Grad aus, das ist Westfalen-Brauch

Ein Urgestein der Sicherheitsbranche

Von Chefredakteur Helmut Brückmann

Es war einige Tage vor seinem 75. Geburtstag, als wir uns auf die Minute zur festgesetzten Zeit im Sitzungszimmer des Unternehmens in der Wilhelm-Beckmann-Str. 7 in Essen zum Interview trafen. Ich durfte, was es zu früheren Zeiten nicht gegeben hätte, während des Gesprächs sogar ein Tonband mitlaufen lassen. Auch wenn Sohn Friedrich dabei war, so stand Fritz Kötter mir doch selbst Rede und Antwort, unbeugsam trotz der gerade überstandenen schweren Krankheit mit langwierigen Operationen. Die mögen vielleicht seine Sprache gelegentlich beeinflussen, seinen Willen aber sicherlich nicht. Mag er sich auch auf einen Stock stützen, sein Rücken ist ungebeugt wie der ganze Mann. Wir kennen uns seit 26 Jahren, in denen er – wenn überhaupt – kein einfacher Gesprächspartner war. Artige Leutseligkeiten waren nicht sein Ding. Er war „immer grad aus“, wie es im Westfalenlied heißt. Jetzt, nach dem Tode seiner Frau Elisa vor drei Jahren, , aber auch nach dem wirtschaftlichen Erfolg seiner Unternehmen – jetzt, im Abendschatten, haben sich auch seine Perspektiven verschoben.

In der Tat, Friedrich Karl Kötter, genannt Fritz, kann wie kaum ein anderer der Branche, auf ein erfolgreiches Unternehmerleben mit der heutigen KÖTTER Unternehmensgruppe zurückblicken. Heute will er mit mir darüber sprechen, einen Einblick in sein Lebenswerk gestatten. Ich bin neugierig, wie weit seine Offenheit gehen wird und taste mich behutsam vor.

Wann und wo geboren, eröffne ich das Gespräch, um einen Gesprächsanfang zu finden.

Ich wurde am 27. Februar 1937 im Herzen des Ruhrgebietes, in Wanne-Eickel geboren, wo ich auch meine Jugendzeit verbrachte. Drei Jahre zuvor hatte mein Vater Karl Friedrich das Unternehmen Westdeutscher Wach- und Schutzdienst Fritz Kötter gegründet, das neben Deutschland auch in Holland tätig war. Was damals genau das Arbeitsfeld umfasste, ist nicht mehr bekannt.

Ich unterbreche, denn ich will wissen, ob die Vornamen des Vaters richtig genannt wurden. Karl Friedrich oder Friedrich Karl wie mein Gesprächspartner? 

In unserer Familie ist es üblich, dass die männlichen Nachkommen abwechselnd Karl Friedrich oder Friedrich Karl genannt wurden. Mein Vater hieß Karl Friedrich, folglich taufte man mich Friedrich Karl. Übrigens wurde mein Vater wie auch ich „Fritz“ gerufen.

Gut. Und wie ging es mit dem Unternehmen weiter?

Da war zunächst Ruhe, bis nach den Kriegswirren das Geschäft wieder langsam anlief. Buchstäblich aus Ruinen, denn wir waren ausgebombt, weshalb wir 1952 nach Essen zur Großmutter zogen. Unsere Firma, oder das, was noch übrig war, zog 1954 ebenfalls nach Essen, in ein Haus gegenüber dem heutigen Arosa-Hotel. Mein Vater und meine Mutter versuchten dann, das Geschäft wieder flott zu machen. Ich ging damals noch zur Handelsschule.

Kurz vor Ostern 1957 kam plötzlich mein Vater ins Krankenhaus; er hatte Probleme mit der Lunge. Am Dienstag nach Ostern ist er dann plötzlich gestorben.

Hatten Sie denn irgendwelche geschäftlichen Erfahrungen? Haben Sie wenigstens gelegentlich im Betrieb mitgearbeitet?

