illegalen Erwerb von Waffen und Know-how sowie der Vorbereitung von Sabotage. Durch das Fortschreiten der Digitalisierung und neuer Technologien haben Geheimdienste weltweit seit Beginn des 21. Jahrhunderts neue, mehr und qualitativ sehr hochwertige Mittel, um Deutschland durch Spionage zu schwächen. Die Geheimdienste anderer Staaten, u.a. Systemrivalen, haben ein großes Interesse an Know-how aus Deutschland. Daher forschen ausländische Geheimdienste auch deutsche Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen aus. Diese Form der Spionage wird als Wirtschafts- beziehungsweise Wissenschafts- und Technologiespionage beschrieben.11

Die Hauptakteure der gegen Deutschland gerichteten Spionage sind nach Angaben der deutschen Verfassungsschutzbehörden Russland, China, Iran und die Türkei. Spionageaktivitäten ausländischer Geheimdienste gehen oft von deren Legalresidenturen aus. Diese sind in ganz Deutschland verteilt und beispielsweise in offiziellen diplomatischen und konsularischen Vertretungen untergebracht. Die ausländischen Geheimdienstangehörigen versuchen unter Ausnutzung ihres diplomatischen Status mit konspirativen Methoden, aber auch mittels harmlos wirkender Kontaktpflege – sogenannter Gesprächsabschöpfung –, Informationen zu politischen, militärischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Themen zu erlangen. Im Ausland nehmen die Geheimdienste gezielt deutsche Staatsangehörige ins Visier, die sich für längere Zeit beruflich oder privat dort aufhalten oder regelmäßig dorthin reisen. Dazu zählen vor allem Angehörige diplomatischer Vertretungen und anderer Behörden oder Firmen, aber auch Wissenschaftler und Studierende.

Geheimdienste Russlands und Chinas

Die Aktivitäten russischer Geheimdienste in Deutschland bewegten sich bereits in den Monaten und Jahren vor dem Beginn des Ukrainekrieges auf hohem Niveau und dieses Niveau wird seither noch übertroffen. Die russischen Spionageaktivitäten erstrecken sich mit unterschiedlicher Intensität auf die Zielbereiche Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie (u.a. Rüstung und Energie) sowie die Bundeswehr und Sicherheitsbehörden. Schon vor Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine waren Deutschland durch russische Spionageaktivitäten erhebliche außen- und sicherheitspolitische sowie wirtschaftliche Schäden entstanden, stellt das Bundesamt für Verfassungsschutz aktuell fest. Aufgrund des seit Kriegsbeginn noch deutlich intensivierten Aufklärungsinteresses russischer Geheimdienste, der offensiveren Desinformationsaktivitäten sowie der Cyberangriffe auf deutsche Behördennetze, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ergibt sich nunmehr eine weiter angestiegene Gefährdung. Nach Angaben der deutschen Verfassungsschutzbehörden betreibt Russland gegen Deutschland politische, militärische und wirtschaftliche Spionage, hinzu kommt die Aufklärung Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) für potenzielle Sabotageakte.12

Die Aufgabentrennung der russischen Geheimdienste in innere und äußere Sicherheit, zivil und militärisch, ist deutlich weniger ausgeprägt als bei westlichen Geheim- bzw. Nachrichtendiensten. Russland verfügt über mehrere sehr große Geheimdienste, darunter über den FSB (Federalnaja Sluschba Besopasnosti, auf Deutsch „Föderaler Dienst für Sicherheit“), dem 2003 die FAPSI (Federalnoje Agentstwo Prawitelstwennoi Swjasi i Informazii, auf Deutsch „Föderale Agentur für Regierungsfernmeldewesen und Information“) mit ca. 120.000 Mitarbeitern angegeliedert wurde. Auch der FPS (Federalnaja Pogranitschnaja Sluschba, auf Deutsch: „Föderaler Dienst für Grenzschutz“) wurde im Jahr 2002 Teil des FSB. Die GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije, auf Deutsch: „Hauptverwaltung für Aufklärung“) ist der militärische Geheimdienst und der SWR (Sluschba wneschnei raswedki, auf Deutsch „Dienst für Außenaufklärung“) der Auslandsgeheimdienst Russlands.13

Der FSB ist grundsätzlich der Inlandsgeheimdienst Russlands und einer der Hauptnachfolger des früheren KGB. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich jedoch auf die gesamte Staatssicherheit, die zivile und militärische Spionageabwehr, die Kontrolle der Internetkommunikation, die Bekämpfung von Terrorismus und Organisierter Kriminalität. Der FSB hat die Aufgabe, Oppositionelle und Regierungskritiker zu überwachen und im Zweifel – mit unterschiedlichen Mitteln – zu „neutralisieren“. Tatsächlich betreiben einzelne Abteilungen des FSB, vor allem die 5. Direktion, auch gezielt Spionage in den ehemaligen Sowjetrepubliken, somit auch seit Jahren in der Ukraine. Hier gibt es also Überschneidungen mit der Arbeit des Auslandsgeheimdienstes SWR. Der russische Präsident Putin war von 1998 bis 1999 selbst Direktor des FSB. Die Macht des FSB in Russland, aber auch innerhalb der russischen Geheimdienste, wurde in den vergangenen Jahren durch mehrere Reformen immer stärker ausgeweitet.14

Im November 2018 feierte die GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije, Deutsch für „Hauptverwaltung für Aufklärung“) ihr 100-jähriges Jubiläum. Wie der gesamte Sicherheitsapparat Russlands hat die GRU ihre Wurzeln tief im kommunistischen Staat der Bolschewiki nach der Oktoberrevolution 1917. Während der mächtige KGB jahrzehntelang In- und Auslandsgeheimdienst, Personenschutz, Grenztruppen und technische Abteilungen mit mehreren hunderttausend Mitarbeitern vereinte, war und ist die GRU dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt. Personell soll die GRU mit rund 12.000 Mitarbeitern ungefähr die gleiche Mitarbeiterzahl wie der Auslandsgeheimdienst SWR haben. Während der Tschetschenienkriege übernahm die GRU „Spezialaufgaben“ (häufig gezielte Tötungen), in Dubai soll die GRU im Jahr 2009 den Anführer tschetschenischer Rebellen, Sulim Jamadajew, in einer Kommandoaktion getötet haben. Auch bei der russischen Annexion der Krim 2014 wurde ein Teil der „grünen Männchen“, „Soldaten“ ohne Kombattantenstatus, später als GRU-Kräfte identifiziert. In den letzten Jahren wurden geheimdienstliche Cyberangriffe der GRU ein weiteres wichtiges Standbein.15

Der SWR ist zuständig für die zivile Auslandsspionage in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Politik, u.a. mit Hilfe von angeworbenen Agenten im Ausland, auch innerhalb ausländischer Nachrichtendienste. Der SWR ist außerdem für die Gegenspionage zuständig. Der SWR hat ca. 12.000 bis 15.000 Mitarbeiter.

Die Geheimdienste Chinas sind nach Angaben des BfV mit höchst umfangreichen Befugnissen ausgestattet und dienen maßgeblich dem Machterhalt der Kommunistischen Partei Chinas. Sie spielen sowohl eine entscheidende Rolle beim Ziel, den globalen Führungsanspruch Chinas durchzusetzen als auch die chinesische Volkswirtschaft zu einer führenden Industrienation umzubauen und die Markt- und Technologieführerschaft in entscheidenden Sektoren zu erlangen.

Der Bedarf der chinesischen Regierung und ihrer Behörden an Informationen über die EU, die UN sowie westliche Staaten wie Deutschland wächst seit Jahren deutlich. Die Hauptziele chinesischer Spionage in Deutschland sind Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik sowie die Bundeswehr.16

Die chinesische Regierung verfolgt weiterhin ein sehr ambitioniertes und strategisch-langfristiges Programm, um in zukunftsweisenden Bereichen der Hochtechnologie Anschluss an die führenden, westlichen Industrienationen zu finden. Die chinesische Regierung strebt spätestens für das Jahr 2049 – zum 100. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China – eine globale Technologieführerschaft an. Im Fokus stehen vor allem Emerging Technologies wie Quantentechnologie, Künstliche Intelligenz, Hyperschalltechnik, Überwachungstechnologie sowie Biotechnologie, denen militärisch eine immer größere Bedeutung zukommt.17

Geheimdienstliche Operationen zur verdeckten Informationsbeschaffung werden nach Angaben des BfV vor allem unmittelbar aus den Hauptquartieren der Dienste in China gesteuert. Bei Aufenthalten in China werden Zielpersonen aus Deutschland, die entweder über hochwertige Zugänge verfügen oder eine aus Sicht der chinesischen Geheimdienste aussichtsreiche künftige Entwicklung versprechen, kontaktiert und mit der Aussicht auf Entlohnung angeworben. Die in der Folge stattfindenden Treffs werden überwiegend in Drittländern oder in China durchgeführt, um operative Risiken in Deutschland zu reduzieren. Die Steuerung erfolgt meist persönlich, teilweise aber auch über webbasierte verschlüsselte Kommunikation, vor allem über den chinesischen Messengerdienst WeChat, erklärt das BfV aktuell. Neben dem technologisch-wissenschaftlichen Umfeld bieten vor allem die umfassenden Überwachungsmaßnahmen in China weitere Ansätze für geheimdienstliche Operationen, erläutert das BfV. So erleichterten es die Angaben bei der Beantragung eines Visums für Reisen nach China den chinesischen Geheimdiensten, für sie interessante Personen automatisiert herauszufiltern.1

Wirtschaftsspionage

Nach aktuellen Angaben der Verfassungsschutzbehörden haben ausländische Staaten großes Interesse an deutschem Know-how in Bereichen Wirtschaft, Technik, Energie und Wissenschaft. Daher zähle für fremde Nachrichtendienste auch das Ausforschen von deutschen Unternehmen zum Aufgabenprofil. Ziel von Wirtschaftsspionage sei es vor allem, die technologische Entwicklung der eigenen Volkswirtschaft zu unterstützen oder einen anderen Wettbewerbsvorteil zu erlangen, so das BfV aktuell. Dieses Vorgehen wird als Wirtschafts- beziehungsweise Wissenschafts- und Technologiespionage beschrieben. Bei der Wirtschaftsspionage fokussieren sich die Ausforschungsaktivitäten auf alle Entwicklungsstufen von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Fertigung und Vermarktung neuer Produkte sowie von der Infrastruktur bis zum Management eines Unternehmens. Das Ziel von Wirtschaftsspionage ist vor allem, die Entwicklung der eigenen Volkswirtschaft zu unterstützen oder einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. 19

Besonders wertvolle Spionageziele innerhalb der deutschen Wirtschaft sind aktuell Informations- und Kommunikationstechnik, Biotechnologie, Optoelektronik, Automobil- und Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Energie- und Umwelttechnologie sowie Kritische Infrastrukturen.

Potenzielle Einfallstore für (vorsätzliche) Spionage durch Innentäter sind grundsätzlich alle Personen mit individuellen Zugangsmöglichkeiten auf Unternehmensdaten. Daher (potenziell) auch firmenfremde Dienstleister. Bei der Frage nach dem warum? sind verschiedene Faktoren zu identifizieren:

Sog. Selbstanbieter, Personen die (potenzielle) Informationen einem Spionageakteur proaktiv anbieten, können beispielsweise von Unzufriedenheit und einer fehlenden Identifikation mit dem Unternehmen oder der wissenschaftlichen Einrichtung geprägt sein. Auch das Persönlichkeitsmerkmal thrill seeking bzw. excitement seeking kann hier ein auslösender oder verstärkender Faktor sein.

Der finanzielle Aspekt ist seit langer Zeit ein wichtiger Faktor. Der Einstieg kann von Seiten des anbahnenden Geheimdienstes mit teuren Reisen, Essenseinladungen, Luxusgeschenken gemacht werden. Aus dem Faktor Belohnung kann dann schnell der Faktor Kompromittierung und Erpressung werden, wenn der Geheimdienst den Innentäter damit bedroht, einen Geheimnisverrat dem geschädigten Unternehmen mitzuteilen. Auf der Ebene Kompromittierung stellen Informationen über sexuelle Vorlieben, die potenzielle Bedrohung von Familienangehörigen, die beispielsweise im Land oder in der Einflusszone des Geheimdienstes leben weitere Möglichkeiten der Erpressung dar.

In Zeiten großer Krisen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Konflikten und Kriegen, einer dualistischen Situation „neuer Ost-West-Konflikt“ wächst der Faktor „politisch-weltanschauliche Überzeugungen“ als Motivation, um zum Innentäter zu werden und geheime Informationen aus dem Unternehmen, der wissenschaftlichen Einrichtung oder einer Behörde an einen fremden Geheimdienst zu übermitteln.

Ärmelabzeichen
© Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit

(Potenzielle) Sabotage gegen Deutschland

Sabotage ist die bewusste Beeinträchtigung von militärischen oder politischen Prozessen oder von Produktionsabläufen. Dazu kann das Beschädigen oder Zerstören wichtiger Anlagen und Einrichtungen beispielsweise im Bereich Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) zählen (z.B. Kraftwerke, Verkehrsverbindungen und Kommunikationsanlagen). Sabotageakte durch Geheimdienste ausländischer Staaten oder von Extremisten (die potenziell auch als Proxy-Akteure fremder Geheimdienste agieren könnten) können nach aktuellen Angaben des BfV weitreichende Auswirkungen haben und zu schwerwiegenden Schäden führen. Dies gilt vor allem mit Blick auf Kritische Infrastrukturen (KRITIS) und KRITIS-nahe Unternehmen, die essenziell für ein funktionierendes Gemeinwesen sind.20

Zum Sabotageschutz gehört der Schutz von KRITIS wie beispielsweise der Energie- und Wasserversorgung, Informationstechnik und Telekommunikation. Sabotage stellt für viele relevante Bereiche eine ernst zu nehmende Gefahr dar. Politik und Verwaltung, das öffentliche Leben, aber auch Unternehmen und Forschungseinrichtungen können betroffen sein. Staatliche Akteure aus dem Ausland, aber auch Extremisten aus dem Inland könnten relevante Einrichtungen und Anlagen ins Visier nehmen, um diese zu schädigen. Ziele von Sabotage könnten beispielsweise sein: Die Störung Kritischer Infrastrukturen, wie z.B. Internet, Energie, Treibstoff- und Wasserversorgung. Hinzu kommt aber auch eine potenzielle Störung von Arbeitsabläufen und Kommunikation in Politik und Verwaltung sowie die Störung von Betriebsabläufen in Wirtschaftsunternehmen.21

Die Gefahr von Sabotage durch Cyberattacken gilt vor allem für Kritische Infrastrukturen (KRITIS), beispielsweise für Energieversorgungsunternehmen. Bei einer erfolgreichen Cyberattacke besteht ein umfassender und schneller Zugriff auf große Datenmengen. Cyberspionageattacken sind auch deswegen so gefährlich, weil sie von den Betroffenen oftmals nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt erkannt werden. Mehrere vergangene Angriffe auf KRITIS, z.B. Krankenhäuser und Wasserwerke, zeigen, dass erfolgreiche Ransomware-Attacken drastische Folgen für die Zivilbevölkerung nach sich ziehen und elementare Services des öffentlichen Geschehens sabotieren können.

Weil die nächste Bundestagswahl ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit steht, könnte „ein ausländischer Akteur deshalb auch Sabotageaktivitäten in Erwägung ziehen. Denn solche Aktivitäten richten nicht nur Schaden an, sie haben auch eine propagandistische Dimension“, erklärt das BfV aktuell. So sei es seit 2022 in Bezug auf potenzielle Sabotageakte durch ausländische Geheimdienste zu einer Verschärfung der Gefährdungslage in Deutschland und Europa gekommen. Neben konkreten Schäden beziehungsweise Störungen von Abläufen in Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) wie Kommunikation, Verkehr und Logistik durch Sabotage dürften die psychologischen Auswirkungen eines Sabotageaktes in der Öffentlichkeit wie auf politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Sinne einer Verunsicherung nicht außer Acht gelassen werden.22

Fazit

Im Bereich der Gefahren durch Spionage und Sabotage gegen Deutschland befinden wir uns nach aktuellen Angaben der Präsidentin und der Präsidenten der drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes (BAMAD, BfV und BND) – in der öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages – auf dem Niveau des Kalten Krieges.

