Räuber, Schmuggler und Piraten
Polizeigeschichte Hongkongs
Von Werner Sabitzer
Kurz nach der Übernahme der chinesischen Insel Hongkong stellten die britischen Kolonialherren eine 32 Mann starke Polizeitruppe auf. Heute gibt es in Hongkong nahezu 28.400 Polizistinnen und Polizisten.
Während des ersten „Opiumkrieges“ besetzten britische Truppen am 26. Januar 1841 die chinesische Insel Hongkong. Am 29. August 1842 wurde die Qing-Regierung gezwungen, mit Großbritannien den Vertrag von Chuenpi abzuschließen und die Insel Hongkong an die Briten abzutreten.
Drei Monate nach der Übernahme Hongkongs setzte der britische Befehlshaber auf Hongkong, Hauptmann Charles Elliot, den Offizier William Caine als für Recht und Ordnung zuständigen Verwaltungschef auf der Insel ein. Damals lebten dort etwa 6.000 Chinesen, ihre Haupteinnahmequellen waren Fischerei, Landwirtschaft und Piraterie. Hauptmann Caine stellte 32 Soldaten, die für den Militärdienst nicht mehr geeignet erschienen, zu einer für die innere Sicherheit zuständigen Truppe zusammen. Da die britischen und indischen Angehörigen dieser Polizeitruppe nicht Kantonesisch sprachen, stellte Caine Mitte 1842 auch einen chinesischen Truppenteil auf. Polizeichef Caines Sitz war eine Baracke, die bald darauf in ein Gefängnis umgebaut wurde. Kurz darauf entstanden Polizeistationen im Zentrum sowie im Fischerdorf Stanley, um von dort aus die Piraterie besser bekämpfen zu können.
Polizeiorganisation seit 1844
1844 gilt als das Geburtsjahr der Polizei in Hongkong. Die Armeeoffiziere Haly und Bruce wurden zu Polizeichefs bestellt und am 1. Mai 1844 trat die erste Polizeiverordnung in Kraft. Aus England wurden erfahrene Polizisten rekrutiert. Gleichzeitig wurde das Rechtssystem reorganisiert und ein Oberster Gerichtshof sowie ein Generalanwalt eingerichtet. William Caine, inzwischen zum Major befördert, wurde Chef für die internen Angelegenheiten, er war zuständig für die Polizei, das Verwaltungsgericht und das Gefängnis.
Piraten, Räuber, Diebe und Schmuggler machten damals Hongkong unsicher; die britische Herrschaft ging nicht besonders freundlich mit den chinesischen Bewohnern um. Im Oktober 1842 wurde eine nächtliche Ausgangssperre ab 23 Uhr verhängt. Sie wurde später abgeändert: Nach Einbruch der Dunkelheit mussten Chinesen eine Lampe mit sich führen, wenn sie außer Haus gingen und sie mussten um 22 Uhr wieder zu Hause sein.
Im März 1845 wurde Charles May, Offizier der Londoner Metropolitan Police, zum ersten „Superintendent of Police“ bestellt. Seine beiden Kollegen, die mit ihm nach Hongkong gekommen waren, erhielten als „First Inspectors“ ebenfalls Leitungspositionen.
Polizeichef May erweiterte das Polizeikorps auf 168 Mann – Chinesen, Europäer und Inder. Die Zahl der Bewohner stieg stark an und nach Ausbruch der Taiping Rebellion in Südchina 1850 flüchteten Tausende Chinesen nach Hongkong. Im Dezember 1856 wurde eine Verordnung erlassen, nach der Chinesen zwischen 20 und 22 Uhr eine Öllampe und einen von der Polizei ausgegebenen Nachtpass mitführen mussten. Die nächtliche Ausgangssperre machte Hongkong etwas sicherer, hemmte aber die wirtschaftliche Entwicklung. Sie wurde erst anlässlich des 60. Thronjubiläums der Königin Victoria im Jahr 1897 aufgehoben.
May ließ weitere Polizeistationen errichten. Nach der Annexion der Halbinsel Kowloon 1860 entstanden auch hier Dienststellen. Bis 1869 wurden neun Polizeistationen errichtet, drei von ihnen bestehen noch heute.