Nein, überhaupt nicht. Ich sollte zwar meinem Vater im Betrieb nachfolgen, weshalb ich ja die Handelsschule besuchte, doch hatte ich keine praktischen Erfahrungen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so früh übernehmen sollte und habe völlig unbefangen  den Betrieb übernommen. Das hört sich leicht an, war es aber nicht. Als ich mich morgens im Büro vorstellen wollte, war keiner anwesend. Am nächsten Tag, so gegen zwölf, kam der, der eigentlich ab acht da sein sollte, ins Büro. „Was ist?“, fragte ich ihn. „Ja“, sagte der, „ ich habe mir meine Zigarren in Düsseldorf geholt. Das ist von Ihrem Vater erlaubt.“ Ich habe mir das angehört und ihm gesagt, dass er pünktlich zum Dienst zu erscheinen habe. So wie bisher ginge das nicht weiter. Der zweite Mann im Büro war einer vom Finanzamt, der nebenher unsere Bücher machte. Ich habe mich dann an die Arbeit gemacht, wie ich mir das dachte. Im Grunde genommen habe ich mich um die Werbung gekümmert, habe die Rechnungen geschrieben, Kunden kontaktiert und neue akquiriert. 

Wie viele Mitarbeiter zählte denn der Betrieb? Wissen Sie noch, wie hoch der Stundenlohn war?

Wir waren so um die 80. Der Stundenlohn betrug 70 Pfennig, während wir unseren Kunden 1,40 DM berechneten. Damit kamen wir gerade so über die Runden. Und doch hatten wir große Pläne: Meine Mutter hatte von ihren Eltern ein Grundstück geerbt. Wir wollten bauen. Doch wo sollte das Geld herkommen?

Mein Vater hatte einige Aktien, die ich geerbt hatte, und mein Onkel war Architekt. Und so haben wir angefangen, in Essen-Heisingen zu bauen. Doch schon bald gab es neuen Ärger: Ich war noch keine 21 Jahre alt, so dass bei den Banken meine Mutter als Vormund fungieren musste. Zur damaligen Zeit wurde man ja erst mit 21 Jahren volljährig. Als ich dann endlich volljährig war, wurde ich auch formal Geschäftsführer. Meine Mutter und ich hatten je 50 Prozent der Firmenanteile. Während ich noch als frisch gebackener Geschäftsführer dazulernte, musste ich trotzdem volle Leistung bringen d.h. ich habe weiterhin Firmen angeschrieben, habe Kunden geworben, habe nachts meine Wachleute kontrolliert und tagsüber Kunden besucht. Ich hatte aber auch Glück. 1958 fing die Bundesbahn an, Fremdfirmen mit Sicherungsposten zu beauftragen.. Damals traf ich hier in Essen einen Herrn, der beim Bauamt saß und solche Aufträge der Bundesbahn vergab. Von nun an ging's bergauf. Da wir bei der Bahn im Bereich Essen erfolgreich arbeiteten, wurden wir weitergereicht bis nach Frankfurt und Stuttgart. Mitte der 60er Jahre hatten wir in Köln, Frankfurt und Stuttgart Niederlassungen. Wir stellten der Bahn rund 700 Sicherungsposten. Unsere Mitarbeiter waren zufrieden, unsere Kunden auch. Plötzlich hieß es, die Bahn muss ihre Sicherungsposten selber stellen. Und schon war ich gezwungen, unsere Niederlassungen wieder aufzulösen. Unsere Mitarbeiterzahl sank von 700 auf 200.

Das war auch finanziell ein Aderlass. Wie haben Sie den verkraftet?

Wir haben uns richtig gesund geschrumpft; das war die einzige und richtige Lösung. Dann haben wir uns auf andere Dinge konzentriert, also weg von der Bahn. Ich habe neue Betätigungsfelder gesucht und mich auf dem Markt umgesehen. Zu diesem Zweck reiste ich auch nach Schweden, nach England und Schottland, Frankreich, ja sogar nach Amerika. Das war 1965/66.

Hat man Ihnen denn in den genannten Ländern tatsächlich geholfen? War man bereit, Ihnen Know-how zu vermitteln? Mein Gesprächspartner kommt nun sichtlich in Fahrt.