Entsprechend müssen die Bedrohungslage, die Akteure sowie deren aktuellen Strategien und Taktiken realistisch analysiert werden. An eine solche realistische Analyse der aktuellen und zukünftigen (potenziellen) Bedrohungslage muss das Mindset der politisch Verantwortlichen sowie der Verantwortlichen in der Wirtschaft sowie in wissenschaftlichen Einrichtungen adaptiert werden. Dafür bedarf es angemessene Befugnisse, technische sowie finanzielle Mittel, gerade auch für kompetentes Personal sowie dessen Aus- und Fortbildung.

- Dieser Beitrag stellt die persönliche Auffassung des Autors dar.-

Quellen:

1  https://www.verfassungsschutz.de/DE/verfassungsschutz/der-bericht/vsb-spionageabwehr/vsb-spionageabwehr-node.html#doc1036458bodyText1 (21.10.2024).
2  https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/spionage-und-proliferationsabwehr/begriff-und-hintergruende/begriff-und-hintergruende_node.html (2.12.2024)
3  Vgl. Bundesministerium des Innern und für Heimat (2023): Verfassungsschutzbericht 2022, S. 278-288.
4  https://www.tagesschau.de/inland/geheimdienste-russische-sabotage-deutschland-100.html (2.12.2024).
5  Vgl. ebd.
6  Vgl. ebd.
7  Vgl. ebd.
8  Vgl. ebd.
9  Vgl. Bundesministerium des Innern und für Heimat (2023): Verfassungsschutzbericht 2022, Berlin Juni 2023, S. 278.
10  Vgl. Goertz, S. (2024): Öffentliche Sicherheit in Gefahr? Stuttgart: Kohlhammer, S. 262.
11  Vgl. ebd., S. 262-263.
12  Vgl. Bundesministerium des Innern und für Heimat (2024): Verfassungsschutzbericht 2023, S. 311-312.
13  Vgl. Goertz, S. (2024): Öffentliche Sicherheit in Gefahr? S. 264-265.
14  Vgl. ebd., S. 265.
15  Vgl. ebd., S. 266-267.
16  Vgl. Bundesministerium des Innern und für Heimat (2023): Verfassungsschutzbericht 2022, S. 288-290.
17  Vgl. ebd., S. 291.
18  Vgl. Bundesministerium des Innern und für Heimat (2024): Verfassungsschutzbericht 2023, S. 320.
19  Vgl. https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/spionage-und-proliferationsabwehr/begriff-und-hintergruende/begriffe-und-hintergruende_artikel.html (3.12.2024).
20  Vgl. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/wirtschafts-wissenschaftsschutz/2024-07-26-sicherheitshinweis-schutz-vor-sabotage.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (3.12.2024).
21  Vgl. https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/geheim-und-sabotageschutz/begriffe-und-hintergruende/Begriffe-und-Hintergruende_node.html#doc721820bodyText2 (4.12.2024); Goertz, S. (2024): Öffentliche Sicherheit in Gefahr? Stuttgart: Kohlhammer, S. 282-283.
22  Vgl. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/hintergruende/DE/spionage-und-proliferationsabwehr/gefaehrdung-der-bundestagswahl-2025-durch-unzulaessige-auslaendische-einflussnahme.html#doc2014594bodyText5 (4.12.2024).

 

Helmübergabe
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Österreichisches Bundesheer erhält moderne Feuerwehrhelme von Rosenbauer

Armee setzt künftig auf den HEROS H10 und den HEROS Titan

Rosenbauer liefert 200 HEROS H10 Waldbrandhelme in tagesleuchtgelb an die Katastropheneinheit AFDRU („Austrian Forces Disaster Relief Unit“) und 750 HEROS Titan Feuerwehrhelme an die ABC-Abwehr, die Brandschutzkräfte der Truppenübungsplätze, die Luftfahrzeugrettungs- und ABC-Abwehrzüge sowie die Grubenwehren und Heeresmunitionsanstalten des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH).

Der vielseitige HEROS Titan wird bei sämtlichen Feuerwehr- und Brandbekämpfungseinsätzen eingesetzt. Der HEROS H10 ist ideal für den Katastrophenschutz, Waldbrand und die Technische Rettung. Er überzeugt durch sein geringes Gewicht, das die Einsatzkräfte entlastet, ohne die Schutzwirkung zu beeinträchtigen.

Die Helme zeichnen sich zudem durch ihre Kombinierbarkeit mit verschiedenen Modellen der HEROS-Linie aus. Beispielsweise kann die Innenausstattung des bestellten HEROS H10 problemlos für den HEROS Titan verwendet werden. Denn die Helme sollen von zwei bis drei Personen getragen werden können und sich leicht an die physiologischen Besonderheiten mehrerer Personen anpassen lassen. Das heißt Hygiene und Flexibilität der Modelle waren für das Bundesheer entscheidend. Dies vereinfacht zudem die logistische Handhabung.

„Das Österreichische Bundesheer leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit und zur Katastrophenhilfe, sowohl national als auch international. Dafür ist eine zuverlässige Schutzausrüstung unerlässlich. Wir sind stolz, dass die AFDRU und weitere Einheiten des Bundesheeres auf die modernen Helme von Rosenbauer setzen“, sagt Kurt Wandaller, Head of Area Europe bei Rosenbauer.

HEROS H10 und HEROS Titan sind in Österreich hergestellte Produkte. Die gesamte Wertschöpfungskette ist somit in Österreich angesiedelt.

-PM Rosenbauer International AG-

 

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Stille Gefahr am Steuer

Sekundenschlaf ohne Unfall ist reine Glückssache

Übermüdung am Steuer bedeutet akute Unfallgefahr. Die Unfallexperten von DEKRA warnen davor, die Risiken zu unterschätzen. „Wer müde am Steuer sitzt und trotz Symptomen wie häufigem Gähnen oder schwindender Konzentrationsfähigkeit weiterfährt, gefährdet sich selbst und andere“, warnt Unfallforscher Markus Egelhaaf.

„Wer bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h nur eine einzige Sekunde lang wegdämmert, legt mehr als 33 Meter im Blindflug zurück. Bei drei Sekunden sind es schon rund 100 Meter. In dieser Zeit ist das Auto unkontrolliert unterwegs und es ist pure Glücksache, wenn es ohne Unfall abgeht“, so der Unfallforscher.

Laut der amtlichen Unfallstatistik für das 2023 war Übermüdung die Ursache von 1.902 Verkehrsunfällen mit Personenschaden in Deutschland. 3.010 Personen wurden dabei verletzt, 42 davon tödlich. Außerdem ereigneten sich 1.456 Unfälle mit schwerwiegendem Sachschaden, berichtet das Statistische Bundesamt. Unfallexperten gehen allerdings von einer weit höheren Dunkelziffer aus, da eine Übermüdung der Fahrenden oft nicht zugegeben oder nachgewiesen wird.

„Dunkle Jahreszeit“ macht müde

In der „dunklen Jahreszeit“ kann Müdigkeit beim Autofahren leichter die Oberhand gewinnen, warnt Unfallforscher Egelhaaf. „Wer nach einem anstrengenden Tag länger in die Dämmerung oder Dunkelheit hineinfährt, tut sich schwerer, die Konzentration hochzuhalten, vor allem, wenn man auf monotonen Autobahn-Strecken unterwegs ist.“ Auch Personen, die nachts nur kurz oder schlecht schlafen, können leichter Opfer von Übermüdung werden.

Power-Nap und Bewegung statt Kaffee

Gefährlich wird es immer dann, wenn sich die typischen Übermüdungssymptome einstellen: das Gähnen ist kaum mehr zu unterdrücken, die Konzentration lässt nach, die Augen fallen zu, man hat Schwierigkeiten, in der Spur zu bleiben, oder es fehlt die Erinnerung an die gerade erst zurückgelegte Strecke. „Dies sind klare Indizien, dass es an der Zeit ist, schnellstmöglich anzuhalten und Pause zu machen“, betont Egelhaaf.

„Nehmen Sie am besten eine Mütze Schlaf. Ein ‚Power-Nap‘ von 15 bis 20 Minuten und anschließend ein kurzes Bewegungsprogramm an der frischen Luft – das bringt mehr als die typischerweise gewählten Wachmacher Kaffee oder Energy-Drink. Die halten nur kurzfristig wach“, so der Unfallforscher. „Zu beachten ist auch: So erholsam solche Power-Naps im Moment sind, den regulären Schlaf in der Nacht können sie nicht ersetzen.“ Auch beim Essen heißt es aufgepasst: ein voller Bauch fährt nicht gern, sondern macht müde. Daher ist leichte Kost zu bevorzugen. Als Getränke empfehlen sich Mineralwasser oder Saftschorle.

Alle zwei Stunden eine Pause

Spätestens nach zwei Stunden am Steuer, so die Faustregel, wird es Zeit für eine Pause, selbst wenn man sich noch einigermaßen fit fühlt. „Hier ist die Eigenverantwortung jedes einzelnen gefragt. Immerhin geht es um die eigene Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer“, betont DEKRA Unfallforscher Egelhaaf. Wer sich fahrunfähig ans Steuer setzt, macht sich zudem strafbar und muss mit drastischen Strafen rechnen. Bei Gefährdung anderer können Geldbuße, Fahrverbot, Entzug der Fahrerlaubnis oder gar Freiheitsstrafe die Folge sein.

Müdigkeitswarner bei Neufahrzeugen Pflicht

Viele Automobilhersteller bieten mit dem Müdigkeitswarner schon länger eine technische Lösung, die den Sekundenschlaf am Steuer zu verhindern hilft. Seit Juli 2024 sind solche Systeme Pflichtausstattung für alle Neufahrzeuge in der EU. Sie erfassen Daten wie Lenkverhalten, Spurhalten, Augenbewegungen oder auch Blinken, Fahrdauer und Geschwindigkeit. Erkennt der Müdigkeitswarner Anzeichen von Müdigkeit, warnt er, z.B. mit einem akustischen Signal oder einem optischen Hinweis („Kaffeetasse“) im Display. Dann heißt es: Pause machen für die Sicherheit – die DEKRA Experten raten dringend, solche Warnungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

-PM DEKRA-

 

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Bundesregierung setzt neue Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts um

Gesetzliche Befugnisse des BKA

Kabinett beschließt zwei Gesetzentwürfe

Die Bundesregierung hat in der Kabinettsitzung am 11.12.24, zwei Gesetzentwürfe zur Umsetzung der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts für die Arbeit des Bundeskriminalamts beschlossen. Es handelt sich um Formulierungshilfen für die Koalitionsfraktionen für aus der Mitte des Deutschen Bundestages einzubringende Entwürfe.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser: "„Das Bundeskriminalamt braucht schlagkräftige Instrumente im Kampf gegen Terrorismus und schwere und organisierte Kriminalität. Dafür müssen wir weiter sorgen. Das Bundesverfassungsgericht hat Anfang Oktober über spezifische Befugnisse des Bundeskriminalamts zur Datenerhebung und Datenverarbeitung als Zentralstelle der Polizei entschieden. Diese sind in weiten Teilen verfassungskonform, müssen aber teilweise konkreter gefasst werden. Das Bundesverfassungsgericht hat für diesen spezifischen Bereich erstmals Vorgaben gemacht, wie die notwendigen Befugnisse des BKA rechtssicher auszugestalten sind. Unsere heute im Kabinett beschlossenen Gesetzentwürfe sehen genau diese Konkretisierungen vor. Da das Bundesverfassungsgericht eine kurze Frist bis Ende Juli 2025 gesetzt hat, sollten diese Gesetzentwürfe zügig beraten werden.“"

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Mit dem Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundeskriminalamtgesetzes werden die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (Urteil vom 1. Oktober 2024 - Az. 1 BvR 1160/19) für die vorsorgende Speicherung von Beschuldigtendaten im polizeilichen Informationsverbund umgesetzt. Künftig wird eine Negativprognose bezüglich der weiteren Begehung von Straftaten durch den Beschuldigten für die vorsorgende Speicherung von Daten vorausgesetzt und die Speicherdauer wird neu geregelt. Das Gesetz bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates.

Mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundeskriminalamtgesetzes und des Zollfahndungsdienstgesetzes werden Vorgaben des Urteils des Bundesverfassungsgerichts bezüglich der Überwachung von Kontaktpersonen im Rahmen der Terrorismusbekämpfung (Urteil vom 1. Oktober 2024 - Az. 1 BvR 1160/19) und bezüglich des Schutzes des Kernbereichs privater Lebensgestaltung beim Einsatz von Verdeckten Ermittlern und Vertrauenspersonen (Beschluss vom 9. Dezember 2022 - Az. 1 BvR 1345/21) umgesetzt. Die Überwachung der Kontaktpersonen von Terrorverdächtigen setzt künftig voraus, dass die Maßnahme auch gegenüber dem Terrorverdächtigen selbst zulässig wäre. Darüber hinaus beinhaltet dieser Gesetzentwurf redaktionelle Änderungen im Bundeskriminalamtgesetz und bedarf der Zustimmung des Bundesrates.

In seinem Urteil vom 1. Oktober 2024 (Az. 1 BvR 1160/19) ordnete das Bundesverfassungsgericht die Fortgeltung der Befugnis zur vorsorgenden Speicherung von Beschuldigtendaten im polizeilichen Informationsverbund und der Befugnis zur Überwachung von Kontaktpersonen im Rahmen der Terrorismusbekämpfung an. Dies begründete das Bundesverfassungsgericht damit, dass die Verfassungswidrigkeit nicht den Kern der Befugnisnormen, sondern einzelne Aspekte ihrer rechtsstaatlichen Ausgestaltung betreffe. Zudem seien die Befugnisse von Bedeutung für die Verhütung und Verfolgung bestimmter Straftaten durch die Sicherheitsbehörden. Die Fortgeltung der Befugnisnormen begrenzte das Gericht auf den Zeitraum bis zum 31. Juli 2025.

Entscheidung des Bundeverfassungsgericht hier.

-PM Bundesministerium des Innern und für Heimat, 2024-

 

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Bund liefert robuste Spezialfahrzeuge für den Zivilschutz nach Bayern

Bessere Ausstattung des Zivil- und Katastrophenschutzes in Deutschland: 25 Fahrzeuge mit Spezialausstattung stellte der Bayerische Staatsminister des Innern, für Sport und Integration Joachim Herrmann MdL feierlich in Dienst.

Mehr als 300 geladene Gäste, darunter zahlreiche Ehrenamtliche aus den freiwilligen Hilfsorganisationen und Feuerwehren, übernahmen die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) bereitgestellten Fahrzeuge am Samstag, 9. November, im fränkischen Gunzenhausen. Vier verschiedene Fahrzeugtypen, deren Einsatzmöglichkeiten von Patientenversorgung und -transport bis zur Waldbrandbekämpfung reichen, zeigen die Bandbreite der ergänzenden Ausstattung des Bundes für den Zivilschutz. Außerdem übergab Herrmann rund 50 vom Freistaat Bayern finanzierte Fahrzeuge des Katastrophenschutzes.

21 neue Krankentransportwagen für den Zivilschutz (KTW Typ B ZS) verstärken die Medizinische Task Force des Bundes (kurz: MTF), eine sanitätsdienstliche taktische Einheit mit zukünftig 61 Standorten im gesamten Bundesgebiet. Für ihren Einsatz im Zivilschutz und in der bundeslandübergreifenden Katastrophenhilfe verfügen die KTW Typ B ZS über umfangreiche medizinische Notfallausstattung, ein Schlechtwegefahrwerk und Allradantrieb. Diese Spezialfahrzeuge für den Zivilschutz haben sich dieses Jahr in Bayern erneut im Hochwassereinsatz bewährt.

Gut gerüstet für künftige Einsätze ist dank eines Ersatzfahrgestells ein Fahrzeug für die Erkundung eventueller chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Lagen, ein sogenannter CBRN-Erkundungswagen (CBRN ErkW), das in Werneck stationiert ist. So tragen auch bereits vorhandene Fahrzeuge zur flächendeckenden Ausstattung aller Landkreise und kreisfreien Städtemit modernen CBRN-Erkundungswagen bei.

Zwei neue für den Katastrophenschutz konzipierte Schlauchwagen (SW KatS) ermöglichen dank entsprechender Ausstattung den jeweiligen Einheiten der Feuerwehr, auch in herausforderndem Gelände die verladenen 2.000 Meter B-Schlauch zu verlegen.

