Terror von rechts. Die Geschichte einer andauernden Gefahr.
Terror von rechts,
Barbara Manthe,
C. H. Beck Verlag,
München 2026,
384 Seiten,
ISBN 978-3-406-84624-3.
29,90 €.Veröffentlichungen über den deutschen Linksterrorismus füllen viele Bücherregale. Offenbar geht von der Baader-Meinhof-Bande, der RAF und der Bewegung 2. Juni eine magnetische Wirkung aus, der sich weder Bellestristen noch Wissenschaftler entziehen können.
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Literatur über den deutschen Rechtsterrorismus sichtet. Zwar ist dieser Bereich der Kriminalität kein Desiderat der Forschung, aber es fehlt die große, wissenschaftliche Überblicksdarstellung.
Barbara Manthe ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Geschichte an der Universität Bielefeld tätig. Dort forscht sie in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt über „Rechtsradikale Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1990“.
In der Einleitung beschreibt die Verfasserin, was sie unter Rechtsterrorismus erfasst: „Schwere Gewalt mit Symbolcharakter gegen Personen oder Objekte durch konspirativ agierende Gruppen oder Einzelpersonen.“ Die Autorin geht das Thema sodann chronologisch an, wobei sie ihre Darstellung in den 1950er Jahren beginnt und im Jahr 2024 beendet. Manthe sieht keine kontinuierliche Entwicklung des Rechtsterrorismus, vielmehr stellt sie heraus, dass es in diesem Bereich wellenartige Entwicklungen gab. Sie räumt ein, in den frühen 1950er Jahren sei das „rechtsterroristische Gewaltniveau niedrig“ gewesen, stellt jedoch heraus: „Dennoch war die frühe Phase der Bundesrepublik von Kontroversen über rechtsradikale Gewaltvorhaben geprägt.“ Jahre später zeigte sich Gewalt von rechts in zahlreichen antisemitischen Straftaten, wie etwa dem Anschlag auf die Synagoge im bayerischen Amberg im Jahr 1960. Daran schloss sich eine Phase des international vernetzten Rechtsterrorismus an, mit einer wenig später feststellbaren deutlichen Radikalisierung. In dieser Zeit gerieten rechtsterroristische Gruppierungen wie die „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ oder die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ auch in den Blick der Medien und damit der Öffentlichkeit. Bezeichnenderweise war dies zu der gleichen Zeit als der Linksterrorismus einen Höhepunkt erreichte.
In der Folgezeit wandelten sich die Akteure rechter Gewalt erneut. Waren es in den 1980er Jahren in der Mehrzahl Jugendliche, standen unmittelbar nach der Wende zunächst vornehmlich Straftaten in Städte im Osten der Republik, aber auch Mölln und Solingen im Mittelpunkt. Die größte Aufmerksamkeit erlangten in der Öffentlichkeit die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), die Menschen mit Migrationshintergrund und in Heilbronn eine Polizistin ermordeten. Für die rund 20 Jahre später verübten Taten von München, Halle und Hanau waren hingegen Einzeltäter verantwortlich.
Zur Erklärung der gegenwärtigen Gewalt von rechts sieht die Verfasserin als bedeutsame Gründe den großen Zulauf, den rechtsradikale und rechtsterroristische Gruppierungen durch die die Gesellschaft polarisierende Migrationswelle seit 2015 erhielten. Auf der einen Seite stand die „Willkommenskultur“ auf der anderen Begriffe wie „Asylmissbrauch“ oder „Überfremdung“. Parallel dazu stellt Manthe in dieser Zeit eine allgemeine Verrohung der Gesellschaft fest. Dass aus Worten Taten werden können, belegt die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten, des CDU-Politikers Walter Lübke, in seinem Wohnhaus in Wolfhagen-Istha bei Kassel. Der Täter gehört, dies führt die Autorin aus, der „Generation Hoyerswerda“ an. Unter anderem markieren Bomben- und Brandanschläge den Lebensweg des Rechtsterroristen und eine schwere Körperverletzung.
Die Autorin beendet ihre Darstellung mit einem Appell an die Politiker. Diese müssten dafür sorgen, dass bei den Bürgern das Vertrauen in die Schutzfunktion des Staates wieder gestärkt werde.
Das Buch geht weit über den Terror von rechts hinaus. Treffender wäre vielleicht die Überschrift Gewalt von rechts gewesen. Mag sein, dass der Verlag bei der Auswahl des Buchtitels die Werbewirksamkeit des Begriffes Terror im Blick hatte. Für die Bestandsaufnahme des Rechtsterrorismus und jede weitere Forschung über die Gewalt von rechts in der Bundesrepublik bildet dieses Buch eine wichtige Grundlage.
-Von Dr. Reinhard Scholzen-