„Bombay Sepoys“
1862 folgte Polizeichef Charles May William Caine als Chef der inneren Verwaltung nach und neuer Polizeichef wurde William Quin, ein ehemaliger Armeeoffizier. Er rekrutierte viele Inder für die Polizei. Seine „Bombay Sepoys“ entsprachen aber nicht den Erwartungen, sodass sie nach und nach von Sikh-Angehörigen aus dem Punjab ersetzt wurden. 1867 bestand die Polizeitruppe aus fast 600 Männern, zwei Drittel davon aus Indien. Quins Nachfolger Walther Meredith Deane stand ab 1867 der Polizei 25 Jahre lang vor. Er sprach auch Kantonesisch und initiierte Sprachkurse für die Polizisten, die aber das Lernangebot nicht im erhofften Ausmaß annahmen.
Nach einem starken Anstieg der Kriminalität wurde 1870 ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, bestehend aus acht prominenten Europäern. Die Ausschussmitglieder schlugen unter anderem die Einrichtung eines Kriminalbeamtenkorps und eine Gehaltserhöhung für die Polizisten vor, ebenso mehr Anreize für die britischen und indischen Polizisten, Kantonesisch zu lernen. Als Problem wurden die gesellschaftlichen Barrieren zwischen chinesischen und britischen Polizisten angesehen.
1892 machte Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand auf seiner Weltreise in Hongkong Station. In seinem Tagebuch vermerkte er über die Polizei in Hongkong, sie „scheint in Versehung ihres Dienstes sehr streng zu sein, da man die Stöcke der Polizisten häufig in unsanfte Berührung mit dem Rücken oder dem rasierten Kopf eines Chinesen gerathen sieht.“
Polizeichef Francis Henry May
1893 übernahm Francis Henry May das Kommando über die Polizei in Hongkong. Nach dem Ausbruch einer Beulenpest-Epidemie mit Tausenden Toten verließen viele Bewohner die britische Kolonie. Polizisten und Soldaten unterstützten bei der Beerdigung der Pesttoten und der Evakuierung von Bewohnern. Polizeichef May war auch Mitglied des Sanitätsausschusses und mitverantwortlich für Maßnahmen, um die Epidemie einzudämmen. In Mays Amtszeit fielen die Auseinandersetzungen mit Aufständischen auf den New Territories, die 1898 von den Briten übernommen wurden. Für die neuen Polizei- und Grenzstationen auf den New Territories wurden zwischen 1898 und 1900 weitere 300 Polizisten aufgenommen, mehr als ein Drittel davon aus Europa. Mays Tätigkeit als Polizeichef und während der Pestepidemie wurde gewürdigt: Er erhielt ein Ministeramt, wurde Gouverneur auf den Fidschi-Inseln und 1912 kehrte er als Gouverneur nach Hongkong zurück. Kurz nach seiner Rückkehr schoss ein Chinese auf May, verfehlte ihn aber. Das Motiv des Täters: May hatte dessen Vater festnehmen lassen.
Während des Ersten Weltkriegs kehrten viele britische Polizisten in ihre Heimat zurück, um sich der Armee anzuschließen. 1915 entstand in Hongkong eine Spezialpolizeireserveeinheit, bestehend aus drei Kompanien mit britischen, indischen, chinesischen und portugiesischen Polizisten. Als am 17. Juli 1918 ein indischer Polizist des Diebstahls bezichtigt wurde, erschoss er seinen Senior Sergeant und verübte Selbstmord.
Polizeiausbildungszentrum
1920 wurde ein neues Polizeiausbildungszentrum eröffnet. Neben den üblichen polizeilichen Fächern und dem Körpertraining gab es auch Kantonesisch-Unterricht.
In der Zwischenkriegszeit gab es einen weiteren starken Anstieg der Kriminalität. Ein Matrosenstreik 1922 und ein Generalstreik 1925 bedeuteten weitere Herausforderungen für die Polizei. Die Arbeitskonflikte führten zu einem Handelsboykott und über 50.000 Menschen verließen Hongkong innerhalb weniger Wochen.
1923 nahm eine neue kriminalpolizeiliche Ermittlungsabteilung ihre Arbeit auf. Die Kriminalpolizisten spielten eine wesentliche Rolle zur Beendigung des Generalstreiks. Die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgelöste Spezialpolizeireserve wurde wieder eingerichtet. Die heutige Hilfspolizei in Hongkong ist Nachfolgerin dieser Einheit.
1927 entstand eine schnelle Eingreiftruppe für Einsätze bei Ausschreitungen, zur Bekämpfung der Schwerkriminalität und zur Unterstützung bei Naturkatastrophen.