Ein Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz (LF-KatS) konnte ebenfalls von Innenminister Joachim Herrmann MdL und BBK-Präsident Ralph Tiesler feierlich an Bayerns Brandschützer übergeben werden. Das LF-KatS wird, wie alle Fahrzeuge der ergänzenden Ausstattung des Bundes, nach Bedarf in der alltäglichen Arbeit der Brand- und Katastrophenschützer eingesetzt. So sind die Einheiten für den Zivilschutzfall geübt im Umgang mit dem Gerät.

Joachim Herrmann MdL, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration:

"Wir setzen alles daran unsere Einsatzkräfte optimal auszustatten. Dazu gehören natürlich auch leistungsstarke Einsatzfahrzeuge, daher freue ich mich sehr, dass wir diese neuen und modernen Fahrzeuge heute offiziell übergeben können. Wir müssen auch weiterhin gemeinsam an kontinuierlichen Verbesserungen hinsichtlich Katastrophen- und Zivilschutz arbeiten und unsere Vorbereitungen auf ein breites Spektrum an Einsatzlagen weiter stärken. Der Schutz der Bevölkerung steht dabei stets im Vordergrund."

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Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe:

„Der Katastrophenschutz in Deutschland wird maßgeblich getragen von Ehrenamtlichen. Sie leisten einen wichtigen Dienst für ihre Gemeinden und ihre Kreise. Und sie sind einsatzbereit, wenn in anderen Regionen Unterstützung benötigt wird. Dieses Engagement verdient größten Respekt und es ist uns als BBK ein wichtiges Anliegen, gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat zu einer hochwertigen technischen Ausstattung und fundierten Ausbildung der Einsatzkräfte beizutragen.“

Die Spezialfahrzeuge gingen an die freiwilligen Hilfsorganisationen und Feuerwehren in: Amberg, Augsburg, Bad Kissingen, Bayreuth, Cham, Coburg, Deggendorf, Dingolfing, Donauwörth, Ebersberg, Erlangen, Friedberg, Kitzingen, Kronach, Kulmbach, Landshut, Lenggries, Markt Erlbach, München, Nürnberg, Nürnberg, Regensburg, Starnberg und Würzburg.

-PM BBK-

 

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Wie aggressiv ist die Stimmung auf unseren Straßen?

Fluchen, hupen, andere bedrängen oder ausbremsen sind bekannte Verhaltensweisen im Straßenverkehr. Und das nicht nur in der hektischen Vorweihnachtszeit, in der noch die letzten Geschenke besorgt und die Einkäufe für die Festtage erledigt werden müssen.

Subjektiv kann man daher das Gefühl haben, aggressives Verhalten hat sehr häufig das Steuer übernommen. Trifft dieser Eindruck zu? Wie verhalten sich die Menschen in bestimmten Verkehrssituationen? Dazu hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in einer repräsentativen Online-Umfrage 1.000 Verkehrsteilnehmende befragt.

Erschreckend: Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) hat angegeben, dass sie sich ärgern, wenn sich vor ihnen jemand strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält.

Drängeln und zu dicht auffahren

Wenn von hinten jemand drängelt und zu dicht auffährt, werden 27 Prozent der Befragten bewusst langsamer. Auf etwa 21 Prozent der Autofahrenden trifft zu, dass sie nervös werden und meist schneller fahren, obwohl sie das nicht möchten. Unter 30-Jährige geben dies tendenziell häufiger an als ältere Autofahrende. Rund 14 Prozent haben angegeben, dass in einer solchen Situation Wut in ihnen aufsteigt und sie kurz auf die Bremse treten.

Reaktionen hinter einem langsameren Fahrzeug

Wenn sie auf der Autobahn hinter einem langsameren Fahrzeug fahren müssen und unmittelbar keine Möglichkeit besteht, zu überholen, sagen 19 Prozent der Befragten, dass sie auch mal etwas dichter auffahren, um zu signalisieren, dass sie überholen möchten. Dass sie dann auch mal rechts überholen, haben 13 Prozent angegeben. Beide Aussagen treffen am ehesten auf die 30- bis 44-Jährigen zu. Sobald sich eine Gelegenheit zum Überholen ergeben hat, zeigen acht Prozent mit eindeutigen Gesten, wie sehr sie genervt und verärgert sind.

Eindämmung von Aggression

Welche Maßnahmen könnten dazu beitragen, Aggressionen einzudämmen? Fast zwei Drittel aller Befragten (63 Prozent) sind der Meinung, dass härtere Konsequenzen bei aggressionsbedingtem Fehlverhalten, beispielsweise in Form von Bußgeldern, Punkten oder Fahrverboten, dazu beitragen könnten, Aggressionen im Straßenverkehr abzuschwächen. Rund die Hälfte glaubt, dass verpflichtende Schulungen bei aggressionsbedingtem Fehlverhalten eine geeignete Maßnahme darstellen könnte. 39 Prozent sagen, dass häufigere Kontrollen und eine stärkere Polizeipräsenz Aggressionen im Straßenverkehr vermindern könnten. Jeweils rund ein Drittel der Befragten ist der Auffassung, dass folgende Maßnahmen hilfreich sein könnten: verstärkte Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung in den Schulen (34 Prozent), die Aufnahme eines Zusatzmoduls „Aggression“ in die Fahrausbildung, das über rücksichtsvolles und achtsames Verhalten informiert (33 Prozent), Tempolimits (zum Beispiel 30 km/h innerorts, 80 km/h auf Landstraßen, 130 km/h auf Autobahnen) (33 Prozent) sowie mehr Aufklärung in den Medien und sozialen Netzwerken, um rücksichtsvolles und achtsames Verhalten im Straßenverkehr bewusst zu machen (32 Prozent). 21 Prozent gehen davon aus, dass automatisierte Fahrzeuge zu einer Eindämmung von Aggression im Straßenverkehr führen könnten.

„Es ist wichtig, dass wir gemeinsam an einem respektvollen und rücksichtsvollen Miteinander arbeiten. Wir alle können einen Beitrag leisten, um die Verkehrssituation zu verbessern und Aggressionen abzubauen. Wir brauchen mehr Achtsamkeit und weniger Aggression“, fordert DVR-Präsident Manfred Wirsch.

Die Ergebnisse der DVR-Umfrage sind auch in der aktuellen Ausgabe der DVR-Schriftenreihe mit dem Titel „Aggression und Achtsamkeit – Befunde zu Interaktionen im Straßenverkehr“ zu finden. Gedruckte Exemplare können direkt beim DVR über diese E-Mail-Adresse bestellt werden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

-PM Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V.-

 

Im Kloster Himmerod in der Eifel stellte eine Expertengruppe im Herbst 1950 die Weichen für den Aufbau der Bundeswehr und die Schaffung des Amtes des Wehrbeauftragten.
(Foto: Dr. Scholzen)

Die militärische Ausbildung im Wandel der Zeit im Spiegel der Jahresberichte des Wehrbeauftragten seit 1975

Von Dr. Reinhard Scholzen

Von Beginn an standen die jährlichen Berichte des Wehrbeauftragten oft im Mittelpunkt des Interesses der Öffentlichkeit. Zum Beispiel bei der Frage, wie hart die militärische Ausbildung in der Bundeswehr sein darf oder muss.

Kompetenzen des Wehrbeauftragten

Schon in den Heeren der Antike bemühte man sich, die immer wieder aufkommenden Streitigkeiten unter den Soldaten zu schlichten. In den Landsknechtsheeren des 16. Jahrhunderts gab es dazu eine Söldnergewerkschaft, deren Aufgabe unter anderem darin bestand, die Männer vor der Willkür der Obrigkeit zu beschützen, Solderhöhungen auszuhandeln oder die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

In vielen europäischen Heeren des 19. Jahrhundert wurden Beschwerdestellen aufgebaut. Die deutsche Armee schrieb diese Möglichkeit erstmals 1895 fest, änderte sie 1921 und dann noch einmal 1936.

Solche Formalien reichten den Gründungsvätern der Bundeswehr nicht aus. Als sie im Herbst 1950 im Zisterzienserkloster Himmerod in der Eifel zusammenkamen, stand Grundsätzliches auf ihrem Programm. In der „Himmeroder Denkschrift“, die manche als die Magna Charta der Bundeswehr bezeichnen, sahen sie den Aufbau einer Instanz vor, bei der sich die Soldaten über dienstliche Angelegenheiten beschweren konnten. Als Vorbild diente der zu Beginn des 20. Jahrhunderts im schwedischen Heer installierte Militärombudsmann. Hieraus ging mit der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 das Amt des Wehrbeauftragten hervor, dessen Aufgabe in Artikel 45b des Grundgesetzes festgelegt ist: Er wird berufen zum Schutz der Grundrechte der Soldaten und als Hilfsorgan des Bundestages bei der Ausübung der parlamentarischen Kontrolle über die Bundeswehr. Das betreffende Gesetz trat im Juni 1957 in Kraft, danach dauerte es fast zwei Jahre bis Generalleutnant a. D. Helmuth von Grolman am 19. Februar 1959 vom Deutschen Bundestages gewählt und am 20. März 1959 vom Bundestagspräsidenten vereidigt wurde.

Der Wehrbeauftragte wird von der Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages auf fünf Jahre gewählt. Nur bis zum Jahr 1990 war eine mindestens einjährige militärische Dienstzeit eine Voraussetzung für die Kandidatur. Soldaten können sich direkt – auch ohne Einhaltung des Dienstweges – mit Eingaben an ihn wenden. Er besitzt ein umfassendes Informationsrecht. Dadurch kann er vom Verteidigungsministerium und allen Wehrdienststellen Auskunft und Akteneinsicht verlangen, soweit dem nicht Geheimhaltungsgründe entgegenstehen. Jährlich verfasst er für den Deutschen Bundestag einen schriftlichen Bericht und auf Verlangen des Parlaments darüber hinaus Einzelberichte. Das Gesetz schreibt ihm eine Vermittlerrolle zwischen den Soldaten und dem Parlament zu. Einerseits ist er „Anwalt der Soldaten“ und andererseits der „Wächter des Parlaments gegenüber den Streitkräften“. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Wehrbeauftragte zu einem Erfolgsmodell, das in ähnlicher Form in den Armeen von Argentinien, Bosnien-Herzegowina und Südkorea übernommen wurde.

Bei der soldatischen Ausbildung ist die Qualität der Unteroffiziere entscheidend. Dieser muss fachlich und menschlich überzeugen.
(Foto: Archiv Elser)

Auf die Unteroffiziere kommt es an

Zu allen Zeiten war die Ausbildung der Soldaten ein Thema, mit dem sich der Wehrbeauftragte häufig befassen musste. In den frühen 1970er Jahren wies Fritz Rudolf Schultz sowohl auf die deutlich gestiegenen fachlichen Ansprüche als auch auf die Anforderungen an die militärischen Führungseigenschaften der Unteroffiziere hin. Sechs Jahre später beklagte sein Nachfolger, Karl Wilhelm Berkhan, es sei kaum möglich, nach der „knappen Grundausbildungsdauer verbindliche Aussagen zu machen, ob Rekruten über die für einen künftigen Vorgesetzten erforderliche Qualifikation verfügen“. Daher komme es besonders auf die gute Ausbildung der Unteroffiziere an; denn diese würden den „Ausbildungsstand der Soldaten und damit die Effektivität der Streitkräfte“ garantieren.

Dies verstanden nicht alle richtig. Daher musste sich der Wehrbeauftragte immer wieder mit „Härten“ in der Ausbildung beschäftigen. So im Jahr 1977, als ein Stabsunteroffizier als Besondere Erzieherische Maßnahme eine Gruppe von sechs Soldaten rund 1200 Meter durch einen Bach marschieren ließ – bei einer Außentemperatur von 0° C. Während des insgesamt rund 20 Kilometer langen Marsches erlitten zwei Soldaten Schwächeanfälle. Der Stabsunteroffizier rechtfertigte später sein Verhalten damit, er habe nur das getan, was er einige Tage zuvor bei seiner Ausbildung zum Einzelkämpfer selbst erlebt hätte.

Häufig erreichten den Anwalt der Soldaten Klagen über „Aufnahmerituale“, obwohl dazu bereits Mitte der 1970er Jahre ein Divisionskommandeur eine griffige Richtlinie vorgegeben hatte, indem er befahl: „bei derartigen Feiern müsse alles unterbleiben, was nicht auch vor den Augen der Familienangehörigen oder Untergebenen der Beförderten stattfinden könne.“ Die ritualisierte Aufnahme der Neuen wurde dennoch beibehalten. Dabei reichte das klassische Spektrum von einem mehr oder weniger heftigen Klaps auf den Hintern über durchaus exzessive Trinkgelage bis hin zum Verzehr von Lebensmitteln in einer nicht gerade bekömmlichen Zusammenstellung.

Die Grundausbildung als „Kulturschock“ oder als Erlebnis

Betrachtet man die jährlichen Berichte des Wehrbeauftragten chronologisch, erkennt man mitunter einen raschen Sinneswandel. Im Jahr 1980 beschrieben einige Rekruten ihre Ausbildungszeit als „Kulturschock“. Nur ein Jahr später hoben andere besonders hervor, „daß sie während der Grundausbildung stark gefordert und ihnen Leistungen abverlangt würden.“ Sie bewerteten die Leistungen ihrer Vorgesetzten positiv: Diese „erleichtern in der Regel dem jungen Soldaten den Übergang vom zivilen zum militärischen Leben und versuchen, dem Gesichtspunkt Rechnung zu tragen, daß der junge Wehrpflichtige ohne Vorbereitung zur Bundeswehr kommt und die militärische Ordnung als fremd empfindet.“ Andere vertraten die Auffassung, der Ton und die Umgangsformen in den Ausbildungskompanien hätten sich zum Besseren verändert. Gleichermaßen nahmen die Klagen über Schikanen in der Ausbildung Mitte der 1980er Jahre ab. 1986 stellte der Wehrbeauftragte fest, diese Verstöße gegen die Menschenwürde zählten „in der Bundeswehr gottlob nicht zur Tagesordnung.“ Offenbar nahmen Empfindlichkeiten zu; denn er hob hervor, hier und da würden „markige Redewendungen“ zum Problem und er beklagte, damit verbundene Kränkungen hätten zugenommen. Im Jahr darauf räumte Willi Weiskirch bei der Vorstellung seines Jahresberichts ein: „Zugegeben, ein etwas rauerer Ton mag zuweilen durchaus angehen; stets gültiger Maßstab müssen aber dabei die Würde und die Ehre des einzelnen Soldaten bleiben.“

Mitunter kam es zu weit mehr als nur zu rauen Worten. Im Januar 1987 sorgte ein Appell eines Bataillons im Bayerischen Wald für Aufsehen. Trotz einer Temperatur von -18° C hatte der Kommandeur das Tragen des Baretts angeordnet. Davon ließ er sich weder von mehreren Kompaniechefs noch von Angehörigen seines Stabes abbringen. Am Ende des Appells mussten neun Soldaten mit Erfrierungen zweiten Grades und 70 Soldaten mit Erfrierungen ersten Grades behandelt werden.

Im Jahresbericht für 1990 lobte Alfred Biehle das vom Heeresamt herausgegebene Taschenbuch „Soldaten führen“ als „zeitgemäßes und praxisorientiertes Ausbildungsmittel“. Ebenso gefiel ihm die Einführung der „erlebnisorientierten Ausbildung“ in der Truppen- und Führerausbildung. Sie sei ein unkonventioneller Weg, um die Persönlichkeitsentwicklung des einzelnen Vorgesetzten und den Zusammenhalt der soldatischen Gemeinschaft zu fördern. Eher am Rande wurde auf die Ergebnisse einer Studie hingewiesen, in der viermal jährlich jeweils rund 4000 Soldaten vier Monate vor ihrem Ausscheiden aus der Truppe über ihre Meinungen und Erfahrungen im Dienst bei der Bundeswehr befragt wurden. Unter den Soldaten wurde besonders ein „lockerer Umgangston“ geschätzt, sie legten Wert auf „Mitsprache im Dienstgeschehen“ und dass die Ausbildung „mehr zivilorientiert und leistungsbezogen gestaltet“ werde.