Ich war selbst sehr erstaunt, wie bereitwillig man mir vieles zeigte. Mein erster Besuch war bei der Securitas AB in Schweden. Ich hatte den dortigen Kollegen geschrieben, dass ich gerne ihren Betrieb kennenlernen würde. Ich sei ein kleiner Unternehmer aus Deutschland und wollte mich weiterbilden. Ich kann heute nicht sagen, was sie mir geantwortet haben. Jedenfalls haben sie mir einen Termin genannt, und ich machte mich mit einem Kollegen auf den Weg nach Stockholm. Damals noch mit dem Zug, denn ich hatte Flugangst; ich war noch nie geflogen. Die Reise war lang, so dass wir beschlossen, künftig es doch einmal mit einem Flugzeug zu probieren. Bei Securitas in Stockholm war ich zwei Tage. Viel Betriebs-Know-how zeigte man uns nicht; schließlich waren wir doch Konkurrenten aus Deutschland.

Ganz anders waren die Engländer. Sie verlangten für die Besichtigung und Ausbildungstour 12.000 £ in bar. Die Firma hieß Security Express; wahrscheinlich gibt es sie gar nicht mehr. Man sagte mir damals, 1965, dass man den Aufwand für unseren Besuch vergütet haben wollte. Wir haben bezahlt und es nicht bereut, denn die Engländer hatten ein richtiges Schulungsprogramm für uns aufgelegt und alles gezeigt, was wir wissen wollten. Die Offenheit meiner Gesprächspartner hat uns dann doch überrascht. Ich konnte mit der Firmenleitung reden, mit den Mitarbeitern, mit Kunden und sogar mit Zulieferern und der Versicherung. Man zeigte mir auch einen Dienstleistungszweig, mit dem ich mich bisher noch nicht beschäftigt hatte: mit dem Transport von Geld. Ich durfte sogar in den gepanzerten Fahrzeugen mitfahren, sogar die gesamte Geldbearbeitung zeigte man mir. Insgesamt blieb ich zwei Wochen in England. Bei meinen späteren Erkundigungstouren in Frankreich und Holland war man nicht so großzügig mit Informationen wie auf der Insel.

Dafür mussten Sie auch nicht so viel bezahlen. Doch der finanzielle Einsatz auf der Insel hat sich gelohnt. Sie verfügen mittlerweile über das drittgrößte Wert-Transportunternehmen in Deutschland und bewegen sich trotz der angespannten Marktlage in der Gewinnzone. Das können andere in Deutschland nur neidisch feststellen. 

Das ist richtig. 1970 startete ich die KÖTTER Geld- & Wertdienste. Im gleichen Jahr sind wir dann innerhalb von Essen von der Rellinghauser Straße in die Lichtstraße umgezogen. Einfach war der neue Geschäftszweig nicht. Jetzt kamen mir meine Erfahrungen aus meinem England-Besuch zugute. Dort versucht man, alle potenziellen Kunden einer Stadt für sich zu gewinnen, alle Banken, Kaufhäuser usw.  Das habe ich auch probiert. Zu dieser Zeit galt unsere Nachbarstadt Düsseldorf als Bankenstadt. Wir haben damals alles, was Rang und Namen hatte mit unseren Angeboten bombardiert und auch persönliche Besuche gemacht. So sind wir ins Geschäft gekommen. Allerdings nicht auf einen Schlag mit zehn Kunden, sondern nur mit einzelnen. Wir befanden uns am Anfang eines langen, steinigen Weges. 

Was für ein Unterschied zeigte sich im Vergleich zu heute?

Der Markt ist viel enger geworden. Exklusivtouren für einzelne Kunden, wie früher, kann man sich heute nicht mehr leisten. Jetzt müssen auf einer Tour möglichst viele Kunden angefahren werden. Auch werden inzwischen Arbeiten der Banken von uns mitübernommen, zum Beispiel die Cash-Center, also die Geldbearbeitung.