Piraten
Die Bekämpfung der Piraterie in Hongkongs Gewässern erfolgte hauptsächlich von der Armee. Als diese sich dazu nicht mehr in der Lage sah, wurde 1930 die Polizei mit dieser Aufgabe betraut. Die Sicherheitsbehörden stellten eine Spezialtruppe zusammen und rekrutierten dafür Männer aus Nordchina, Indien und Weißrussland. Die großen Reedereien beteiligten sich an den Kosten für die Anti-Piraterietruppe.
Thomas Henry King, Hongkongs Polizeichef ab 1934, führte die Funktionsbezeichnung „Inspector-General of the Police“ und ab 1938 „Commissioner of Police“. Er hatte 1923 die Kriminalpolizei aufgestellt und war ihr erster Kommandant. Als Polizeichef sorgte er dafür, dass Chinesen in höhere Polizeiränge aufsteigen konnten.
Opiumhandel
In den 1930er-Jahren wurde der Opiumhandel zu einem größeren Problem in Hongkong. Ab 1932 war die Regierung für die Kontrolle des Opiumhandels zuständig und es gab lizenzierte Händler, aber der Schwarzmarkt uferte aus. Zudem stieg die Nachfrage nach Heroin. Während für Opiumschwarzhändler lediglich Geldstrafen vorgesehen waren, wurde schon der Besitz von Heroin mit Gefängnis bestraft. Die Heroinpakete trugen eine „Handelsmarke“, die für Qualität bürgen sollte, wie „Trade Mark Lucky Brand“, „Yong Yee Product“ und „Deer Brand“.
Japanische Invasion
Als 1937 die Japaner China überfielen, flüchteten Tausende Festlandchinesen nach Hongkong. Es entstanden Flüchtlings- und Internierungslager, für die der Polizeichef zuständig war. 1938 wurden Notverordnungen erlassen und die Polizei erhielt Sonderrechte. Unter anderem wurden bestimmte Veranstaltungen untersagt sowie chinesische Zeitungen und andere Druckwerke zensuriert. Als sich 1941 japanische Besatzungstruppen an der Grenze zur britischen Kolonie formierten, wurde die Polizeireserveeinheit angefordert und eine neue Spezialeinheit aufgestellt. Dazu kam eine Freiwilligentruppe.
Im April 1941 übernahm John Pennefather-Evans aus Singapur das Amt des Polizeichefs in Hongkong. Die Bedrohung durch die japanischen Truppen führte zu einer Reihe von neuen Polizeiverordnungen und anderen Maßnahmen. Am 8. Dezember 1941 begann die japanische Invasion Hongkongs. Die Polizeikräfte zogen sich aus den New Territories und aus Kowloon auf die Insel Hongkong zurück. Das Polizeidirektionsgebäude wurde von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Bei den Kämpfen starben 87 Polizisten und Polizeihilfskräfte. Nach der Kapitulation internierten die Japaner die aus Europa stammenden Polizisten und ihre Familienmitglieder in einem Lager in Stanley. Ein Teil der chinesischen Polizisten zog auf das Festland und ein anderer Teil diente den japanischen Besatzern. Sieben in Stanley internierte Polizisten wurden von den Japanern wegen Widerstandsaktivitäten und Besitz eines Radios hingerichtet, darunter der ehemalige stellvertretende Polizeichef von Hongkong, Walter Scott. Fünf weitere Polizisten starben an den Folgen der mangelnden Ernährung im Lager und 15 Internierte kamen ums Leben, als amerikanische Flugzeuge Stanley bombardierten.
Wiederaufbau nach 1945
Nach der Befreiung Hongkongs waren viele der internierten Polizisten gesundheitlich nicht mehr in der Lage, sofort wieder den Polizeidienst anzutreten. Der Wiederaufbau der Polizei war schwierig. Viele Polizeistationen waren verwüstet, fast alle Berichte waren nicht mehr auffindbar und jene chinesischen Polizisten, die unter dem japanischen Regime gedient hatten, genossen nicht mehr das Vertrauen der Polizeiführung.
Viele neue Polizisten wurden eingestellt, darunter einige von der Stadtpolizei Shanghai. Das Polizeiausbildungszentrum wurde wiedererrichtet und aus Indien stammende Polizisten wurden nach und nach durch Chinesen ersetzt. Hongkongs neuer Polizeichef Duncan William MacIntosh sorgte für mehr Disziplin und Effizienz und er ließ eine Reihe von Polizei- und Grenzstationen errichten.
