Der Hauptsitz der Securitas Gruppe Schweiz in Zollikofen bei Bern

Ein Schweizer Familienunternehmen

Ein Bericht von Helmut Brückmann

Wäre das Familienunternehmen Securitas Gruppe Schweiz in Deutschland ansässig, so wäre es mit Abstand das größte Sicherheitsunternehmen – nicht bezüglich der Zahl der Mitarbeiter, wohl aber im Vergleich der Umsatzzahlen als gesamte Unternehmensgruppe.

In der Schweiz ist „Securitas“ das Synonym für private Sicherheit. Bereits vor zehn Jahren wurde von Kennern der Verhältnisse berichtet, dass Securitas über 50 Prozent des Schweizer Sicherheitsmarktes abdecke. Auch als das Unternehmen 2007 sein hundertjähriges Bestehen feierte, erhielt man keine klare Antwort auf konkrete Fragen zu dieser Sache. Heute ist das nicht viel anders. Doch ist der seit 1.1.2013 amtierende Chief Executive Officer (CEO) Armin Berchtold Mitte 2016 zu einem grundsätzlichen Gespräch über das Unternehmen gern bereit. Wir treffen uns am Hauptsitz des Unternehmens in Zollikofen bei Bern.

Die Securitas in der Schweiz wurde 1907 von Oberst Jakob Spreng (1863-1917) gegründet, sechs Jahre, nachdem in Deutschland zwei Kaufleute aus Hannover das Jakob Spreng leitete das Unternehmen von der Gründung 1907 bis 1915.erste Sicherheitsunternehmen Europas gegründet hatten, welches heute noch unter der Bezeichnung VSU Niedersächsische Wach und Schließgesellschaft Eggeling und Schorling KG firmiert, ein Familienunternehmen wie auch die Schweizer Securitas. In Deutschland ist mehr ein CEO Armin Berchtold beim Gespräch mit Veko-online.
(© VEKO)
Firmenverbund unter dem Namen Securitas bekannt, der zu dem schwedischen Konzern Securitas AB gehört, der sich mit G4S um Platz 1 der Weltrangliste streitet. Der deutsche Ableger ist durch eine Reihe von Zukäufen mit Abstand das größte Sicherheitsunternehmen hierzulande mit Hauptsitz in Berlin. In der Schweiz firmiert die schwedische Securitas unter Protectas SA, da das seit 1907 bestehende Schweizer Unternehmen Securitas natürlich nicht bereit war, auf seinen angestammten Namen zu verzichten.

Zu Beginn unserer Besprechung am Sitz der Firmenleitung in Zollikofen bei Bern stellte Armin Berchtold die gesamte Securitas Gruppe Schweiz vor, ohne groß über die Gründerzeiten zu reden oder gar über die Gründerfamilie Spreng. Ich hatte noch Gelegenheit, anlässlich einer Security in Essen den damaligen Firmenchef Manuel Spreng kennenzulernen. Als dieser 1999 starb, rückte sein Bruder Samuel an die Spitze. Er gab aus Altersgründen den Darstellung der Securitas auf einem Denar des röm. Kaisers Geta (209–211 n. Chr.)Führungsstab 2013 an Hans Winzenried weiter. Dieser wiederum übergab das operative Ruder Anfang 2013 an Armin Berchtold. Samuel Spreng und Hans Winzenried bilden heute das Präsidium des Verwaltungsrates, während mein Gesprächspartner Armin Berchtold – wie bereits erwähnt – als CEO die Unternehmensgruppe leitet.

Die Securitas AG ist von der Gründung 1907 bis heute durchgängig ein Familienunternehmen geblieben, wobei der Fokus von jeher auf dem Kerngeschäft Sicherheit liegt. Nicht umsonst hat Firmengründer Jakob Spreng die römische Göttin Securitas als Firmenbezeichnung gewählt, wird sie doch mit den drei Tugenden Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft gleichgesetzt. Unsere Abbildung zeigt Securitas auf einer römischen Münze. Bislang wird das Motiv bei der Prägung Schweizer Münzen noch nicht verwendet.

