Am Strand von Souss in Tunesien, vor dem RIU Imperial Marhaba Hotel, starben am 27 Juni 2015 durch die Hand eines Attentäters 38 Menschen. © Foto: Steve Parsons/dpa
Terror im Urlaubshotel
Von Ulrich Jander
Ferienzeit ist Urlaubszeit, nichts wie weg – doch wie sicher sind Hotels im Ausland vor Terroranschlägen? Der Terroranschlag im Juni 2015 in Tunesien, einem beliebten Urlaubsland, hat gezeigt, wie verwundbar der Bereich Touristik ist. Doch es wird geschwiegen, denn Tourismus ist ein Milliardengeschäft, und das will man sich nicht verderben. Also hält man lieber den Mund, schweigt, und hofft, dass der Kelch an einem vorübergeht.
Menschen, die sich mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen, bekommen mehr und mehr graue Haare und sehen mit Sorge das Thema Urlaubssicherheit. Der Anschlag in Tunesien zeigt, wie lange und unbeachtet so ein Attentäter durch die Ferienanlage spazieren kann, bis ihn einer aufhält. Aber auch der Anschlag in Mumbai im Jahr 2008 machte deutlich, mit welcher Brutalität diese Attentäter vorgehen – und das im Namen ihres Gottes Allah.
Wie sicher sind Hotels in den Urlaubsregionen wie Tunesien, Ägypten, Türkei?
Sicherheit kann in solchen Ländern kaum gewährleistet werden – wie will ich so eine Anlage überhaupt sichern? Das geht ganz und gar nicht, man weiß nicht, wer ist Freund, wer ist Feind. Es herrschen Unruhen oder sogar Krieg, Menschen werden hingerichtet, und ich frage mich, warum soll ich dort Urlaub machen, wenn mir keiner Sicherheit gewährleisten kann? Es scheint offensichtlich, dass radikale Gruppen in diesen Ländern darauf aus sind, den Tourismus zu zerstören.
Hinzu kommt, dass in muslimischen Ländern ganz andere Sitten herrschen als wir sie gewohnt sind. Sittenwächter kontrollieren auch die Touristen und achten auf das Bikini- und Alkoholverbot, das Küssen in der Öffentlichkeit, um nur ein paar Dinge zu nennen.(http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/tuerkei-muslimische-sittenwaechter-am-strand/10190704.html )
Wenn man alle diese Dinge betrachtet, und darüber nachdenkt, was das Hotel für meine Sicherheit tut, ist die
Sache in Nullkommanichts abgehakt. Es gibt viele Anschlagszenarien, die mir sofort einfallen. Man hat am Strand gedöst, hört das Geräusch der Schüsse und denkt an Feuerwerk. Man steht auf, um zu schauen, wo das ist, und wird von Kugeln tödlich getroffen. Hier am Strand gibt es keine Möglichkeit, sich zu verstecken, null Chancen zu entkommen. Eine Warnung gab es nicht. Das nächste Ziel der Attentäter ist dann das Hotel.
Es gibt heute bereits Alarmierungsanlagen, z. B. der Fa. Castellan AG aus Kreuztal, über eine authentifizierte APP können die verantwortlichen Mitarbeiter des Hotels einen Terroralarm auslösen, der dann mit den entsprechenden Durchsagen die Gäste und Mitarbeiter warnt. Dann heißt es nur noch, nichts wie weg!
Ehrlich gesagt, in Hotels, die solche Dinge für ihre Gäste anbieten, würde ich auf keinen Fall Urlaub machen.
Aber darüber machen sich die Urlauber keine Gedanken, ach – es passiert schon nichts, super solche Äußerungen – ja und wenn, wird es schon gut gehen! Selbst Hotelbetreiber machen sich keine Gedanken, während die Reiseveranstalter das Thema auf das Auswärtige Amt und deren Reisewarnungen verlagern.
Was kann alles passieren?
Terroranschläge in den Ferienhotels nehmen zu. Punkt. Ist so!
Es gibt einmal den Anschlag mit Waffe, mit einer Autobombe, oder den Selbstmordattentäter mit seinem Sprengstoffgürtel.