Nach Maos Sieg im chinesischen Bürgerkrieg 1949 flüchteten viele Festlandchinesen nach Hongkong. Es entstanden Armutsviertel. Zu Wohnungsknappheit und Arbeitslosigkeit gesellte sich ein Anstieg der Gewaltkriminalität; bewaffnete Raubüberfälle waren alltäglich. Es kam öfters zu Schusswechseln zwischen Polizisten und Räubern, zwischen 1948 und 1951 wurden elf Polizisten von bewaffneten Bandenmitgliedern ermordet. Im Oktober 1956 kam es zu Unruhen, Triaden nützten die Situation, ihren Einfluss zu verstärken. Erst nach der Mobilisierung von Polizeihilfskräften und Armee sowie einer fast einwöchigen nächtlichen Ausgangsperre konnte die Lage beruhigt werden. 59 Menschen starben bei den Unruhen. Die Polizei nahm über 6.000 Menschen fest, die meisten wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre und 740 wegen schweren Straftaten. Acht Verdächtige mussten sich wegen Mordes vor Gericht verantworten.
Nach den Unruhen wurde 1957 neuerlich eine Spezialpolizeireserveeinheit aufgestellt, die Ausbildung der Polizei verbessert und ab 1958 gab es ein Polizei-Ausbildungskontingent – mit permanent verfügbaren Kräften für Notfälle. Dieses Kontingent erhielt 1968 die Bezeichnung „Police Tactical Unit“.
Flüchtlingswellen
Im April und Mai 1962 strömten zahllose Festlandchinesen illegal nach Hongkong. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Polizeikräften. Die Polizei nahm innerhalb von sechs Wochen 64.000 illegale Einwanderer fest und versuchte, sie wieder in ihre Heimat zu schicken. Es handelte sich um die größte Einwandererwelle in der Geschichte Hongkongs. Um die illegale Migration über das Meer einzudämmen, richtete die Polizei im August 1962 eine eigene Einheit bei der Marinepolizei ein. 1965 erfolgte die Zusammenführung von Marinepolizei und Zoll zu einer neuen Organisationseinheit („Marine Police District“).
1979 begann eine weitere große Einwanderungswelle: 70.000 Vietnamesen (“Boat-Peope“) flüchteten nach Hongkong, viele von ihnen kamen in kleinen Korbbooten.
Ausschreitungen
Am Osterwochenende 1966 führte eine geplante Erhöhung des Fahrtarifs für die Star Ferry von Hongkong nach Kowloon zu Ausschreitungen. Häuser gingen in Brand auf, Geschäfte wurden geplündert und Polizeistationen mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Die Polizei setzte Tränengas ein und die Behörden verhängten eine Ausgangssperre. Es kam zu fast 1.500 Festnahmen und 115 Menschen wurden wegen schwerer Straftaten angeklagt. Im selben Jahr kam es zu langanhaltenden Auseinandersetzungen mit linksgerichteten Gruppen. Am 23. Juni 1966 griffen bewaffnete Aufständische einige Polizisten an; die Uniformierten schossen zurück, ein Angreifer und zwei Polizisten wurden schwer verletzt. Einige Aufständische flüchteten in ein Lokal einer linksgerichteten Gewerkschaft. Die Polizei stürmte das Lokal und nahm 53 Personen fest. Drei Menschen kamen bei dieser Auseinandersetzung ums Leben. Oppositionelle Gewerkschaften riefen daraufhin für den nächsten Tag zu einem Generalstreik auf. Im Laufe des Jahres kam es zu einer Reihe weiterer Attacken und Bombenanschlägen, dabei kamen zwei Polizisten ums Leben.
Eine Untersuchungskommission schlug Empfehlungen vor, unter anderem sollten die Beziehungen zwischen Polizei und Bürgern verbessert werden. Deshalb entstand im März 1968 das „Police Public Information Bureau“. Im Jahr darauf erhielten die Polizei und das Polizeihilfskorps die Berechtigung, das Prädikat „Royal“ vor ihrer Bezeichnung zu führen. Ab 1973 konnten Bewohner in 25 mobilen Polizeicontainern Anzeigen erstatten und Beschwerden einbringen. Heute sind die kleinen Container wieder aus dem Stadtbild verschwunden.
Triaden
Die Zahl der Triaden-Gesellschaften in China wird auf über 5.000 geschätzt. Die mächtigsten Triaden sind Vereinigte Wo (40.000 Mitglieder), 14K (25.000 Mitglieder) und Sun Yee On (50.000 Mitglieder). Etwa 55 bis 60 Triaden-Organisationen gibt es Hongkong, 15 bis 20 von ihnen sind laut Polizei kriminelle Organisationen. Ihre kriminellen Hauptaktivitäten sind Wirtschaftskriminalität, Sexindustrie, Menschenhandel, Drogenhandel, illegales Glückspiel und Markenpiraterie.