Den Bericht des Jahres 1991 dominierte die Wiedervereinigung. Deutlich traten die Unterschiede zwischen der Nationalen Volksarmee der „DDR“ und der Bundeswehr zutage. Biehle beklagte, viele ehemalige Ausbilder der NVA seien „noch nicht hinreichend in ihre neuen Aufgaben als militärische Führer hineingewachsen.“ Es klang westliche Überheblichkeit an, wenn er den Bericht eines „Obergefreiten aus einem Panzergrenadierbataillon“ exzerpierte, der ausführte, „daß er beispielsweise vor einer Ausbildung mit dem Gewehr G 3 und der Pistole P 1 zunächst den ostdeutschen Feldwebeln und Leutnanten die Handhabung der Waffe hätte erklären müssen. Die Autorität der Vorgesetzten muß zwangsläufig Einbußen erleiden, wenn sie immer wieder auf die Hilfestellung der Auszubildenden angewiesen sind.“ Und es klang jovial, wenn der Wehrbeauftragte mit Blick auf die Ostdeutschen resümierte: „Ich bin einer Reihe von Unteroffizieren und Offizieren begegnet, die sich sicherlich als Gewinn für die Bundeswehr erweisen werden.“

Fußpatrouille im EUFOR RD Congo Einsatz.
(Foto DSO/PIZ Andreas Seger)

Auslandseinsätze

Die Rahmenbedingungen wirkten direkt auf die Bundeswehr und damit auf die Jahresberichte des Wehrbeauftragten ein. Dies zeigte sich, als im Jahr 1993 erstmals Einsätze außerhalb Deutschlands eine größere Rolle spielten. Kambodscha, Somalia und Jugoslawien sowie die unklare Rechtslage über Auslandseinsätze der Bundeswehr drückten diesem Bericht den Stempel auf. Gleichzeitig traten Fragen zur Ausbildung ins Blickfeld. Unmissverständlich hob der Wehrbeauftragte hervor: „Der Soldat selbst hat einen Anspruch auf eine Ausbildung, wie sie sich aus dem einzelnen Auftrag des jeweiligen Truppenteils und der Funktion des einzelnen Soldaten ergibt. Nur aufgrund einer solchen Ausbildung ist der Soldat fähig und willens, im Ernstfall tatsächlich seine Pflicht zu erfüllen.“

Rekruten beklagten, für die Ausbildung an den Handfeuerwaffen sei „im Rahmen der Infanteriegefechtsausbildung keine Manövermunition vorhanden gewesen. Die Schützen hätten eine Schussabgabe mit dem Ruf ‚Peng’ darstellen müssen. Die Ausbilder würden wegen des Mangels an Darstellungsmunition häufig die Zündung eines Sprengsatzes mit dem Worte ‚Bum!’ oder ‚Detonation!’ ersetzen. Ausbilder wie Auszubildende kämen sich hierbei lächerlich vor.“ Darüber hinaus bemängelten nicht wenige Soldaten, „daß komplexe Bewegungsabläufe auf dem Gefechtsfeld aus Gründen der Kraftstoffeinsparung oder der Materialschonung nicht ausreichend geübt werden könnten. Zwar seien Simulatoren eine wichtige Ausbildungshilfe, der sichere Umgang mit Waffen und Gerät im Einzelfall könne aber nicht allein durch eine Ausbildung am Simulator erreicht werden. Die sensorischen Eindrücke eines Gefechts könnten so nicht realistisch vermittelt werden.“

Im Jahr 1994 stellte der Wehrbeauftragte fest, die Zahl der nur mit Einschränkungen tauglichen Soldaten habe deutlich zugenommen. Er zeigte sich verwundert darüber, dass in einer Ausbildungskompanie der Fallschirmjäger „von 150 Rekruten binnen zehn Wochen 19 wegen Wehrdienstunfähigkeit entlassen werden mussten.“ Obwohl, das betonte er, zu diesem Verband nur mit T1 und T2 (voll verwendungsfähig beziehungsweise verwendungsfähig mit bestimmten Einschränkungen) gemusterte Soldaten einberufen wurden. Erstmals hob Biehle in diesem Jahr hervor, nicht wenige Ausbildungsvorhaben würden scheitern, weil „vor ihrem Beginn die Zahl der um ihre körperliche Unversehrtheit Besorgten deutlich ansteigt. Zahlreiche Soldaten sehen sich den im Rahmen der Ausbildung an sie gestellten Anforderungen nicht gewachsen, gelegentlich sicherlich auch deshalb, weil von ihnen erhöhte körperliche Leistungen ohne entsprechende Vorbereitung gefordert werden.“ Der Wehrbeauftragte scheute nicht davor zurück, auszuführen: „Ausbilder, die im Interesse einer fordernden Ausbildung die eingeschränkt verwendungsfähigen Soldaten gleichwohl an die Grenze ihrer individuellen Leistungsfähigkeit heranführen, sehen sich gelegentlich mit dem Vorwurf der ‚Schleiferei’ konfrontiert.“

Auch im Einsatz in Afghanistan – hier eine Fußpatrouille in Kabul mit einem afghanischen Soldaten – gab es für die deutschen Soldaten zunächst kaum Probleme.
(Foto: BMVg)

Härte oder Schleiferei?

Auch im Bericht des Jahres 1995 spielte die Frage, wie viel Härte in der Ausbildung erforderlich ist, eine Rolle. Die Wehrbeauftragte, Claire Marienfeld, hob besonders hervor: „Defizite in der Menschenführung, unzureichende Beachtung von Sicherheitsvorschriften sowie mangelhafte Ausstattung können besonders im Bereich der Ausbildung negative Folgen haben.“ Eindeutig bezog sie Stellung, indem sie einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zustimmte, „wonach jeder noch so in die Augen springende vermeintliche militärische Ausbildungserfolg als bedeutungslos eingestuft werden muß, wenn er auf Kosten einer Verletzung der Würde, der Ehre oder der körperlichen Unversehrtheit eines Untergebenen erkauft wird.“

Auch im Jahr 1996 ging sie auf die Qualität der Ausbilder ein. Sie dachte wohl an ein höheres Dienstalter und die damit verbundene größere Erfahrung als sie feststellte, „daß Feldwebel die geeigneten Führer einer Gruppe sind.“ Jedoch war ihr bewusst, „diese Idealbesetzung kann aus den verschiedensten Gründen nicht immer vorgenommen werden.“ Des Weiteren betonte sie, „die Bundeswehr (sei) sehr gewissenhaft darauf bedacht, charakterlich ungeeigneten Personen keine Möglichkeit zu geben, in den Streitkräften zum Vorgesetzten ausgebildet zu werden.“ Und auch hier verschloss sie vor der Realität nicht die Augen, indem sie einräumte, manchem gelänge es jedoch, solche Defizite zu verbergen. Kritisch betrachtete sie die Verkürzung der Grundausbildung auf zwei Monate; denn Versäumnisse würden somit auf die folgende Spezialgrundausbildung verschoben. Wiederum verwies sie auf die veränderten Aufgaben der Bundeswehr, die zumindest von den längerdienenden Soldaten eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit und psychische Stabilität in Belastungssituationen erforderten.

In der Bundeswehr war erkannt worden, dass das Ende der 1970er Jahre eingeführte „Gemeinschaftliche Ausdauertraining“ (GAT) nicht ausreichte, um die im Einsatz notwendige körperliche Leistungsfähigkeit zu erreichen. Daher erging am 1. Juli 1996 die Weisung des Inspekteurs des Heeres „Körperliche Leistungsfähigkeit im Heer“. Im Kern dieses noch von Generalleutnant Hartmut Bagger initiierten Konzepts stand das „Allgemeine Militärische Ausdauertraining (AMILA)“, das unter anderem dreimal pro Woche 30-Minuten-Läufe und mehrere Märsche pro Jahr für alle Soldaten bis zum 49. Lebensjahr vorsah. AMILA stieß jedoch nicht nur bei den sportlich weniger Begabten auf Kritik. Da das Heeresamt bestimmte, dass die hierbei erbrachten Leistungen in manchen Lehrgängen über Bestehen oder Nichtbestehen entschieden, übten diese Soldaten auch während der Dienstzeit, worunter Unterrichte wie „Menschenführung“ und auch „Wehrrecht“ litten.

Mag sein, dass auch die Vermittlung des soldatischen Handwerkszeugs hier und da zu kurz kam. Darin sah Claire Marienfeld den Grund, warum sich in dieser Zeit die Zahl der Unfälle im Umgang mit Waffen und Munition dramatisch entwickelte: 1996 wurden dabei 38 Soldaten verletzt. Im Jahr darauf erlitten hierbei 80 Soldaten Verletzungen – und vier Soldaten kamen zu Tode. Besonders scharf kritisierte sie Nachsicht bei Unfällen beim Umgang mit Waffen und Munition: „Wenn aber Vorgesetzte Furcht vor der Aufdeckung eigener Versäumnisse haben und daher nicht ‚im Glashaus Steine werfen’ wollen, sind die Streitkräfte in diesem Bereich nicht mehr zur Eigenkorrektur fähig. Neben technischen, didaktischen und disziplinaren Maßnahmen muß ebenso dafür Sorge getragen werden, daß solche unverzüglich gemeldet werden.“ Der Amtschef des Heeresamtes, Generalmajor Jürgen Reichardt, hatte daraufhin Leitsätze erlassen und hob hervor: „dem Leben, der Gesundheit und der Unversehrtheit der anvertrauten Soldaten (habe) die Aufmerksamkeit aller Vorgesetzten in besonderer Weise zu gelten“. Neu war diese Vorgabe nicht. Fast wörtlich stand dies bereits 100 Jahre zuvor in der Dienstanweisung im Kaiserreich.

Wie bei seiner Vorgängerin nahm auch im Bericht von Dr. Wilfried Penner die Kritik am Umgangston einen breiten Raum ein. So gelangte der rüde Spruch eines Oberfeldwebels – „Ich glaube, ich bin hier nur von Idioten umgeben“ – in den Jahresbericht. Es gab auch wieder Unfälle im Umgang mit Waffen und Munition, ohne dass im Jahresbericht auf Abhilfe gedrängt wurde. Stattdessen rückten die Jahre zuvor bereits mehrfach angeprangerten Aufnahmerituale in das Unteroffizierkorps wieder in den Mittelpunkt. Offensichtlich hatten sich die Sitten aber gebessert, denn im Jahr 2000 reichte für die Hereinnahme in den Jahresbericht bereits, wenn von einem Unteroffizier mit Tabasco gefüllte Kekse gegessen und dazu „wiederholt Bier im Wechsel mit Schnaps in einem Zug“ getrunken wurde. Zur Abgrenzung betonte der Wehrbeauftragte: „Gegen gesellige und lustige Feiern anlässlich der Aufnahme junger Unteroffiziere in das Unteroffizierkorps ist grundsätzlich nichts einzuwenden.“

Zeitgemäße Menschenführung

Im Jahr 2001 nahm das Thema „zeitgemäße Menschenführung“ einen breiten Raum ein. Wie bereits in einigen Berichten zuvor forderte der Wehrbeauftragte wieder härtere Strafen: „Ein Hauptfeldwebel billigte Soldaten einen ‚Intelligenzquotient auf Raumtemperatur’ zu und beschimpfte sie als ‚Rödelkröten’ und ‚Bananenbieger’. Die verhängte erzieherische Maßnahme stand in keinem Verhältnis zur Schwere des Fehlverhaltens des Hauptfeldwebels.“

Auch im Folgejahr nahm sich Dr. Penner der Ausbildung der Soldaten an. Dabei war die Gleichbehandlung von Mann und Frau ein Thema. Jedoch stellte der Wehrbeauftragte bei seiner Betrachtung des Physical Fitness Tests fest: „Erst die unterschiedliche Wertung nach Geschlechtern macht Ergebnisse vergleichbar.“ Konkret bedeutet dies: Männer müssen schneller laufen, weiter springen und werfen als Frauen. Die naheliegende Frage, ob auch ein Feind auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Soldaten Rücksicht nehmen würde, blieb unbeantwortet.

2003 unterstrich der Wehrbeauftragte die herausragende Bedeutung der Ausbildung für die Erfüllung des Auftrags. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund: „Erfolgreiche Ausbildung setzt die erforderliche Zeit, ausgebildetes Personal und vorhandenes und einsatzbereites Ausbildungsmaterial voraus. Daran hat es im Berichtsjahr in nicht wenigen Einheiten und Verbänden gefehlt.“ Er beklagte, im Einsatz würden Bristol-Schutzwesten getragen, im Inland aber mit anderen Westen geübt.

Im Bericht des Jahres 2004 wurden auch die Misshandlungen von Auszubildenden in Coesfeld, Kempten, Ahlen und Stuttgart erwähnt. Allein im Zusammenhang mit Coesfeld gingen beim Wehrbeauftragten 43 Eingaben ein. Jedoch erwähnt Dr. Penner an einer anderen Stelle seines Berichts, dass keiner der direkt betroffenen Soldaten sich an ihn gewandt habe: „Der Frage, warum das so war, wird nachgegangen.“ An den Vorfällen in Coesfeld schieden sich die Geister. So wird ein Coesfelder Auszubildender im Jahresbericht zitiert: „Was vorgeworfen wird, stimmt schon, aber es wird viel schlimmer dargestellt, als es war.“ Mehrere Vertrauenspersonen hätten erklärt, so der Wehrbeauftragte, „man habe die als einsatznah apostrophierte Nachstellung von Geiselnahmen für zulässig gehalten, nicht zuletzt, weil anwesende Vorgesetzte dies auf Nachfrage ausdrücklich zugesichert hätten.“ Diese Einschätzung war, das hob Dr. Penner hervor, falsch. Und er ergänzte: „In der allgemeinen Grundausbildung ist eine praktische Ausbildung zu Geiselnahme, Gefangenschaft und Verhör nicht vorgesehen; sie ist untersagt.“

Das Ausweichschießen gilt als effektiv, aber auch als sehr trainingsaufwendig. In der Bundeswehr ist es nur Spezialkräften und spezialisierten Kräften vorbehalten.
(Foto: Dr. Scholzen)

Ausbildung im Einsatz

Die Einsatzwirklichkeit und Medienberichte rückten Ausbildungsdefizite in den Mittelpunkt. So stellte der Wehrbeauftragte unter anderem fest, es ergäben sich in der Ausbildung in Hammelburg Engpässe, da dort nur drei „Dingos“ vorhanden seien. Diese im Einsatz verwendeten geschützten Transportfahrzeuge könnten somit nicht von allen auszubildenden Soldaten in genügendem Umfang gefahren werden. Darüber hinaus sei im Berichtszeitraum die Infanterieschule wegen einer besonders schweren Form der Bindehautentzündung geschlossen worden, was dazu führte, dass die „Ausbildung am ‚Dingo’ für das Einsatzbataillon des 9. Kontingents KFOR(Kosovo Force) deshalb erst im Einsatz stattfinden konnte.“ Klagen wurden ebenso über die Ausbildung an Funkgeräten geäußert, die, obwohl sie im Einsatz in Kunduz verwendet wurden, den Soldaten in der Ausbildung lediglich einmal kurz gezeigt worden seien. Gleich an zwei Stellen schildert der Wehrbeauftragte ausführlich die Beschwerde eines im Personenschutz eingesetzten Hauptfeldwebels der Feldjäger. Dieser klagte, „im Einsatz Langwaffen übernommen zu haben, die im Inland nicht zur Verfügung gestanden hätten und an deren Visiereinrichtung die Soldaten nicht ausgebildet worden seien. Auch ein Vertrautmachen mit den Waffen im Einsatzland sei anfangs nicht möglich gewesen, weil die benötigte Schießbahn in den ersten Wochen des Einsatzes nicht zur Verfügung gestanden habe.“

Der Bericht für das Jahr 2006 belegte den festen Willen, das Image der deutschen Soldaten in der Öffentlichkeit zu verbessern. Jedoch richtete Reinhold Robbe auch intensiv den Blick nach innen. Er stellte fest, die auf den Einsatz vorbereitende Ausbildung der Soldaten werde häufig beklagt. Immer wieder monierten in Afghanistan eingesetzte Soldaten, sie hätten ihre im Einsatzland ausgehändigten Waffen erst nach längerer Zeit einschießen können. Auch die mitunter mangelhafte Kraftfahrausbildung war Bestandteil des Jahresberichts. Als nicht zu verantworten bezeichnete es der Wehrbeauftragte, dass Personenschützer erst im Einsatzland das Fahren mit einem sondergeschützten Fahrzeug erlernten. Ganz allgemein kritisierte er: „Fast die Hälfte der Kraftfahrer wird ohne eine vorherige Typeinweisung für schwere Fahrzeuge wie den Dingo oder den Fuchs nach Afghanistan geschickt. Eine unzureichende Ausbildung der Militärkraftfahrer im Einsatzland ist in doppelter Hinsicht gefährlich: Zum einen ist die Unfallgefahr bei ungeübten Fahrern wesentlich größer, zum anderen sind Ausbildungsfahrten in einem Einsatzgebiet wie Afghanistan grundsätzlich nicht zu verantworten.“

Diese Klagen finden sich auch im Jahr 2008. Daneben rückte wieder einmal ein altbekanntes Thema in den Mittelpunkt. Mehrere Unfälle mit Schusswaffen führte der Wehrbeauftragte auf die unzureichende Ausbildung zurück. Er forderte, in der Ausbildung müsse der „unabdingbare Respekt vor der Waffe“ vermittelt werden. Auch die Offizierausbildung war wie im Jahr zuvor ein Thema. Viele junge Offiziere würden ihre nur rudimentären Erfahrungen in der Truppe als Mangel empfinden. Robbe empfahl daher: „Meines Erachtens sollten alle Offizieranwärter die allgemeine Grundausbildung mit den übrigen Wehrpflichtigen durchlaufen und darüber hinaus eine verpflichtende, gut vorbereitende und begleitende Bewährungszeit als Gruppenführer in der Truppe absolvieren.“ Was eine Rückkehr zur alten Offizierausbildung bedeuten würde.