Wie viele Geldtransporter haben Sie denn zurzeit im Einsatz 

Wir haben zurzeit rund 230 Transporter im Einsatz. Unseren ersten Geldtransporter haben wir übrigens selbst konstruiert. Wir, damit meine ich meinen Schwager Karl-Heinz, der Ingenieur war und mich. Wir haben dann unsere Fahrzeuge bei Thiele in Bremen oder bei einer Firma in Frankfurt panzern lassen. Später kam dann Hartmann Karosseriebau in Alsfeld dazu, über diese Firma haben Sie ja des Öfteren berichtet.

Lassen Sie uns in der Geschichte nochmals ein paar Schritte zurückgehen. Nach meiner Kenntnis haben Sie sich schon sehr früh auch mit den Verbänden Ihrer Branche befasst.

Natürlich erkannte ich schon sehr bald, dass man nicht außerhalb eines Verbandes stehen sollte, wenn es denn einen gibt. Bereits 1957 wurde ich Mitglied im Bundesverband Deutscher Wach- und  Sicherheitsunternehmen e.V. (BDWS), aus dem im vergangenen Jahr der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft e.V. (BDSW) wurde.

Meine erste Mitgliederversammlung erlebte ich 1958. Da hat man den Neuling zur Seite geholt und ziemlich unverblümt gesagt: „Eines muss ich Ihnen sagen: wenn Sie uns Schwierigkeiten machen, dann gibt es Saures." Man hätte am liebsten gesehen, dass jedes Verbandsmitglied in seiner Stadt geblieben wäre und andere nicht störte. Wettbewerb war ein Fremdwort. Bei einer späteren Versammlung in Oberhausen kamen alle angereist und wollten mich aus dem Verein werfen, da ich mich an diese ungeschriebenen Bedingungen natürlich nicht hielt. Man war auch ziemlich entrüstet, dass ich mit Aufträgen der Bundesbahn auch in München tätig war. Dort hatte die Münchner Wach und Schließ mit Herrn Dr. Schammert so eine Art Hoheitsrecht. Ich habe mich natürlich nicht diesem Ansinnen gebeugt. Und aus dem Verband hat man mich auch nicht gekriegt.

Die Zeiten haben sich inzwischen aber gewandelt. Von 1996 bis 2001 waren Sie sogar 1. Vizepräsident des BDWS, von 1998 bis 2006 Vorsitzender der Landesgruppe NRW und seit 2006 Ehrenvorsitzender der Landesgruppe, lese ich von meinem „Spickzettel“ vor. Mein Gesprächspartner lacht.

Der Vollständigkeit halber bliebe noch zu erwähnen, dass ich seit 1976 Mitglied der Europäischen Vereinigung für Geldtransporte und -begleitung (ESTA) bin. Seit 1982 bin ich außerdem Mitglied des BDGW-Vorgängerverbandes und dann der 1989 gegründeten Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e.V. (BDGW). Von 1996-2004 war ich sogar Vorsitzender dieses Verbandes.

Da wäre noch die Sache mit der Ligue insistiere ich. Wie kamen Sie da hinein?

In der Tat, seit 1987 bin ich auch Mitglied im Verband Ligue Internationale des Sociétés de Surveillance, auf Deutsch: Weltverband der führenden Sicherheitsunternehmen. Von 1992 bis 1996 hatte ich dort auch eine Funktion im Vorstand. Diese Aufgabe hat nunmehr mein Sohn Friedrich übernommen. Aber Sie wollten wissen, wie ich in diesen honorigen Verband kam. Das war eigentlich ganz simpel. Irgendwann auf meinen Reisen hatte ich von diesem Verband gehört; es mag so um das Jahr 1984 gewesen sein. Nachdem ich bei dem ein oder anderen meiner Gesprächspartner mein Interesse für den Verband bekundet hatte, besuchte mich eines Tages Manuel Spreng aus der Schweiz, Inhaber der Securitas AG in Zollikofen bei Bern. Dessen Vater Jakob Spreng hatte 1934 die Ligue gegründet. Einige Zeit nach dem Besuch erhielt ich eine Einladung, mich bei einer Vorstandssitzung der Ligue vorzustellen, was ich auch mit Erfolg tat. Bereits ein Jahr später, auf der Vollversammlung der Ligue in Spanien, habe ich unser Unternehmen als Newcomer präsentiert. Und seit der Zeit sind wir aus Deutschland das einzige selbstständige Mitgliedsunternehmen der Ligue.