Triaden bestehen auch für bestimmte Branche, etwa die Triadengesellschaft der Restaurantarbeiter. An der Spitze einer Triade steht der Führer (Shan Chu) und ein Stellvertreter (Fu Shan Chu). Danach kommen Unterführer und Stellvertreter. In der Triade bestehen meist fünf Abteilungen, geführt von einem Abteilungsleiter (Chu Chi) und einem Stellvertreter (Fu Chu Chi). Neue Mitglieder werden einem Aufnahmeritual unterzogen. Es gibt vier Ränge: Kämpfer (Hung Kwan), Berater (Pak Tsz Sin), die „Stroh-Sandalen“ (Cho Hai) und die gewöhnlichen Mitglieder (Sze Kau), wobei Sze Kau für die Zahl 49 steht. Auch für die Funktionäre gibt es Zahlen: 489 ist der Chef, 415 und 426 sind „Offiziere“.
Die erste Polizistin in Hongkong war Kimmy Koh, sie versah ihren Dienst ab Dezember 1949. Im Jahr darauf wurden zehn weitere Frauen in den operativen Polizeidienst aufgenommen. 1963 wurde erstmals eine Frau zur Superintendantin befördert und ab 1977 wurde das Polizeiausbildungszentrum von einer Polizistin geleitet.
Ab 1952 versahen 154 Pakistani Polizeidienst in den New Territories. 1960 traten weitere 50 Männer aus Pakistan in den Dienst der Polizei in Hongkong.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg im Oriental Building in der Connaught Road untergebrachte Polizeizentrale zog 1954 in das neue, nach dem ersten Polizeichef „Caine House“ benannte Polizeidirektionsgebäude in der Arsenal Street.
1972 erhöhten die Verantwortlichen die Gehälter der Polizisten und führten ein neues Rang-System ein. Ein Jahr später wurde die Verkehrspolizei reorganisiert. 84 Verkehrsüberwachungsorgane wurden eingestellt, der Personalstand erhöhte sich später auf fast 280.
Am 15. September 1973 wurde auf einem ehemaligen Armeecamp die Polizeikadettenschule offiziell eröffnet, den ersten Lehrgang besuchten 146 Burschen im Alter von 15 bis 17 Jahren; sie wurden aus ca. 1.500 Bewerbern ausgesucht. Die meisten Absolventen der Polizeikadettenschule traten in den Polizeidienst über, der Rest kam zur Feuerwehr, zum Zoll oder zur Justizwache. Die Kadettenschule bestand bis März 1990.
Im November 1973 wurde auf dem Gelände der Polizeidirektion in der Arsenal Street ein neuer, 21 Stockwerke hoher Block eröffnet, das „May House“. In den 1990er-Jahren entstanden dort weitere Gebäude.
Korruptionsbekämpfung
Die Polizei verschärfte die Bekämpfung der Korruption nach einem aufsehenerregenden Fall in den eigenen Reihen. 1973 stellte sich heraus, dass ein verdienstvoller hochrangiger Polizist eine hohe Geldsumme auf einem Bankkonto hatte. Als Untersuchungen eingeleitet wurden, flüchtete der Chief Superintendent nach England. Er wurde 1974 in England verhaftet und nach Hongkong ausgeliefert, wo er wegen Korruption zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Der Fall führte zur Einrichtung einer unabhängigen Anti-Korruptions-Kommission: Die „Independent Commission Against Corruption“ (ICAC) wurde mit besonderen Ermittlungs- und Festnahmekompetenzen ausgestattet. Die Kommission forcierte auch die internationale Zusammenarbeit und die Korruption in Hongkong konnte im Lauf der Jahrzehnte stark eingedämmt werden. 2012 lag Hongkong im Index von „Transparency International“, in der die Länder nach der Korruptionsresistenz gereiht werden, bereits an der 14. Stelle, und damit vor westeuropäischen Ländern wie Belgien, Großbritannien, Frankreich und Österreich, das an die 25. Stelle abgerutscht ist.