Es ist schwierig, einen Ratschlag zu geben. Eine Möglichkeit wäre, sich im Hotelzimmer zu verbarrikadieren, wenn Fluchtmöglichkeiten zu gefährlich sind. Dann aber schwere Möbel und Matratzen vor die Tür stellen, damit diese nicht aufgebrochen und Schüsse aufgefangen werden. Und dann ab ins Badezimmer, wo man relativ sicher ist. Nur nicht ans Fenster stellen, um mit dem Smartphone die Szene zu Filmen, denn wenn draußen eine Autobombe hochgeht, ist man dann mit Fensterglas gespickt. Man sollte noch Wasser in die Badewanne laufen lassen, falls Rauch durch die Flure zieht, um sich notfalls mit nassen Handtüchern schützen zu können.
Bleiben Sie auf dem Hotelzimmer, lassen Sie sich nicht dazu bewegen, das Zimmer zu verlassen. Das war bei dem Hotel-Attentat in Mumbai am 26. Nov. 2008 auch so: die Terroristen versuchten, die Touristen herauszulocken, um sie dann zu erschießen.
Die Betreiber der Hotelanlagen müssen sich erst einmal Gedanken über ein vernünftiges Krisenmanagement machen. In den meisten Fällen gibt es kein funktionierendes Alarmierungssystem. Wenn man sich für einen Urlaub in solch einem gefährdeten Land entscheidet, sollte man sich aber auch Gedanken für den Fall der Fälle machen.
Kommt es zu einem wie oben beschriebenen Zwischenfall, und meine Angehörigen oder ich sind verletzt, sind wir ja vermutlich nicht die Einzigen. Die medizinische Versorgung als auch die Krankenhäuser in diesen Regionen sind völlig anders strukturiert als hier in Deutschland. Eine Wahl bleibt Ihnen aber nicht.
Hinzu kommt dann noch der seelische Knacks, den man mit Sicherheit davonträgt. So ein Attentat ist schon etwas anderes, als das schlechte Essen, über das man sonst meckert. Man steht nur da, dankt dem lieben Herrgott, dass man ohne großen Schaden die Sache überstanden hat. Hat man unter diesen Umständen dann noch Lust, weiter Urlaub zu machen? Eher nicht!
Weitere Urlaubsgefahren
Auch auf dem Weg zu und vom Urlaubsort drohen terroristische Gefahren. Als treffendes Beispiel mag 2002 der Anschlag auf ein startendes Flugzeug im kenianischen Mombasa verdeutlichen: Terroristen hatten zwei Boden-Luft-Raketen auf ein israelisches Flugzeug abgefeuert. Es handelte sich mutmaßlich um Manpads vom Typ Strela-2, die noch aus alten Sowjetbeständen stammten. Die Geschosse verfehlten die Verkehrsmaschine, die mit über 250 Passagieren besetzt war. Durch die Abwehrsysteme des Flugzeugs kam es zu keiner Katastrophe, aber die Touristenflieger haben solche Abwehrsysteme nicht an Bord. Oder, jeder kennt den Shuttletransfer vom Flughafen zum Hotel. Die Busse sind ja auch hervorragend gekennzeichnet, man weiß sofort, da sind Touristen drin. Erfahrungen mit Sprengfallen haben Terroristen zur Genüge gesammelt, und nun stelle man sich vor, dass so eine Bombe neben dem Bus explodiert. Oder, schlimmer noch, es wurde so ein Koffer mit Sprengstoff am Flughafen in den Bus geladen. Wer kontrolliert denn, ob der Typ, der den Koffer eingeladen hat, auch in den Bus einsteigt? Ein Anschlag in England vor 10 Jahren hat gezeigt, welch verheerende Wirkung eine explodierende Bombe im Doppeldeckerbus haben kann.
Wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt, überlegt man doch, ob man überhaupt noch in solche Regionen reisen möchte, oder ob man sagt, wir ändern unser Urlaubsziel.
Wir können uns aber nicht nur darauf beschränken, zu sagen, so etwas passiert nur im Ausland. Man muss sich damit abfinden, dass die Terroristen auch in Deutschland ihre Ziele gefunden haben. Man denke nur an Ferienanlagen wie das Tropical Island, das Hilton Hotel am Sqair, das Marriot Hotel in Frankfurt oder wie sie alle heißen. Das sind Einrichtungen mit Namen, die jeder kennt. Das Ziel der Terroristen ist, Angst zu schüren, zu demonstrieren, ich kann überall sein, ich treffe dich und du hast keine Chance!
Fakt ist, die Welt wird immer böser und wir sind mittendrin. Man sollte sich der Gefahren bewusst werden, die auch im Urlaub drohen. Brauche ich den Nervenkitzel und gehe das Risiko ein, bin ich in den oben beschriebenen Ländern richtig, wenn nicht – es gibt auch andere Länder, die relativ sicher sind.