Auch in der Ausbildung der Unteroffiziere sah der Wehrbeauftragte Probleme. Er betonte, es mangele einer zunehmenden Zahl von Feldwebeln an einer soliden truppendienstlichen Ausbildung. Immer mehr stehe deren Fachausbildung im Vordergrund. Ausbilder beklagten, „viele Feldwebelanwärter beherrschten bei Lehrgangsbeginn nicht einmal den Umgang mit der Handfeuerwaffe.“ Immer wieder bemerkten sie, dass Lehrgangsteilnehmer die geforderte Bescheinigung über den Erwerb des Sportabzeichens bei Lehrgangsbeginn vorlegen konnten, diese Ergebnisse aber im Eingangstest nicht annähernd erreichten. Streng genommen hätte man daher ein Drittel der Soldaten sofort wieder nach Hause schicken müssen. Sehr schlechte Ergebnisse meldeten auch die Kreiswehrersatzämter. Bei den mehr als 450.000 Musterungsverfahren im Jahr 2008 stufte die Kommissionen fast 44 Prozent der jungen Männer als „nicht wehrdienstfähig“ ein. Offensichtlich waren damit aber nicht alle Fälle von Wehrdienstunfähigkeit erfasst; denn in diesem Jahr entließen die Bundeswehrärzte nach der Einstellungsuntersuchung 5210 Wehrpflichtige aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig.

Außergewöhnlich scharf verurteilte der Wehrbeauftragte im Jahr 2009 die immer noch zu geringe Zahl an geschützten Fahrzeugen und die mangelhaften Kenntnisse einiger Kraftfahrer. Die Ursache dafür sah er nicht bei den Politikern und den angeblich leeren Kassen. Robbe stellte fest, es hätten „…die Verantwortlichen im Deutschen Bundestag nach meiner Kenntnis zu keiner Zeit nachgewiesene und realisierbare militärische Notwendigkeiten abgelehnt.“ Robbe sah andere Gründe für die Mängel: „Die Realität in den Streitkräften ist gekennzeichnet durch unübersichtliche Führungsverantwortung, zu viel Bürokratie, Reibungsverluste durch Trennung von Truppe und Truppenverwaltung sowie veraltete Personal- und Materialplanung, um nur die wichtigsten Stichworte zu nennen.“

Forderung nach mehr Realitätsnähe

Viele Soldaten forderten auch im Jahr 2009 mehr Realitätsnähe bei der Einsatzvorbereitung. Sie bemängelten, beim Thema „Hinterhalt“ seien diese Szenarien realitätsfremd, da im Einsatz in der Regel die Zahl der Angreifer viel größer sei. Sie beklagten ebenso, es zeige sich, dass das Zusammenwirken von Infanterie und Sanitätern, wenn überhaupt, nicht intensiv genug geübt werde. Die Sanitätssoldaten forderten für sich eine bessere Schießausbildung, um sich selbst besser schützen zu können und „nicht zu einer zusätzlichen Belastung für ihre im Gefecht stehenden Kameraden zu werden.“

Viel Kritik erreichte den Wehrbeauftragten über die Grundausbildung. Diese deckte sich mit den Erfahrungen, die Reinhold Robbe bei seinen zahlreichen Dienstreisen sammelte. Die Grundausbildung sei gekennzeichnet durch „zu viele Rekruten, zu wenig Ausbilder und Schwierigkeiten bei der Unterbringung und Ausbildung…“ Es wurde aber auch von Soldaten in der Grundausbildung über „Herabwürdigungen, überzogene Härte, unzulässige Dienstgestaltung sowie Überforderungen bei Märschen und Sport“ geklagt.

Der im Mai 2010 gewählte Hellmut Königshaus griff in seinem ersten Jahresbericht die Aufnahmerituale im Hochgebirgsjägerzug in Mittenwald auf. Dieser „Hochzugkult“ war durch hohen Alkoholkonsum gekennzeichnet. Das Bundesministerium der Verteidigung fackelte nicht lange, löste die Einheit auf und baute sie nach sechs Monaten mit neuem Personal wieder auf.

Im Bericht für das Jahr 2012 ging Königshaus auch auf die Veränderungen in der Ausbildung ein, die die Aussetzung der Wehrpflicht bewirkte. Nun sei die Bundeswehr noch mehr als zuvor angehalten, „auf die jungen Menschen zuzugehen.“ Dies führte dazu, dass der Wehrbeauftragte die tägliche Kontrolle der Rasur und der Fingernägel in einer Ausbildungseinheit als „Kollektivstrafe“ bewertete und meinte, so etwas würde „das Prinzip der Kameradschaft untergraben.“

Ein Jahr später lobte er die Qualität der Einsatzvorausbildung. Sie habe wesentlichen Anteil daran, dass im Berichtsjahr weder ein deutscher Soldat gefallen noch schwer verwundet worden sei. Über die Grundausbildung schrieb er: „Insgesamt handelt es sich bei der Grundausbildung um eine sehr fordernde Ausbildung, die die Soldatinnen und Soldaten durchaus an die Grenze ihrer Belastbarkeit heranführt. Das gehört zum Soldatenberuf dazu und wird von den Rekrutinnen und Rekruten auch akzeptiert.“ Fehlverhalten gab es aber auch in diesem Jahr: „Als Reaktion auf einen Bedienungsfehler einer Soldatin an der Pistole P8 ergriff ein Schießausbilder während einer Schießübung im Rahmen der Grundausbildung eine Pistole P8 und schoss in etwa zweieinhalb Metern Entfernung vor ihm selbst und der Soldatin fünfmal in den Boden.“

Obwohl niemand den Grundsatz „Übe wie Du kämpfst“ in Frage stellte, wurden in den Berichten von Dr. Hans-Peter Bartels genau in diesem Bereich Missstände angeprangert. So wurden Transportpanzer durch Mercedes „Vito“ ersetzt, anstatt mit dem „Eagle IV“ übten die Soldaten mit Fahrzeugen von Nissan und den „Dingo“ ersetzte nicht selten ein „Wolf“. Zudem fehlte der Panzertruppe in Munster 20 mm-Manövermunition und den Kameraden mangelte es an Maschinenpistolen MP 7.

Deutliche Worte fand Bartels im Zusammenhang mit Ereignissen in Pfullendorf, die über Wochen für Schlagzeilen sorgten. Schließlich konnten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Hechingen und der Bundeswehr den Verdacht nicht bestätigen, es sei in der Ausbildungskaserne zu sexuellen Übergriffen gekommen. Das Verwaltungsgericht in Sigmaringen bestätigte aber die Entlassung von Soldaten wegen brutaler Aufnahmerituale. Bartels mahnte an, in der Führung der Bundeswehr habe bei diesen Vorgängen nicht immer die Unschuldsvermutung gegolten. Ebenso kritisierte er das häufig festzustellende Schweigen aktiver Generäle. Er forderte eine grundsätzliche Klärung, ob sich im Dienst stehende Generäle an der öffentlichen Debatte über die Bundeswehr beteiligen sollten oder nicht.

Eine Zeitenwende?

Nicht wenige Soldaten beklagen, das gemeinsame Üben von Infanterie und Sanitätern würde zu selten durchgeführt.
(Foto: Dr. Scholzen)
Klagen über die Leistungsfähigkeit der Rekruten gab es zu allen Zeiten. Mag sein, dass man dies regelmäßig in die Schublade „früher-war-alles-besser“ ablegen kann. Stets reagierte die militärische Führung mit neuen Trainingsmaßnahmen auf die festgestellten Missstände. Vor einigen Jahren führte die Bundeswehr das Programm „Steigerung der Körperlichen Leistungsfähigkeit (KLF) in der Grundausbildung (GA)“ ein. Dessen wesentliches Merkmal bildet die Einteilung der Rekruten in unterschiedliche Leistungsgruppen, um sodann deren Leistungsfähigkeit individuell zu fördern. Gleichwohl scheint es so, dass für nicht wenige junge Soldaten die Herausforderungen immer noch zu groß sind, selbst bei dem rund sechs Kilometer langen Eingewöhnungsmarsch – ohne Gepäck.

Auf die Veränderungen in der Gesellschaft und den Wandel im individuellen Verhalten reagierte die Bundeswehr im Jahr 2021 mit der Einführung eines neuen Konzepts der Ausbildung. Dabei kehrte man in vielen Bereichen zu Altbewährtem zurück. So wurde die Führungsnachwuchsausbildung wieder dezentralisiert und stärker an der militärischen Praxis ausgerichtet. Daher verlagerte das Heer die Ausbildung der Offizieranwärter im Truppendienst bereits im Sommer 2020 wieder in die Truppe zurück. Für die Unteroffizier- und Feldwebelausbildung folgte dieser Schritt ab Oktober 2022. Des Weiteren wurde wegen erkannter gravierender körperlicher Mängel die Sportausbildung drastisch erhöht.

Der Krieg in der Ukraine prägte Eva Högls Bericht: „Die vom Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung vom 27. Februar 2022 festgestellte Zeitenwende bedeutet einen epochalen Umbruch in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. … Regierung, Parlament und Gesellschaft sind aufgefordert zu diskutieren: Welches Ziel haben wir mit der Bundeswehr? Wo soll sie eingesetzt werden? Was brauchen wir dafür und wie ist unser Verhältnis zu unseren internationalen Partnern? Ganz entscheidend wird auch zu erörtern sein, wie es in Europa weitergeht und ob es an der Zeit ist, Verteidigungspolitik insgesamt stärker zu vergemeinschaften und gemeinsame Rüstungsprojekte vermehrt in den Blick zu nehmen.“

Diese Worte hört man, jedoch fehlt vielen der Glaube. Die Finnin Minna Ålander schrieb in ihrem Beitrag „Stockende Zeitenwende“ im IPG Newsletter im April 2024: „Über zwei Jahre nach der berühmten Regierungserklärung im Bundestag ist ‚Zeitenwende‘ immer noch eine Leerformel, mit einem erheblichen Delta zwischen Ankündigungsrhetorik auf der einen und Taten auf der anderen Seite. Sicher ist bisher eigentlich nur eines: Es wird in Deutschland, und zwar stets nur mit Blick auf Deutschland, mehr über Zeitenwende geredet als wirklich Zeitenwende gemacht.“

© DEKRA

DEKRA warnt vor Gefahren in der dunklen Jahreszeit

Mehr Wohnungsbrände und CO-Vergiftungen

Wer die Adventszeit genießen möchte, darf die Sicherheit in den eigenen vier Wänden nicht aus den Augen verlieren, erinnert die Prüforganisation DEKRA.

Denn die Zahl der Brandfälle in deutschen Wohnzimmern steigt regelmäßig zum Jahresende hin an. Auch die Zahl der Vergiftungen durch Kohlenmonoxid (CO) geht in den kalten Monaten nach oben. Die DEKRA Sachverständigen kennen kritische Punkte, die zu beachten sind, damit das Jahr unfallfrei zu Ende gehen kann.

Vorsicht vor Brandgefahren: Ein sorgloser Umgang mit brennenden Wachskerzen an Adventskränzen, Gestecken und Weihnachtsbäumen führt leicht zum Wohnungsbrand. Die Verantwortlichen sollten brennende Kerzen daher nie unbeaufsichtigt und nie mit Kindern oder Haustieren allein lassen, auch nicht für kurze Zeit. Seitlich und nach oben muss genügend Abstand zu brennbaren Gegenständen eingehalten werden, wie etwa Vorhängen, Decken oder Zweigen. DEKRA Tipp: Kerzen guter Qualität verwenden, etwa mit RAL-Gütezeichen, die zum Beispiel nicht auslaufen!

Bei elektrischen Lichterketten ist die Brandgefahr geringer, doch hier kann es Knickstellen, durchgescheuerte Kabel und lose Verbindungen geben, die zu Kurzschlüssen, Schwelbränden und Stromschlag führen. Defekte Ketten sollte man daher ausmustern. DEKRA warnt davor, Lichterketten für Innenräume in Außenbereichen zu installiere, sonst drohen Kurzschluss und Stromschlag.

Besondere Vorsicht ist beim Wintergrillen nötig. Holzkohle- oder Gasgrills sowie gasbetriebene Heizstrahler und Heizpilze dürfen unter keinen Umständen in Innenräumen oder schlecht belüfteten Bereichen wie Garagen betrieben werden. Hier kann es, abgesehen vom Brandrisiko, leicht zu Vergiftungen durch Kohlenmonoxid (CO) kommen. Das geruchlose Gas kann schon in geringer Konzentration zu lebensgefährlichen Vergiftungen und zum Tod führen.

Wichtig: Auf den Notfall vorbereiten! Falls trotz aller Vorsicht etwas schief geht, muss klar sein, was zu tun ist. Einen Brand kann man nur in den ersten Sekunden mit einem Feuerlöscher oder einem Eimer Wasser löschen. Sobald der Rauch zu dicht wird, heißt es, zügig die Wohnung zu verlassen, auf dem Weg nach draußen die Türen zuziehen und den Notruf 112 wählen. Auch bei lebensbedrohenden medizinischen Notfällen findet man dort Hilfe.

-PM DEKRA-

 

Die SALTO FOUNDATION legt ihren Schwerpunkt auf die Integration benachteiligter Menschen insbesondere im Bereich Sport.
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SALTO FOUNDATION fördert gesellschaftliche Entwicklung und soziale Inklusion

Salto gibt die Gründung der SALTO FOUNDATION bekannt. Die Stiftung ist Teil der nachhaltigen Entwicklungsstrategie von SALTO WECOSYSTEM und legt ihren Schwerpunkt auf die Integration benachteiligter Menschen insbesondere im Bereich Sport.

Die Gründung der SALTO FOUNDATION ist ein wichtiger Schritt, Sport als Katalysator für Veränderungen in der Gesellschaft zu nutzen. Auf diese Weise möchte die Stiftung dafür sorgen, dass alle Menschen ihr Leben genießen und sich innerhalb der Gesellschaft entfalten können – ohne außen vorgelassen oder ausgeschlossen zu werden.

Die SALTO FOUNDATION hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen, indem sie geschützte und integrative Umgebungen schafft, in denen sie sich in ihren lokalen Gemeinschaften entfalten und weiterentwickeln können. Sport dient dabei nicht nur der körperlichen Betätigung, sondern gleichsam als ein wirkungsvolles Instrument, um Kontakte zu knüpfen, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und Barrieren abzubauen. Durch die Förderung von Teamarbeit, Respekt und Solidarität möchte die SALTO FOUNDATION Bindungen stärken, Ungleichheiten reduzieren und Möglichkeiten für Integration und sozialen Aufstieg schaffen.

