Im Mai 2014 deckte die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis einen mutmaßlichen Drogenhandel in Hennef auf. Das Foto zeigt, was man so als Drogendealer braucht. Foto: PolizeiIm Mai 2014 deckte die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis einen mutmaßlichen Drogenhandel in Hennef auf. Das Foto zeigt, was man so als Drogendealer braucht.
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Rauschgiftkriminalität in Deutschland

Von Dr. Reinhard Scholzen

Seit längerer Zeit steht die Rauschgiftkriminalität nicht mehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Rund 1000 Drogentote jährlich ändern daran nichts und ebenso wenig der Rauschgiftkonsum eines Bundestagsabgeordneten.

Fast alle Deutschen blickten Anfang Juli gebannt nach Brasilien und bejubelten die Erfolge der Fußball-Nationalmannschaft. Über allem stand die Frage: Bekommen Jogis Jungs den vierten Stern? Der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann hatte zur gleichen Zeit andere Sorgen. Die Immunität des Michael Hartmann Foto: Heide Kohler, WikimediaMichael Hartmann
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SPD-Politikers wurde aufgehoben und danach seine Berliner Wohnung durchsucht, weil er verdächtigt  wurde, die Droge „Crystal Meth“[1] konsumiert zu haben. Der aus Mainz stammende Politiker ließ umgehend alle seine Ämter ruhen. Bis dahin war er unter anderem innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und saß auch in dem Gremium, das die deutschen Geheimdienste kontrolliert. Seine Partei stärkte ihm zum Teil den Rücken. Aus seiner rheinland-pfälzischen Heimat meldete sich der SPD-Generalsekretär zu Wort und versicherte, die SPD werde ihn nicht „wie eine heiße Kartoffel fallen lassen“. Andere Parteimitglieder spielten die Sache herunter, schließlich habe Hartmann mit seinem Rauschgiftkonsum ja niemandem – außer sich selbst – geschadet. Auch der politische Gegner hielt sich  zurück. So sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder, der in Personalunion Generalsekretär seiner Partei in Patrick Schnieder. Foto: Laurence Chaperon, WikimediaPatrick Schnieder
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Rheinland-Pfalz ist, er „kenne und schätze“ seinen Kollegen und ergänzte: „eine Bewertung kann und will ich nicht vornehmen“.

Derart leise Töne konnte man in den frühen 1970er Jahren nicht hören, als Drogen in weiten Teilen Westeuropas in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückten, weil sie als gesamtgesellschaftliches Problem gesehen wurden. Unter anderem in London, Paris und Brüssel entwickelte sich eine offene Drogenszene. Der Bahnhof Zoo in Berlin wurde zum Synonym für die vielfältigen Probleme, die der Konsum illegaler Drogen mit sich brachte. Um das Geld für ihren Stoff zu beschaffen, stahlen und raubten viele Süchtige oder sie besorgten sich durch Prostitution das Geld für den nächsten „Schuss“. Darüber hinaus kam es durch Überdosierungen des Rauschgifts oder verunreinigte Spritzen zu zahlreichen Todesfällen.

Staatliche Institutionen – allen anderen voran die Polizeien – aber auch nicht-staatliche Organisationen versuchten, die vielfältigen Probleme in den Griff zu bekommen. So wurde von den Polizeien der Rauschgifthandel intensiv bekämpft, indem der Fahndungsdruck deutlich erhöht wurde. Mehrere Krankenkassen wiesen mit großem Aufwand auf die gravierenden Folgen des Rauschgiftkonsums hin und schufen zahlreiche Präventionsmaßnahmen.

Die gemeinsamen Anstrengungen führten bei der Zahl der Drogentoten in den frühen 1980er Jahren zu einer Stagnation. Gegen Ende der 1980er Jahre stieg deren Zahl jedoch wieder sprunghaft an und erreichte nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1991 mit mehr als 2100 Toten den bisherigen Höhepunkt. In den folgenden Jahren sanken die Zahlen bis auf knapp über 1500, um Ende der 1990er Jahren aber wieder deutlich anzusteigen. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts gingen die Zahlen tendenziell zurück. Im Jahr 2013 jedoch nahm die Zahl der Drogentoten im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent zu: 1002 Männer und Frauen starben an den Folgen ihrer Drogensucht.