Lassen Sie uns die Zeit noch einmal etwas zurückdrehen. Ihr Besuch in den USA hatte ja auch Folgen für Ihr Unternehmen.

Nach meiner langen Zugfahrt nach Schweden hatte ich ja für mich beschlossen, es auch mal mit dem Fliegen zu probieren. Die Zeit kam 1966, als ich neben den europäischen Sicherheitsunternehmen nun auch ein amerikanisches besuchen wollte. Ich nahm deshalb Kontakt zu Pinkerton auf, über die ich schon einiges gelesen hatte. Auch wusste ich vom Versuch dieser Firma, in Deutschland Fuß zu fassen. Große verwertbare Erkenntnisse habe ich während meines Besuches nicht gewonnen. Allerdings brachte ich von meiner Reise eine technische Neuerung mit, ein sogenanntes Radar-Eye. Heute würde man sagen: Bewegungsmelder. Diese von Pinkerton entwickelte Technik zur Raumüberwachung war verblüffend. Wir haben das Gerät eine ganze Zeit lang in der dafür geschaffenen Abteilung Sicherheitstechnik in Lizenz gebaut und vertrieben. Und nachdem wir 1982 innerhalb von Essen schon wieder umgezogen waren, in den neuen Standort „Am Zehnthof 66“, erfolgte 1984 die Gründung der CSS Computer Security Service GmbH. Dort befasst man sich heute mit Dingen wie Wächterkontrollsystem, Mobile Datenerfassung, Besucherinformationssystem, Ausweiserstellung, Mechanischer Zugriffsschutz, Personalauswahl-Programme.  

Mich wundert, was mein Gesprächspartner immer wieder an Einzelheiten in die Gegenwart holt und werfe wieder einen Blick auf den „Spickzettel“.

1985: KÖTTER Cleaning wird gegründet

1990: Nach dem Fall der Mauer werden 16 Niederlassungen in den neuen Bundesländern gegründet.

Ein wichtiges Jahr ist sicherlich 1993…

…als die 3. Generation unserer Familie aktiv in das Unternehmen einsteigt. Meine Tochter Martina und mein Sohn Friedrich übernehmen Führungsaufgaben. Gleichzeitig erfolgt eine Umstrukturierung zur KÖTTER Unternehmensgruppe mit regionalen Unternehmen, um so durch die Präsenz vor Ort Kunden- und Mitarbeiternähe zu gewährleisten. Dabei wurde der Beirat der KÖTTER Unternehmensgruppe bestellt, dessen Vorsitzender ich dann wurde. Früher war ich Geschäftsführer für das gesamte Unternehmen. Heute gibt es für die verschiedensten Aufgaben oder Regionen Geschäftsführer, über deren Tätigkeit der Beirat wacht. Eine Holding, wie in solchen Fällen üblich, gibt es bei uns nicht. In unserer Gruppenkonstruktion stehen alle operativen Unternehmen nebeneinander. Bisher hat sich diese Umstrukturierung bewährt.

Und unaufhörlich, so scheint es, geht die Entwicklung weiter nach oben, was sich nicht nur am repräsentativen Neubau 1994, dem Stammsitz, an der Wilhelm-Beckmann-Str. 7 in Essen zeigt. 1997 folgt der Start mit KÖTTER Personal Service, zwei Jahre später die Gründung der KÖTTER Akademie, der Zusammenschluss  der Notruf- und Serviceleitstellen zum KÖTTER Net. Seit 2000 gibt ein KÖTTER Sicherheitsbeirat Flankenschutz und 2001 folgt der Start der KÖTTER Aviation Security − Sicherheitsdienste an Flughäfen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass das Familienunternehmen im Bereich der Justizdienstleistungen eine Vorreiterrolle übernommen hat – mit allen Anfeindungen aus gewerkschaftlichen, behördlichen und politischen Bereichen, obwohl Hoheitsrechte des Staates peinlichst nicht berührt werden.