Dafür arbeitet die Stiftung mit gemeinnützigen Organisationen zusammen und unterstützt in diesem Zuge Einzelpersonen und Gemeinschaften beim Meistern von Herausforderungen. Mit den Schwerpunkten Sport, Gesundheit und Bildung stärkt die SALTO FOUNDATION die Integration und soziale Eingliederung benachteiligter Jugendlicher und behinderter Menschen weltweit – und inspiriert andere, es ihr gleichzutun.

Die SALTO FOUNDATION ist eine professionell geführte, finanziell gut ausgestattete Organisation, die sich als aktiver Player im Bereich der sozialen Förderung versteht. Mit einem modernen Managementansatz soll sie Maßstäbe für wirkungsorientierte Investitionen von Unternehmen setzen und auf höchstem Niveau arbeiten.

Salto setzt sich seit seiner Gründung für Sozial- und Umweltinitiativen ein. Vor über 20 Jahren rief das Unternehmen die Initiative free2Move.org ins Leben, eine Plattform, die auch heute noch genutzt wird, um die Projekte im Bereich Soziales und Sport zu bündeln.

Weitergehende Informationen zur SALTO FOUNDATION finden sich unter: saltofoundation.org

-PM Salto-

 

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Vorhersagen zu Cybersicherheitsbedrohungen für 2025

Erkenntnisse aus dem Darknet

Von hochentwickelten Desinformationsdiensten bis hin zu gestohlenen digitalen Identitäten, Schwachstellen im Smarthome-Bereich sowie KI-gesteuertes Social Engineering – das sind die wichtigsten Themen, die derzeit in Dark-Web-Foren diskutiert werden.

Jedes Jahr im Dezember sagen die Experten vonNordVPN die Cybersicherheitsrisiken für das kommende Jahr voraus. In diesem Jahr haben sie sich mitNordStellar Analytics zusammengetan, deren Experten die größten Dark-Web-Foren analysierten, um die am meisten diskutierten Trend-Themen zu ermitteln.

„Obwohl die Vorhersagen des letzten Jahres weiterhin relevant sind, hat die Beliebtheit verschiedener Hacking-Kurse und DIY-Cybercrime-Kits spürbar zugenommen. In diesen Foren kursieren weiterhin massenhaft geleakte persönliche Medien- und Kundendaten”, sagt Adrianus Warmenhoven, Cybersicherheits-Experte bei NordVPN.

„In diesem Jahr sind wir noch weiter mit unserer Analyse gegangen und haben uns über die meistdiskutierten Themen hinaus mit fünf neuen Bedrohungen und Schwachstellen befasst, die 2025 höchstwahrscheinlich große Relevanz haben werden“, fügt Warmenhoven hinzu.

Anhaltende Bedrohung: Das Kapern von Konten wird weiter zunehmen

Die meistdiskutierten Themen im Dark Web mit mehr als 135.000 Kommentaren konzentrieren sich auf sogenannte „Combo Lists“ – Datenbanken, die mit Kombinationen aus Benutzernamen, Passwörtern und anderen persönlichen Daten aus verschiedenen Sicherheitsverletzungen gefüllt sind. Ein weiteres viel beachtetes Thema mit fast 26.000 Kommentaren konzentriert sich direkt auf Account Takeovers (Übernahme von Konten), bei denen diese Metadaten für den unbefugten Zugriff ausgenutzt werden.

Da Passwörter von Nutzern häufig auf mehreren Websites wiederverwendet werden, können Hacker mit den Anmeldedaten nicht nur Betrug begehen und Konten für böswillige Zwecke missbrauchen (z. B. die Durchführung betrügerischer Transaktionen), sondern auch das Risiko eines Identitätsdiebstahls erheblich erhöhen.

Warmenhoven weist auf diese Gefahr hin und betont, dass diese Angriffe bei Cyberkriminellen sehr beliebt und äußerst effektiv bleiben werden, solange Passwörter für mehrere Konten wiederverwendet werden. Er sagt sogar voraus, dass diese Aktivitäten im Jahr 2025 zunehmen werden, da Kriminelle durch neue Datenschutzverletzungen immer wieder an weitere Anmeldedaten gelangen.

Aufkommende Bedrohung: Sicherheitslücken im Smarthome-Bereich

Ein weiterer viel kommentierter Thread im Dark-Web-Forum, der fast 21.000 Kommentare erhielt, konzentriert sich auf Sicherheitslücken in verschiedenen Smarthome-Systemen und -Anwendungen, einschließlich genauer Anweisungen, wie man diese Lücken ausnutzen kann.

Im Bericht zur IoT-Sicherheitslandschaft 2024 wurden etwa 50 Millionen IoT-Geräte analysiert und dabei weltweit über 9,1 Milliarden sicherheitsrelevante Ereignisse aufgedeckt. Im Durchschnitt werden Heimnetzwerke täglich mehr als zehnmal von Angriffen auf vernetzte Geräte heimgesucht. Diese Zahl wird 2025 voraussichtlich noch steigen.

„Hacker visieren zunehmend eine Vielzahl von Smarthome-Geräten an, von Sicherheitssystemen bis hin zu Alltagsgeräten wie intelligenten Kühlschränken und Staubsaugern. Während einige Geräte als Einfallstor für Netzwerkangriffe dienen können, können andere, wie z. B. Videoüberwachungssysteme für den Hausgebrauch, direkt gehackt werden, wodurch die Privatsphäre der Nutzer kompromittiert werden kann“, sagt Warmenhoven.

Identitätsdiebstahl wird aufgrund seiner hohen Rentabilität weiterhin bei Hackern hoch im Kurs stehen

Beiträge über Betrug gehören zu den zehn am meisten kommentierten Themen im Dark Web, in denen Benutzer Tipps, Tools und Strategien für erfolgreiche Betrugsversuche austauschen. Kreditkarten- und Versicherungsbetrug werden häufig diskutiert, aber Identitätsdiebstahl steht aufgrund seiner hohen Rentabilität nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses von Hackern.

Da Hacker weiterhin persönliche Daten ausnutzen, um Bankkonten zu infiltrieren, Kreditkartendaten zu stehlen und Steuerbetrug zu begehen, ist davon auszugehen, dass die Methoden des Identitätsdiebstahls immer ausgefeilter werden.

„Der Identitätsdiebstahl entwickelt sich weiter, sodass wir davon ausgehen können, dass im nächsten Jahr voraussichtlich neue Formen davon auftauchen werden“, sagt Warmenhoven. „Eine davon ist der Betrug mit synthetischen Identitäten, bei dem echte und gefälschte Daten miteinander verschmolzen werden. Es werden dazu häufig auch Deepfake-Technologien eingesetzt, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Eine weitere sich entwickelnde Methode ist der umgekehrte Identitätsdiebstahl, bei dem Personen die Identität einer anderen Person nicht zum finanziellen Vorteil nutzen, sondern um sich als diese Person auszugeben. Die Kriminellen verwenden diese Methode, um sich einen Arbeitsplatz zu sichern, Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten oder rechtliche Konsequenzen zu umgehen. Bei diesen Strategien steht die langfristige Nachahmung einer Person im Vordergrund und nicht der unmittelbare finanzielle Nutzen.“

Bevorstehende Einführung einer neuen zwielichtigen Strategie – Desinformation als Dienstleistung

LautGlobal Risks Report 2024 des Weltwirtschaftsforums werden KI-generierte Falschinformationen in den nächsten zwei Jahren als das zweitgrößte globale Risiko (53 %) eingestuft, wobei extreme Wetterereignisse an erster Stelle stehen und Cyberangriffe an fünfter Stelle.

Das Dark Web ist voll von Methoden, die darauf abzielen, Desinformation zu verbreiten, darunter die Nutzung von Tausenden gefälschter Social-Media-Konten und zahlreiche Spam-E-Mails, die Propaganda verbreiten. Außerdem werden Desinformations-Bot-Farmen entwickelt, um Falschinformationen in großem Umfang zu verbreiten.

„Wenn wir die aktuellen Trends im Dark Web betrachten, ist davon auszugehen, dass Desinformation als Dienstleistung im nächsten Jahr zu einer erheblichen Bedrohung werden wird“, warnt Warmenhoven. „Diese von Cyberkriminellen angebotene Lösung macht sich die Erstellung und Verbreitung falscher Informationen zunutze. Dieser äußerst personalisierbare und anpassungsfähige Dienst ermöglicht eine präzise Ausrichtung auf bestimmte demografische Profile und die Manipulation von Social-Media-Algorithmen, um die Wirkung zu maximieren.“

KI-gesteuertes Social Engineering wird immer ausgefeilter

KI-gesteuertes Social Engineering wird voraussichtlich immer ausgefeilter werden. Obwohl dieses Thema nicht so weitläufig diskutiert wird, sind Foren mit detaillierten Tipps, Tutorials und Beispielen aus der Praxis gefüllt, wie man von dieser Technik profitieren kann. Ein bedeutender neuer Trend ist der Einsatz von KI zur Erkennung von Schwachstellen, wodurch die Komplexität von Tools zur Manipulation des menschlichen Verhaltens zur Informationsgewinnung und zur Erstellung effektiver Phishing-E-Mails erhöht wird.

Obendrein machen Mitarbeiter aufgrund von KI-basiertem Social Engineering mehr Fehler und Unternehmen sind weniger sicher, wie derBusiness Digital Index aufzeigt.

„Wir erleben derzeit das Aufkommen einer Bedrohung, die als Manipulation und Ausbeutung von Unternehmen bekannt ist und bei der böswillige Akteure Unternehmensvertreter mit unterschiedlichsten Begründungen dazu verleiten wollen, Rückerstattungen oder Ersatz zu gewähren. Diese Foren bieten präzise Methoden, Informationen über das Unternehmen zu gewinnen, um die Pläne effektiv umzusetzen. Sie zielen dabei auf große Unternehmen wie Amazon, ASOS und Walmart ab“, erklärt Warmenhoven.

-PM NORDVPN-

 

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1. Weltraumsymposium in Ottobrunn bei München

Warum Deutschland für seine nationale Sicherheit den Blick nach oben richten muss

Der Wettlauf ins All hat in den vergangenen Jahren wieder deutlich an Tempo gewonnen. Doch anders als früher geht es nicht mehr darum, Flaggen zu hissen, sondern unsere Lebensweise zu schützen. Denn ein Angriff auf die für Deutschland relevanten Satellitensysteme hätte massive Folgen.

Mit dieser Warnung machten Sicherheitsexperten auf dem 1. Weltraumsymposium auf eine wachsende Bedrohung der nationalen Sicherheit aufmerksam. Rund 200 Expertinnen und Experten aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Verteidigung waren auf Einladung des Technologieunternehmens IABG, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Interessengemeinschaft der Deutschen Luftwaffe e.V. (IDLw) nach Ottobrunn bei München gekommen.

Die Dimension des Problems ist enorm. Ein Ausfall der Satellitensysteme könnte Deutschland innerhalb kürzester Zeit in die digitale Steinzeit zurückwerfen. Betroffen wären nicht nur Internet und Kommunikation, sondern auch lebenswichtige Infrastrukturen wie beispielsweise die Strom- und Wasserversorgung. Pelin Afat, Leiterin Vertrieb bei der IABG: „Im Weltraum hinken unsere Schutzmechanismen der technologischen Entwicklung hinterher. Doch Gesellschaft und Politik verdrängen diese Gefahren derzeit noch. Dabei ist klar: Andere Staaten haben bereits Technologien entwickelt und zum Teil auch schon eingesetzt, um Satelliten zu stören oder zu zerstören.“

Deutschland steht vor einem Paradoxon

Einerseits verfügt das Land über eine exzellente technologische Basis mit Spitzenforschung, einer leistungsfähigen Industrie und innovativen Start-ups im Raumfahrtsektor, hinkt andererseits aber bei den Investitionen in die Weltraumsicherheit deutlich hinterher. Nicht nur weltweit führende Nationen wie die USA, China und Russland investieren ein Vielfaches, auch europäische Partner wie Frankreich und Großbritannien haben die strategische Bedeutung des Weltraums früher erkannt.

„Der Weltraum ist mehr als ein Prestige- oder Wirtschaftsfaktor, sondern ist zum Schlüssel für die nationale Sicherheit avanciert“, betont Pelin Afat. Wie auch andere Experten plädiert sie dafür, das Thema Weltraumsicherheit künftig im Bundeskanzleramt, statt wie bisher im Wirtschaftsministerium anzusiedeln: „Wir brauchen eine nationale und ressortübergreifende Strategie, um diesen immer wichtiger werdenden Bereich angemessen abdecken zu können.“

Deutschlands blinder Fleck im All

Angesichts der veränderten geopolitischen Lage und der wachsenden Bedeutung satellitengestützter Übertragungswege drängt die Zeit. Dr. Karsten Deiseroth, Leiter des Geschäftsbereichs Verteidigung & Sicherheit der IABG: „Deutschland muss in der Lage sein, ein permanentes Lagebild über das Geschehen im Weltraum zu generieren, um bei Vorfällen souverän urteilsfähig zu sein. Zusätzlich muss Deutschland auch die Option haben, im Falle eines Angriffs Satellitensysteme im All kurzfristig ersetzen zu können.“

Gerade die entscheidende Rolle des Weltraums für unsere nationale Sicherheit stellt Generalleutnant a.D. Klaus Habersetzer, Präsident der IDLw e.V., heraus: „Der erdnahe Weltraum ist aber auch militärisches Operationsgebiet und eine eigene militärische Dimension. Schlüsselfähigkeiten sind u.a. raumgestützte Frühwarnung und Aufklärung sowie die satellitengestützte Kommunikation als Grundlage zur erfolgreichen Führung von militärischen Operationen. Anti-Satellitenwaffen wurden bereits mehrfach erfolgreich getestet und sind Realität. Annäherungen bis hin zum Andocken und Manipulieren von Satelliten sind ernst zu nehmende Bedrohungen. Die Domäne Weltraum spielt damit eine sehr wichtige Rolle für unsere nationale Sicherheit.“

Sicherheitsexpertin Afat warnt vor dem Verlust wichtiger Infrastruktur im Weltraum im Konfliktfall: „Unsere Satelliten sind von weitaus größerer Bedeutung, als dies in der Öffentlichkeit bisher wahrgenommen wird. Ob moderne Kommunikation, Navigation, Zeitsynchronisation, Finanzströme oder selbst Verkehrsampeln – all das wird heute über Satelliten gesteuert und ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.“

Hochkarätiges Symposium als wichtiger Impuls

Das Münchner Weltraumsymposium soll künftig regelmäßig gemeinsam mit der Interessengemeinschaft der Deutschen Luftwaffe e.V. organisiert werden. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung der Sicherheit im Weltraum zu sensibilisieren und konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft zu entwickeln. „Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern aufzuklären“, betont Mitglied des Bundestags und Vizepräsident des IDLw Florian Hahn. „Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass unsere immer stärker digitalisierte Gesellschaft von verwundbaren Systemen im Weltraum abhängig ist. Sie zu schützen ist daher eine der wichtigsten strategischen Aufgaben unserer Zeit.“

-PM Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH-

 

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Brandgefahr zur Weihnachtszeit

Worauf bei Adventskranz und anderen Weihnachtsarrangements zu achten ist

Wie heißt es so schön? „Advent, Advent, der Adventskranz brennt.“ Leider ist das oftmals Realität: Zu Weihnachten und Silvester steigt die Zahl der Brände im Schnitt um 35 bis 50 Prozent im Vergleich zum restlichen Jahr.

Der Adventskranz fängt Feuer, die Lichterkette sorgt für einen Kurzschluss – und beim Weihnachtsabend mit Freunden steht der Fonduetopf plötzlich in Flammen. Wie sich das vermeiden lässt, was im Brandfall zu tun ist und wie der Start ins neue Jahr unfallfrei gelingt, erklärt ERGO Expertin Janna Poll.

