Offizier, Schmuggler und Erpresser

Von Werner Sabitzer

Steinfigur des Hans Mehlgraber von Mailegg an der Filialkirche St. Ulrich bei Frauental.Der erfolgreiche steirische Offizier Hans Mehlgraber von Mailegg hatte ein illegales Nebeneinkommen: Mit Salzschmuggel und erpresserischer Entführung wurde er reich.

 

Johann Mehlgraber (auch: Mailgraber) stammte aus einer bürgerlichen Familie in der Steiermark. Sein Vater Sylvester Mehlgraber erwarb 1602 den Krottenhof im Mürztal. Hans trat in die Armee ein, wurde Offizier und erwarb sich große Verdienste in den Türkenkriegen. Deshalb wurde er 1618 zum Ritter geadelt.

Nach weiteren erfolgreichen Feldzügen wurde Mehlgraber zum Oberst befördert und in den Freiherrenstand (Prädikat „von Mailegg“) erhoben.

Mehlgraber von Mailegg war mit seiner Truppe an der Grenze in Kroatien stationiert. Bei seinen Streifzügen nahm er türkische Soldaten gefangen und ließ sich für deren Freilassung Lösegeld zahlen. Ab 1620 boten ihm die Türken statt Geld Salz an, das er nach Kroatien schmuggeln und dort verkaufen ließ. Hans Mehlgraber von Mailegg besaß bald so viel türkisches Salz, dass er es in Kroatien nicht mehr verkaufen konnte. Deshalb ließ er das Salz in die Steiermark schmuggeln. Das große Angebot führte zu einem Preisverfall und zu einem Niedergang des Handels mit steirischem Salz.

Mit Menschenhandel und Salzschmuggel kam der Offizier zu einem großen Vermögen und er erwarb mehrere Schloss Frauental in der Steiermark: Die Herrschaft befand sich im 17. Jahrhundert im Besitz der Freiherren von Mailegg.Herrschaften. Im Jahr 1615 erbte er das Schloss Frauenthal. Den von seinem Vater geerbten Krottenhof veräußerte er 1617 an Ernst Ulrich Christoph von Schärffenberg, der den Krottenhof seiner benachbarten Herrschaft Hohenwang anschloss.

Johann Mehlgraber von Mailegg musste als Protestant auswandern. Er starb im Jahr 1626 in Ulm vermutlich an den Folgen eines medizinischen Eingriffs wegen Blasensteinen. Sein Universalerbe Salomon Freiherr von Mailegg besaß neben dem Gut Mailegg, das früher Praunegg hieß, unter anderem die Güter Grottenhofen, Feistritz bei Mürzzuschlag und Frauental. Er verkaufte die Herrschaft Mailegg vor 1631 und erwarb 1633 das Amt auf der Pack, das er aber nur fünf Jahre lang besaß.

Um die Herrschaft Frauental gab es einen langjährigen Erbstreit, der erst 1652 mit einem Vergleich endete. Das inzwischen verwahrloste Schloss ging in den Besitz von Salomon von Maileggs Stieftochter Judith Zehentner, die es 1665 ihrem Sohn Ferdinand Zehentner Freiherr von Zehentgrub übergab, dessen Wappen im Innenhof des Schlosses angebracht ist.

An der Kirche St. Ulrich in Frauental in der Steiermark erinnert eine Figur an den Offizier und Schmuggler Johann Mehlgraber von Mailegg.

Fotos: Verfasser 

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Quellen/Literatur:

Baravalle, Robert: Burgen und Schlösser in der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Stiasny Verlag, Graz, 1961.

Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien, 2006.

Valentinitsch, Helfried: Grabinschriften und Grabmäler als Ausdruck sozialen Aufstiegs im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Koch, Walter (Hrsg.): Epigraph 1988, Wien, 1990, S. 15-25.

 

Über den Autor
Autor: Helmut Brückmann
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