Drogen sind nach wie vor in vielen Großstädten ein Problem, das sich in der Zahl der Drogentoten widerspiegelt. Im Jahr 2013 starben in Hamburg 62 und in Berlin 119 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Aber auch in Köln (42), in München (41), in Nürnberg (30) und in Frankfurt am Main (27) liegt die Zahl der Drogentoten hoch. Hingegen starben in den ostdeutschen Bundesländern deutlich weniger Menschen an den Folgen des Konsums illegaler Drogen: Brandenburg (5), Mecklenburg-Vorpommern (1), Sachsen (14), Sachsen-Anhalt (9) und Thüringen (16) ergeben in der Summe 45 Tote. Damit liegen alle ostdeutschen Bundesländer zusammengerechnet nur unwesentlich höher als Rheinland-Pfalz, wo im Jahr 2013 38 Menschen durch den Drogenkonsum zu Tode kamen. Unverändert bergen die Opiate in sich das größte Risiko: Im Jahr 2013 führte in 663 Fällen eine Überdosis eines oder mehrerer Opiate zum Tod.

Seit Jahren stellt das Bundeskriminalamt fest, dass das Durchschnittsalter der Rauschgifttoten in kleinen Schritten ansteigt. Während deren Durchschnittalter im Jahr 2003 bei 34 Jahren lag, stieg es bis zur Gegenwart auf 38 an. Nach wie vor gilt, dass sehr viel mehr männliche als weibliche Rauschgifttote zu beklagen sind. Der Anteil der Männer liegt seit Jahren bei konstant über 80 Prozent.

Als Fingerzeig für die zukünftige Entwicklung sehen nicht wenige Beobachter die Zahl der „Erstauffälligen Konsumenten harter Drogen“ (EkhD), die seit zehn Jahren zwischen 17000 und 21000 schwankt. Im Jahr 2013 wurden von den Polizeien 19210 Personen erfasst, weil sie zum ersten Mal als Konsumenten harter Drogen in Erscheinung traten. Im Jahr davor waren es 19559. Aufschlussreich und geradezu ein Trendmesser ist die Zahl der EkhD, wenn man sie über einen Zeitraum von zehn Jahren zusammen mit der Droge betrachtet, die konsumiert wurde. Besonders deutlich sank in dieser Zeit der Anteil der Heroinkonsumenten – von 26,6% im Jahr 2003 auf 9,9 % im Jahr 2012. Deutliche Rückgänge sind auch bei Kokain (2003: 21,2%; 2012: 15,4%) und Ecstasy (2003: 16,4 %; 2012: 5,9%) zu verzeichnen. Kontinuierlich stieg hingegen die Zahl derer, die zum ersten Mal (Meth-)Amphetamin konsumierten, worunter auch „Crystal“ fällt. Deren Anteil lag im Jahr 2003 bei 32,2 Prozent und verdoppelte sich bis zum Jahr 2012 auf 64,8 %. Drogen waren und sind in erster Linie ein Problem der männlichen Bevölkerung: Acht von zehn Drogenkonsumenten sind Männer. Darüber hinaus sticht ins Auge, dass das Durchschnittsalter der EkhD seit Jahren beständig steigt. Im Jahr 2003 war der durchschnittliche erstauffällige Konsument harter Drogen 26 Jahre alt. Ein Jahrzehnt später war er im Durchschnitt 30 Monate älter.

Sowohl in den Todesursachen als auch den Erkenntnissen über die erstauffälligen Konsumenten harter Drogen spiegeln sich die Rauschgift-Sicherstellungen der staatlichen Behörden wider.

Im Jahr 2013 stellten der Zoll und die Polizeien in 3065 Fällen 270 Kilogramm Heroinsicher. Dabei sollte aber nicht übersehen werden, dass zum Teil sehr große Mengen dieser Droge durch Deutschland geschmuggelt werden. So Vernichtung von Faserhanfpflanzen durch Polizisten auf der Hanfparade 2006. Foto: Asinum at de.wikipedia Vernichtung von Faserhanfpflanzen durch Polizisten auf der Hanfparade 2006.
Foto: Asinum at de.wikipedia (Own work), Wikimedia Commons | Lizenz:Public domain / CC0
stellte die Polizei fest, dass eine Lieferung von 250 Kilogramm von der Türkei über Frankreich nach Bremerhaven gelangte. Von dort wurde das Rauschgift auf dem Landweg zunächst nach Süddeutschland und wenig später in die Niederlande gebracht, wo es dann sichergestellt werden konnte. Die Polizei führt den im Vergleich zum Vorjahr festzustellenden Mengenzuwachs von rund zwölf Prozent auf zwei große Einzelfunde zurück, bei denen mehr als zwölf Kilogramm in Berlin und sogar mehr als 21 Kilogramm in Hannover gefunden wurden.

