Die an Airports eingesetzten Sprengstoffspuren-Detektoren sind in die Medienkritik geraten – ungerechtfertigt, wie das nachstehende Interview belegt. © Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Sprengstoff-Suchgeräte unter Verdacht

Schaden die Detektoren der Gesundheit?

Sprengstoffspuren-Detektor, Vertrieb durch ELP (Foto: ELP)Zum 1. September 2015 trat eine Neuregelung der EU in Kraft, die verlangt, dass an Flughäfen verstärkt stichprobenartige Kontrollen mit Sprengstoffspuren-Detektoren durchgeführt werden. Simon und Colin Weiss im Gespräch mit Sandra Schäfer. Die Geschäftsführer der ELP GmbH erklären die Funktionsweise dieser Geräte – und beschreiben, wie ihr Handelsunternehmen Hersteller und Produkte für den deutschsprachigen Markt auswählt.

 

 

Sandra Schäfer: Die Detektoren an den Flughäfen sollen mehr Sicherheit bringen, doch ersten Medienspekulationen zufolge schaden sie der Gesundheit derjenigen, die sie bedienen. Herr Simon Weiss, steckt die Entwicklung dieser Geräte noch in den Kinderschuhen?

Simon Weiss: Wir als Händler können uns die Vorfälle am Münchener Flughafen ebenso wenig erklären, wie die dortigen Beschäftigten und Sicherheitsunternehmen. An Spekulationen möchte sich die ELP GmbH jedoch nicht beteiligen. Wir haben jetzt volles Vertrauen in die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Landshut. Zu Ihrer Frage: Wir vertreiben Sprengstoff-Suchgeräte bereits seit vielen Jahren, so auch an Flughäfen. Die Detektion von Sprengstoffspuren ist integraler Bestandteil der Terrorismusbekämpfung. Sowohl die Entwicklung als auch der Einsatz dieser Geräte können auf eine lange Historie zurückblicken.

 

Sandra Schäfer: Herr Colin Weiss, wie funktionieren Sprengstoff-Suchgeräte?

Colin Weiss: Die sogenannten Explosive Trace Detectors (ETD) können bereits feinste Partikel explosiven Materials erkennen. Die Art der Detektion hängt vom Gerätetyp ab. Wir vertreiben beispielsweise Suchgeräte, die Proben mittels einer Ionenfallenmobilitätsspektrometrie (ITMS) untersuchen. Ein Verfahren, das nicht nur in der Sprengstoffdetektion, sondern auch in der Medizin zum Einsatz kommt. Frühere Gerätegenerationen setzten zur Ionisierung der Proben radioaktives Material ein. Bei den Geräten, die wir anbieten, verwendet der Hersteller hochintensives UV-Licht als Ionisationsquelle. Für die Flughäfen und Sicherheitsunternehmen ist das ein großer Vorteil, da die Betriebsvoraussetzungen hier weitaus geringer sind.

 

Sandra Schäfer: Die Hersteller tragen die Verantwortung für die sicherheitstechnische Beschaffenheit der Sprengstoff-Detektoren. Nach welchen Kriterien wählen Sie als Händler die Hersteller bzw. Produkte aus, die Sie auf dem deutschsprachigen Markt vertreiben?

Simon Weiss: Grundsätzlich kooperieren wir nur mit Herstellern, die auf ihrem Gebiet international anerkannt und marktführend sind. Die Sicherheit unserer Kunden ist uns sehr wichtig. Aus diesem Grund legen wir großen Wert auf unabhängige Gutachten, die belegen, dass die Produkte auch hohen Belastungen standhalten und die Bedienung der Geräte unbedenklich ist.

 

Sandra Schäfer: Und zu guter Letzt die Gretchenfrage: Würden Sie diese Geräte denn auch selbst bedienen?

Simon Weiss: Selbstverständlich! Das habe ich bereits mehrfach. Trotz unserer hohen Qualitätsansprüche an unsere Hersteller testen wir die Geräte zunächst selbst, bevor wir sie an unsere Kunden ausliefern. Unsere Mitarbeiter und wir haben keinerlei Symptome beobachten können. Aber das ist nur ein schwacher Trost für die erkrankten Beschäftigten am Flughafen München. In ihrem Interesse hoffen wir jetzt auf schnelle Ermittlungsergebnisse, damit die Ursache geklärt und die Erkrankten korrekt behandelt werden können.

 

Sandra Schäfer: Vielen Dank für das informative Gespräch!

 

 

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Über den Autor
Autor: Helmut Brückmann
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