Neben den Sicherheitsdienstleistungen, die in neun selbstständigen Unternehmen erbracht werden, gibt es noch den großen Bereich der Sicherheitstechnik. Aus Anlass der Security in Essen liegt der Schwerpunkt dieses Beitrags auf der Alarm- und Sicherheitstechnik, die 15 Firmen umfasst.

Weltweit hat die Securitas Gruppe Schweiz rund 15.000 Mitarbeitende bei einem jährlichen Umsatz von etwa 1,2 Mrd. CHF (ca. 1,1 Mrd. Euro). Zum Vergleich: Der Marktführer in Deutschland, die zu dem schwedischen Sicherheitskonzern Securitas AB gehörende Securitas GmbH, meldete für 2014 einen Umsatz von 669 Mio. Euro, der von 19.300 Beschäftigten erwirtschaftet wurde. Weltweit nennt die schwedische Muttergesellschaft für 2012 einen Umsatz von 7,3 Mrd. Euro, der weltweit von 300.000 Mitarbeitern in mehr als 50 Ländern erwirtschaftet wurde.

Erwähnenswert ist es sicherlich, dass die Schweizer Securitas lediglich mit einem klassischen Sicherheitsdienstleister, der WSH GmbH, in Deutschland vertreten ist. Das Die WSH GmbH in Singen macht klassische Dienstleistungenseit 1926 bestehende Unternehmen wurde 1997 von den Schweizern übernommen. In Singen, unweit der Schweizer Grenze gelegen, hat es für mich auch die Funktion eines Brückenkopfes. Soll von hier aus der Sprung in das restliche Deutschland vorbereitet werden? Armin Berchtold winkt mit gutem Grund gleich ab: „Wir werden uns nicht mit weiteren Firmen in die Schar der deutschen Sicherheitsdienstleister einreihen. Wir sind in der Schweiz mit Abstand Leader im Bereich Sicherheitsdienstleistung. Wir sind Qualitätsleader, aber nicht Kostenleader.. Auch vom Image der Branche her trennen uns zwischen der Schweiz und z.B: den Nachbarstaaten Frankreich oder Deutschland Welten. Bei uns beträgt der Stundenlohn für einen Wachmann umgerechnet mindestens 20,30 Euro, in Deutschland wird ein ungleich tieferer Mindestlohn gezahlt. Wenn ich mir z.B. den deutschen Bewachungsmarkt anschaue, dann muss ich feststellen, dass enorme Unterschiede zur Schweiz bestehen.

Marktspezifische Überlegungen führten auch dazu, dass die Schweizer sich nach der deutschen Wiedervereinigung nicht an dem Run nach Ostdeutschland beteiligten, als viele westdeutsche Sicherheitsunternehmen dort das Eldorado vermuteten, aber nicht selten ihr Golgatha erlebten.

Natürlich betreffen die Zahlen, die Armin Berchtold nennt, nicht nur den Schweizer Wirtschaftsbereich, denn „wir sind – insbesondere mit den Technikfirmen, in den sogenannten DACH-Ländern im Geschäft. Daneben aber auch außerhalb Europas, zum Beispiel in Afrika, Amerika, China.“ Ein Übersichtskarte zeigt die weltweite Tätigkeit des Unternehmens.