Bereits seit Jahren gilt Afghanistan als der weltweit bedeutendste Opiumproduzent und der wichtigste Heroinlieferant für den europäischen Markt. Im Jahr 2006 wurde dort auf einer Fläche von 104000 Hektar Opium produziert. Im Jahr 2012 wurde nach Erhebungen der Vereinten Nationen auf rund 154000 Hektar Schlafmohn angebaut (2011: 131000 Hektar), aus dem circa 3700 Tonnen Opium hergestellt werden können.

Als Herkunfts- bzw. Transitland für Heroin nimmt die Türkei seit mehr als einem Jahrzehnt einen vorderen Platz ein. Das BKA stellte aber fest, dass in den letzten Jahren die Bedeutung Bulgariens als Transitland deutlich zunahm. Dies deckt sich mit der Erkenntnis der IKPO-Interpol, die bereits vor Jahren ermittelte, dass pro Jahr zwischen 60 bis zu 80 Prozent des auf unserem Kontinent sichergestellten Heroins über die Balkanroute geschmuggelt werden. Bei der Rückverfolgung des Rauschgiftes bemerkten die Ermittler seit Ende der 1990er Jahre, dass die Staaten Zentralasiens (Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisien und Kasachstan) beim Transport der Opiate nach Europa eine zentrale Rolle einnehmen.

Im Jahr 2013 wurden 3622 Handelsdelikte mit Kokain registriert. Häufig kam dieses Rauschgift auf dem Seeweg in die Bundesrepublik. Größere Mengen wurden wie bereits in den Vorjahren im Hamburger Hafen in Seecontainern sichergestellt, die aus Südamerika kamen. Ein großer Fund war für den Weitertransport nach Liverpool in England bestimmt. Daneben gelangt Kokain nach wie vor häufig auf dem Luftweg in unser Land. Nachdem diese Droge in früheren Jahren sehr oft aus Brasilien kam, nimmt seit einigen Jahren Argentinien den Spitzenplatz ein. Weitere bedeutsame Herkunftsländer sind Kolumbien, Bolivien und Peru. Im Schmuggel mit Kokain nehmen in Deutschland türkische, albanische und italienische Staatsangehörige die vorderen Plätze ein. Während in den Vorjahren von den Polizeien und dem Zoll häufig Kuriere aus Venezuela festgenommen wurden, die zum Teil große Mengen des weißen Pulvers mit sich führten, werden diese in dem aktuellen Rauschgiftbericht nicht mehr erwähnt. Statt dessen greifen die Ermittler immer öfter afrikanische Tatverdächtige auf. Das Ausmaß des Kokainschmuggels zeigte sich insbesondere im Oktober 2012, als im Hafen von Antwerpen/Belgien mehr als acht Tonnen Kokain sichergestellt wurden.

Crack entsteht durch die chemische Umwandlung von Kokainhydrochlorid. Diese Droge ist in Deutschland seit Jahren nahezu ausschließlich ein Problem der Städte Hamburg und Frankfurt am Main. Noch vor Jahren verzeichneten die Ermittler ständig steigende Mengen dieses Rauschgiftes. Diese Entwicklung kehrte sich in der letzten Zeit um. Im Jahr 2013 wurden in 268 Fällen nur noch 350 Gramm Crack gefunden. Bei den Tatverdächtigen liegt der Anteil der Deutschen mit rund einem Drittel vergleichsweise hoch. Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen dominieren marokkanische, algerische und türkische Staatsbürger.

Die Menge der in Deutschland sichergestellten Amphetamine/Methamphetamine steigt seit einigen Jahren an.Für das Jahr 2013 weist die Statistik des BKA 12801 Handelsdelikte mit diesen Drogen auf, wobei mehr als 1300 Kilogramm Amphetamine/Methamphetaminegefunden wurden. Wie bereits in den Jahren zuvor, erfolgte der Schmuggel meist aus den Niederlanden, wobei in einigen Fällen die Einschleusung nach Deutschland über Belgien erfolgte. Kleinere Mengen dieser Drogen wurden im Jahr 2013 aus der Tschechischen Republik eingeführt.