Übergabe an China
1989 wurde mit Li Kwan Ha erstmals ein Chinese Polizeichef von Hongkong; ihm folgte 1994 mit Hui Ki On ein weiterer Chinese. Mitte der 1990er-Jahre begannen die Vorbereitungen für die Übergabe der britischen Kronkolonie Hongkong an China. Der im Juni 1898 von den Briten in Peking abgeschlossene Pachtvertrag Hongkongs, weiterer Inseln und Gebiete auf dem Festland (New Territories) für 99 Jahre lief Ende Juni 1997 ab. Das gesamte Pachtgebiet mit den „ewigen Kolonien“ Hongkong Island und Kowloon fiel mit 1. Juli 1997 an die Volksrepublik China zurück. Eine „Gemeinsame Erklärung“ zwischen Großbritannien und China vom September 1984 garantiert, dass Hongkong für 50 Jahre nach der Übernahme Sonderverwaltungsgebiet (Special Administrative Region – SAR) bleibt, mit eigenem Grundgesetz und Sozialrecht sowie einer eigenen Währung, dem Hongkong-Dollar. Außerdem wird die gut gesicherte Grenze zu China aufrechterhalten; es gibt restriktive Einreisebestimmungen. Die Volksrepublik China nimmt für Hongkong die Außen- und Sicherheitspolitik war; Hongkong hat aber eine eigene Regierung und eine eigene Flagge, die neben der chinesischen gleichberechtigt gehisst werden darf.
Neue Polizeidirektion
Im September 2004 zog die Polizeidirektion in das 42-stöckige Arsenal House ein. Zuvor war das „May House“ abgerissen worden. Das neue Hochhaus wurde für die Bedürfnisse der Polizei errichtet. Eine Herausforderung für die Sicherheit war die Hongkong Ministerial Conference der Welthandelsorganisation im Dezember 2005. Am 1. Jänner 2006 nahm das Hongkong Police College den Lehrbetrieb auf.
Polizeimuseum
Die Geschichte des Polizeiwesens ab dem Jahr 1841 wird im Polizeimuseum in der Coombe Road unterhalb des „Peak“ dargestellt – anhand von Dokumenten, Bildern, Fahrzeugen, Waffen, Ehrenzeichen, Fälscherwerkzeug, Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Ein Raum widmet sich den kriminellen Triaden, in einem weiteren Raum wird der Rauschgifthandel anhand von sichergestellten Gegenständen und anderen Exponaten dargestellt. Die Geschichte des Polizeimuseums begann im Jahr 1964. Damals sammelte ein Komitee Berichte und Gegenstände aus der Geschichte des Polizeiwesens. 1976 entstand in der ehemaligen Polizeidirektion in der Arsenal Street ein Polizeimuseum, das 1982 in ein Gebäude im Stadtteil Wan Chai umzog. Im November 1988 öffnete das Polizeimuseum in der Combee Street.
Polizei heute
In Hongkong sind derzeit rund 28.300 Polizistinnen und Polizisten beschäftigt. Dazu kommen knapp 4.700 Zivilbedienstete sowie die Mitarbeiter des Polizeihilfskorps. Commissioner of Police ist Andy Tsang Wai Hung, er wird in der Führung von zwei Stellvertretern (Deputy Commissioner) unterstützt. Ein Stellvertreter ist für den operativen Bereich zuständig, der andere für die Verwaltung, einschließlich Personalwesen und Ausbildung. Es gibt fünf Hauptabteilungen: Operatives und Unterstützung; Kriminalitätsbekämpfung und Sicherheit; Personal und Ausbildung; Managementdienste sowie Budget, Verwaltung und Planung.
Hongkong ist in sechs Polizeiregionen untergliedert: Hongkong Island, Kowloon Ost, Kowloon West, New Territories Nord, New Territories Süd und die Marine Region. Letztere hat ca. 3.000 Bedienstete und 142 Schiffe und Boote zur Verfügung. Für jede der sechs Regionen gibt es eine Polizeizentrale.
In den letzten Jahren gab es in Hongkong einen kontinuierlichen Rückgang bei der Zahl der Straftaten. 2011 wurden 17 Morde registriert; 2010 und 2009 waren es je 35.
Die Aufklärungsquote betrug im Jahr 2011 42,5 Prozent. Die Kriminalitätsbelastungsziffer (Delikte pro 100.000 Einwohner) sank von 1.081 (2010) geringfügig auf 1.074 (2011). Die Polizei beschlagnahmte 2011 169 Kilogramm Heroin, 776 Kilogramm Kokain, 46 Kilogramm Cannabis und 39 Kilogramm Methamphetamin („Ice“).