Zur Zeit verfügt die Securitas Gruppe über 15 Firmen, in denen Alarm- und Sicherheitssysteme entwickelt und hergestellt werden. Darunter so bekannte Unternehmen wie

  • Schrack Seconet in Österreich mit seinen Brandmeldesystemen, Einsatzleitsystemen, Einbruchmelde- und Zutrittskontrollsystemen, Kommunikationssystemen für das Gesundheitswesen
  • Contrafeu in der Schweiz. Das Unternehmen befasst sich hauptsächlich mit Brandbekämpfung
  • Hauptsitz der Securitas Gruppe in ZollikofenSecuriton mit Firmensitzen in der Schweiz, Deutschland und Frankreich ist Hersteller und Systemanbieter professioneller Sicherheitstechnik. Hier werden in einem großen Produktsortiment unter anderem angeboten:
    • Alarmmanagementsysteme
    • Videoüberwachungssysteme
    • Brandmeldesysteme
    • Gefahrenmeldesysteme
    • Sitz der deutschen Securiton GmbH in AchernZutrittskontrollsysteme
    • Fluchttürsteuerung
    • Objekt-/Perimeterschutz
    • „Premium Private“
  • Hekatron Technik ist die zentrale Produktion der Techniksparte; hier werden Sicherheitssysteme, Brandmeldeanlagen, Einbruchmeldeanlagen etc. produziert
  • Hekatron Vertriebs GmbH ist für den indirekten Vertrieb an Errichter, Elektriker etc. in Deutschland zuständig. Das Unternehmen unterhält eines der modernsten Brandversuchslabore in Europa und bietet eines der größten Produkte- und Leistungssortimente in der Brandmeldetechnik im vorbeugenden, anlagetechnischen Brandschutz.

Armin Berchtold versteht es in knapper Sprache, die im Organigramm aufgeführten Firmen vorzustellen. Nicht ohne berechtigten Stolz weist er darauf hin, dass allein 400 Mitarbeiter für die Produktion arbeiten. Videokameras sind nicht im Produktionsprogramm: „In diesem Bereich beschäftigen wir uns nur mit Software. Es wäre bei dem Angebot an Kameras völlig falsch, wenn wir auch mit der Hardware befassen würden. In dieser Frage setzen wir auf die großen Hersteller wie Axis, bei denen wir Goldpartner sind. Im Themenbereich Video setzen wir schwerpunktmäßig auf Videoanalyse. Dafür haben wir vor ein paar Jahren die Firma IPS in München gekauft und in Securiton Deutschland integriert.“ Mein Gesprächspartner vergisst an dieser Stelle auch nicht, auf die internationale Aufstellung von Schrack und Securiton hinzuweisen. „Es gibt auch Tochterfirmen von Securiton in China, in der Slowakei und Russland, während Schrack Tochterfirmen in Schweden, Ungarn und Polen hat. Wir haben drüber hinaus ein weltweites Netzwerk von über 200 Partnern, die für ein gehöriges Produktionsvolumen sorgen. Wir sind sogar in Indien und Malaysia präsent“.

Es ist auffällig, dass die hinzugekauften Firmen wie in der Übersichtsskizze mit Firmenlogos oben dargestellt, offenbar ihre Namen behalten haben. Berchtold: „Das ist richtig. Wir lassen den Firmen ihre eigene Identität, ihr eigenes Image. Wir steuern lediglich mit gewissen ‚Leitplanken‘. Die bei uns integrierten Firmen sollen auf ihre Art Die Listec GmbH produziert linienförmige Wärmemelder, die weltweit begehrt sind.und Weise am Markt agieren, mit ihrem bisherigen Namen. So etwas trägt auch zur Motivation der Mitarbeiter bei. Ein schönes Beispiel ist die Listec GmbH in Isen bei München. Das Unternehmen fertigt Brandmeldekabel und ist auf diesem Sektor Weltmarktführer. Auch nach der Übernahme durch uns hat das Unternehmen seine Identität behalten. Sogar der bisherige Mehrheits-Eigentümer Peter Schenkenhofer ist noch im Unternehmen, sogar als Geschäftsführer und mit einer Minderheitsbeteiligung.“

Wir diskutieren über Konzerne, die übernommene Firmen meist so integrieren, dass die gesamte Identität der Übernommenen in kurzer Zeit verschwindet. Berchtold hat hierzu ein schönes Beispiel: Auf dem Umweg über die Elektrowatt-Gruppe kam das Hekatron – Technik vom FeinstenSchweizer Vorzeigeunternehmen Cerberus in Männedorf 1998 zu Siemens. Das Unternehmen beschäftigte 3.000 Leute, war Weltmarktführer bei den automatischen Brandmeldern und verbuchte mehr als eine Milliarde Franken Umsatz. Heute ist der Firmenname verschwunden.