Brände durch Kerzen vermeiden

Echte Kerzen auf Adventskränzen und Christbäumen können innerhalb von Sekunden brennen. Um das zu verhindern, lautet die oberste Regel: Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen. „Zudem sollten Kranz und Baum stabil an einem sicheren Standort mindestens 50 Zentimeter von brennbaren Gegenständen wie Gardinen oder Polstermöbeln entfernt stehen“, rät Janna Poll, Versicherungsexpertin von ERGO. Am sichersten ist es jedoch, auf natürliche Flammen zu verzichten und stattdessen zum Beispiel Echtwachskerzen oder Lichterketten mit LED und dem Prüfsiegel GS (Gütesiegel für „Geprüfte Sicherheit“) zu verwenden. Die ERGO Expertin empfiehlt zudem, Lichterketten regelmäßig auf Schäden zu überprüfen. Denn eine brüchige Isolierung und fehlende Lämpchen können schnell einen Kurzschluss und Brand zur Folge haben. „Wer viele Lichterketten hat, greift gerne zu Mehrfachsteckdosen. Doch Vorsicht, denn diese sind schnell überlastet und können ebenfalls in Flammen aufgehen. Daher gilt: Keine Geräte, die viel Strom benötigen, oder andere Steckdosenleisten anstecken und alles frei von Staub und anderen Abdeckungen halten“, ergänzt die Expertin.

Brandgefahr am Herd

Ein deftiger Braten an Heiligabend oder der gesellige Fondue-Abend mit Freunden – gutes und üppiges Essen gehört für viele zu Weihnachten einfach dazu. Doch auch in der Küche herrscht Brandgefahr. „Vor allem bei Öl oder Fett ist das Risiko für einen Brand und eine sogenannte Fettexplosion enorm“, warnt die Versicherungsexpertin. Daher gilt: Niemals Wasser in heißes Fett oder Öl gießen und den angeschalteten Herd nicht aus den Augen lassen. „Außerdem kann es sinnvoll sein, das Weihnachtschaos in der Küche während der Zubereitung so gering wie möglich zu halten und etwa Geschirrtücher, Küchenpapier und Verpackungen schnellstmöglich von der Arbeitsfläche zu entfernen“, rät Poll.

Verhalten im Brandfall

Kommt es zu einem Brand, ist eine schnelle Reaktion gefragt, um Schlimmeres zu verhindern. „Ein Rauchmelder warnt rechtzeitig und kann daher Leben retten. Er ist seit 2024 in allen Bundesländern in privaten Wohnräumen Pflicht“, erklärt die Versicherungsexpertin von ERGO. Besonders zur Weihnachtszeit sind darüber hinaus einige weitere Sicherheitsvorkehrungen sinnvoll, wie ein Eimer Wasser oder ein Feuerlöscher in Griffweite des Adventskranzes oder des Weihnachtsbaums. Poll empfiehlt zudem, in der Küche eine Löschdecke speziell für Fettbrände parat zu haben, um ein mögliches Feuer zu ersticken. Bei kleineren Flammen reicht es meist noch aus, einen Deckel auf Topf oder Pfanne zu legen. „Bewohner sollten sich jedoch bei allen Löschmaßnahmen nie selbst in Gefahr bringen“, so die ERGO Expertin. „Spätestens wenn andere Gegenstände in Flammen aufgehen und sich das Feuer ausbreitet, gilt es, umgehend die Wohnung zu verlassen und die Feuerwehr zu rufen.“

-PM ERGO Group AG-

 

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Genetec Report zur Lage der physischen Sicherheit 2025

Beschleunigte Einführung der Hybrid Cloud und wachsender strategischer Einfluss der IT

Genetec Inc. („Genetec“), der weltweit führende Anbieter von Software für die physische Sicherheit, hat heute die Ergebnisse seiner Umfrage zur Lage der physischen Sicherheit 2025 veröffentlicht.

Der Bericht basiert auf den Erkenntnissen von mehr als 5.600 Experten aus dem Bereich der physischen Sicherheit weltweit (einschließlich Endnutzer, Vertriebspartner, Systemintegratoren, Berater und Planer) und bietet eine umfassende Analyse der sich entwickelnden Trends in der physischen Sicherheitsbranche.

Wachstum bei Hybrid Cloud-Installationen für mehr Flexibilität und Kontrolle

Bei der Evaluierung von Cloud-Lösungen für die physische Sicherheit setzen die meisten Unternehmen auf eine hybride Strategie, die den betrieblichen Anforderungen, Budgetbeschränkungen und Speicheranforderungen gerecht wird. Mit diesem pragmatischen und flexiblen Bereitstellungsansatz können wichtige Daten und Anwendungen sowohl vor Ort als auch in der Cloud verwaltet werden.

Laut der Untersuchung präferieren 43 % der befragten Endnutzer innerhalb der nächsten fünf Jahre hybride Lösungen. Nur 18 % wollen vollständig cloudbasierte Installationen und nur 17 % planen, vollständig On-Prem zu bleiben. Diese Präferenz für den Hybrid-Cloud-Ansatz teilen auch Berater und Planer sowie Vertriebspartner: 66 % der Berater und Planer wollen in den nächsten fünf Jahren hybride Lösungen empfehlen.

Die Ergebnisse des Reports über die Trends der physischen Sicherheitslösungen spiegeln nicht nur die steigende Nachfrage nach anpassungsfähigen Bereitstellungsmodellen wider, sondern verdeutlichen auch ein maßvolles Vorgehen bei der Einführung der Cloud. Sie zeigen zugleich, dass die Branche sich insgesamt weiterentwickelt. Unternehmen können sich auf die betrieblichen Gegebenheiten, die unterschiedlichen Kosten der Cloud und die sich verändernden Sicherheitsanforderungen konzentrieren, wenn sie die Cloud in einem individuellen Tempo und zu entsprechenden Kosten einführen.

„Ein Hybrid-Cloud-Ansatz bedeutet nicht Alles-oder-Nichts. Die Unternehmen behalten die volle Kontrolle darüber, wie sie ihre Systeme an verschiedenen Standorten einsetzen. Mit diesem offenen Ökosystem können sie die beste Technologie – ob On-Prem oder in der Cloud – implementieren. Sie vermeiden unnötige Kompromisse, ohne an proprietäre Lösungen gebunden zu sein“, sagt Christian Morin, Vice President Product Engineering bei Genetec Inc. „Hybrid Cloud ermöglicht es Unternehmen, Systeme schneller zu implementieren, zu skalieren und zu aktualisieren. Darüber hinaus optimieren sie Prozesse und verbessern die Sicherheitslage effizient und effektiv.“

IT-Abteilungen werden zu Entscheidungszentralen

Bis vor kurzem wurden physische Sicherheitssysteme in großen Unternehmen meist nur von Mitarbeitern in spezialisierten Sicherheitsabteilungen verwaltet. Die zunehmende Einführung von Cloud- und Hybrid-Cloud-Lösungen, der Anstieg von Cybersicherheitsbedrohungen und die Notwendigkeit, die physische und die IT-Sicherheit miteinander zu verzahnen, führen dazu, dass IT-Teams eine immer wichtigere Rolle bei der Anschaffung und Bereitstellung von physischen Sicherheitssystemen einnehmen.
Laut dem Report zur Lage der physischen Sicherheit 2025 geben 77 % der Endnutzer an, dass die Abteilungen für physische Sicherheit und IT jetzt zusammenarbeiten. IT-Abteilungen spielen auch eine immer wichtigere Rolle im Beschaffungsprozess. Sie sind aktiv an Kaufentscheidungen für physische Sicherheitssysteme beteiligt, so mehr als 50 % aller Befragten.

„Die Rolle der physischen Sicherheit entwickelt sich weiter. Damit verändert sich die Art und Weise, wie Unternehmen sowohl Mitarbeiter als auch ihre IT-Netzwerke sichern. Da die IT-Abteilung bei der Implementierung von Cloud- und Hybrid-Lösungen an vorderster Front steht, werden die physischen Sicherheitsabläufe widerstandsfähiger, datengesteuerter und anpassungsfähiger gegen sich verändernde Cyberbedrohungen gestaltet“, erklärt Christian Morin.

Wachsende Akzeptanz von KI als Tool für konkrete Anwendungen

Der Report zeigt stark steigendes Interesse an der Nutzung von KI zur physischen Sicherheit: 37 % der Endnutzer planen die Einführung KI-gestützter Funktionen im Jahr 2025, gegenüber von nur 10 % im Jahr 2024. Diese Steigerung steht im Einklang mit einem strategischen, zielgerichteten Ansatz. 42 % der Endnutzer betrachten KI als Tool zur Optimierung von Sicherheitsabläufen. Dabei konzentrieren sich die Unternehmen auf praktische Anwendungen, wie die Verbesserung der Threat Detection und die Automatisierung von Routineprozessen.

Der Einsatz von Cybersicherheit und SIP-Intercom ist in der DACH- und ECE- (Eastern Central Europe) Region weniger beliebt als in ganz Europa. Nur 27 % der Endnutzer in DACH und ECE setzen diese Technologien ein, verglichen mit durchschnittlich rund 40 % europaweit. DACH und ECE sind die Regionen, die sich am meisten Gedanken über den KI-Einsatz machen. Nur 5 % haben hier keine Bedenken, verglichen mit einem Durchschnitt von 23 % in ganz Europa.

Methodik der Umfrage

Genetec Inc. hat vom 12. August bis 15. September 2024 Fachleute für physische Sicherheit befragt. Nach Überprüfung der Einsendungen und einer Datenbereinigung wurden 5.696 Befragte (einschließlich Endnutzer, Vertriebspartner, Berater und Planer) in die Stichprobe für die Analyse aufgenommen. Die Stichproben wurden in allen Regionen durchgeführt, einschließlich Nordamerika, Mittelamerika, der Karibik, Südamerika, Europa, dem Nahen Osten, Afrika, Ostasien, Südasien, Südostasien, Zentralasien, Westasien und Australien-Neuseeland.

Den ausführlichen Report zur Lage der physischen Sicherheit 2025 finden Sie hier.

 -PM Genetec-

 

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Open-Source-Tool von CyberArk schützt vor KI-Jailbreaks

CyberArk, das führende Unternehmen für Identity Security, hat mit FuzzyAI ein innovatives quelloffenes Framework vorgestellt, das bislang für jedes getestete KI-Modell einen Jailbreak gefunden hat.

Es hilft Unternehmen, Schwachstellen in ihren KI-Modellen zu identifizieren und zu beheben, etwa das Umgehen von Guardrails oder die Generierung von schädlichen Inhalten. FuzzyAI lässt sich auf alle KI-Modelle anwenden, die in der Cloud und intern gehostet werden. Auf der Black Hat Europe 2024 hat CyberArk die Fähigkeiten des Tools demonstriert.

KI-Modelle sind die Basis für innovative Anwendungen zur Interaktion mit Kunden sowie zur Verbesserung und Automatisierung interner Prozesse. Sie transformieren die Wirtschaft, doch der Einsatz der Modelle geht mit neuen Herausforderungen im Sicherheitsbereich einher, auf die die meisten Unternehmen nicht vorbereitet sind.

FuzzyAI hilft ihnen, diese Herausforderungen zu bewältigen, indem es einen systematischen Ansatz für das Testen von KI-Modellen gegen verschiedene gefährliche Eingaben liefert. Auf diese Weise deckt es potenzielle Schwächen in den Sicherheitssystemen des Modells auf und macht die Entwicklung und die Bereitstellung von KI sicherer. Herzstück von FuzzyAI ist ein sogenannter Fuzzer – ein Tool, das Software-Defekte und Software-Schwachstellen aufspürt. Es versteht sich auf mehr als zehn verschiedene Angriffstechniken, vom Umgehen ethischer Filter bis hin zur Aufdeckung versteckter System-Prompts.

Die wichtigsten Funktionen von FuzzyAI sind:

Umfassendes Fuzzing: FuzzyAI testet KI-Modelle mit verschiedenen Angriffstechniken, um Schwachstellen zu entdecken, etwa das Umgehen von Guardrails, Informationslecks, Prompt Injections oder die Generierung schädlicher Inhalte.

Erweiterungsmöglichkeiten:

Unternehmen und Forscher können das Framework um eigene Angriffsmethoden erweitern, um die Tests auf domänenspezifische Schwachstellen zuzuschneiden.

Zusammenarbeit in der Community:

Eine wachsende Community sorgt für eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Angriffstechniken und Abwehrmechanismen.

„Der Start von FuzzyAI unterstreicht das Engagement von CyberArk für KI-Sicherheit und bringt Unternehmen einen großen Schritt weiter beim Beheben von Sicherheitsproblemen, die mit der zunehmenden Nutzung von KI-Modellen einhergehen“, betont Peretz Regev, Chief Product Officer bei CyberArk. „FuzzyAI wurde in den CyberArk Labs entwickelt und hat seine Fähigkeit, einen Jailbreak in jedem getesteten Modell zu finden, bereits unter Beweis gestellt. Damit versetzt es Unternehmen und Forscher in die Lage, Schwachstellen zu identifizieren und KI-Systeme aktiv gegen neue Bedrohungen zu stärken.“

-PM CyberArk-

 

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Innovative Partnerschaft zwischen Rosenbauer und der Feuerwehr von Dallas bringt PANTHER 6x6 electric auf den Flughafen Dallas Love Field

Rosenbauer America und die Feuerwehr von Dallas gehen eine innovative Partnerschaft ein, deren Ziel die gemeinsame Weiterentwicklung des PANTHER 6x6 electric bis zur Serienproduktion ist.

Das Vorserienfahrzeug wird Mitte 2025 ausgeliefert und am Flughafen Dallas Love Field (DAL) im Einsatz sein, wodurch dieser als erster Flughafen einen PANTHER 6x6 electric erhält.

Als Kooperationspartner übernimmt das Dallas Fire-Rescue Department eine wichtige Rolle. Im Rahmen der ca. 6-monatigen Testphase wird das Fahrzeug auf Herz und Nieren geprüft. Getestet werden beispielsweise die Integration in den Einsatzalltag, Leistungsfähigkeit im Vergleich zur aktuellen Fahrzeugflotte und die Funktionalität im Trainingsbetrieb. Die gewonnenen Erkenntnisse werden an das Produktteam weitergeleitet und fließen direkt in die Entwicklung ein. Nach Abschluss der Testphase wird der PANTHER 6x6 electric als reguläres Einsatzfahrzeug in die Flotte übernommen.

„Das Dallas Fire Rescue Department ist stolz und freut sich über die Möglichkeit, mit Rosenbauer bei der Entwicklung neuer und nachhaltiger Technologien zusammenzuarbeiten, die dazu beitragen werden, unseren CO2-Fußabdruck zu verringern und gleichzeitig die Sicherheit unserer Einwohner sowie der Millionen von Reisenden, die jedes Jahr über den Flughafen Dallas Love Field fliegen, zu gewährleisten“, sagt der Interimsleiter der Feuerwehr, Justin Ball.

Sebastian Wolf, CEO von Rosenbauer International, sagt: „Mit dem PANTHER 6x6 electric setzen wir einen neuen Maßstab in Hinblick auf die Performance und die Reduktion von Emissionen im Bereich der Flughafenlöschfahrzeuge. Wir sind stolz, gemeinsam mit dem Dallas Fire-Rescue Department diese neue Technologie zu erproben und in den Einsatz zu bringen.“

Das Dallas Fire-Rescue Department (DFR) ist für den Brandschutz und die medizinische Notfallversorgung der Stadt Dallas verantwortlich und somit auch für den Fuhrpark des Flughafens Dallas Love Field, wo der PANTHER 6x6 electric in der DAL ARFF Station 21 zum Einsatz kommen wird. Die Luftfahrtabteilung der Stadt Dallas achtet besonders auf Nachhaltigkeit und plant bis 2040 emissionsfrei zu sein. Um dies zu erreichen, wird die dort vorhandene Feuerwache im Rahmen des Projektes „DAL ARFF Station 21 Replacement“ neu konzipiert und gebaut. Die neue Feuerwache soll nicht nur modern und optimal positioniert sein, um Einsatzzeiten zu minimieren, sondern wird auch auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit ausgerichtet sein. Dazu gehört es auch die Flottenfahrzeuge nach und nach durch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zu ersetzen.

„Wir freuen uns, mit der Feuerwehr von Dallas und dem Flughafen Dallas Love Field als Partner zusammenzuarbeiten, um den PANTHER 6x6 electric weiter voranzubringen. Erkenntnisse aus realen Betriebsbedingungen mit dem Flughafen Dallas Love Field werden dabei in die Optimierung des Fahrzeugs miteinfließen. Dies ebnet den Weg für Flughäfen, ihren CO2-Fußabdruck in Zukunft durch den Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge weiter zu reduzieren“, sagt Andreas Zeller, Vertriebsvorstand von Rosenbauer International.