Seit Beginn des dritten Jahrtausends stellt „Crystal“, ein kristallines Methamphetamin, ein Problem dar. Im Jahr 2013 wurden in 3847 Fällen mehr als 77 Kilogramm „Crystal“ beschlagnahmt. Dies war der Höchstwert aller bisher erfassten Jahre. Der weiß oder beige-farbene Stoff stammte zum größten Teil aus der Tschechischen Republik. Dort wird diese Rauschgiftart häufig auf sogenannten „Asia-Märkten“ in der Nähe zur deutschen Grenze illegal gehandelt. Daraus erklärt es sich, dass rund zwei Drittel des beschlagnahmten Crystal in Sachsen, Bayern und Thüringen gefunden wurde. Eine Detailstudie des Bundeskriminalamtes belegt, dass die Sicherstellungsmenge in Bayern in den vergangenen zwölf Monaten sehr deutlich stieg. Im Freistaat wurden mehr als 36 Kilogramm Crystal gefunden, was einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von mehr als 150 % entsprach. Um ein Drittel verringert hat sich hingegen die sichergestellte Menge Crystal in Thüringen. Während dort im Jahr 2012 noch etwas mehr als fünf Kilogramm der Droge gefunden wurden, waren es ein Jahr später noch rund dreieinhalb Kilogramm. Rund 90 Prozent der ermittelten Crystal-Händler besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. In letzter Zeit erfolgte der Einfuhrschmuggel nach Deutschland mehrfach über die Niederlande und Belgien und auch bei „Crystal“ stellten die Ermittler fest, dass immer wieder Luftpostsendungen aus Nigeria über Deutschland nach Asien erfolgten, in denen zum Teil mehrere Kilogramm der Droge gefunden wurden.

Ecstasy war gegenEndedes 20. Jahrhunderts die „Modedroge“ schlechthin, die vorwiegend psychotrope Wirkstoffe aus der Gruppe der ß-Phenetylamin-Derivate enthält. Seither sanken die Handelsdelikte mit dieser Droge nahezu stetig. Das Jahr 2012 brachte dann eine deutliche Gegenbewegung. Die Zahl der registrierten Delikte nahm um 33 Prozent auf 1138 zu. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2013 fort: In 2233 Fällen wurden mehr als 480000 Konsumeinheiten (KE) der Droge Ecstasy sichergestellt. Die Mehrzahl der KE stammte wie in den Jahren zuvor aus den Niederlanden. Es fiel den Ermittlern seit einiger Zeit auf, dass eine große Menge der Ecstasy-Tabletten für Österreich, Italien und die Schweiz bestimmt war. Für den deutlichen Anstieg im Jahr 2013 macht die Polizei zwei Großsicherstellungen verantwortlich, bei denen im einen Fall mehr als 70000 und im anderen sogar 204000 Tabletten gefunden wurden, die durch Deutschland nach Litauen beziehungsweise nach Österreich geschmuggelt werden sollten. Unter den Tatverdächtigen stellen Niederländer die größte Gruppe.

Seit rund zwei Jahrzehnten stellen die Ermittler immer wieder neue synthetische Drogen fest. Vor zehn Jahren entdeckten sie neun Labore, in denen GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) produziert wurde, ein Wirkstoff, der seit dem 1. März 2002 dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt. Die Beliebtheit von GHB nahm jedoch rasch ab, so dass sie im Jahr 2005 nicht mehr im Lagebericht des BKA auftauchte. Das grundsätzliche Problem der synthetischen Drogen blieb aber bestehen. Im Jahr 2013 wurden von den Polizeien 34 neue psychoaktive Substanzen festgestellt, die allesamt nicht in den Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes aufgelistet sind. Daher wurden sie fälschlicherweise als „Legal High“-Produkte zum Teil über das Internet angeboten und verkauft. Im Zeitraum von Oktober 2012 bis Oktober 2013 wurden nahezu 80.000 Paketsendungen ermittelt, die den Abnehmern per Post zugestellt wurden. Die Beschuldigten bezogen die Produkte versandfertig portioniert von im europäischen Ausland ansässigen Produzenten per Expresslieferung durch verschiedene Paketdienstleister.

Die Bedeutung von LSD ist weiter gesunken. Im Jahr 2013 wurde dieses Droge in 287 Fällen gefunden, wobei fast 36000 Trips sichergestellt wurden. Gerade in diesem Feld vermuten manche Beobachter jedoch ein großes Dunkelfeld. Als Beleg führen sie einen spektakulären Einzelfund am Düsseldorfer Flughafen an, Dort wurden im Jahr 2012 im Gepäck eines Fluggastes aus den Niederlanden, der nach Brasilien reisen wollte, 22.000 Trips gefunden.