Besonders stolz ist der Unternehmenschef auf den deutschen Standort in Sulzburg unweit von Freiburg i.B., wo in den Firmen Hekatron Technik GmbH und Hekatron Vertrieb GmbH zusammen 750 Mitarbeiter tätig sind. „Wir haben in Sulzburg die höchste Zahl an Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, mehr noch, als in der Zentrale in Zollikofen. Wir sind an diesem Standort ständig am Expandieren. In den sieben Jahren, in denen ich im Unternehmen tätig bin, wurde in Sulzburg wohl noch nie ein Kran abgebaut. Ein Beweis mehr, dass das Unternehmen ständig wächst.“ Der Der deutsche Hekatron-Standort in SulzburgUnternehmenschef kommt richtig ins Schwärmen, als er mir die Vorzüge der Unternehmen aufzählt und die Verdienste seiner beiden Geschäftsführer in Sulzburg, Michael Roth für Hekatron Technik und Peter Ohmberger für Hekatron Vertrieb, erläutert.

Auch wenn wir nicht in Details einsteigen, so verkneift sich der Firmenchef jedoch nicht, auf ein Produkt einzugehen, welches ein Umsatzrenner ist, trotz des vergleichsweise hohen Preises: ein Rauchmelder. Die Installation dieser Geräte wird in Deutschland bald in jedem Bundesland für Hausbesitzer zur Pflicht. Berchtold: „Wir sind mit unserem Qualitätsprodukt eher hochpreisig unterwegs, können uns aber über den Umsatz in Deutschland nicht beklagen, obwohl wir auf diesem Gebiet mit der irischen Ei Electronics und diversen anderen Anbietern sehr starke Konkurrenten haben. In unserem Sortiment haben wir auch Melder, die mit zwei Batterien und Funk ausgestattet sind, damit sie untereinander beziehungsweise in einem Netzwerk kommunizieren können. Wir wurden damit bei der Stiftung Warentest im Februar in der Rubrik ‚Vernetzte Heimrauchmelder‘ Testsieger, bei den Standalone-Meldern kamen wir auf den 2. Platz.“

Ich frage meinen Gesprächspartner, ob er als Firmenlenker ein gewisses Credo habe, dem er sich verpflichtet fühle. Die Antwort kommt ohne Zögern: „Ja, ich habe ein Credo. Mir geht es um eine gesunde Verbindung von Mensch und Technik. Der Mensch steht auch bei unserer Technik im Mittelpunkt. Wir machen Technik für Die Technik soll dem Menschen dienen.Menschen! In den nächsten Jahren werden wir mehr und mehr spüren, dass die Technik versucht, uns zu beherrschen. Diesem Trend wollen wir mit intelligenter Kombination von Technik und Dienstleistung (Mensch) begegnen.“

Inzwischen war die vereinbarte Stunde für die Besprechung mit CEO Armin Berchtold verstrichen. Wir verabreden uns zur Security in Essen, um unser Gespräch mit dem Thema Sicherheitsdienstleister in der Schweiz fortzusetzen. Mir bleibt gerade noch Zeit, um meinem Gesprächspartner zu seinem Ehrenamt zu beglückwünschen: Er wurde in diesem Jahr zum Generalsekretär der 1934 in Bern gegründeten Ligue Internationale des Sociétés de Surveillance gewählt. Doch davon mehr in einer der nächsten Ausgaben.

(Alle Fotos mit Ausnahme des Porträts und der Münze: © Securitas AG, Schweiz)

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