Im Mai 2024 hat Dallas Love Field seinen Status der Kohlendioxidneutralität weiter ausgebaut und das Niveau 4 – Transformation im Airport Carbon Accreditation (ACA) Programm erreicht. Damit wurde DAL, die verkehrsreichste Flughafendrehscheibe in den USA, zu einem von nur fünf Flughäfen im Land und zu einem von zwei Flughäfen in Texas, die im Programm auf Niveau 4 oder höher zertifiziert sind. Die selbstfinanzierte städtische Einrichtung bediente 2023 über 17,6 Millionen Passagiere, die höchste Zahl in ihrer Geschichte, und finanziert auch diese innovative Entwicklung alleine. Im Durchschnitt finden am Flughafen täglich 675 Flugzeugoperationen statt, was ihn zu einem der verkehrsreichsten Flughäfen für Privatflugzeuge macht. Diese hohe Aktivität verdeutlicht die Notwendigkeit für eine hochmoderne Sicherheitsinfrastruktur und schnelle Reaktionszeiten im Notfall.

„Nachhaltigkeit und Sicherheit haben oberste Priorität für Flughafen Dallas Love Field. Die Einsatzbereitschaft unseres Partners, Dallas Fire-Rescue, ist dabei unentbehrlich für den Flughafenbetrieb. Mit der Anschaffung des PANTHER 6x6 electric hoffen wir, die Einsatzkräfte mit einem einzigartigen Arbeitsmittel auszustatten, das zur Lebensrettung und unserem Bekenntnis zu Energieeffizienz und Reduktion von Emissionen beiträgt“, sagt Patrick Carreno, Direktor von Dallas Love Field.

Neben dem Vorserien-PANTHER 6x6 electric für Dallas wurden drei Prototypen am Standort Leonding (Österreich) produziert und getestet. Seit Anfang Oktober 2024 können Notfallorganisationen den neuen PANTHER 6x6 electric bestellen. Erste Vorserienfahrzeuge könnten bereits zum Jahresende 2025 ausgeliefert werden.

PANTHER 6x6 electric

Mit dem PANTHER 6x6 electric steht ein weiteres Rosenbauer-Löschfahrzeug zur Verfügung, um Feuerwehren in ein neues Zeitalter zu begleiten. Im Jahr 2022 präsentierte Rosenbauer auf der Weltleitmesse Interschutz in Hannover ein seriennahes Konzeptfahrzeug des PANTHER 6x6 electric.

Wie die Modelle mit Verbrennungsmotor verfügt der PANTHER 6x6 electric über eine hervorragende Performance. Er beschleunigt rein elektrisch in unter 25 Sekunden von 0 auf 80 km/h. Im sogenannten „Boost Modus“ kann diese Fahrzeugbeschleunigung sogar unter 20 Sekunden erreicht werden. Ein niedriger Fahrzeugschwerpunkt und ein perfekt auf die Anwendung abgestimmtes Fahrwerk sorgen zudem in jeder Situation für eine herausragende Fahrdynamik. Zudem kann die Löschwasserpumpe bei Volllast (9.000 l/min) rein-elektrisch betrieben werden.

Die von Rosenbauer eigens für den PANTHER 6x6 electric entwickelte E-Antriebsplattform mit den dazugehörigen Hochvoltbatterien liefert ausreichend Energie für die zwei- bis dreiminütige Anfahrt zum Einsatzort, das Ausbringen des gesamten Löschmittelvorrats und die Rückfahrt gemäß den Vorgaben der International Civil Aviation Organisation (ICAO) bzw. der Federal Aviation Administration (FAA). Erste Tests mit den Prototypen zeigen, dass mit einer Batterieladung mehrere derartige Einsatzfahrten- oder Bewegungsfahrten absolviert werden können.

Das Flughafenlöschfahrzeug kombiniert Sicherheit und Funktionalität aus der aktuellen Generation mit den Vorteilen der Elektromobilität wie einer Reduktion von Lärm und Emissionen. Neben der Erfüllung von weltweit gültigen Normen und Flughafenanforderungen, wie ICAO, NFPA 414/1900 oder FAA, soll der PANTHER 6x6 electric die Flughafenbranche unterstützen ihren CO2 Fußabdruck effektiv zu reduzieren.

Der PANTHER 6x6 electric kann sowohl mit Gleich- als auch mit Wechselstrom geladen werden und hat eine maximale Ladeleistung von bis zu 300 kW (DC). Somit steht das Fahrzeug schon nach weniger als 20 Minuten wieder für den nächsten elektrischen Einsatz bereit. Zur Unterstützung und als Rückfallebene ist im Fahrzeug ein Energy Backup System verbaut, welches das bei erhöhter Leistungsanforderung oder für Dauereinsätze bereitsteht und somit die uneingeschränkte Einsatzfähigkeit des Fahrzeugs sicherstellt.

Rosenbauer ist überzeugt, dass der PANTHER 6x6 electric deutlich über 90 % seiner täglichen Aufgaben, einschließlich Einsätzen und Übungen, rein elektrisch bewältigen kann. Entwickelt als kompromisslos leistungsstarkes Flughafenlöschfahrzeug, bietet er den Einsatzkräften eine umweltfreundliche und gleichzeitig effizientere Arbeitsumgebung. Mit dem PANTHER 6x6 electric setzt Rosenbauer einen neuen Maßstab in der Verbindung von Leistung und Nachhaltigkeit.

-PM Rosenbauer International AG-

 

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2025 wird der Cyberkrieg eskalieren

Robuste Cybersicherheit ist für die nationale Sicherheit Deutschlands unverzichtbar

Von John Kindervag, Chief Evangelist bei Illumio

In einer zunehmend digitalisierten Welt wird die Ausweitung der Cyberkriegsführung zu einer ernsten Bedrohung für nationale Sicherheit und lebenswichtige Systeme.

Regierungen und Organisationen stehen vor einer entscheidenden Herausforderung: der Entwicklung robuster Cybersicherheitsstrategien. Der eskalierende Cyberkrieg bedroht lebenswichtige Systeme und nationale Sicherheit.

Der Cyberkriegs wird eskalieren und nationalstaatliche Akteure werden verstärkt Behörden und Kritische Infrastruktur in Deutschland angreifen. Diese wachsende Bedrohung verwischt zunehmend die Grenzen zwischen konventioneller Kriegsführung und Cyberangriffen und schafft ein komplexes Schlachtfeld, auf dem Cyberoperationen ebenso schwerwiegende Folgen haben können wie konventionelle militärische Aktionen. Die Dringlichkeit, robuste Cybersicherheitsmaßnahmen zum Schutz lebenswichtiger Systeme und zur Wahrung der nationalen Sicherheit zu schaffen, ist jetzt größer als je zuvor.

Strategischer Shift für höhere Sicherheit staatlicher Netzwerke

Zero Trust wird im Jahr 2025 weiterhin als Polarstern für Cybersicherheitsstrategien dienen. Weltweit werden immer mehr Organisationen Zero-Trust-Prinzipien übernehmen, um ihre Security Frameworks zu optimieren. Denn sie brauchen mehr Visibilität in und Kontrolle über ihre Netzwerke. Dieser strategische Wandel kommt durch die Notwendigkeit, sogenannte Advanced Persistent Threats (APTs), die die nationale Sicherheit gefährden, wirksam zu bekämpfen. Infolgedessen werden Zero Trust und Technologien zur Eindämmung von Sicherheitsverletzungen zu den zentralen Säulen für die Verbesserung der Cyberresilienz in staatlichen Netzwerken und darüber hinaus.

Ein Weckruf für Deutschland

Die Ausweitung der Cyberkriegsführung macht Cybersicherheit vom Randthema zur Grundvoraussetzung für nationale Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität. Eine starke Fokussierung auf Cyberresilienz ist für die Sicherheit Deutschlands unverzichtbar. Der Implementierung von robusten Sicherheitsmaßnahmen muss höchste Priorität eingeräumt werden – sofort und von den relevanten Akteuren aus dem öffentlichen und privaten Sektor.

 

Enge Kooperation zur Interschutz und darüber hinaus: vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner (li.) und LFV-NDS-Präsident Olaf Kapke.
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INTERSCHUTZ: LFV-NDS und vfdb beschließen enge Kooperation

Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) und der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen (LFV-NDS) haben eine enge Kooperation für die Vorbereitungen und Durchführung der INTERSCHUTZ 2026 vereinbart.

Die vfdb ist Träger des ideellen Teils der Weltleitmesse in Hannover und fokussiert vor allem auf ehrenamtliche und gemeinnützige Vereine und Organisationen. Die nächste INTERSCHUTZ findet vom 1. bis 6. Juni 2026 in Hannover statt.

Durch die Zusammenarbeit erhält die vfdb in Hannover mit dem LFV-NDS eine lokale Vertretung und kann gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband die Messe optimal vorbereiten und weiterentwickeln. Vertreter der vfdb wird Thomas Ruß, der aus dem LFV-NDS heraus die vfdb vor Ort vertritt.

Bei der Vertragsunterzeichnung am Sitz der vfdb in Münster beschlossen die beiden Präsidenten Olaf Kapke (LFV-NDS) und Dirk Aschenbrenner (vfdb), zukünftig auch über die Veranstaltung in Hannover hinaus intensiver zusammenarbeiten zu wollen. „Wir haben viele gemeinsame Berührungspunkte und Interessen und können davon nur profitieren“, sagt der LFV-Präsident. Das unterstreicht auch vfdb-Präsident Aschenbrenner: „Ziel ist es, das vorhandene Know-how noch stärker zu bündeln und zusammen mit dem LFV-NDS zusätzlich neue Impulse zu generieren.“

Mit der Vertragsunterzeichnung, an der auch LFV-Geschäftsführer Michael Sander und vfdb-Generalsekretär Roman Peperhove teilnahmen, konnten die Weichen für eine erfolgreiche Fortführung der Messe aus Sicht der vfdb gestellt werden. Der langjährige Interschutzbeauftragte der vfdb, Matthias Ludwig, wird zukünftig noch enger mit dem Ansprechpartner der vfdb beim LFV, Thomas Ruß, zusammenarbeiten. Schon seit 2019 hat Matthias Ludwig seinen Nachfolger kontinuierlich auf die neue und umfangreiche Aufgabe vorbereitet.

Thomas Ruß war bereits zur Interschutz 2022 mit dem Messeauftritt der niedersächsischen Feuerwehren und insbesondere mit dem Deutschen Feuerwehrtag 2022 in Hannover betraut. Er ist seit mehr als 40 Jahren im Brandschutz aktiv und von Beruf Schornsteinfegermeister. Seit August gehört Ruß hauptamtlich dem Landesfeuerwehrverband Niedersachsen an. Ehrenamtlich ist er bereits seit der Kindheit Mitglied der Feuerwehr und war sowohl Ortsbrandmeister als auch bis zum Frühjahr 2024 Kreisbrandmeister. Bis November war Thomas Ruß Verbandsvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis.

-PM vfdb-

 

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Cybersicherheitsstrategie

Meine Lehren aus Bletchley Park

Von Dr. Martin J. Krämer, Security Awareness Advocate bei KnowBe4

Viele – zu viele – Unternehmen konzipieren und planen ihre Cybersicherheitsstrategie nach wie vor sehr starr, konzentrieren sich dabei überwiegend auf den Einbau, die Erweiterung und Optimierung rein technischer Lösungen.

Betrachtet man diese Strategie einmal aus historischer Perspektive, dann drängt sich rasch ein Vergleich zur französischen Maginot-Linie auf. Man glaubt, sämtliche potenziellen Ansatzpunkte des Gegners zu kennen, errichtet, basierend auf dem aktuellen Stand der Technik an Land ein übermächtiges Bollwerk, erweitert und optimiert es und erwartet dann passiv den Zug des Gegners. Am Ende steht dann meist eine beeindruckende, aber letztlich ungenügende Verteidigungsstellung – die im Fall Frankreichs zu starr, für den dynamischen Vorstoß der mobilen deutschen Armee war. Frankreich wurde besetzt. Und dennoch: wenn es um ihre Cybersicherheitsstrategie geht, verfolgen heute viele – zu viele – Unternehmen immer noch genau diese Strategie. Sie investieren massiv in die Implementierung der neuesten Sicherheitstechnologien, um sich eine scheinbar uneinnehmbare digitale Festung zu errichten. Kommt es dann zum Angriff, scheitern sie – wie die Franzosen. Ihre Verteidigungsmaßnahmen sind zu starr, nicht anpassungsfähig genug und vernachlässigen den menschlichen Faktor.

Dabei gäbe es durchaus einen Ansatz, der weit mehr Erfolg verspricht – und dies in der Geschichte auch schon unter Beweis gestellt hat. Die Rede ist von der Funkabhörstelle Bletchley Park. 1939 kam hier, unter Leitung von Alan Turing, eine Gruppe Mathematiker, Historiker, Linguisten und Schachmeister zusammen, um den Enigma-Code der Deutschen zu knacken – mit Erfolg. Dank des Einblicks, den Briten nun in deutsche Funksprüche nehmen konnten, gelang es der Royal Airforce den Sieg in der Luftschlacht um England zu erringen, konnte die Royal Navy die Versorgungsrouten der Alliierten anpassen und proaktiv gegen die deutsche U-Bot-Flotte vorgehen. Es gelang den Briten in der Luft und zu Wasser, worin die Franzosen an Land gescheitert waren: die Entwicklung und Implementierung einer dynamischen, einer anpassungsfähigen, einer erfolgreichen Abwehrstrategie. Das Fundament dieses Erfolgs: unzählige Experten, die Erfahrungen und Ideen aus den unterschiedlichsten Feldern und Bereichen in die Code-Dechiffrierung einbrachten und ein nahezu unbegrenztes Reservoir verschlüsselten deutschen Nachrichtenmaterials, das zur Erkennung von Mustern herangezogen werden konnte.

Tatsächlich bietet das Beispiel Bletchley Park einige wertvolle Erkenntnisse, aus denen sich Lehren für die Einrichtung einer effektiven Cybersicherheitsstrategie – und den Aufbau einer starken Cybersicherheitskultur – ableiten lassen:

Zunächst einmal, dass Cybersicherheit keine Disziplin ist, die ausschließlich Cyberabwehrexperten vorbehalten sein sollte. Unternehmen sollten stets darauf achten, sämtliche Mitarbeiter in ihre Cybersicherheitsstrategie mit einzubeziehen. Einer der zentralen Schlüssel beim Knacken des Enigma-Codes war die Fähigkeit des Wissenschaftler-Teams, Muster zu erkennen. In ähnlicher Weise muss und kann allen Mitarbeitern durch regelmäßige Schulungen beigebracht werden, potenzielle Bedrohungen zu erkennen und rechtzeitig zu melden.

Dann, dass Cybersicherheitsstrategien nicht starr, sondern fluide zu sein haben. So wie die Codebrecher in Bletchley Park ihre Techniken und Methoden immer wieder erneuerten und anpassten, um zum ersehnten Ziel zu gelangen, müssen auch Cybersicherheitsstrategien kontinuierlich weiterentwickelt, an die Strategien und Taktiken der Angreifer angepasst werden.

Und schließlich: dass es zwingend einer Kultur der offenen Kommunikation bedarf. Die gab es auch in Bletchley Park. Mitarbeiter müssen sich problemlos an die Sicherheitsabteilung ihres Unternehmens wenden können, um schnelles und effektives Feedback erhalten, sollten sie einmal etwas Verdächtiges bemerken.

Berücksichtigen Unternehmen diese drei einfachen Lehren aus Bletchley Park bei der Konzipierung ihrer Cybersicherheitsstrategie, können sie eine dynamischere und damit effektivere Verteidigung kreieren. Der Wechsel von einem technologiezentrierten Ansatz zu einem Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt rückt, eröffnet ihnen die Möglichkeit eine Sicherheitskultur zu etablieren, die zahlreiche Schwachstellen rein technologischer Lösungen eliminiert. In den heutigen Zeiten von Phishing, Spear Phishing und Social Engineering werden nicht diejenigen Unternehmen die sichersten sein, die die fortschrittlichsten technologischen Lösungen zum Einsatz bringen, sondern diejenigen, denen es am besten gelingt, ihre gesamte Belegschaft erfolgreich in ein kollaborierendes Sicherheits-Ökosystem einzubinden.