Kein Zweifel, der Unternehmer Fritz Kötter hat sich längst aus dem Mittelfeld der Sicherheitsunternehmer Deutschlands befreit. Er hat das größte inhabergeführte Sicherheitsunternehmen Deutschlands und eine Dienstleistungsgruppe mit insgesamt über 15.000 Mitarbeitern geschaffen. Dass er bereits 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt, halten auch seine Kritiker für gerechtfertigt.

Mir liegen abschließend noch zwei Fragen an den Senior des Hauses KÖTTER auf der Zunge: Was war sein negativstes Erlebnis in dem geschilderten arbeitsreichen Leben? 

Ich habe das Ereignis bereits zu Anfang erwähnt. Es war Mitte der 60er Jahre der Verlust des Großauftrages bei der Bundesbahn. Seit 1958 hatte der Westdeutsche Wach- und Schutzdienst Fritz Kötter Sicherungsposten an den Gleisen gestellt. 1965, als wir über 700 Beschäftigte in diesem Bereich hatten, traf die Bahn dann unerwartet die Entscheidung, dies wieder in Eigenregie aus­zuführen. Innerhalb von gerade einmal zwei Monaten wurde die Zusammenarbeit beendet, und wir mussten uns von den meisten Mitarbeitern trennen. Zudem waren wir gezwungen, uns völlig neu aufzustellen, um als Unternehmen langfristig eine Chance zu haben. Damit verdeutlicht das Beispiel rückblickend, dass solche Rückschläge immer auch Chancen bieten. Denn dies gab den Anstoß zur Diversifizierung, um ähnlich starke Abhängigkeiten künftig zu vermeiden. Erste Schritte waren 1966 das Angebot von Sicherheitstechnik und wenige Jahre später die Grün­dung des Fachbereichs Geld & Wert. Wie die weitere Entwicklung unserer Unternehmensgruppe zeigt, sind wir mit dieser Marschroute gut gefahren.

Und zum guten Schluss noch ein Ereignis, an das er immer gerne zurückdenkt?

Ich habe an vielen Stellen Glück gehabt in meinem Leben. Vor allem mit den vielen guten und loyalen Mitarbeitern, die uns in all den Jahren geholfen haben, die Gruppe aufzubauen. Das allergrößte Geschenk ist aber, dass ich Ende der 50er Jahre im Essener Turn- und Fechtklub, ETUF, meine Frau Elisa kennengelernt habe. Die Leidenschaft für das Rudern hat uns damals zusammengeführt. 1961 haben wir geheiratet und sind bis zu ihrem viel zu frühen Tod vor drei Jahren, der mich tief getroffen hat, gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Ohne ihre Unterstützung wäre es kaum möglich gewesen, solch eine Unternehmensgruppe aufzubauen. Als eines von vielen Beispielen möchte ich die Wendejahre 1989/90 mit Mauerfall und Wiederver­einigung anführen. Damals haben wir zwischen dem am 1. Juli 1990 erfolgten Start der Wirtschafts- und Währungsunion und Weihnachten 1990 allein 16 Niederlassungen in Ostdeutschland gegründet. Dieser Schritt war eine riesige Herausforderung, da wir alle von den politischen Ereignissen regelrecht überrollt wurden. Einerseits galt es kühlen Kopf zu bewahren, um die langfristig richtige Entscheidung zu treffen. Andererseits wollten wir keine Zeit und mög­lichen Chancen verschenken. Hier war meine Frau eine ganz entscheidende Ratgeberin – gemeinsam waren wir uns schnell einig, auch hier mutig die Gunst der Stunde zu nutzen.

Es gibt sie noch, die einfachen Wahrheiten: Dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht. Eine abschließende Frage gestatte ich mir aber doch noch: Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Es ist das gleiche, mit dem Sie Ihre Zeitschriften verkaufen!

 

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Autor: Helmut Brückmann
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