Randphänomene stellen psilocybin- und psilocinhaltige Pilze dar, obwohl im Jahr 2013 rund 23 Kilogramm dieser Drogen sichergestellt wurden. Ähnliches gilt für Khat, ein aus Afrika stammendes Gewächs. Allerdings sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die sichergestellte Menge seit Jahren hoch ist und großen Schwankungen unterliegt. Im Jahr 2012 wurden mehr als 45 Tonnen Khat gefunden, im letzten Jahr war es nur noch die Hälfte.

Im Jahr 2013 stellten Zoll und Polizei in 5638 Fällen Cannabisprodukte (Haschisch) mit einer Gesamtmenge von 1769 Kilogramm sicher. Neben Frankreich wurden häufig Belgien und die Niederlande als Einfuhr- und Transitstaaten erfasst.

Ähnliche Ergebnisse liegen für Marihuana vor. 4942 Kilogramm der Droge wurden im Jahr 2013 gefunden. Spektakuläre Einzelfunde gelangen jedoch nicht. Vor Jahren war das noch ganz anders. Der größte Marihuana-Fund in Deutschland gelang im Jahr 2008, als 5470 Kilogramm beschlagnahmt wurden. Als Herkunftsland wurde im vergangenen Jahr häufig Österreich, aber auch Belgien und die Tschechische Republik ermittelt. Wie bei Haschisch lag auch bei Marihuana der Anteil der deutschen Tatverdächtigen bei 70 Prozent.

Auch auf europäischer Ebene nehmen seit einigen Jahren die Marihuana-Sicherstellungen zu und gleichzeitig wird weniger Haschisch gefunden. Ein wichtiger Grund dafür dürfte in der deutlich gestiegenen Bedeutung des Cannabisanbaus in Indoor-Plantagen zu sehen sein. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 691 dieser Produktionsstätten und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr festgestellt, in denen mehr als 93000 Pflanzen wuchsen (im Jahr 2012: 64782 Pflanzen). Als Cannabis-Plantagen werden Anlagen mit bis zu 20 Pflanzen bezeichnet. Werden zwischen 20 und 99 Pflanzen kultiviert, so werden diese als Kleinplantagen bezeichnet. In Großplantagen stehen zwischen 100 und 999 Pflanzen und in den sogenannten Profiplantagen werden mehr als 1000 Cannabispflanzen aufgezogen. Die Zahl dieser letztgenannten Plantagen lag im Jahr 2013 bei 28, nach 23 im Jahr 2012. Das Bundeskriminalamt sieht bereits seit Jahren Indizien für eine zunehmende Professionalisierung. Mit Sorgen wird beobachtet, dass diese Plantagen durch spezielle Pflanzenzüchtungen und den Einsatz von aufwendiger Technik sehr viel höhere Produktionsmengen ermöglichen. Außerdem liegt hier der THC-Gehalt mit durchschnittlich zwölf Prozent deutlich höher als bei herkömmlich im Freien gezüchteten Pflanzen. Damit geht für die Konsumenten eine deutliche Steigerung der Gesundheitsgefährdung und des Abhängigkeitspotenzials einher.

Eine deutlich anderslaufende Entwicklung stellt die Polizei bei den Cannabis-Outdoorplantagen fest. Im Jahr 2013 wurden 91 (2012: 144) dieser Felder gefunden. Davon entfielen 85 auf Kleinplantagen, sechs Großplantagen wurden entdeckt und keine einzige Profiplantage. Unverändert ist jedoch geblieben, dass sowohl bei den Indoor- als auch bei den Outdoor-Plantagen die Mehrzahl der Täter (92 bzw. 88%) die deutsche Staatsangehörigkeit besaß.

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[1] Methamphetamin (N-methyl-alpha-Methylphenethylamin), auch Metamfetamin oder N-Methylamphetamin (früher auch Pervitin) genannt, ist eine synthetisch hergestellte Substanz aus der Stoffgruppe der Phenylethylamine. Sie wird in der Pharmazie als Arzneistoff verwendet und ist Bestandteil nicht-halluzinogener euphorisierender Drogen (umgangssprachlich Crystal Meth, Meth oder Crystal).

Über den Autor
Autor: Helmut Brückmann
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